BMW Z3 2.2i gegen Mercedes SLK 200 Kompressor

Foto: Achim Hartmann

Es muss nicht immer Kaviar sein. Gerade beim Roadster genügen oft schon bescheidene Zutaten, um den ersehnten Genuss zu verschaffen. BMW und Mercedes machen es vor: Z3 2.2i gegen SLK 200 Kompressor – aus Freude am Sparen.

Man kann es nicht oft genug wiederholen: Die viel beschworene Freude am Fahren ist nicht zwangsläufig eine Frage der PS-Zahl. Die Freude am Offenfahren schon gar nicht. So mögen Cabrio-Fahrer zwar zu äußerlich sportiven Autos neigen, in der Mehrzahl der Fälle aber rollt man ruhig und beschaulich dahin und entwickelt wenig Ehrgeiz, neue Bahnrekorde aufzustellen.

Die populären Roadster von BMW und Mercedes sind Musterbeispiele dafür. Natürlich spricht nichts dagegen, sich einen SLK 320 für knapp 79.000 Mark oder gar einen SLK 32 AMG für über 111.000 Mark zu gönnen. Gleichwohl genügt schon das Basismodell, der SLK 200 für 61.030 Mark, um das Auto von seiner besten Seite kennen zu lernen. Wer darauf hofft, das Vergnügen würde proportional zur Leistung und zum Preis ansteigen, der irrt.

Ganz ähnlich die Erfahrungen mit dem Z3. Es muss kein M Roadster sein, um Spaß an der Freude zu haben, schon gar nicht, seit BMW dem Modellprogramm die 2,2-Liter-Variante hinzufügte. Der dazugehörende kleine Sechszylinder passt blendend und lässt mit seinen 170 PS keinerlei Leistungssorgen aufkommen. 55.700 Mark kostet ein solcher Z3 und ist obendrein manierlich ausgestattet einschließlich der beim Mercedes aufpreisbehafteten 16-Zoll-Räder.

Der SLK kontert mit seinem serienmäßigen Hardtop und bietet dazu ohne Aufpreis Überrollbügel und Tempomat. Die auch im Cabrio an heißen Tagen willkommene Klimaanlage aber wird bei beiden extra berechnet.

Fürs Temperament ist im SLK der bei Mercedes mannigfaltig verwendete Zweiliter-Kompressormotor zuständig.163 PS werden dem Vierzylinder zugestanden, wobei es sich offensichtlich um besonders gesunde Pferde handelt, denn in der Beschleunigung lässt der SLK den nominell stärkeren, aber gewichtsgleichen Z3 hinter sich. 7,9 Sekunden für den Spurt von null auf Tempo 100, da kann von mangelnder Dynamik wahrlich nicht die Rede sein.

Als Glanznummer entpuppt sich indessen das schöne Drehmoment. Schon im Drehzahlkeller schiebt er dank mechanischer Aufladung kräftig an, und bei 2.500/min stehen 230 Nm zur Verfügung, 20 mehr als im BMW, der dazu auch noch eine höhere Drehzahl benötigt (3.500/min).

Dennoch ist es nicht der Kompressorantrieb von Mercedes, sondern der Reihensechszylinder von BMW, der eitel Fahrfreude bereitet. Beim Gasgeben nimmt er im Gegensatz zum verhalten reagierenden SLK-Motor augenblicklich die Arbeit auf, und spätestens ab 3.000/min ist unverkennbar, dass in den Zylindern Hochstimmung herrscht. Drehwilligkeit und Laufkultur sind exemplarisch, und dazu gesellt sich jener reizvolle Sound, der nach hochkarätiger Motorentechnik klingt.

Dagegen benimmt sich der Vierzylinder im SLK unauffällig wie ein Generator – gelassen, effizient, aber emotionslos. Der seidige Lauf des BMW-Pendants ist ihm fremd, doch dank des lang übersetzten sechsten Gangs ist vom Motor bei konstanter Fahrt wenig zu hören. Z3-Fahrer müssen sich hingegen mit nur fünf Übersetzungen begnügen, aber dafür kommen sie in den Genuss einer präziseren Schaltung. 

Der Nachteil der höheren Drehzahlen zeigt sich im Verbrauch. Mit 11,6Liter/100 km schluckt der Z3 im direkten Vergleich einen knappen Litermehr als der SLK. Daran gemessen fällt denn auch das Tankvolumen mit 51Litern (im SLK: 60 Liter) ziemlich knapp aus.

