Cayenne GTS vs Touareg R50

Schiffs-Wiesel

Foto: Hans-Dieter Seufert 38 Bilder

Leistung gegen Drehmoment, V8 gegen V10, Benziner gegen Diesel: Die sportlichen SUV Porsche Cayenne GTS mit 405 PS und VW Touareg R50 mit 350 PS treten zum Duell an.

Zu Zeiten, in denen die verschiedenen Kraftstoffsorten fast gleich viel kosten, darf man auch schon mal einen Benziner gegen einen Diesel ins Rennen schicken. Vor allem, wenn es sich bei den Kandidaten um die sportlichsten Ableger ihrer Modellreihen handelt. Die Rede ist von Porsche Cayenne GTS und VW Touareg R50, bei dem man das Kürzel TDI am Auto allerdings vergeblich sucht. Die Porsche-Entwickler haben den Cayenne S ins Fitness-Studio geschickt und dem 385 PS starken 4,8-Liter-V8- Benzindirekteinspritzer 20 zusätzliche PS bei 6500 Touren antrainiert. Eine voluminösere Sauganlage und eine von 76 auf 82 Millimeter im Durchmesser vergrößerte Drosselklappe lassen das GTS-Triebwerk freier atmen. Nockenwellenverstellung, Zündung und Einspritzung wurden angepasst, um die entsprechend höhere Nahrungszufuhr sicherzustellen. Das Drehmoment liegt mit 500 Newtonmeter auf dem Niveau des Basis-Motors. Diese Werte weisen den GTS als Sprinter aus, während die 850 Nm des zehnzylindrigen Fünfliter-TDI den Touareg R50 eher als Schwer-Athleten qualifizieren. Das sind immerhin 100 Nm mehr, als der V10-TDI vor seinem Besuch in der Muckibude gestemmt hat. Außerdem wurde die Leistung von 313 auf 350 PS gesteigert. Da hier aber keine verbotenen Substanzen im Spiel waren, sondern lediglich Turbolader und Motormanagement trainiert wurden, sind bei einer Doping-Kontrolle keine Probleme zu erwarten. Wohl aber beim ersten Showdown auf der Waage, der beim auto motor und sport- Vergleichstest ebenso obligatorisch ist wie bei Boxkämpfen. Obwohl beide im Schwergewicht antreten, bringt der R50 nochmals satte 336 Kilogramm mehr auf die Waage. Da in diesem Fall weniger mehr ist, geht dieser erste Schlagabtausch mit 2390 zu 2726 Kilogramm klar an den Porsche. Danach startet der Mehrkampf erst richtig. Die erste Disziplin: der Sprint. Beide katapultieren sich aus den Startblöcken wie Carl Lewis bei seinem legendären 100-Meter-Weltrekord 1991 in Tokio. Während bei Lewis Spikes unter den Sohlen für den richtigen Grip auf der Tartanbahn sorgten, verzahnen sich bei GTS und R50 jeweils vier angetriebene Räder mit dem Asphalt und ermöglichen mit dieser überragenden Traktion für beide ähnlich beeindruckende Zeiten. Als erster – wenn auch nur knapp – schiebt sich jedoch der Porsche über die Ziellinie. Angesichts der Leibesfülle des Touareg ist es überraschend, wie dicht er dem drahtigen Cayenne auf den Fersen bleibt. Jenseits der 100-km/h- Marke kann der GTS seinen Vorsprung dann doch noch weiter ausbauen.

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Außerdem rennt der Porsche mit 251 km Höchstgeschwindigkeit noch schneller als der mit 235 km/h ebenfalls nicht langsame VW. Akustisch untermalt wird das Rennen jedoch nicht vom Jubel der Fans auf den Rängen, sondern vom markigen Brüllen des Porsche-V8 – vor allem, wenn die serienmäßige Sporttaste gedrückt ist, die nicht nur das Ansprechen auf das Gaspedal verbessert, sondern auch eine Klappe im Hauptschalldämpfer öffnet. Dagegen kommt der sonor und gedämpft klingende V10- Diesel einfach nicht an. Der R50 besitzt jedoch mehr Ausdauer, denn während der GTS auf der Langstrecke bereits nach 546 Kilometern nach neuer Nahrung lechzt, muss der VW erst nach 685 Kilometern sein Energiedepot aufladen. Das entspricht einem Verbrauch von 14,6 Litern je 100 Kilometer – Diesel wohlgemerkt –, während der GTS unvorstellbare 18,3 Liter Superplus konsumiert. Aber nicht immer ist weiter auch besser. Im Gegensatz zum Weitsprung gewinnt beim Bremsen der Athlet mit der kürzesten Distanz. Unter normalen Bedingungen schlägt sich der Porsche etwas besser. Beide lassen zudem mit ihren Leistungen bei mehrfacher Wiederholung der Übungen nur wenig nach. Erst auf nasser Strecke, zumal wenn die rechte Seite so glatt ist wie die Bahn im Inzeller Eisstadion, offenbaren sich größere Unterschiede. Der Porsche benötigt zwar etwas mehr Führung durch den Fahrer, um in der Spur zu bleiben, ist aber immer noch gut beherrschbar und kommt 22 Meter früher zum Stillstand als der VW. Als Nächstes steht der Hindernislauf auf dem Programm. Orange-weiße Hütchen markieren die verschiedenen Parcours, die es so schnell wie möglich zu absolvieren gilt, ohne die Bahn zu verlassen. Der Porsche tänzelt leichtfüßig um die Pylonen wie einst Cassius Clay im Boxring um seine Gegner und meistert Slalom und Iso-Wedeltest deutlich flinker als der etwas schwerfälligere VW. Der hat nur im VDA-Ausweichtest mit voller Zuladung die Nase knapp vorn, weil dessen Luftfederung sich an das Zusatzgewicht anpasst und in dieser Situation für ein etwas besser beherrschbares Fahrverhalten sorgt. Aber auch abseits der Wettkampfbahn, ohne Stoppuhr und Maßband, ist der Cayenne das deutlich agilere Auto. Seine Lenkung ist spürbar direkter übersetzt, was in Kurven sowohl den Lenkaufwand reduziert als auch die Zielgenauigkeit verbessert.

