Chevrolet Camaro ZL1 gegen Dodge Challenger SRT8 392

Muscle-Cars im Emotions-Duell

Chevrolet Camaro ZL1, Dodge Challenger SRT8 392, Frontansicht Foto: Rossen Gargolov 20 Bilder

Der etwas andere Test: Die coolsten Ponycars des Jahres 2013 treten zum Duell an. Ein Tag im Achtzylinder-Delirium mit Dodge Challenger SRT8 392 und Chevrolet Camaro ZL1.

Kowalski? Sagt Ihnen nichts? Kowalski alias Barry Newman hetzt im US-Kultfilm „Vanishing point“ (Fluchtpunkt San Francisco) in einem 1970er Dodge Challenger R/T 440 Magnum mit wilden Powerslides durch den amerikanischen Westen. Kowalski wettet: In 15 Stunden von Denver nach San Francisco. Der Teufelsritt reizt die Cops und endet mit einem furiosen Crash in einer Straßensperre. Dafür war den Filmproduzenten 1971 der Dodge Challenger allerdings zu teuer – sie opferten damals einen gebrauchten Chevrolet Camaro.

Chevrolet Camaro ZL1 gegen Dodge Challenger SRT8 392

Pah, ich bin nicht nur Kanonenfutter, scheint der Camaro bis heute zu denken. 32 Jahre später will er die offene Rechnung mit dem Ponycar aus dem Dodge-Stall begleichen. 2013 schickt Chevy den Camaro ZL1 mit Kompressor-V8 und 587 PS ins Rennen. Dodge will mit dem Challenger SRT8 392 samt 477 PS starkem 6,4-Liter-Hemi-V8 dagegenhalten.

Klingt auf dem Datenblatt nach einem David-gegen-Goliath-Kampf, doch abseits von Hockenheim-Runden und GPS-ermittelten Brems- und Beschleunigungswerten ist das ein Fight auf gleicher Scheinwerferhöhe. Jetzt regieren V8-Donnerhall, Gummi-Aroma und Führerschein gefährdende Driftwinkel. Wie gut, dass Ordnungshüter und Straßenverkehrsordnung auf unserem Männerspielplatz nur Zaungäste sind. Feierabend im Stahlwerk, Ring frei zum etwas anderen Achtzylinder-Duell.

Der Kult-Faktor

ZL1 1966: Start der ersten Camaro-Generation. 1969: Präsentation des ersten ZL1. Das Sondermodell mit 427ci-V8, 430 PS, Sportfahrwerk und verstärktem Vier-Gang-Getriebe wurde als Homologationsmodell für Dragsterrennen entwickelt. Preis 1969: 7.200 US-Dollar. Stückzahl: 69. Die Seltenheit treibt den Sammlerwert heute in die Höhe. 2012: Versteigerung des ersten je gebauten ZL1 für 400.000 US-Dollar.

SRT 392 1969: Start der ersten Challenger-Generation. Topmodell Challenger R/T von 1970 bis 1972. Unter der Motorhaube: ein 383ci-V8 (6,28 Liter) mit 340 PS. Verschiedene V8 optional, u. a. ein 426ci-Hemi-V8 (6,98 Liter) mit 431 PS. 2008: Start der dritten Generation der Hemi-Legende mit grandiosem Siebziger-Retrolook. Seit 2012: Dodge Challenger SRT8 392 mit 6,4-Liter-Hemi-V8. Kowalski hätte heute nur auf 14 Stunden gewettet.

Sieger: SRT8

Der Sound-Faktor

ZL1 Ab 3.000 Touren hämmern, donnern, dann Heavy Metal. Bootsähnliches Leerlaufröcheln schwillt bei einer Höchstdrehzahl von 6.200/min zu V8-Gewitter. Als Verstärker dient eine Klappen-Abgasanlage. Weitere Highlights des ZL1-Small Block neben des Achtzylinder-Konzerts: 587 PS bei 6.000/min, 6,2 Liter Hubraum, 754 Nm bei 4.200/min, 1,9-Liter-Eaton-Kompressor, Öl-Kühler der Corvette ZR1.

