Citroën C2 gegen Lancia Ypsilon und Nissan Micra

Foto: Reinhard Schmid

Kleines Auto, kleiner Preis, kleines Vergnügen? Die Kleinen mit Basismotor und landestypischer Note versuchen, den Gegenbeweis anzutreten.

Ist ein Smart wirklich smart? Sein Design wohl kaum, die Federung noch weniger und der Preis schon gar nicht. Denn mit ein paar Extras überspringt selbst der Basis-Fortwo schnell die 10 000-Euro-Hürde, und dafür kaufen smart buyer lieber einen vollwertigen Vierstatt des kargen Zweisitzers – selbst wenn sie damit an manchen Parklücken vorbeifahren müssen, in die der 2,5-Meter- Winzling hineinpasst. Aber mit 3,67 bis 3,78 Meter Länge haben die schicken Kleinen von Citroën, Lancia und Nissan immer noch ein stadttaugliches Format und dazu jenen Raumvorteil, der sie auch als Erst- oder Reisewagen qualifiziert.

Auf den vorderen Plätzen fühlen sich sogar groß Gewachsene nicht beengt, während es hinten besonders im kürzeren C2 etwas kneift. Ähnlich knapp sind Gepäckabteil und Zuladung bemessen, doch dafür lassen sich die beiden Rücksitze ab SX-Ausstattung einzeln umklappen und verschieben. Ansonsten dürfen die Ansprüche naturgemäß nicht allzu hoch sein. Die Türen scheppern beim Schließen, die Kunststoffe zeigen noppige Gänsehaut, und die Instrumente liefern nur ein Minimum an Informationen. Auch brauchbare Ablagen sind Mangelware, doch am ärgsten setzen den Insassen die scheinbar willkürlich geformten Schaumstoffsitze mit grobrastiger Verstellung zu, von denen weder Körperunterstützung noch Seitenhalt zu erwarten ist. Da fühlt man sich auf den dicken Velourspolstern des Ypsilon schon besser aufgehoben, nur die Position stimmt – trotz vieler Justiermöglichkeiten von Lenkrad und Fahrersitz – nicht ganz. Zudem müssen Kopfstützen im Fond und die Teilung der Bank selbst in der 1000 Euro teureren Argento-Version extra bezahlt werden.

Serienmäßig gibt es hingegen eine Klimaanlage und einen Hauch von Noblesse, wenngleich die nostalgischen Zentralinstrumente mit weißen Zifferblättern schlecht ablesbar sind und spiegeln. In funktionaler Hinsicht hat der Micra jedenfalls mehr zu bieten, schon weil es hier ganz einfach und übersichtlich zugeht. Bis auf die überladenen Lenkradhebel sowie die tief im Fußraum versteckten Tasten für Tankklappen- und Haubenentriegelung erschließt sich die Bedienung auf Anhieb, es hapert weder an Staufächern und Taschenhaken noch am QualitaÅNtsgefühl. Nur das stellenweise schlecht entgratete Plastik wirkt steril und abwaschbar. Abgesehen davon fordert der niedrigste Grundpreis wenig Zugeständnisse. Servolenkung und ABS sind bei allen ebenso serienmäßig wie elektrische Fensterheber und Zentralverriegelung, seitliche Kopfairbags eine preiswerte Option (Lancia: Standard). 

