Cadillac STS 4.6 V8 im Test

Caddy Cool

Foto: Hans-Dieter Seufert 10 Bilder

Mit opulenter Ausstattung und einem 325 PS starken 4,6-Liter-V8 stellt der kantig-selbstbewusst gestaltete Cadillac STS eine eigenwillige Alternative in der automobilen Oberklasse dar.

Eines kann man den Cadillac- Designern nicht vorwerfen, nämlich langweilig-rundgelutschtes Design. Ganz im Gegenteil: Der knapp fünf Meter lange STS besteht vorwiegend aus Geraden.

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Stämmig, zackig und selbstbewusst startet das Thema Kante bei der Front mit dem dominanten Kühlergrill, flankiert von senkrecht stehenden Batterien aus Haupt- und Nebelscheinwerfern plus Blinkern.

Viel Blech bei relativ kleinen Fensterflächen lässt den Oberklasse- Cadillac stämmig auf seinen 18 Zoll- Rädern stehen, während sich am Heck schmale, hohe Rückleuchten in LEDTechnik um nachhaltigen Wiedererkennungswert bemühen.

Das ist durchaus logisch, denn die meisten Verkehrsteilnehmer dürften den STS vorwiegend aus dieser Perspektive zu Gesicht bekommen. Dafür sorgt der 4,6 Liter große, so genannte Northstar-V8. Im Gegensatz zur bisweilen archaischen US-Konkurrenz, die einzelnen untenliegenden Nockenwellen, Stoßstangen und Zweiventil-Konzepten die Treue hält, mimt der 90- Grad-Motor Maschinenbauingenieur.

Gleich vier Nockenwellen und 32 Ventile mit vollvariabler Steuerung sowohl auf der Einlass- wie der Auslassseite leisten Dienst im Aluminiumblock. 325 PS und 427 Newtonmeter Drehmoment wuchten den 1,9-Tonner in 6,8 Sekunden auf Tempo 100. Beim Thema Durchzug lässt er ebenfalls nichts anbrennen.

Im Gegensatz zum kalorienreichen Vortrieb herrscht klanglich indes Magerstufe: Mit herbem, metallisch hellem Timbre serviert der Northstar Tofu statt Big Mäc. Jedenfalls im Innenraum – Passanten gönnt er tiefgründiges Bassrollen mit wummernder Note.

Der Vorteil dieses dezent-geschliffenen Charakters kommt besonders auf der Autobahn zum Tragen. Gemeinsam mit den dank serienmäßiger Doppelverglasung geringen Windgeräuschen entsteht eine zurückhaltende Akustik, die sogar ein Tempo weit jenseits der 200er-Marke zur kommoden Angelegenheit macht.

Selbst bei der – elektronisch abgeregelten – Höchstgeschwindigkeit von 250, wenn das Head-up- Display eine grüne 270 in die Frontscheibe projiziert, kann man sich noch von der aufwendigen Musikanlage (siehe Spotlight) berieseln lassen.

Einen ebenfalls wichtigen Beitrag zum Langstreckenkomfort leisten die großzügig geschnittenen Vordersitze. Serienmäßig lederbezogen und elektrisch verstellbar, schmeicheln die Fauteuils dem Körper wie liebgewonnene Clubsessel, bringen sogar noch Heizung und Belüftung mit.

Viele Bedienfunktionen besitzen zudem eigene Tasten, was das Studium verästelter Menüstrukturen überflüssig macht. Außer bei der Infotainment-Bedienung mittels Berührungsbildschirm: Sie erfordert besondere Konzentration. Große Fürsorge beweisen die Cadillac-Ingenieure mit einer kompletten Airbag-Ausstattung und Details wie der herausnehmbaren Einlage der vorderen Cupholder und den großen Schminkspiegeln für Fahrer und Beifahrer mit getrennt dimmbarer Beleuchtung.

Wer nun den Blick über die warm schimmernden Eukalyptusholz-Flächen des Armaturenbretts schweifen lässt, könnte meinen, Amerika, du hast es besser – wenn da nicht der mäßige Federungskomfort wäre. Auf kurze Unebenheiten wie etwa Querfugen spricht das Fahrwerk des STS selbst in weicher „Touring“-Stellung kaum an, ungehobelt stolpert er mit seinen 18- Zöllern über den Asphalt.

Beim kräftigen Beschleunigen auf welligem Untergrund beginnt bisweilen sogar das Heck zu trampeln, als ob statt Mehrlenkern eine Starrachse montiert wäre. Stöße und Poltergeräusche dringen kaum gefiltert zu den Passagieren, die überdies von ständigen, zarten Wankbewegungen behelligt werden. Und das, obwohl sich die Stoßdämpfer kontinuierlich den Gegebenheiten anpassen. Das funktioniert mittels kleiner magnetischer Partikel in der Dämpferflüssigkeit.

