Chevy Cruze, Interieur/Exterieur Dani Heyne
Chevy Cruze, Interieur/Exterieur
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Chevy Cruze, Interieur/Exterieur 15 Bilder

Chevrolet Cruze Gebrauchtwagen-Check

Chevrolet Cruze im Gebrauchtwagen-Check Solider Geheimtipp im Alter?

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Er war der meistverkaufte Chevy weltweit, nutzte die Plattform des Opel Astra J – und kam mit guter Sicherheitsausstattung zum fairen Kurs. Dennoch konnte sich der Cruze in Deutschland nie durchsetzen, weshalb er auch gebraucht ein Schnäppchen ist. Wie fit ist er, Meister Wünsch?

Oha, heute mal seltener Besuch aus dem fernen Südkorea", freut sich Meister Wünsch und wischt dem Chevrolet Cruze zur Begrüßung über den Kühlergrill. "Obwohl er so was wie der VW Golf von Chevy ist, gehört er hierzulande zu den Exoten. Auch in unserer Werkstatt", fügt der Gebrauchtwagen-Checker hinzu. Frischen wir seine Erinnerungen an dieses Modell mal ein wenig auf: Der Chevy Cruze nutzte als erstes Modell im GM-Konzern die sogenannte Delta-2-Plattform. Sie wurde in Rüsselsheim bei Opel entwickelt und von GM Korea fertiggestellt. Das war Ende der 2000er-Jahre, als es zwischen GM und Opel bereits kriselte.

"Nach dem Cruze nutzte dann auch der Opel Astra J diese Plattform, weshalb die beiden Modelle technisch eng verwandt sind." Meister Wünsch macht eine Pause, fährt mit dem Finger den Spalt zwischen Grill und Motorhaube entlang und ergänzt: "Mit dem feinen Unterschied, dass die Kostenoptimierer beim Chevy mehr Macht hatten, weshalb die Verarbeitungs- und Materialqualität des Cruze nicht mit jener des Astra mithalten konnte." Unser Werkstatt-Profi verschweigt dabei höflich, dass der Cruze deshalb Anfang der 2010er-Jahre gern als "Sparversion" des Opel Astra betitelt wurde. Was sich freilich auch in seinem günstigen Preis widerspiegelte. Ob das immer noch so ist? Schauen wir doch gleich mal in einer der gängigen Online-Plattformen nach.

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Dani Heyne
Der Ansatz des Chevy Cruze gefällt uns gut – er nutzt jene Plattform aus dem General-Motors-Universum, die einst bei Opel für den Astra J entwickelt wurde. Er baut kompakt, bietet innen reichlich Platz und besitzt alle wichtigen Sicherheitsfeatures.

Gebrauchte Cruze gibt’s für kleines Geld

Die Preise starten bei etwa 2.700 Euro. Dann hat der Chevy allerdings nur einen müden Sauger unter der Haube, der fast 200.000 Kilometer abgespult hat. Für unseren Preisvergleich mit dem Opel Astra J wählen wir daher einen Cruze Fließheck von 2013 mit dem empfehlenswerten 1,4- Liter-Turbobenziner. Mit rund 90.000 Kilometern und gehobener Ausstattung liegt der Cruze bei 5.900 Euro. Vergleichbare Opel Astra mit gleicher Motorisierung aus 2013 starten bei 6.800 Euro. Der Unterschied ist also nicht mehr allzu groß. Umso interessanter, wie fit so ein gebrauchter Chevy nach sieben Jahren noch ist.

Die Kollegen vom TÜV prognostizieren, dass Cruze-Modelle nach der zweiten Hauptuntersuchung mit Mängeln am Fahrwerk zu kämpfen haben. "Das schauen wir uns gleich mal genauer an", murmelt Meister Wünsch, der gerade die Karosserie des Chevy unter die Lupe nimmt. "Ein paar Steinschläge auf der Haube, ein Lackabplatzer an der Kante der Fahrertür – und dieses ungleiche Spaltmaß bei den Türen", fasst er zusammen und deutet auf die rechte Fahrzeugseite. "Vergleicht mal die Spaltmaße der vorderen und hinteren Tür. Immerhin ist der Unterschied schön gleichmäßig …", witzelt Meister Wünsch. "Einen Vorschaden kann ich hier jedoch nicht erkennen, sieht ganz danach aus, als käme die Toleranz ab Werk."

