Chevrolet TrailBlazer 4.2 L6 im Test

Der Straßenkreuzer lebt

Chevrolet, die Marke mit dem Kreuz im Grill, lässt Deutschlands Freunde amerikanischer Autos nicht darben. Der neue Chevrolet Trail Blazer ist ein Cruiser, auch ohne V8-Motor.

Großes Land, große Distanzen, große Automobile – die Logik mag trivial sein, aber sie bestimmte die Evolution des fahrbaren Untersatzes amerikanischer Prägung. Und sie tut es auch heute wieder, rund 20 Jahre nachdem die klassischen Straßenkreuzer der Energiekrise zum Opfer fielen. Die amerikanischen Autoträume der Gegenwart heißen SUV (Sport Utility Vehicle) oder Truck, und sie kommen in Gestalt hochbeiniger Geländeautos und Respekt heischender Pritschenwagen. Gleichwohl sind sie nichts anderes als die Abkömmlinge der alten Dinosaurier – Landjachten mit der Aura einer mobilen Festung.

Hat man für diese Interpretation des Themas Auto einen Nerv, dann verdient der Trail Blazer zweifellos verstärktes Interesse. Der neue SUV von Chevrolet gehört zwar zu den vergleichsweise zierlichen Vertretern seiner Gattung, aber im europäischen Kontext kommt er als waschechter Amerikaner daher. Was immer man ihm auch vorwerfen kann, mangelndes Format ist es sicher nicht. Der Geländekreuzer misst 4,89 auf 1,90 Meter und ist 1,83 Meter hoch, womit er auch seinen prominentesten US-Konkurrenten, den Jeep Grand Cherokee, in den Schatten stellt. Das spiegelt sich erfreulicherweise im Innenraum wider. Man thront in luftiger Höhe, und Platz gibt es in Hülle und Fülle, wobei speziell das geräumige Fondabteil dazu einlädt, es sich bequem zu machen.

Um so bedauerlicher, dass sich die Erwartungen hernach nur zum Teil erfüllen. Es mangelt zwar nicht an Raum, dafür aber an Sitzkomfort. Da das lederbezogene Mobiliar keinerlei Seitenführung zu bieten hat, werden die Insassen schon bei verhaltener Kurvenfahrt zum Spielball der Fliehkräfte. Die stattlichen Abmessungen sorgen auch dafür, dass die Passagiere beim Umfang des Gepäcks kaum Restriktionen zu befürchten haben. Hinter der gewaltigen Hecktür erstreckt sich ein ungewöhnlich großer Laderaum, der schon im Normalzustand ein Volumen von 1.162 Liter aufweist. Klappt man die geteilten Rücksitze um, passen sogar 2.269 Liter in den Trail Blazer. Allerdings sollten die Gepäckstücke besser von der leichten Sorte sein.

Schwere Lasten lassen angesichts der fast 90 Zentimeter hohen Ladefläche nicht nur den Einsatz eines Gabelstablers ratsam erscheinen, sondern führen auch rasch zur Überschreitung der Zuladungsgrenze. Die liegt bei gerade mal 447 Kilogramm (inklusive der Passagiere). Handelt es sich hingegen nur um Einkaufstaschen oder Ähnliches, kann beim Beladen ein separat aufklappbares Heckfenster in Anspruch genommen werden. Perfektion, das macht schon das oben Gesagte klar, ist es also nicht, was ein Auto vom Schlag des Chevrolet ausmacht. Es braucht schon ein Faible für die Güter der amerikanischen Lebensart, um sich mit ihm anzufreunden. Wer es besitzt, der kommt beim Trail Blazer freilich bestens auf seine Kosten.

Für 84.492 Mark erhält er nicht nur ein imposantes Gefährt, sondern obendrein eine Verwöhnausstattung, die seine europäischen Konkurrenten geradezu ärmlich aussehen lässt. Elektrische Sitzverstellung, Sitzheizung, Tempomat, Scheinwerfer-Reinigungsanlage, CD-Radio, ja sogar ein Voicerecorder zum Aufzeichnen von Nachrichten sind Standard. Gleiches gilt für die Klimaautomatik, die wie das Radio auch vom Fond aus bedient werden kann. Außerdem stehen für die Hintensitzenden zwei Anschlüsse für Kopfhörer zur Verfügung. Mit das Beste an dieser Fülle: Die in US-Manier gestalteten Bedienungselemente geben auch dem Novizen keine Rätsel auf.

