Chevrolet Corvette im Test

Grünes, schnelles Cabrio

Nun endlich offen und mit Sechsgang-Schaltgetriebe: Auch die jüngste Corvette-Version beeindruckt mit den Qualitäten hoher Fahrleistungen und eines adäquaten Fahrwerks zu einem angemessenen Preis.

Außer den 500 Meilen von Indianapolis und dem Erntedankfest Thanksgiving ist in Amerika wenig heilig. Nicht einmal die landestypischen Denkmäler stehen unter Schutz. Im Zuge dieser allumfassenden Unrast erlaubten sich einige unverfrorene Chevrolet-Techniker, derart respektlos an der neuen Corvette herumzudoktern, daß sich der Sportwagendarsteller tatsächlich in ein ernst zu nehmendes, reinrassiges sportliches Automobil verwandeln konnte. Früher überwiegend auf das Fach Café Racer abonniert, in dem sportliche Ansprüche auf die Hubraum-Größe reduziert waren, kann die seit 1997 gebaute fünfte Corvette-Generation nun mit den Branchengrößen Ferrari und Porsche mithalten (siehe auch die auto motor und sport-Vergleichstests in Heft 11/97 und 3/98).

Dabei war die neue Corvette in ihrem ersten Produktionsjahr noch mit traditionellem amerikanischem Ausstattungs-Ketchup mehr belastet als gewürzt, gab es sie doch ausschließlich mit herausnehmbarem Dachteil und Vierstufen- Automatikgetriebe. Seit dem Modelljahrgang ’98 ist sie auch als Cabrio und mit Sechsgang-Schaltgetriebe sozusagen im Sixpack-Angebot erhältlich: 109 500 Mark Neupreis für ein 344 PS starkes zweisitziges Cabrio gelten in den teuren europäischen V-Achtzylinder- Kreisen als Sonderpreis eines Factory Outlet. Das Cabrio ist die schönere Corvette. Ohne üppiges Dachteil samt abschließender Glasheckklappe ist die Karosserie nicht viel mehr als ein hauteng über Chassis, 5,7 Liter-Motor und die breiten Reifen gezogener Kunststoff-Schlauch, unter dem nun alle Linien, Flächen, Kurven, ja selbst Dreieck-Lenker, Schmiernippel und Endrohre plastisch durchzuschimmern scheinen. Aus der Vogelperspektive wirken die zart angedeuteten Kopfstützen-Wülste der Karosserie zudem wie Wonderbra- Einlagen.

Die Betätigung des knapp und kapuzenartig geschnittenen Verdecks wurde nicht zu einem elektrohydraulischen Amtsvorgang hochstilisiert. Nach dem Öffnen der beiden Drehverschlüsse am Scheibenrahmen schnappt auf Knopfdruck eine Klappe hinter den Sitzen auf, und das Verdeck wird per Hand in den vorderen Teil des Kofferraums gefaltet. Bei geschlossenem Verdeck reicht die Ladefläche des Kofferraums bis hinter die Sitze und ist praktischerweise von innen zugänglich. Mit eingeklapptem Dach reduziert sich der Stauraum auf die Größe einer Golf-Tasche. Das Dach wird kühn wie eine Baseballkappe tief in die Stirn gezogen. Das flauschige Innenfutter am Dachhimmel verbirgt nicht nur das Verdeckgestänge aus Magnesium, es wirkt in frostigeren Klimazonen als Kalifornien und Florida auch so heimelig wie eine Kaminfeuerimitation. Eine Heckscheibe aus Glas wird den Blick zurück wohl länger nicht trüben und ist auch elektrisch heizbar. 

Vor- und Nachteile

Karosserie
  • geräumiges Cockpit umfangreiche Serienausstattung einfache Verdeckbedienung gute Funktionalität
  • bei offenem Verdeck eingeschränkter Kofferraum
Fahrkomfort
  • bequeme Sitze wirkungsvolle Klimaanlage
  • stark stoßende Hinterachse auf groben Bodenunebenheiten sehr hohe Windgeräusche
Antrieb
  • kultivierter V8-Motor sehr gute Fahrleistungen exakt schaltbares Getriebe
  • zu langer sechster Gang
Fahreigenschaften
  • sehr sicheres, gut kontrollierbares Fahrverhalten guter Geradeauslauf exakte Lenkung
  • großer Wendekreis Hinterachse versetzt auf Bodenwellen
Sicherheit
  • sehr wirksame und standfeste Bremsen Airbags für Fahrer und Beifahrer automatisches Kontrollsystem für Reifenluftdruck
  • keine Sidebags lieferbar
Umwelt
  • Einsatz wasserlöslicher Lacke schadstoffarm nach D3 angemessener Verbrauch
Kosten
  • sehr gutes Preis-Leistungs-Verhältnis drei Jahre Garantie
  • hohe Unterhaltskosten hoher Wertverlust

Fazit

Auch die offene Version des amerikanischen Kult-Zweisitzers glänzt mit den Tugenden der jüngsten Corvette-Generation: Der drehmomentstarke 5,7-Liter-V8 ermöglicht hohe Fahrleistungen, denen auch das Fahrwerk gewachsen ist. Die Federung könnte jedoch besser sein.

Übersicht: Chevrolet Corvette im Test
Technische Daten
Chevrolet Corvette Cabrio
Grundpreis 68.600 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 4560 x 1869 x 1214 mm
KofferraumvolumenVDA 187 l
Hubraum / Motor 5665 cm³ / 8-Zylinder
Leistung 253 kW / 344 PS bei 5400 U/min
Höchstgeschwindigkeit 274 km/h
0-100 km/h 5,6 s
Verbrauch 12,7 l/100 km
Testverbrauch 13,6 l/100 km
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