Café Größen-Van

Der neue Chrysler Grand Voyager ist länger als eine S-Klasse. Als Salonwagen für sechs Erwachsene fordert er den Renault Grand Espace heraus. Doch die Lust am Sechssitzer ist nicht billig.

Nein, wirklich aufregend finden muss man Familien-Vans nicht. Die Vernunft scheint aus allen Fugen ihrer Karosserie zu dringen; das Image von Reihenhaus-Glück, praktischer Kurzhaarfrisur und Windelpaketen im Laderaum haftet so fest wie ein "Baby an Bord"-Sticker auf der Heckklappe. Van-Fahrer, so das erbarmungsloseVorurteil, sind zum Elternabend unterwegs oder zur Krabbelgruppe, nicht zum Business-Lunch oder Jazz-Konzert.

Das ist natürlich Unfug, weil ein Van auch drei Surfbretter oder sechs Designersessel schluckt. Vor allem aber gibt es Vans, die das schale Aroma des Verzichts so wenig spüren lassen wie ein Gourmet-Wochenende in der Toskana.

Es sind Gala-Vans von der Länge jener Premium-Limousinen, mit denen sie sich die Vollausstattung teilen und das seidige Leerlauf-Murmeln ihrer sechs Zylinder.

Ihre Motorleistung reicht aus, um das Erstaunen in die Gesichter juveniler Coupéfahrer zu treiben. Vermutlich ahnen sie nicht einmal, dass der schnelle Raumkreuzer, der auf der linken Spur verblüffend tapfer mithielt, noch mal um einige Tausender teurer war als ihr trendig-grauer Audi TT.

Denn natürlich ist die Lust am Sechssitzer nicht billig. So schiebt sich ein Chrysler Grand Voyager in der üppigen Limited-Ausstattung mit stolzen 86.900 Mark ins Budget der besser verdienenden Familie. Eine Aufpreisliste gibt es dafür nicht: Sein Hersteller hält den in Graz montierten Ami nicht mehr für veredelungsfähig.

Tatsächlich sieht er – speziell dann, wenn er schwarz lackiert ist – mehr nach Cosa-Nostra-Dienstwagen als nach Familientransporter aus: Abgedunkelte Fond-Scheiben, rafflederne Sessel und verchromte Alufelgen verleihen ihm einen geheimnisvollen Hauch von Schummer-Milieu. Noch extravaganter wirkt nur seine automatische Knopfdruckbetätigung für Schiebetüren und Heckklappe.

Sein Hauptkonkurrent, der Renault Grand Espace, kommt mit konventionellen Fondtüren aus, und er wirkt gegen den Edel-Ami fast ernüchternd pragmatisch. Dabei ist er mit dem Initiale-Paket zwar nicht karger ausgestattet, aber nahezu 10.000 Mark billiger: 77.334 Mark kostet der Einstieg in die Premium-Version des Van-Klassikers. Als Siebensitzer ist er – wie der Voyager Limited – nicht lieferbar, aber bei beiden sind Ledersessel, CD-Radio, Klimaautomatik, Bordcomputer und Alufelgen inklusive.

Zu den wenigen Gimmicks auf der Renault-Mehrpreisliste zählen die beiden Glasdächer, die Chrysler nicht für Geld und gute Worte liefert. Auch ESP oder Parktronic bleiben für Käufer des neuen Voyager unerfüllbare Wünsche: Das hat er mit dem etwas betagteren Espace gemeinsam.

Fazit

1. Renault - Grand Espace 3.0 V6 24V - 29428
471 Punkte

2. Renault Grand Espace: Der Urmeter des Van-Segments wirkt agiler als der Voyager, punktet mit günstigerem Preis und besser abgestimmtem Fahrwerk.

2. Chrysler Grand Voyager
484 Punkte

Er ist ein sanfter Langstrecken-Cruiser für sechs Erwachsene; dynamische Ansprüche weist er ab. Der Grand Voyager gewinnt vor allem mit seinem großzügigen Raumangebot, dem guten Sitzkomfort und der exzellenten Bremswirkung.

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