BMW Z3 1.8, Fiat Barchetta 1.8 Limited Edition, Mazda MX-5 1.9

Stilistisch überarbeitet und mit stärkerem Basismotor stellt sich der BMW Z3 1.8 seiner Konkurrenz: dem Fiat Barchetta in der Limited-Version und dem bereits zum Klassiker gereiften Mazda MX-5.

Selbst müde Tester werden munter, wenn es um eine Vergleichsfahrt mit offenen Sportwagen geht. Das Vergnügen, das die offenen Zweisitzer versprechen, hat eine magische Anziehungskraft.

Leider scheint sich die mit der Zuverlässigkeit einer Schweizer Uhr auch auf lauernde Tiefdruckgebiete auszuwirken: Als die drei Funmobile die Tiefgarage verlassen, schüttet es wie aus Kannen. Die Dächer bleiben also drauf. Alle erweisen sich auch bei wolkenbruchartigem Regen als dicht. Nur die Geräuschentwicklung ist unterschiedlich.

Beim Fiat und beim BMW verursacht der Fahrtwind ein nervendes Getöse, das Mazda- Dach macht weniger Lärm. Das ereignislose Cruisen auf der Autobahn schärft den Testerblick für jene Dinge, die beim sportlichen Frischluft- Spaß auf kurvigen Landstraßen in den Hintergrund treten. Das Armaturenbrett des Fiat, so die einhellige Meinung, bietet zwar den attraktivsten Anblick, aber auch die geringste Funktionalität.

Die hell unterlegten Instrumente sind im Zwielicht der dunklen Wolken kaum abzulesen. Und die kümmerlichen Scheibenwischer stehen der Wasserflut ziemlich hilflos gegenüber. Das Interieur des Mazda passt zum Wetter. Tristes Schwarz herrscht hier vor, selbst die freundlichen Chromringe um die Instrumente, die der Vorgänger besaß, gibt es bei der facegelifteten zweiten Generation nicht mehr. Rein sachlich gibt es an der Plastik-Einöde nichts auszusetzen: Die Anzeigen sind klar abzulesen, die Bedienungselemente sitzen genau da, wo man sie erwartet. Der BMW bietet dem Auge mehr, allerdings nur in Verbindung mit dem Chromline-Interieur, für das 280 Mark zum oh- nehin schon stattlichen Grundpreis hinzukommen.

Sehr funktionell ist auch er gestaltet, wenn man davon absieht, dass das Lenkrad zu groß ist und für kurzgewachsene Fahrer zu hoch im Raum steht. Die bessere Sitzposition lässt sich im Fiat finden, der auch die bequemsten Sessel bietet. In der getesteten Version „Limited Edition“, die 4490 Mark mehr kostet als die Basisausführung, sind sie sogar mit Leder bezogen, womit sich der Fiat die meisten Punkte in der Ausstattungswertung sichert. Langstrecken werden auch auf den BMW-Sitzen nicht zur Plage.

Nur die des Mazda fallen durch kümmerliche Polsterung und geringe Seitenführung auf. Wer 1,80 Meter oder mehr misst, würde gern ein paar Zentimeter tiefer sitzen. Die wenig befahrenen und deshalb von den Straßenbauern vernachlässigten Teststrecken zwischen Schwarzwald und Schwäbischer Alb runden das Bild weitgehend gleichwertiger Karosserie-Eigenschaften ab.

Auf holpriger Piste vermag keiner vollkommen zu überzeugen. Bei allen gerät der Aufbau ins Zittern. Früher hätte man das als cabriotypisch abgetan, aber jüngere Konstruktionen beweisen eben, dass das fehlende Blechdach die Stabilität des Aufbaus nicht spürbar beeinträchtigen muss.

Den qualitativ besten Eindruck hinterlässt insgesamt der Mazda. Der Himmel hat ein Einsehen, die Dächer können zurückgeklappt werden. Das geht bei allen vorbildlich leicht. Trotzdem Vorteil Fiat: Er besitzt eine feste Verdeckklappe, bei Mazda und BMW sollte eine Persenning montiert werden.

So mancher verzichtet darauf, denn die Handhabung ist weder beim schwarzen Jammerlappen des MX-5 noch bei der sperrigen Hülle des Z3 ein Vergnügen. Als Strafe gibt es später ein unansehnlich verschmutztes Verdeck und – beim BMW – ein verkratztes Heckfenster. Die beheizbare Glasscheibe des Mazda ist da ein klarer Vorteil. Landstraßen mit vielen Kurven sind die klassische Spielwiese der Roadster. Hier wird Fahrspaß definiert, wobei das Ergebnis teilweise konträr zu den objektiv bewertbaren Kriterien ausfällt.

Das beste Beispiel dafür liefert der Mazda. Schon bei vergleichsweise geringen Kurvengeschwindigkeiten wedelt er fröhlich mit dem Heck. Den Kurs gibt nicht nur die flinke Lenkung vor, sondern auch das Gaspedal. Das widerspricht der modernen Definition von problemloser Fahrsicherheit, verspricht aber Fahrern, die mit den Grundlagen der Fahrphysik vertraut sind, höchstes Vernügen. Der MX-5 steht damit unverkennbar in der Tradition der klassischen Briten-Roadster. Auch was den Federungskomfort angeht. Gemessen an Fiat und BMW, die Bodenwellen bereitwillig ausbügeln, ist der Mazda ein harter Bock. Auf schlechten Straßen wird er geritten, nicht gefahren. Der Fiat verhält sich gesitteter.

