BMW X5 gegen Range Rover und VW Touareg

Foto: Hans-Dieter Seufert

Frisch modifiziert tritt der BMW X5 4.4i gegen Range Rover und VW Touareg V8 an. Ein Geländewagen-Trio mit über 900 PS Leistung und einem Gesamtwert von über 195.950 Euro.

Warum wird der schwere Allrad-Wagen so gern gekauft? Weil er den cooleren Auftritt hat als Durchschnittsware und er genau das Auto ist, vor dem uns unsere sparsamen Eltern immer gewarnt haben. Schließlich kann man mit dem großen SUV (Sport Utility Vehicle), wie die moderne Variante des Geländewagens auch genannt wird, so allerhand machen, aber sicher nicht sparen. Schon gar nicht, wenn man ihn mit einem über 300 PS starken V8 ordert – Benzinmotor, versteht sich. Ein Blick auf die Einstandspreise von BMW X5 4.4i, Range Rover 4.4 und VW Touareg V8 mit Luftfederung zeigt, dass hier automobile Oberklasse unterwegs ist, bei der unter 61.700 Euro (Touareg) nichts geht. Dafür gibt es allerdings schon serienmäßig Annehmlichkeiten, die aufpreispflichtige Extras eigentlich überflüssig machen. Doch gerade in dieser Klasse ist der Wunsch nach ­Individualisierung groß. Der BMW-Fahrer wünscht normalerweise Ledersitze, und für die muss er ebenso extra bezahlen wie der VW-Fahrer für die gängige Metallic-Lackierung oder ein Range Rover-Besitzer für die gern georderten Xenonscheinwerfer. Die Zubehörlisten sind lang, die Preise gesalzen. Erfreulich ist, dass fast alles, was an Bord kommt, dort auch mit viel Sorgfalt eingebaut wird, denn die Verarbeitungsqualität der drei Testwagen wirkt auf den ersten Blick sehr gut. Dennoch gibt es im Detail Verbesserungsmöglichkeiten. Die im BMW verwendeten Materialien fallen trotz Modellpflege etwas hinter jene der Konkurrenz zurück, sowohl optisch wie haptisch. Auch der VW ist nicht ohne Fehl. Bei ihm öffnet sich die linke vor­dere Seitenscheibe gelegentlich wie von Geisterhand. Offensichtlich eines der überall um sich greifenden Elektronik-Probleme. Außerdem entwickelt er bei hohen Geschwindigkeiten an eben jener Scheibe kräftige Windgeräusche – ein Makel, den zuvor getestete Exemplare nicht aufwiesen.

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Vergleichstest BMW X5 4.4i, VW Touareg V8, Range Rover 4.4
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Windgeräusche sind dem Range fremd, obwohl sein Äußeres so windschlüpfig wie ein englisches Landhaus wirkt. Überhaupt gibt es bei ihm qualitativ kaum etwas zu bemängeln – sieht man mal vom matt lackierten Zierholz ab, das in dieser Form längst nicht jedermanns Geschmack trifft. Dafür weisen alle Testwagen mit ihren völlig klapperfreien Karosserien ein hohes Maß an Verwindungssteifigkeit auf – was man bei diesen Preisen auch erwarten darf. Im VW ist der gebotene Raum überdurchschnittlich, freilich wird er vom Range Rover in dieser Disziplin locker ausgestochen. Der noble Brite setzt sowohl beim Platzangebot für die Passagiere wie auch für das Gepäck den Maßstab. Immerhin darf man in den VW noch einen guten Zentner mehr ein­laden. Bei der Zuladung und der in dieser Kategorie so wichtigen Anhängelast fällt der X5 kräftig ab, und weil er seine Passagiere auch nicht so luftig aufnimmt wie die Konkurrenz, bleibt ihm nach der ersten Teilbewertung nur der letzte Platz. Auch im Kapitel Bedien­sicherheit tut sich der frisch ­renovierte BMW schwer. Der Grund: das umständlich zu bedienende Navigationssystem des Testwagens. Seine Menü­führung ist derart umständlich, dass sie über Gebühr Aufmerksamkeit erfordert. Radio und Bordcomputer sind zwar in das Sys­tem integriert, aber das macht die Sache nicht besser. Im Range Rover wird ein fast identisches Gerät angeboten, das aber den Vorteil des hoch liegenden Bildschirms aufweist. Hier kann man sich eher aus dem Augenwinkel durch die Strukturen arbeiten als beim X5 mit dem tief montierten Monitor. Im VW lässt sich das Navigationssystem leichter programmieren. Dafür überfordert der Touareg das Auge mit winziger Beschriftung auf Tacho und Co. Dicke Chromringe um die kleinen Zusatzinstrumente beschränken zudem die mögliche Skalengröße. Erfreulich, dass es an den Sitzen kaum etwas auszusetzen gibt. Große Fauteuils nehmen Fahrer und Passagiere auf, die im BMW den meisten und im Range den geringsten Seitenhalt geboten bekommen. Bequem sind alle Sitzmöbel. Zum guten Komforteindruck passen die Fahrwerke. Dabei stellt BMW den besten Kompromiss aus weicher Federung und sportlicher Abstimmung dar. Der aktuelle X5 vermittelt beispielhaft, dass ein hohes, schweres Auto gleichzeitig straff und kommod sein kann. Poltern oder Stuckern ist bei ihm nur in geringem Maß zu spüren, dennoch halten sich seine Karosserie-Bewegungen bei schneller Kurvenfahrt in sehr engen Grenzen. Er fährt sich beinahe wie eine Limousine.