Für weitere 500 Euro liefert Nissan eine dritte Fondkopfstütze, eine Höhenverstellung des Fahrersitzes sowie eine geteilte, verschiebbare Rückbank, mit der sich das geräumige Heck (251 bis 982 Liter) flexibler nutzen lässt. Weder das gut konturierte Gestühl noch die straffe, aber gerade mit Beladung angenehme Federung stehen jetzt einer längeren Reise im Weg, allein der Motor dürfte sich akustisch stärker zurückhalten. Besonders im direkten Vergleich tritt die Handlichkeit und Agilität des Micra zutage, die von der exakten, gefühlvollen Lenkung bestimmt wird. Die Fahrversuche untermauern bei ihm den Eindruck hoher Sicherheitsreserven, obwohl keiner der Kontrahenten in den getesteten Versionen mit ESP lieferbar ist. Citroën baut immerhin bei allen C2 einen Bremsassistenten ein, ohne dass die Verzögerung mit Spitzenwerten glänzt. Gleiches gilt für die Fahreigenschaften, die zwar keine Tücken, aber aufgrund der diffusen, übertrieben leichtgängigen Lenkung wenig Präzision zeigen. Überdies ist der Wendekreis (11,2 Meter) für ein solches Auto viel zu groß. So liegt die Domäne des Franzosen einmal mehr in seinem guten Federungskomfort, der selbst groben Unebenheiten die Schärfe nimmt, ohne in kräftige Hubbewegungen oder magenfeindliches Getorkel zu verfallen. Diese Unarten machen dem Lancia-Fahrer bereits ohne großen Ballast an Bord zu schaffen, und bei hoher Zuladung bleibt vom zunächst ganz manierlich erscheinenden Komfort wenig übrig.

Aus der latenten Unruhe auf kurzen Bodenwellen wird dann ein Schaukeln und Hüpfen, das sich bis ins Kurvenverhalten auswirkt. Die schwache Dämpfung lässt schon bei mittlerem Tempo und leichtem Lenkeinschlag das Heck nach außen driften, und wer jetzt korrigiert, muss mit einem kräftigen Konter rechnen. Nur gut, dass neben dem trägen Handling auch der kultivierte, aber schlappe 1,2-Liter- Benziner dynamische Ambitionen im Keim erstickt. Es reicht gerade fürs Mitschwimmen, mehr nicht, denn ohne fleißiges Runterschalten wird jede Steigung zur Geduldsprobe. Dafür fließen die Gangwechsel mit dem kurzen, griffgünstigen Stummel locker aus dem Handgelenk, und angesichts der oft hohen Drehzahlen bewegt sich der Benzinverbrauch (8,0 L/ 100 km) gerade noch in einem vertretbaren Rahmen.

Beim Citroën muss man im Schnitt sogar mit 8,3 Liter pro 100 Kilometer rechnen, nur bei extrem sparsamer Fahrweise lassen sich zwei bis drei Liter weniger realisieren. Aber trotz identischer Leistung (60 PS) und geringerem Drehmoment wirkt sein 1,1-Liter-Vierzylinder spürbar lebendiger, vor allem im Durchzug ist er dank besser angepasster Übersetzung überlegen. In der Stadt und auf Landstraßen hält das drehfreudige Motörchen locker mit, erst auf der Autobahn wünscht man sich mehr Reserven. Die hat unter den hier angetretenen Basismodellen am ehesten der Nissan zu bieten. Mit 65 PS und 110 Nm Drehmoment sorgt der Vierventiler für munteres Temperament und entspanntes Fahren, so dass selbst längere Strecken keine Tortur bedeuten. Und da sein kerniger Motorsound akustisch nie störend, der Durst (Testmittel 7,9 L/100 km) nicht unmäßig wird, stellt sich insgesamt das Gefühl eines vollwertigen, harmonischen Antriebs ein.