Ebensowenig wird an der technischen Substanz gespart. Der Trail Blazer basiert auf einem scheinbar für die Ewigkeit gebauten Kastenrahmen, in dessen vorderem Bereich ein monumental aussehender 4,2 Liter-Motor residiert. Dass hier kein V8, sondern nur ein Reihensechszylinder arbeitet, mag auf Anhieb enttäuschen, doch besteht kein Grund, von vornherein abzuwinken. Tatsache ist, dass sich dieses moderne Leichtmetallaggregat nicht hinter den vergleichbaren Achtzylindern verstecken muss. Bei 273 PS und einem Drehmoment von 373 Nm bei 3.500/min kann von Magermotorisierung keine Rede sein, was der Trail Blazer auf der Straße eindrucksvoll unter Beweis stellt.

Ohne Stress und seidenweich verleiht er dem fast 2,2 Tonnen schweren Geländemobil Flügel, während er im Gegensatz zu den landestypischen V8-Alternativen auch hohe Drehzahlen nicht scheut. In der Praxis macht man davon nur selten Gebrauch, denn gerade beim niedertourigen Gleiten zeigt sich der Chevrolet von seiner besten Seite. Da entspricht er ganz der Tradition. Die lang übersetzte Automatik wechselt fast unmerklich die Gänge und sorgt dafür, dass man den Drehzahlkeller selten verlässt. Passend dazu die weiche Fahrwerksabstimmung. Lediglich kurze Stöße rütteln den Trail Blazer bisweilen kräftig durch. Ansonsten überwiegt der sanfteWiegeschritt amerikanischer Prägung.

Drängt man den Chevrolet hingegen zur Eile, zeigen sich die Schattenseiten seines transatlantischen Charakters. Dann jagt die Automatik rastlos durch die Gänge, und das Auto durchkreuzt die Absichten des Fahrers mit starken Wankbewegungen, die in Wechselkurven auch schon mal die Fahrstabilität beeinträchtigen können. Speziell bei abgeschaltetem Allradantrieb neigt der Trail Blazer schon frühzeitig zu heftigem Übersteuern. Das lässt sich mit der präzisen Lenkung zwar gut korrigieren, erfordert aber Konzentration, zumal einem auch keine Elektronik beisteht. Mit ESP kann der Chevrolet nicht dienen.

Ersatzweise empfiehlt es sich, per Schalter am Armaturenbrett die Position „Auto 4WD“ anzuwählen. Je nach Traktion an den Hinterrädern fließt nun ein Teil der Antriebskraft über ein Zentraldifferenzial in Richtung Vorderachse, was den Drang zum Übersteuern etwas mildert. Für Geländefahrten stehen die Positionen „4HI“ (Kraftverteilung 50:50) und „4LO“ (mit Geländegang) zur Verfügung. Unter Mithilfe von Differenzialsperre (hinten) und Antriebsschlupfregelung garantieren sie auch unter verschärften Bedingungen ein Durchkommen. Schwerer fällt es, den Vorwärtsdrang des Trail Blazer zu stoppen, denn die Bremsen entsprechen bei weitem nicht den Anforderungen. Ein böser Patzer, der dann auch das Testurteil besiegelt: Mehr als ein Stern ist für den keineswegs unsympathischen Chevy nicht drin.

Fazit

Der Trail Blazer ist groß, ungewöhnlich geräumig, kraftvoll motorisiert und üppig ausgestattet. Seine Schwächen: wenig Sitzkomfort, kein ESP, hoher Verbrauch und vor allem die schlechten Bremsen.

Technische Daten
Chevrolet TrailBlazer 4.2 L6 LTZ
Grundpreis 43.600 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 4893 x 1905 x 1826 mm
KofferraumvolumenVDA 1162 bis 2269 l
Hubraum / Motor 4157 cm³ / 6-Zylinder
Leistung 201 kW / 273 PS bei 5750 U/min
Höchstgeschwindigkeit 192 km/h
0-100 km/h 9,9 s
Verbrauch 13,0 l/100 km
Testverbrauch 16,5 l/100 km
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