Cadillac CTS 3.6 V6 im Test

Abgekantetes Spiel

Foto: Hans-Dieter Seufert 9 Bilder

Kantig gestylt und neu motorisiert brummt der Cadillac CTS 3.6 V6 aufs Mittelklasse-Feld.

Der Cadillac CTS ist ein Hort der Gegensätze. Mit 4,83 Meter Länge eigentlich ein Fall für die obere Mittelklasse, entzieht er sich lässig sturer Eingruppierung. Oder versuchen Sie mal, einen der dortigen Heroen mit rund 260 PS, Lederpolstern, elektrischen Helfern, Xenonlicht, Soundsystem und vielem mehr für 40.000 Euro zu bekommen. Beim CTS 3.6 V6 Sport Luxury klappt es: Für 39.450 Euro handelt man sich neben einem gnadenlos auf Kante gebrachtem dynamischen Äußeren ein vergleichsweise wohnliches, allerdings weitgehend ami-Klischeefreies Inneres ein. Jedenfalls sobald die Enttäuschung über den dürren Zündschlüssel mit der am Ring baumelnden Fernbedienung plus fitzeligen Extra- Tankschlüssel überwunden ist.

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Der sesselartig konturierte Ledersitz mit integrierter Gurtführung plus vorbildlicher Lordosenunterstützung fühlt sich oberklassig, der verwendete Kunststoff-Mix des Interieurs eher mittelmäßig an. So erinnert die Noppen-Oberfläche von Teilen der Türverkleidung, der Mittelkonsole und dem Armaturenbrett an den Opel Vectra, während die Lüftungsdüsen ungeniert Saab zitieren. Auch die Bedienung präsentiert sich zwiespältig. Große, klar gezeichnete Uhren kontrastieren mit überfrachteten Lenkstockhebeln und einer ebenso überladenen Türkonsole mit neun Tasten plus Kreuzwippe. Selbst die Steuerung der serienmäßigen Stereoanlage samt optionaler DVD-Navigation gelingt einfacher. Beschriftete Tasten plus wechselndes Bildschirmmenü führen durch das Programm.

Tiefgründig pumpende Bässe und schillernde Höhen des Soundsystems machen überdies Spaß – und Pegel. Da tritt sogar der 257 PS starke 3,6-Liter-V6, der den bisherigen 3,2-Liter ersetzt, in den Hintergrund. Hemdsärmlig knurrend und vibrierend arbeitet sich der drehmomentstarke, aber durstige Vierventiler mit kräftigem Antritt durchs Drehzahlband, wobei das Sechsganggetriebe durch lange Schaltwege und unpräzise Führung missfällt. Noch stärker nervt der Bonanza-Effekt des Motors, der bei nachlässigem Balancieren mit Gas und Kupplung sowie bei Lastwechseln spürbar ist. Wer den Dreh einmal raus hat, kann den CTS jedoch angemessen zügig bewegen.

Weitgehend neutrales Eigenlenkverhalten hilft dabei ebenso wie das spät eingreifende elektronische Stabilitätsprogramm. Allerdings erkauft der CTS das bekömmliche Absorbieren selbst gröberer Unebenheiten durch spürbare Aufbaubewegungen. Aber gnadenlos hetzen möchte man den 1,7-Tonner ohnehin nicht: zu indifferent die Lenkung, zu teigig das Pedalgefühl der Bremse. Sie ist es auch, die ihn den vierten Bewertungs-Stern kostet: Beim wiederholten Verzögern aus Tempo 100 trat starkes Fading auf. So verzögerte der CTS beim zehnten Stopp nur noch mit schwachen 6,6 m/s², benötigte damit 17 Meter mehr als zu Beginn.

Fazit

Für den US-Boy sprechen die ordentlichen Fahrleistungen, die üppige Ausstattung, der gute Komfort und der angemessene Kaufpreis. Auf der Minus-Seite finden sich der hohe Verbrauch, die fadingempfindliche Bremsanlage, der kleine Kofferraum und das unexakte Getriebe.

Technische Daten
Cadillac CTS 3.6 V6
Grundpreis 36.950 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 4828 x 1795 x 1441 mm
KofferraumvolumenVDA 420 l
Hubraum / Motor 3564 cm³ / 6-Zylinder
Leistung 189 kW / 257 PS bei 6200 U/min
Höchstgeschwindigkeit 241 km/h
0-100 km/h 7,7 s
Verbrauch 11,3 l/100 km
Testverbrauch 14,0 l/100 km
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