Der straff gefederte VW fällt hier besonders im unbeladenen Zustand spürbar ab. Sein hölzernes Ansprechen auf kurze Wellen wird allerdings be­laden eine Spur geschmeidiger und nähert sich dem des weich ausgelegten Range Rover an, der seinen Komfort mit starken Aufbau-Bewegungen erkauft. Er kann seine Auslegung in Richtung Offroad nicht verleugnen und schaukelt bedingt durch lange Federwege und weiche Stabilisatoren in Kurven kräftig, bietet als Ausgleich abseits der Straße aber den besten Komfort. Darunter leidet die Fahrdynamik. Von Handlichkeit keine Spur, bereitet es mit dem Range wenig Spaß, zügig auf kleinen gewundenen Landstra­ßen unterwegs zu sein. Sie sind das Revier von X5 und Touareg. Dabei lässt sich der VW trotz ähnlicher Testwerte bei den Fahrversuchen im wirklichen Leben nicht ganz so dynamisch bewegen wie der BMW. Obwohl der X5 mit vier Produktionsjahren mehr als die Hälfte seines Lebenszyklus hin­ter sich hat, liegt er dank der jüngsten Modellpflege im Antriebskapitel vorn. Der neue V8 mit Valvetronic-Ventilsteuerung kann alles besser als die Motoren der Konkurrenz, und er harmoniert wirklich vorbildlich mit der Sechsstufen-Automatik. Gangwechsel erfolgen weich und zum richtigen Zeitpunkt. Der schwächere VW-V8 wirkt dagegen gemeinsam mit der hektisch, aber weich schaltenden Automatik zu unsouverän und klingt erstaunlich blechern. Der Rover-V8 wiederum erweckt in Kombination mit der zögerlich agierenden Automatik einen phlegmatischen Eindruck und irritiert seine Insassen darüber hinaus mit harten, lauten Geräuschen bei hohen Drehzahlen. Die extremen Verbräuche von Range und Touareg stellen weitere Tiefpunkte dar. Beim Bremsen schlagen sich immerhin zwei der Riesen trotz ihres hohen Gewichts pas­sabel, nur der Range hat das Nachsehen. Seine Bremsen neigen unter Dauerlast sogar zum Fading, was heute nicht mehr passieren sollte. Finger weg von den großen Allradlern? Nein, denn die drei entpuppen sich als zuverlässige Wegbegleiter für fast jede Situation. Als automobile Schweizer Taschenmesser bieten sie sozusagen serienmäßig Perlmutt-Griffschalen statt der roten Standard-Ware.

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Technische Daten
VW Touareg V8 Luftfederung BMW X5 4.4i Range Rover 4.4 Vogue
Grundpreis 66.500 € 62.800 € 88.400 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 4754 x 1928 x 1703 mm 4667 x 1872 x 1707 mm 4950 x 1956 x 1863 mm
KofferraumvolumenVDA 555 bis 1525 l 465 bis 1550 l 535 bis 1756 l
Hubraum / Motor 4172 cm³ / 8-Zylinder 4398 cm³ / 8-Zylinder 4398 cm³ / 8-Zylinder
Leistung 228 kW / 310 PS bei 6200 U/min 235 kW / 320 PS bei 6100 U/min 210 kW / 286 PS bei 5400 U/min
Höchstgeschwindigkeit 225 km/h 210 km/h 208 km/h
0-100 km/h 8,5 s 7,8 s 8,9 s
Verbrauch 14,8 l/100 km 13,1 l/100 km 16,2 l/100 km
Testverbrauch 18,5 l/100 km 15,5 l/100 km 17,3 l/100 km
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