Beim Touareg geht hingegen zu viel Rückmeldung durch die höhere Servounterstützung verloren. Abgesehen davon ist das Kurvenverhalten dank permanentem Allradantrieb beim R50 genauso sicher und weitgehend neutral wie beim GTS. Nur bei schnellem Einlenken in engen Kehren schieben beide Kolosse etwas über die Vorderräder. Trotz adaptivem Wankausgleich neigt sich der Touareg in Kurven mehr zur Seite als der Cayenne. Das System unterdrückt die Seitenneigung nämlich nicht aktiv über verdrehbare Stabilisatoren, sondern wirkt dieser nur mild entgegen, indem die verstellbaren Dämpfer bei Kurvenfahrt entsprechend härter eingestellt werden. Auch der Porsche verfügt über eine adaptive Dämpferverstellung, die beim GTS erstmals in der Cayenne-Baureihe in Verbindung mit der Stahlfederung eingesetzt wird. Die besseren Haltungsnoten auf Fahrbahnunebenheiten verdient sich allerdings der Touareg. Seine serienmäßige Luftfederung pariert Schläge, die lange und kurze Bodenwellen austeilen, besser als der spürbar gestraffte Cayenne GTS. Attacken durch Querfugen sind beide mit ihren extremen Niederquerschnittreifen allerdings gleichermaßen schutzlos ausgeliefert. Kein Sport ohne die passende, modische Funktions-Bekleidung. Beide sind von Kopf bis Fuß – sprich vom Dachkanten- Spoiler an der Heckklappe bis zu den 21-Zöllern mit 295/35er-Sportsocken – ähnlich angezogen. Zusammen mit einer speziellen Innenausstattung und jeweils hervorragenden Sportsitzen kostet der Touareg R50 knapp 11 000 Euro mehr als der konventionelle V10 TDI. Porsche verlangt 79 367 Euro für den GTS mit Tiptronic, rund 10 000 mehr als für den Cayenne S. Allerdings ist der VW im Unterhalt deutlich günstiger, was ihm letztendlich den Sieg im Kostenkapitel bringt und den Vorsprung aus der Eigenschaftswertung weiter ausbaut. Er ist zwar nicht ganz so sportlich wie der agile Cayenne GTS, besitzt aber jene Gelassenheit, die hohe Leistungsreserven mit sich bringt.

Fazit

1. VW Touareg R50
491 Punkte

Der R50 bietet das ausgewogenere Gesamtpaket, ist komfortabler, gut ausgestattet und im Unterhalt deutlich günstiger.

2. Porsche Cayenne GTS
464 Punkte

Der GTS glänzt mit einer in dieser Klasse bisher nicht gekannten Fahrdynamik, verbraucht aber entschieden zu viel Kraftstoff.

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Technische Daten
VW Touareg R50 Porsche Cayenne GTS
Grundpreis 88.300 € 81.597 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 4754 x 1977 x 1703 mm 4795 x 1957 x 1675 mm
KofferraumvolumenVDA 500 bis 1525 l 540 bis 1749 l
Hubraum / Motor 4921 cm³ / 10-Zylinder 4806 cm³ / 8-Zylinder
Leistung 258 kW / 350 PS bei 3500 U/min 298 kW / 405 PS bei 6500 U/min
Höchstgeschwindigkeit 235 km/h 251 km/h
0-100 km/h 6,9 s 6,3 s
Verbrauch 12,6 l/100 km 14,0 l/100 km
Testverbrauch 14,6 l/100 km 18,3 l/100 km
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