Bremsentest

Halt-Meister

Foto: Hans-Dieter Seufert 9 Bilder

Neun aktuelle Modelle treten an, um in diversen Bremsprüfungen den Klassen-Meister zu ermitteln. Dabei es gibt einen Ausreißer: den Smart Forfour.

Zunächst die gute Nachricht: Wenn die Bedingungen optimal sind, liegen die Ergebnisse des diesjährigen Bremsentests durchweg im grünen Bereich.

Mit Anhaltewegen zwischen 37 und 41 Meter aus 100 km/h bremsen alle Kandidaten auf trockener, ebener Fahrbahn auf ähnlich hohem Niveau. Das gilt sowohl für den neuen Porsche Carrera S mit aufpreispflichtigen Keramikbremsen (7.830 Euro) als auch für den Audi A6 und das Hybridmodell Toyota Prius mit elektrohydraulischer Bremse.

Den Schwerpunkt bilden in diesem Jahr aber die Neuheiten der deutschen Hersteller in der Kompaktklasse: BMW 1er, Ford Focus C-Max, Mercedes A-Klasse, Opel Astra, Smart Forfour und VW Golf. Und hier trennt sich unter schlechten Wetterbedingungen die Spreu vom Weizen.

Neuerdings müssen bei auto motor und sport alle Probanden ihr Bremsvermögen auch beim so genannten µ-split-Test unter Beweis stellen. Er simuliert eine Situation, wie sie vor allem im Winter auftreten kann: eine Vollbremsung auf rechts und links unterschiedlich griffigem Untergrund. Etwa Eis auf der einen und Asphalt auf der anderen Seite.

Hier kommt es zu teils dramatischen Unterschieden. Während der Beste in dieser Disziplin, der Porsche, aus 100 km/h bereits nach sensationellen 93 Metern zum Stehen kommt, benötigt der Smart Forfour beinahe die doppelte Distanz: 177 Meter. Oder anders ausgedrückt: An der Stelle, an welcher der Porsche zum Stehen kommt, ist der Smart noch über 60 km/h schnell. Auch der 1er und der Golf können auf µ-split mit Bremswegen von 139 beziehungsweise 138 Metern nicht richtig überzeugen, fallen aber nicht so aus dem Rahmen wie der Smart.

Standfestigkeit gefragt

In der nächsten Disziplin wird die Standfestigkeit der Bremsanlage überprüft. Dazu werden die voll beladenen Testwagen neun Mal in Folge aus 80 Prozent ihrer Höchstgeschwindigkeit mit einer mittelstarken Verzögerung von fünf m/s2 auf 70 km/h abgebremst. Dieser Test bildet eine typische Autobahn-Situation nach: eine flotte Urlaubsfahrt mit Gepäck und mehrfachem Abbremsen bei ausscherenden Lastwagen oder stockendem Verkehr. Nach den neun Teilbremsungen folgt eine Vollbremsung bis zum Stillstand, wie sie etwa bei einem plötzlich auftauchenden Stauende nötig sein kann.

Bei allen Testwagen steigen die erforderlichen Pedalkräfte zwar mehr oder weniger an, von kritischen Werten sind aber alle weit entfernt. Auch die bei der anschließenden Vollbremsung ermittelten Anhaltewege liegen bis auf zwei Ausnahmen im grünen Bereich. Mercedes und Ford verzögern mit aufgeheizten Bremsen nur mittelmäßig. Spitze ist einmal mehr der Porsche mit 200 Meter Anhalteweg aus 234 km/h.

Härtetest auf der Großglockner-Hochalpenstraße

Szenenwechsel: Großglockner-Hochalpenstraße. Auf dem Programm steht die seit Jahren obligatorische, so genannte Touristenabfahrt. Hierbei rollen die Tester verhalten die rund 13 Kilometer lange, durchschnittlich zehn Prozent steile Passstraße hinunter. Die Testbedingungen sind hart: volle Zuladung, größter Gang, das Tempo mit der Fußbremse auf maximal 60 km/h halten, vor den Kehren muss auf 30 km/h runtergebremst werden. Am Ende der Passabfahrt wird dann noch ein Mal auf 100 km/h beschleunigt und eine Vollbremsung durchgeführt.

Wie nicht anders zu erwarten, führt der neue Carrera S auch hier das Feld an. Nur 40 Meter benötigt der Sportwagen vom ersten Kontakt des Fußes mit dem Bremspedal bis zum Stillstand. Die niedrige Temperatur der kohlefaserverstärkten Keramikbremsscheiben zeigt, dass die Abfahrt für den Porsche absolut keinen Stress bedeutet.

Während der Astra beimHochgeschwindigkeitsfadingtest keine thermischen Probleme gezeigt hat und relativ cool geblieben ist, treten bei der Passabfahrt ab der Mitte der Strecke beim Anbremsen starkes Bremsenrubbeln und lautes Quietschen auf. Das Pedalgefühl wird teigig. Dass es trotz ähnlich heißer Bremsen besser geht, beweist der Golf. Er benötigt neun Meter weniger und liegt damit noch auf dem gleichen guten Niveau wie A6, 120 d und Smart. Besser ist - abgesehen vom Porsche - nur die Mercedes A-Klasse. Der Toyota Prius - bei der Standardbremsung noch auf dem zweiten Platz - hat am Großglockner auch Probleme, obwohl er theoretisch Vorteile haben müsste. Denn sein Hybridantriebsstrang entlastet die herkömmlichen Bremsen, indem ein Teil der Bremsenergie elektrisch aufgebracht wird. Trotzdem steigt die Temperatur der vorderen Scheiben auf knapp 600 Grad an, und der Anhalteweg beträgt lange 57 Meter. Zudem schafft die Handbremse es nicht, den Prius nach der Abschlussbremsung bei acht Prozent Gefälle sicher zu halten. Er kriecht langsam weiter.

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