Cadillac CTS 3.2 V6 im Test

Die Amis greifen an

Mit dem CTS wagt Cadillac nach Jahren der Abstinenz erneut den Sprung nach Deutschland. Die Ziele haben die Amerikaner dabei hoch gesetzt, soll der Neue doch E-Klasse, A6 und 5er-BMW attackieren.

Bob Lutz, GM-Entwicklungsvorstand, will mit Cadillac dorthin, wo die Marke nach eigener Einschätzung hergekommen ist: ganz nach oben. „Standard of the world“ (Lutz) ist das Ziel. Dafür sind einige Klimm­züge nötig, denn die Modell­palette ist schwer angestaubt. Aber das soll sich ändern, und zwar ab April. Dann steht der neue Cadillac CTS bei den rund 50 deutschen Vertriebs­partnern. Die Preise beginnen bei 35 800 Euro (2.6 V6 mit 185 PS). Ein Die­selmotor ist nicht vorgesehen, das dürfte den Verkaufserfolg in Deutschland begrenzen. Wer sind die Konkurrenten? BMW Dreier und Mercedes C-Klasse oder Fünfer und E-Klasse? Ein Blick auf die Au­ßenabmessungen macht klar, dass der CTS in die obere Mittelklasse strebt – also E-Klasse und Fünfer. Der CTS ist das erste Modell, dessen Äußeres die neue Cadillac-Designlinie widerspie­­­gelt und damit für einiges Aufsehen sorgt. Beim Tankstopp während der Testfahrt fühlt sich ein Audi-Fahrer zur Frage animiert, ob das wohl der neue große Alfa Romeo sei. Nein, ist er nicht. Es handelt sich beim Testwagen um den 218 PS starken CTS mit 3,2-­Liter-V6. In der Grundausstattung mit Fünfgang-Schaltgetriebe 37 300 Euro teuer. Amerikanisch üppig fällt die CTS-Grundausstattung aus, darüber hinaus stehen nur fünf lieferbare Extras zur Wahl. ­Wer­den wie beim Testwagen alle geordert, schnellt der Preis auf 46 320 Euro. Darunter ist das Sport-Luxus-Paket (3100 Euro), auf das man nicht verzichten sollte. Zwischen Ledersitzen, Holz-Applikationen, Xenon-Scheinwerfern und 17-Zoll-Rädern verbirgt sich nämlich das elektronische Stabili­tätsprogramm, bei Cadillac StabiliTrak genannt. Raumökonomie zählt nicht zu den Stärken amerikanischer Autobauer, und so fällt das Platz­angebot kleiner aus als erwartet. Kopffreiheit ist vorn und hinten gerade ausreichend vorhanden, Beinfreiheit im Fond dagegen Mangelware, wenn vor­ne eine Person mit 190 Zentimeter Länge sitzt. Großgewachsene wünschen sich außerdem Sitzflächen mit mehr Oberschenkel-Auflage. Zur Ehrenrettung der Sitze im CTS sei gesagt, dass ihre Polster angenehm straff ausfallen. Die Lederbezüge sind allerdings glatt und fühlen sich wenig geschmeidig an. Cadillac hat versucht, über verschiedenfarbigen Kunststoff und unterschiedliche Oberflä­chennarbungen im CTS eine ­be­hagliche Atmosphäre zu schaffen.