Dafür müssen geringfügige Abstriche im Handling gemacht werden. Ganz so quirlig wie der Mazda wirkt er nicht, aber es gelingt ihm immerhin, all jene zu überraschen, die angetriebene Vorderräder bei einem Sportwagen für ein Sakrileg halten. Die übersteuernden Einlagen des MX-5 sind ihm natur- gemäß fremd, aber das Eigenlenkverhalten beweist eine sportliche Neutralität. Die Lenkung arbeitet leichtgängig und zielgenau. Antriebseinflüsse werden nur bei vollem Leistungseinsatz in engen Kurven spürbar. Ausgerechnet der BMW, Produkt einer Firma, die sich traditionell der Fahrdynamik verpflichtet fühlt, fällt gegenüber seinen Konkurrenten ab. Fahrsicher ist er, dafür sorgt schon die serienmäßige Antriebsschlupfregelung.

Aber seine Handlichkeit lässt zu wünschen übrig. Der Z3 fährt sich limousinenhaft, seine Lenkung spricht träger an. Er präsentiert sich als braver Zweisitzer, nicht als Sportwagen im strengen Sinn.

Das unterstreicht auch die Motorisierung des Basismodells. Der zweiventilige Vierzylinder, in der neuesten Ausführung auf 118 PS erstarkt, gehört zu den kultiviertesten seiner Bauart. Auch der Verlauf seiner Drehmomentkurve und der niedrige Normverbauch sprechen für eine gekonnte Konstruktion. In der Praxis allerdings schluckt der BMW-Motor am meisten Benzin. Er muss sich im direkten Vergleich anstrengen, denn der Z3 schleppt mit Abstand am meisten Gewicht mit sich herum. Kein Wunder, dass das Temperament des Antriebs in krassem Gegensatz zur kraftvollen Karosserie-Optik steht. Was wie ein Nachkomme des legendären Cobra auftritt, entpuppt sich bei näherer Bekanntschaft als Blindschleiche. Der Mazda-Vierzylinder passt gut zum kernigen Charakter des japanischen Sportwagens. Im oberen Drehzahlbereich wird er sehr laut, kräftige Vibrationen ergänzen das Bild eines rauen, aber herzlichen Gesellen. Aber dafür schiebt der Vierventiler schon bei geringer Drehzahl kraftvoll an und ermöglicht die besten Fahrleistungen.

Der Fiat-Motor verbindet die besten Manieren beider Welten. Er läuft nicht so ruppig Basismowie das Mazda-Triebwerk, entwickelt aber spürbar mehr Temperament als der zivil nuschelnde BMW-Vierzylinder. Im Verbrauch markiert er mit 8,5 Liter/ 100 Kilometer den Bestwert. Nicht zuletzt deshalb gelingt dem Fiat ein Überraschungsschlag: In der Eigenschaftswertung setzt er sich, wenn auch mit denkbar knappem Vorsprung, an die Spitze. Doch dann schlägt, in den verbleibenden Wertungen für Umwelt und Kosten, der BMW zu.

Sekundärtugenden, die ein gutes Auto, aber nicht unbedingt einen guten Sportwagen ausmachen, spülen ihn an die Spitze. Dem Mazda MX-5, der wegen fadingempfindlicher Bremsen und erhöhtem Schadstoffausstoß (Euro II) Federn lassen muss, bleibt der Ruhm des Copyrights: Ohne seinen weltweiten Verkaufserfolg würde es die beiden anderen womöglich gar nicht geben.

Fazit

1. BMW Z3 1.8
569 Punkte

Als kultiviertes Cabrio mit guten Allroundeigenschaften sammelt der BMW die meisten Punkte. Die Wertungen von Umwelt und Sicherheit bringen ihn nach vorn. Für konsequente Sportwagen-Freaks ist er aber nicht die erste Wahl. Vor allem die Antriebsqualitäten enttäuschen.

2. Fiat Barchetta 1.8
559 Punkte

Trotz Frontantrieb beweist der Fiat sportwagengerechte Fahreigenschaften. Er bietet eine gute Ausstattung fürs Geld, einen ordentlichen Fahrkomfort und einen ebenso leistungsfreudigen wie sparsamen Motor. Sein grösster Nachteil sind die unverhältnismäßig hohen Festkosten

3. Mazda MX-5 1.9
557 Punkte

Der Initiator der modernen Roadster-Bewegung ist immer noch ein Meister des sportlichen Fahrvergnügens. Wer dies genießen will, muss aber zu Zugeständnissen bereit sein. Der MX-5 ist ein altmodischer Übersteuerer, seine Federung bretthart, der Motor laut und unkultiviert

Technische Daten
BMW Z3 1.8 Mazda MX-5 1.9 Fiat Barchetta 1.8 16V
Grundpreis 24.465 € 22.747 € 20.503 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 4050 x 1740 x 1288 mm 3975 x 1680 x 1225 mm 3916 x 1640 x 1265 mm
KofferraumvolumenVDA 165 l 144 l 165 l
Hubraum / Motor 1895 cm³ / 4-Zylinder 1840 cm³ / 4-Zylinder 1747 cm³ / 4-Zylinder
Leistung 87 kW / 118 PS bei 5500 U/min 103 kW / 140 PS bei 6500 U/min 96 kW / 131 PS bei 6300 U/min
Höchstgeschwindigkeit 196 km/h 205 km/h 200 km/h
0-100 km/h 10,7 s 8,5 s 9,1 s
Verbrauch 7,8 l/100 km 8,5 l/100 km 8,4 l/100 km
Testverbrauch 9,7 l/100 km 9,3 l/100 km 8,5 l/100 km
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