SRT8 392 Kowalski wäre enttäuscht. Der 6,4-Liter-Hemi-V8 mit 477 PS brabbelt im Leerlauf brav und kultiviert vor sich hin. Unter Volllast entweicht nicht mehr als ein gesittetes V8-Brummen. Gegen den Rock‘n‘Roll der Ur-Hemis klingt der 2013er SRT8 farblos wie eine Schülerband. Kein echter Trost: Auf Bass-Beat muss der Dodge Challenger SRT8 392 Pilot dank Audioanlage von Harman Kardon mit 900 Watt nicht ganz verzichten.

Sieger: ZL1

Der Qualm-Faktor

ZL1 Vollgas, Kupplung fliegen lassen, dann mit links die Bremse dosieren – so wird der Hecktriebler mit manuellem Tremec-Sechsganggetriebe zur perfekten Nebelmaschine. Bitte keine Leserbriefe: Würde ich auch machen, wenn mein Name im Schein stehen würde. Burnouts sind schließlich Teil der ZL1-Historie, die auf dem Drag Strip begann. Für Sprintfans gibt‘s eine Launch Control, die aber mit hoher Anfahrdrehzahl keine Heldentaten vollbringt. 0 – 100 km/h: 5,1 s.

SRT8 392 Auch der Dodge Challenger SRT8 392 räuchert mit dichtem Bodennebel klassisch im Musclecar-Stil. Die Launch Control mit wählbarer Anfahrdrehzahl (2.500 – 4.500/min) beschleunigt in 5,1 Sekunden auf 100 km/h. Emotionaler Dragster-Spielkram im Kombiinstrument: Anzeige für Beschleunigung 0 – 100 km/h, g-Kraft, Zeitnahme 1/8-Meile und 1/4-Meile.

Unentschieden

Der Cockpit-Faktor

ZL1 Hier hat der ZL1 die Nase vorn. Das Interieur überzeugt für einen Ami mit qualitativ guter Verarbeitung. Optisch ansprechend: gut konturierte Sportsitze aus Glatt- und Wildleder mit ZL1-Logos, Schaltknüppel und Instrumentenbrett mit Wildlederbezug, rote Ziernähte, Alu-Pedalerie. Neben eines Headup-Displays gibt‘s attraktive Analoganzeigen für Ladedruck, Öldruck, Öltemperatur und Bordspannung.

SRT8 392 Jeder premiumverwöhnte Audi-Fahrer bekäme hier wahrscheinlich Hautausschlag, doch zum Schnäppchenpreis von 47.900 Euro gibt's halt nicht nur V8-Pferde, sondern auch US-Kunststoff im Cockpit des Dodge Challenger SRT8 392. Bis auf scharfkantiges Plastik in den Türablagen ist die Verarbeitung aber okay. Und die Sitze? Wenig Seitenhalt, doch bequem, um entspannt in 15 Stunden von Denver nach San Franciso zu jagen.

Sieger: ZL1

Der Drift-Faktor

ZL1 Der Camaro glänzt dank guter Fahrwerksabstimmung, mechanischer Differenzialsperre und breiter Bereifung (285 vorn/305 hinten) mit hoher Traktion. Wildes Leistungsübersteuern unter Volllast kann dem Ami auch bei deaktiviertem ESP nicht vorgeworfen werden. Er zeigt für ein US-Musclecar erstaunlich viel Ideallinientreue. Der ZL1 will daher auch regelrecht in den Drift gezwungen werden.

SRT8 392 Leicht einlenken, dabei runterschalten und die Kupplung schnalzen lassen – klack, der Dodge Challenger SRT8 392 mit mechanischer Getrag-Differenzialsperre steht ohne Anpendeln oder Gasstoß sofort quer. Danach lässt er sich spielerisch und gutmütig im Drift halten. Charakterfeste Lenker sind gefragt. Dem Reiz, auch in der Stadt bei Abbiegevorgängen das Heck raushängen zulassen, erliegen Querfahrer sonst schnell.

