BMW X5 4.4i, Jeep Grand Cherokee 4.7, Mercedes ML 430

Stark und dynamisch tritt mit dem BMW X5 4.4i ein Geländewagen an, der in erster Linie für feste Straßen konzipiert ist. Taugt das Konzept, um gegenüber den echten Offroadern Mercedes ML 430 und Jeep Grand Cherokee 4.7 zu bestehen?

Marktforscher wissen es ganz genau: 90 Prozent
aller Geländewagen bewegen sich ausschließlich auf befestigten Straßen. Nur jeder zehnte Fahrer nutzt die Möglichkeiten, die Reduktionsgetriebe und Differenzialsperren bieten.

Dieser Vergleichstest wendet sich an die statistische Mehrheit. Wer sich an ernsthaften Wühlereien und am Kitzel Furcht erregender Steigungen erfreuen will, kann den neuen BMW X5 gleich vergessen.

Eine zuschaltbare Geländeübersetzung besitzt der X5 nicht. Obwohl er mit seinem mächtigen Aufbau daherkommt wie ein Offroader der kernigen Sorte, ist für das Vorwärtskommen unter erschwerten Bedingungen ausschließlich der Bremseneingriff an einzelnen Rädern beim Auftreten von Schlupf zuständig.

Die ML-Modelle von Mercedes haben diese Technik als erste salonfähig gemacht. Die M-Klasse besitzt aber immerhin eine per Schalter im Armaturenbrett elektrisch zuschaltbare Low Range.

Damit kommt der Mercedes noch weiter, wenn der BMW die Segel streichen muss. Aber von optimaler Geländegängigkeit ist auch er weit entfernt. Dafür ist bei Daimler-Chrysler das G-Modell zuständig.

Oder auch der Jeep Grand Cherokee. Der tritt jetzt mit neuem Allradsystem (siehe Technik erklärt auf Seite 48) an. Dieses sorgt dafür, dass noch Vortriebskraft zur Verfügung steht, wenn nur ein Rad Grip vorfindet. Unterstützt durch ein kurz übersetztes Reduktionsgetriebe ist der Jeep der Meister des groben Einsatzes. Er bewältigt lässig Schwierigkeiten, die seine Konkurrenten hilflos mit den Rädern scharren lassen.

Der Mercedes ist im Nachteil, weil der Bremseneingriff erst beim Auftreten von Schlupf einsetzt. Das schränkt die Möglichkeit ein, mit wenig Gas über Hindernisse zu krabbeln. Mit seiner normalen Straßenübersetzung muss der BMW noch früher kapitulieren. Sein Vorteil gegenüber einem allradgetriebenen Kombi beschränkt sich auf die höhere Bodenfreiheit.

Auch in dieser Beziehung hat der starrachsige Jeep einen Vorteil gegenüber seiner Konkurrenz, bei der alle Räder einzeln an Querlenkern aufgehängt sind. Dadurch verringert sich die Bodenfreiheit beim Einfedern, während sie bei den Starr­achsen konstant bleibt.

Die moderne Fahrwerkskonstruktion von BMW und Mercedes zahlt sich dafür auf der Straße aus. Die Fahreigenschaften und auch der Federungskomfort sind besser als beim Jeep.

Der zeigt in Wechselkurven starke Wankbewegungen, die ihn zwar auch unter den extremen Bedingungen der Fahrdynamikversuche nicht in kritische Situationen bringen, aber auf unvorbereitete Fahrer be-ängstigend wirken können.

Der Federungskomfort leidet unter einer typischen Eigenschaft des Starrachs-Fahrwerks. Wenn der Jeep einseitig einfedert, ergibt sich eine gewöhnungsbedürftige Horizontal-Bewegung. Abgesehen davon darf man den Jeep-Technikern attestieren, dass sie der rustikalen Konstruktion ein ordentliches Federungsverhalten anerzogen haben.

Fazit

1. BMW X5
558 Punkte

In Handling und Fahreigenschaften auf der Straße setzt der BMW neue Maßstäbe im Segment der großen Geländewagen. Das Platzangebot der Karosserie überzeugt ebenso wie der Fahrkomfort und der starke Motor. Abseits befestigter Straßen stößt der X5 allerdings wegen der fehlenden Geländeübersetzung schnell an seine Grenzen.

3. Jeep Grand Cherokee
527 Punkte

Die hervorragenden Geländeeigenschaften des Jeep haben ihren Preis. Fahreigenschaften und Komfort auf der Straße erreichen nicht ganz das hohe Niveau von BMW und Mercedes. Der Jeep-Achtzylinder ist durchzugskräftig, wird aber im oberen Drehzahlbereich brummig. Der Verbrauch liegt noch höher als bei der Konkurrenz.

Übersicht:
Technische Daten
BMW X5 4.4i Jeep Grand Cherokee 4.7 4x4 Limited Mercedes ML 430
Grundpreis 57.623 € 47.601 € 55.680 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 4667 x 1872 x 1707 mm 4611 x 1858 x 1805 mm 4587 x 1833 x 1776 mm
KofferraumvolumenVDA 465 bis 1550 l 1104 bis 2047 l 633 bis 2020 l
Hubraum / Motor 4398 cm³ / 8-Zylinder 4701 cm³ / 8-Zylinder 4266 cm³ / 8-Zylinder
Leistung 210 kW / 286 PS bei 5400 U/min 162 kW / 220 PS bei 4700 U/min 200 kW / 272 PS bei 5750 U/min
Höchstgeschwindigkeit 207 km/h 200 km/h 210 km/h
0-100 km/h 7,4 s 8,6 s 9,0 s
Verbrauch 13,9 l/100 km 15,6 l/100 km 13,9 l/100 km
Testverbrauch 16,3 l/100 km 17,0 l/100 km 16,7 l/100 km
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