Spürbar ist dieser Effekt bei schneller Kurvenfahrt: Hier und auf groben Asphaltverwerfungen halten sich die Karosseriebewegungen in tolerablen Grenzen. So auch im Fahrdynamik-Parcours, wo der Cadillac trotz seiner indifferenten, spitz und mit wenig Rückmeldung arbeitenden Lenkung akzeptable Werte erzielt, dabei aber nach einer kundigen Hand und ständigen Korrekturen verlangt.

Ein Umstand, der auch im richtigen Leben – etwa in schnell angegangenen Kreisverkehren – zu Tage tritt. Hier benötigt der STS konzentrierte Manöver am Volant, dessen Lederbezug aus der Retorte statt von einem grasfressenden Vierbeiner zu stammen scheint. Klar, eine fast fünf Meter lange Limousine lädt nicht zum Hetzen ein, dennoch zeigt die europäische Konkurrenz, wie man Komfort und Präzision besser unter einen Hut bringt.

Passen muss die Konkurrenz allerdings beim Blick auf Preis- und Ausstattungsliste. Die serienmäßige Opulenz des STS in der so genannten Launch Edition reicht von Xenonlicht, Lederbezügen, Klimaautomatik vorn mit separater Regelung sowie Sitzheizung vorn und hinten über ein beheizbares Lenkrad, Surround-Anlage, TV-Empfang und Keyless-Go bis hin zur Sprachsteuerung.

Wer nun noch die Optionsliste komplett ankreuzt, erhöht den Preis von 60 750 auf 69 000 Euro. Spezielle Lederbezüge, Metallic-Lack, Schiebedach sowie Abstandsregel- Tempomat dürften dann selbst Verwöhnte zufriedenstellen. Dürften, denn der Tempomat birgt Tücken: Der Blickwinkel seines Radarstrahls ist so schmal, dass er einscherende Fahrzeuge verzögert erkennt und die Geschwindigkeit zu spät reduziert.

Gleiches gilt für vorausfahrende Motorräder, die der automatische Abstandsregler bisweilen komplett ignoriert. Das erzwingt permanent manuelle Korrekturen, was die inklusive Head-up-Display 2850 Euro teure Technik in Frage stellt. Das Display selbst macht Sinn, der Fahrer muss seinen Blick weniger als sonst von der Straße abwenden. Stattdessen bekommt er die aktuelle Geschwindigkeit übersichtlich präsentiert, ebenso wie Blinkerkontrolle, Informationen über das gewählte Musikprogramm sowie die Motordrehzahl – jedenfalls wenn sich die Automatik in der manuellen Gasse befindet. Das ist sinnvoll bei zügiger Landstraßenfahrt, denn hier erfolgen die automatischen Gangwechsel bisweilen etwas hektisch, wirkt die Schaltstrategie konfus.

Beim Herausbeschleunigen etwa aus Spitzkehren packt das elektronische Stabilitätsprogramm zudem entweder heftig bremsend ein – oder lässt das Heck vor dem Eingriff auch mal spürbar ausschwenken. Vorbildlich präsentiert sich die Bremsanlage: Ob leer oder mit 554 Kilogramm Zuladung belastet, verzögert sie kräftig und bleibt standfest.

Eine rundum überzeugende Vorstellung – im Gegensatz zum eher zwiespältigen Gesamtauftritt des großen Cadillac.

Vor- und Nachteile

Karosserie
  • –umfangreiche Ausstattung
  • –Verarbeitung nur Durchschnitt –komplizierte Navi-Bedienung –mäßige Beinfreiheit im Fond
Fahrkomfort
  • –bequeme Sitze –wirksame Klimatisierung –angenehmes Geräuschniveau
  • schlechte Absorption kurzer Unebenheiten –Fahrwerkspoltern
Antrieb
  • –gute Fahrleistungen –kräftiger Durchzug –ordentliche Laufkultur
  • –mäßiger Schaltkomfort der Automatik
Fahreigenschaften
  • –ordentlicher Geradeauslauf
  • –indifferente Lenkung mit wenig Rückmeldung –Traktionsmängel
Sicherheit
  • –kräftige, standfeste Bremsen –Xenonlicht Serie –gute Sicherheitsausstattung
Umwelt
  • –hoher Verbrauch
Kosten
  • –drei Jahre Garantie
  • –hohe Festkosten –voraussichtlich hoher Wertverlust

Fazit

Licht und Schatten liegen beim STS dicht beieinander: Hohem Sitzkomfort vorn und üppiger Ausstattung stehen die unpräzise Lenkung sowie der eingeschränkte Federungskomfort gegenüber.

Technische Daten
Cadillac STS 4.6 V8
Grundpreis 57.950 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 4985 x 1843 x 1464 mm
KofferraumvolumenVDA 464 l
Hubraum / Motor 4565 cm³ / 8-Zylinder
Leistung 239 kW / 325 PS bei 6400 U/min
Höchstgeschwindigkeit 250 km/h
0-100 km/h 6,8 s
Verbrauch 14,5 l/100 km
Testverbrauch 15,7 l/100 km
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