Umso erfreulicher ist, dass der Micra auch im Umwelt- und Kostenkapitel fleißig Pluspunkte sammelt. Wie der Ypsilon erfüllt er die schärfere Euro-4- Abgasnorm, während der C2 nur nach D4 zertifiziert ist. Dazu lockt er mit dem niedrigsten Grundpreis sowie einer Drei- Jahres-Garantie, die gegen einen geringen Obolus (249 Euro) auf fünf Jahre verlängert werden kann. Das mögen nicht nur smarte Käufer, und so hat sich der Nissan den Sieg mit einem rundum stimmigen Gesamtpaket verdient. Der komfortable Citroën kostet zwar kaum mehr, wirkt aber mit seinen unbequemen Sitzen und der dürftigen Karosseriequalität am ehesten wie ein Kleinwagen alter Schule. Diesen Eindruck versucht der edel anmutende Lancia tunlichst zu vermeiden, was ihm allerdings nur stellenweise gelingt. Denn der hübsch gemachten, gut ausgestatteten Karosserie stehen Mängel bei Fahreigenschaften, Komfort und Antrieb gegenüber, und die erschreckend hohen Vollkasko-Tarife sind kein bisschen smart, sondern einfach ärgerlich.   

Fazit

1. Lancia Ypsilon 1.2 Argento
400 Punkte

Das Beste am Ypsilon ist die gut ausgestattete, leise und edle Karosserie. Ansonsten: schwammiges Fahrwerk, schlapper Motor, dürftiger Komfort und hohes Preisniveau.

2. Citroën C2 1.1 SX
420 Punkte

Beim Federungskomfort ist der C2 ein Großer, ansonsten eher Mittelmaß. Schlechte Sitze, bescheidenes Qualitätsgefühl und wenig Kraft verhageln ihm die Bilanz

3. Nissan Micra 1.2 Visia
462 Punkte

Der preisgünstige Micra gewinnt vor allem mit hoher Agilität, gutem Temperament und seinem sicheren, komfortablen Fahrwerk. Ein moderner, vollwertiger Kleinwagen.

Zur Startseite
Technische Daten
Nissan Micra 1.2 Visia Citroën C2 1.1 SX Lancia Ypsilon 1.2 8v Argento
Grundpreis 10.940 € 11.390 € 12.990 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 3715 x 1660 x 1540 mm 3666 x 1659 x 1474 mm 3810 x 1704 x 1530 mm
KofferraumvolumenVDA 251 bis 982 l 166 bis 879 l 215 bis 895 l
Hubraum / Motor 1240 cm³ / 4-Zylinder 1124 cm³ / 4-Zylinder 1242 cm³ / 4-Zylinder
Leistung 48 kW / 65 PS bei 5200 U/min 44 kW / 60 PS bei 5500 U/min 44 kW / 60 PS bei 5000 U/min
Höchstgeschwindigkeit 154 km/h 158 km/h 153 km/h
0-100 km/h 12,8 s 15,0 s 15,0 s
Verbrauch 5,9 l/100 km 6,0 l/100 km 5,9 l/100 km
Testverbrauch 7,9 l/100 km 8,3 l/100 km 8,0 l/100 km
Alle technischen Daten anzeigen
Noch nicht registriert?

Erstellen Sie jetzt Ihr kostenloses Profil und profitieren Sie als registrierter Nutzer von folgenden Vorteilen:

  • Exklusiver Zugriff auf alle Test- und Messdaten der Redaktion
  • 360°-Ansichten von Autos
  • Schneller PDF-Kauf
Kostenlos anmelden
Die neue Ausgabe als PDF
SUV Erlkönig Land Rover Discovery Sport Land Rover Discovery Sport (2019) Künftig auch als Hybrid-SUV BMW Niere groß Retusche BMW-Nieren XXL Guck mal BMW, es geht noch breiter
Promobil
Reisemobile optimieren: Fahrkomfort Wohnmobil-Fahrwerk optimieren Mehr Komfort und Sicherheit Gebrauchtcheck: Hymer Camp Alkovenmobil Hymer Camp im Gebrauchtcheck Der jahrelange Bestseller
CARAVANING
Hero Camper Ranger Seite Hero-Camper von Kronings Zwei neue Modelle aus Dänemark Platz 1: Camping Jesolo International Top 10 hundefreie Campingplätze Top Ten Campingplätze ohne Hund
Anzeige
Alle Autos von A-Z
BMW oder doch VW?
Gebrauchtwagen Angebote