BMW Z4 M Roadster im Test

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Foto: Hans-Dieter Seufert 15 Bilder

Die Bayern lassen die Muskeln spielen – mit einem optisch dezenten, aber 343 PS starken Roadster der M GmbH. Fragt sich nur: Ist er ein echter Sportwagen oder lediglich ein aufgeblasener Z4?

Kein spoilerbewehrtes Macho- Outfit mehr, nicht einmal der Schmettersound früherer M Modelle ist dem Kraftsportler geblieben. Denn M-Fahrer sind – so will es BMW wissen – keine Krawallos, sondern heimliche Genießer.

Der Mehr- Wert ihrer Autos versteckt sich unterm Blech. Nur Details beim polarisierenden Exterieur unterscheiden den böse dreinblickenden, etwas tiefergelegten M Roadster vom just gelifteten Z4. Auch der schmal geschnittene Innenraum bietet wenig Eigenständiges – sieht man mal von den Interieurleisten in „Carbonleder“ ab. Woher es kommt? Vielleicht von genmanipulierten Rindern, die heimlich irgendwo in der Inneren Mongolei gezüchtet werden. Das straffe Sportgestühl umfängt Fahrer und Beifahrer wie eine wollüstige Geliebte. Angenehmer Nebeneffekt ist der imposante Seitenhalt. Aufblasbare Seitenwangen gibt es hier aber nicht.

Das Lederlenkrad ist etwas zu dick ummantelt und sollte sich zudem weiter nach oben verstellen lassen. Denn lang Gewachsene können den oberen Bereich der ohnehin schlecht ablesbaren Instrumente nur erahnen. Auf Knopfdruck macht das für einen Roadster erstaunlich dick gepolsterte Verdeck den Himmel frei. Hinter den feststehenden Überrollbügeln faltet es sich so zusammen, dass der 220 Liter kleine Laderaum – in dem Batterie und Reifenluftdruckkompressor thronen – nur minimal weiter schrumpft. Dem kurzen Dreh am Zündschlüssel folgt eine Überraschung: Der Motor säuselt, klingt fast wie ein seidiges Limousinen-Triebwerk.

Das soll der 343-PS-Sechszylinder aus dem M3 sein, den wir als unanständig laut und heiser bellend kennen? Okay, für die Zulassung mussten Kompromisse gemacht werden. Aber etwas mehr Sound sollte man erwarten dürfen. Bei 2000 Touren dröhnt und vibriert der Motor,erst ab 4000/min beginnt er metallisch zu sägen und drohend zu fauchen. Über die Sporttaste auf der Mittelkonsole lässt sich die Motorcharakteristik noch spitzer machen.

Bis 8000 Umdrehungen folgt eine dezente Jubelarie, in diesem Drehzahlbereich liegt die volle Leistung an. Genießen lässt sich der Rest-Sound nur mit geöffnetem Verdeck. Denn geschlossen hört man bei hohem Tempo kaum etwas vom Antrieb: Wind- und Abrollgeräusche übertönen alles.

In knapp fünf Sekunden spurtet das Auto von null auf Tempo 100. Das kurz gestufte Sechsganggetriebe glänzt mit kurzen Schaltwegen, offenbart aber eine gewisse Knochigkeit. Automatik oder SMG-Getriebe gibt es nicht für den M Roadster. Der verblüffend elastische Kraftprotz erlaubt aber auch eine schaltfaule Fahrweise. Und der Verbrauch? 14 Liter/100 km sind viel, jedoch für ein Sportmobil akzeptabel. Das wahre Revier des M Roadster ist die möglichst kurvige Piste.Dank der Achslastverteilung von nahezu 50:50 bleibt der Hecktriebler lange neutral.

Ist man sehr schnell unterwegs, startet gar in der Kurve eine Gasfußattacke, macht das Heck einen leichten Schwenk. Dann greift das DSC ein und bremst das fast 1,5 Tonnen schwere Auto so brutal herunter, dass der Schwung auf der Strecke bleibt. Wer es auf Rekordrunden anlegt, muss die Fahrdynamikregelung ausschalten.

Dann ist nur noch die Differenzialsperre in Aktion, sie schickt die Antriebskraft zum Rad mit dem meisten Grip. Nun lässt sich der Roadster mit heraushängendem Heck so ums Eck prügeln, dass am Kurvenausgang genug Rest-Tempo für den nächsten Zwischenspurt bleibt. Die Karosseriesteifigkeit ist imponierend, hier hat BMW noch einmal richtig nachgeschärft. Federung und Dämpfung zeigen bei Querfugen oder löchrigem Belag, wie straff sie sind. Bei topfebener Fahrbahn wirkt das Auto regelrecht komfortabel. Auch deshalb, weil es nicht auf den BMW-typischen Runflat-Reifen, sondern auf konventionellen 18-Zoll-Niederquerschnitt-Pneus rollt.

Das Fahrwerk mit Alu-Querlenkern stammt weit gehend vom M3, die innenbelüfteten Compound-Bremsen vorn und hinten verzögern prächtig. Eine feste Hand erfordert die präzise Lenkung, die hier hydraulisch unterstützt wird. Denn Kurskorrekturen sind permanent an der Tagesordnung. Gegenüber dem jetzt 265 PS starken Z4 Roadster 3.0 ist die 57 900 Euro teure M-Version aber nur eine knappe Sekunde von null auf 100 km/h flotter.

Ein teurer Spaß bei 17 500 Euro Preisdifferenz. So entpuppt sich der offene Sportwagen als Geheimtipp für Freaks: gut ausgestattet, üppig motorisiert und mit Ingredienzien aus dem Rennsport bestückt – aber nicht mehr so herrlich halbstark und brachial wie der selige Vorgänger.

Vor- und Nachteile

Karosserie
  • sehr verwindungssteif
  • dick gefüttertes Verdeck
  • knappe Platzverhältnisse
  • schlecht ablesbare Instrumente
  • kleiner Kofferraum
Fahrkomfort
  • Sportsitze mit viel Seitenhalt
  • gute Geräuschdämmung
  • akzeptabler Abrollkomfort
  • Tastenbedienung am Lenkrad
  • straffe Federung
Antrieb
  • sehr gute Fahrleistungen
  • drehfreudiger Motor mit gutem Ansprechverhalten
  • gute Elastizität
  • knochige Schaltung
Fahreigenschaften
  • neutrales Kurvenverhalten
  • sportliches Handling
  • frühe DSC-Regelung
  • zu dicker Lenkradkranz
Sicherheit
  • hervorragende Bremsen
  • DSC und variables Sperrdifferenzial serienmäßig
  • Bi-Xenon-Licht serienmäßig
Umwelt
  • hoher Verbrauch
Kosten
  • akzeptabler Wertverlust
  • sehr hoher Anschaffungspreis
  • hohe Unterhaltskosten

Fazit

Der M Roadster wird zum gnadenlosen wilden Tier – wenn die Fahrdynamikregelung ausgeschaltet ist. Fahrleistungen und Handling begeistern, dennoch ist er alltagstauglic. Ein teures Spaßgerät für Freaks.

Technische Daten
BMW Z4 M Roadster
Grundpreis 59.900 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 4113 x 1781 x 1302 mm
KofferraumvolumenVDA 220 l
Hubraum / Motor 3246 cm³ / 6-Zylinder
Leistung 252 kW / 343 PS bei 7900 U/min
Höchstgeschwindigkeit 250 km/h
0-100 km/h 4,9 s
Verbrauch 12,1 l/100 km
Testverbrauch 14,0 l/100 km
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