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Hans-Dieter Seufert
Bei den Antrieben konnten Cruze-Käufer in den ersten Jahren nur zwischen klassischen Vierzylinder-Saugmotoren wählen, allesamt weder besonders spritzig noch effizient. Es gab drei Benziner mit 1,4, 1,6 und 1,8 Litern Hubraum.

Vor der Probefahrt noch eine Anmerkung von unserem Checker zum Antrieb des Gebrauchten: "Der Vorbesitzer hat mit dem 1,4-Liter-Turbobenziner eine gute Wahl getroffen. Der Vierzylinder wird dank Sechsgang-Schaltgetriebe nie wirklich laut, schiebt den Fünftürer ab 1.800 Umdrehungen flott an und neigt im Drittelmix nicht zu übermäßigem Durst. Klar der beste Motor für den Cruze."

Kleine Zugabe: Den Motor gab’s erst ab 2012 im Chevy – optional auch mit Sechsgang-Schaltgetriebe. Wir folgen derweil Meister Wünsch, der den Cruze bereits auf die Hebebühne steuert.

Kurz danach wissen wir: "Die Bremsbeläge der Vorderachse haben noch gut 15.000 Kilometer vor sich, die Scheiben weisen nur minimale Unebenheiten auf, halten also locker doppelt so lange durch." Beim Fahrwerk wurden vor Kurzem zwei Traggelenke getauscht, das Spiel der Spurstangen ist gerade noch so im Limit. Die Federn weisen Rost auf, aber keine Brüche. Beim Auspuff löst sich das Drahtgeflecht des Flexrohres – hier ist bald Ersatz fällig. Am Mittelschalldämpfer ist zwar Korrosion sichtbar, doch diese ist nur oberflächlich. "Der hält noch ein, zwei Jahre", urteilt Meister Wünsch nach einem prüfenden Blick.

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Dani Heyne
Flugrost findet sich nicht nur an den Achsträgern. Die Bremssättel machen auch keinen guten Eindruck mehr. Dieser Chevy braucht Pflege.

Von unten sieht der Chevy älter aus …

… als von oben – das fällt auf. Überall am Unterboden verteilt befindet sich Flugrost, vor allem an den Achsträgern. "Das ist noch nicht weiter schlimm, allerdings bekommt man bereits jetzt ein Gefühl dafür, wie das in zwei, drei Jahren ohne Pflege aussehen wird." Dann werden die Bremsen inklusive Leitungen und Teile der Abgasanlage Aufmerksamkeit benötigen. "Ein Wellnessprogramm für den restlichen Unterboden wäre auch nicht schlecht. All das summiert sich natürlich", fasst Meister Wünsch zusammen und zieht nach ein paar Minuten sein Fazit: "Optisch steht der Chevy gut da, die paar kleinen Schrammen sind nach sieben Jahren völlig normal. Am Unterboden erkennt man, dass an der Qualität der Anbauteile und bei der Rostvorsorge gespart wurde. Bis jetzt war das kein Problem, der Wagen würde auch heute problemlos die Hauptuntersuchung bestehen. Beim nächsten HU-Termin in zwei Jahren kann das jedoch schon anders aussehen. Daher sollte man dieses Modell genau jetzt fit machen und pflegen – oder weitersuchen.

Fazit

Ein gebrauchter Chevy Cruze ist Ihr Typ, wenn Sie entweder wissen, dass der Vorbesitzer ein ganz penibler Typ ist – oder Ihre Hobbyschrauber-Talente nicht vor einem pflegebedürftigen Unterboden zurückschrecken. Denn unser Testkandidat ist ein scheckheftgepflegter Garagenwagen aus erster Hand – und dennoch sieht man seinem Unterboden die Jahre an. Noch bewegt sich alles im Rahmen, doch das kann sich je nach Pflege auch bald ändern. Zudem kündigen sich ein paar Verschleißteile bereits an. Daher: Augen auf beim Gebrauchtwagen-Check. Und gut verhandeln!

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