Sieger: SRT8

Der Spaß-Faktor

ZL1 V8-Donnerhall unter Volllast und herrliches Auspuff-Gurgeln beim Gaslupfen – nicht nur der ZL1-Sound sorgt für gute Laune wie ein Atze Schröder-Auftritt. Neben des satten Durchzugs und einer GPS-gemessenen Höchstgeschwindigkeit von 303 km/h, ist es die ehrliche und kernige Art, die begeistert: straffe Kupplung, kernig-exakte Schaltung und eine bissig ansprechende Brembo-Bremsanlage.

SRT8 392 Einmal in Fahrt ist die Enttäuschung über das brave V8-Säuseln schnell verflogen. Die Mischung aus bequemem Cruising-Partner, der auch auf längeren Touren nicht nervt, und dem spaßigen Driftgerät ist den SRT-Entwicklern gut gelungen. Ecken und Kanten machen den Reiz aus. Da nervt auch nicht der Schaltstock, dessen Gassenführung an einen Kochlöffel in Mutters Erbsensuppe erinnert.

Unentschieden

Der Race-Faktor

ZL1 Bremsanlage auf der Rennstrecke mit definierterem Druckpunkt als Basis-Camaro, gute Traktion unter Last, trotz nicht ganz frischer Reifen und hoher Außentemperaturen (34° Luft, 49° Asphalt), Lenkung leichtgängig, aber direkt, Fahrwerk im Sportmodus straff, doch Gewicht durch Karosseriebewegungen spürbar, neutrales Fahrverhalten. Rundenzeit: 1.13,9 min (US-Konkurrent Shelby GT 500: 1.14,4 min).

SRT8 392 Deutlich unpräziser, aber Fahrspaß im Grenzbereich. Testnotizen: Schiebt beim Anbremsen über Vorderachse, Lenkung ungenau um die Mittellage, starke Seitenneigung, reagiert erfrischend auf Lastwechsel, unter Last drängt leicht das Heck. Coole Kiste, auch wenn er nicht schneller als ein Opel Astra OPC ist, Rundenzeit: 1.17,4 min.

Sieger: ZL1

Wer gewinnt die Emotionswertung?

Nach den sport auto-Standardkriterien ist der Chevrolet Camaro ZL1 dem Dodge Challenger SRT8 392 eindeutig überlegen: Bessere Beschleunigungs- und Bremswerte und schnellere Rundenzeit. Auf der emotionalen Ebene endet das V8-Duell jedoch nur mit einem hauchdünnen Vorsprung für den ZL1. Der Dodge Challenger SRT8 392 erobert die Herzen mit seinem kultigen Retro-Kleid und herrlichen Driftwinkeln. Beide Ponycars vereinen eigenständige Charakterzüge mit Ecken und Kanten – ein Merkmal, das bei modellübergreifenden Baukastenprinzipien deutscher Premium-Hersteller immer mehr verloren geht. Ebenfalls unschlagbar – viel V8-Leistung für wenig Geld.

ZL1: 5 Punkte – SRT 392:4 Punkte

Technische Daten
Chevrolet Camaro ZL1 Dodge Challenger SRT8 392
Grundpreis 69.900 € 47.900 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 4837 x 1917 x 1360 mm 5023 x 1923 x 1449 mm
KofferraumvolumenVDA 460 l
Hubraum / Motor 6162 cm³ / 8-Zylinder 6417 cm³ / 8-Zylinder
Leistung 432 kW / 587 PS bei 6000 U/min 351 kW / 477 PS bei 6000 U/min
Höchstgeschwindigkeit 303 km/h 290 km/h
Verbrauch 23,6 l/100 km 18,9 l/100 km
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