Das ist nur zum Teil geglückt, der Fünfer und die E-Klasse wirken hochwertiger. Immerhin bergen die CTS-Armaturen einige pfiffige Details. Vier Knöpfe am Lenkrad lassen sich mit Funktionen von Klimaanlage, Navigation, Radio, Fernsehen oder Antriebsschlupfregelung programmieren. Ein dickes Lob verdient zudem der Drehregler für die Radiolautstärke am Lenkrad. Besser ist diese Art der Fernbedienung nicht zu lösen. Auch der Rest der Bedienung ist vorbildlich simpel. Rätsel gibt ein Menüpunkt im Bordcomputer auf: Sofort-Kraftstoffeinsparung. Wer hier Tipps zum Sparen erwartet, wird staunen, denn je stärker das Gaspedal durchgetreten wird, des­to höher fällt die Ein­spa­rung aus – tatsächlich wird der Momentanverbrauch an­gezeigt. Der Benzinverbrauch pendelt, je nach Gasfuß-Schwere, zwischen neun und gut 15 Liter/100 km. Der Testverbrauch (12,8 L/100 km) liegt einen Liter über dem des Mercedes E 320 – typisch US-Car. Die Fünfgang-Automatik mit ihren sanften Schaltvorgängen passt dann auch sehr gut zum CTS. Amerikanisch ist sie allerdings nicht, sie kommt aus Straßburg und wird von GM auch an BMW geliefert. Ihre Aufgabe erledigt sie im Normalfall souverän und versorgt den Motor stets mit der richtigen Untersetzung. Bricht am Gaspedal jedoch Hektik aus und ist zusätzlich der Sport­modus aktiviert, schaltet sie zu häufig und gelegentlich ruppig. Egal, welcher Gang anliegt, auf üppigen Schub wartet man vergebens. Der 3,2-Liter-V6 ­erreicht beim Standardsprint aus dem Stand auf 100 km/h nicht einmal die Werksangabe, macht dabei aber mit kräftigem Trompeten und rauem Lauf auf sich aufmerksam. Insgesamt ist der Motor zwar nicht laut, aber doch fast immer präsent, auch weil die Windgeräusche moderat ausfallen und erst bei Geschwindigkeiten jenseits der 200 km/h stören. In der Vergangenheit war es nur mit wenigen amerika­nischen Autos eine Freude, ­derart schnell zu fahren. Der CTS dagegen erlaubt es sogar, die Höchst­geschwindigkeit von 230 km/h auszukosten, ohne dass sich Schweiß auf den Hand­innenflächen bildet. Der Geradeauslauf macht keine Probleme, und die Feder-Dämpfer-Auslegung unterbindet übermäßige Aufbaubewegungen bei schneller Fahrt.

Ist die Kurveneingangsgeschwindigkeit zu hoch, greift das ESP früh ein. Nur sensible Popometer registrieren dabei ein Zucken der Hinterachse. Deaktiviert man die Fahr­hilfe, beginnt der CTS zu übersteuern. Wer es sportlich mag, wird dies begrüßen und sich über die Fahrdynamik auf unerwartet hohem Niveau freuen. Kurvige Landstraßen machen im CTS durchaus Spaß. Obwohl die Lenkung zwar prä­zise, aber so gefühllos arbeitet, als hätte man zu dicke Winterhandschuhe an. Ein Teil der Rückmeldung von der Straße geht damit verloren. Dafür wird der Fahrer mit der Stuckerneigung der Vorderachse konfrontiert. Auf Autobahnen mit regelmäßigen Querfugen hört das in der Höhe ­verstellbare Lenkrad gar nicht mehr auf zu zittern, weil die ­Federung holzig auf kleine ­Unebenheiten reagiert. Dazu kommt der mäßige Ab­roll­kom­fort bei langsamer Fahrt. Es fehlt spürbar am Fein­schliff, nicht nur bei der Fahrwerksabstimmung. Noch ist Cadillac nicht der „Standard of the World“, bestenfalls der „Standard of the USA“.

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Technische Daten
Cadillac CTS 3.2 V6
Grundpreis 38.500 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 4828 x 1795 x 1441 mm
KofferraumvolumenVDA 420 l
Hubraum / Motor 3175 cm³ / 6-Zylinder
Leistung 160 kW / 218 PS bei 6000 U/min
Höchstgeschwindigkeit 230 km/h
0-100 km/h 8,8 s
Verbrauch 11,7 l/100 km
Testverbrauch 13,8 l/100 km
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