Vom spärlicherenPS-Angebot abgesehen entsprechen beide Kontrahenten in allenwesentlichen Details ihren üppiger motorisierten Schwestermodellen. Inpuncto Gegenwert sind sie folglich eindeutig im Vorteil. Die Vorzügedes SLK zeigen sich vor allem im Karosseriebereich. Mit seinem Hardtop,das auf Knopfdruck im Kofferraum verschwindet, bietet er perfektenBedienungskomfort. Außerdem offeriert er bei geschlossenem Dach echteCoupé-Qualitäten, auch im Geräusch.

Der BMW hingegen wartetbei schneller Fahrt mit Phonzahlen auf, die von den Insassen auf Dauerschwer zu verkraften sind. Auch in Sachen Verdeckbetätigung kann er demSLK nicht das Wasser reichen. Der manuelle Öffnungsakt (elektrischeBetätigung: 1.450 Mark) ist zwar unkompliziert und dauert nur wenigeSekunden, aber danach gilt es eine sperrige Abdeckung aus demKofferraum zu fischen und zu montieren, was im Vergleich geradezuvorsintflutlich anmutet.

Für größere Urlaubsfahrten empfiehlt sich beim Z3 die Gepäckbrücke aufder Heckklappe (499 Mark), denn das Ladevolumen darunter ist mit 165 Litern mehr als bescheiden. Im Mercedes verbleiben unter demzusammengefalteten Hardtop zwar auch nur 145 Liter, aber immerhin können im geschlossenen Zustand 348 Liter verstaut werden – geschlossen anrücken, um dann offen zuzuschlagen lautet hier die Devise. Deutlich geräumiger geht es auch im Innenraum des Mercedes zu. Im BMW heißt es, die Ellenbogen militärisch anzulegen. Aber auch die Sitzposition und die Komfortqualitäten des Sitzmöbels sind im Z3 weniger kommod, was zusammen mit dem ungestüm durchs Cockpit wirbelnden Fahrtwind den Eindruck unterstreicht, es mit einem Roadster nach klassischem Vorbild zu tun zu haben.

Das macht den BMW nicht unsympathischer, aber unkomfortabler, zumalauch die Federung die Passagiere mehr beansprucht. Der Mercedesverwöhnt dagegen mit einem Gesamtkomfort, der fast schon gutesLimousinen-Niveau erreicht, wobei der steifere und daher weniger zumZittern neigende Aufbau zusätzlich Ruhe ins Auto bringt.

Dafür ist es der BMW, der das Fahrerherz höher schlagen lässt. Er bewegt sich leichtfüssiger und ist kurvenwilliger, seine Lenkung wirkt präziser und vermittelt mehr Fahrbahnkontakt. Allerdings macht die Karosserie im Gegensatz zum SLK einen recht weichen Eindruck, und ihre Verwindungen wirken sich negativ auf die Kursstabilität aus. Wo der SLK stoisch des Weges zieht, bedarf der Z3 ständiger Lenkkorrekturen, was die Fahrsicherheit zwar nicht beeinträchtigt, aber etwas mehr Konzentration erfordert. Als nützliches Kontrollorgan für Extremfälle verfügen der Mercedes und seit kurzem auch der BMW serienmäßig über ESP.

So wird denn auch die Entscheidung wieder einmal zur Geschmacksfrage.Wer vor allem eines will, nämlich Spaß, der soll ruhig zum Z3 greifen – schon wegen der sechs Zylinder. Wer aber das bessere Auto sucht, der ist beim SLK an der richtigen Adresse. Siehe Punktekonto.

Fazit

1. Mercedes SLK 200 Kompressor
479 Punkte

Er ist der Roadster für jede Jahreszeit, Cabrio und Coupé in einem. Hinzu kommen die guten Komfortqualitäten, ordentliche Fahrleistungen und ein akzeptabler Verbrauch. Was will man mehr? Etwas mehr Freude am Fahren vielleicht.

2. BMW Z3 2.2i
452 Punkte

Das Beste an ihm ist sein Motor. Ein kleines Juwel: spritzig, sahnig, wohlklingend. Ansonsten orientiert sich der Z3 an traditionellen Roadster-Tugenden: sportliches Handling bei bescheidenem Komfort, wenig Platz im zugigen Cockpit.

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Technische Daten
BMW Z3 2.2i Mercedes SLK 200 Kompressor
Grundpreis 28.500 € 32.248 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 4050 x 1740 x 1293 mm 4010 x 1712 x 1260 mm
KofferraumvolumenVDA 165 l 348 l
Hubraum / Motor 2171 cm³ / 6-Zylinder 1998 cm³ / 4-Zylinder
Leistung 125 kW / 170 PS bei 6250 U/min 120 kW / 163 PS bei 5300 U/min
Höchstgeschwindigkeit 224 km/h 223 km/h
0-100 km/h 8,2 s 7,9 s
Verbrauch 9,3 l/100 km 9,5 l/100 km
Testverbrauch 11,6 l/100 km 9,8 l/100 km
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