Citroën C2, Mini One und VW Lupo im Test

Drei Diesel-Kleinwagen im Vergleich

Foto: Hans-Dieter Seufert 7 Bilder

Kleindiesel für Kostenverächter: Das Diesel-Trio schlägt engen Parklücken und hohen Tankrechnungen gleichermaßen ein Schnippchen. Aber, wer sparen will, muss zunächst investieren.

Kleinwagen. Spärlich ausgestattete Blechbüchsen, Garanten schmerzhaften Verzichts und automobilistischer Ächtung. Das war einmal: Die Kurzen von heute sind pfiffig, klassenlos und langstreckentauglich. Jedoch nicht billig. Zumindest wenn ein Selbstzünder unter die Haube soll.

Wer sparen will, muss zunächst investieren. Zum Beispiel 12.800 Euro in den Citroën C2 HDi, der keck gestylt in die Kleinwagen-Arena nagelt. Citroëns Kleinster steht auf einer um 15 Zentimeter gekürzten C3-Plattform und wird vom 1,4-Liter-HDi-Motor aus dem PSA-Konzernregal angetrieben. Zwischen 2.000 und 4.000 Touren ist der Common-Rail-Diesel bei Laune, spendet maximal 68 PS und 150 Newtonmeter, begleitet von leichten Vibrationen. Die fünf Gänge arretieren leicht, wenn auch nur mäßig exakt, akustisch bleibt der Selbstzünder zurückhaltend, beginnt erst in höheren Drehzahlen zu brummen.

Zum Brummer wird auch der 1,4-Liter des Mini One D, sobald ihm mehr als 4.000 U/min abverlangt werden. Der Common-Rail-Turbodiesel stammt ursprünglich von Toyota und wurde bei BMW leicht überarbeitet. Er entwickelt 75 PS und 180 Newtonmeter Drehmoment. Der milde Schwung des kultivierten Vierzylinders reicht zum gleichmäßigen Mitschwimmen – mehr nicht. Freude kommt beim Griff zum Schalthebel auf: Die massive Metallkugel durch die Gassen der stramm einrastenden Sechsgangbox zu dirigieren, entschädigt für mangelndes Motor-Temperament des mit 16.150 Euro ziemlich teuren Anglo-Bajuwaren.

Temperament, eine Eigenschaft, die man spätestens seit Einführung der ersten TDI-Generation sogar Niedersachsen zutraut. Nicht ohne Grund, wie der 1,4-Liter-Dreizylinder im Lupo TDI beweist. Beim Gasgeben kehrt der mit Pumpe-Düse-Technik ausgerüstete TDI den Wolf raus, macht den hohen Einspritzdruck von 2.000 bar körperlich fühlbar. Nach einem tiefen Turboloch zeigt sich ab 1.800 U/min Drehmoment satt. Der Lupo scharrt mit den Reifen, saust in 13,7 Sekunden aus dem Stand auf Tempo 100 und presst als Einziger im Testfeld seine Passagiere spürbar in die Sitze. Stets begleitet von kerniger Akustik – irgendwo zwischen halbiertem Porsche, Traktor und Propellerflugzeug. Dominant ist er, aber nicht lästig, zumal sich der unter Last rau zu Werke gehende Dreizylinder bei konstantem Tempo geschmeidiger präsentiert.

Unterschiede bis zu einem halben Liter gibt es bei den Rivalen in Sachen Dieselkonsum. Zwischen 4,1 (Citroen C2) und 4,5 Liter (Mini One) auf der Normrunde und um die 6 Liter im zügigen Testbetrieb zeigen das Alltags-Potenzial kleiner Diesel abseits prestigeträchtiger High-Tech-Hudelei. Positiv fällt auf, dass der Durst selbst bei hohem Vollgasanteil nicht besonders in die Höhe schnellt. Im Gegensatz zum Glückshormonspiegel beim Mini-Fahren: Wie seine Ahnen und Geschwister bezieht der Mini One D seinen Reiz aus dem erfrischenden Handling. Trotz motorbedingten 35-Extra-Kilo auf der Vorderachse biegt er willig ein – und hält akkurat Kurs. Straff, direkt und nicht übertrieben leichtgängig setzt die im Gegensatz zu den Mini-Benzinern rein hydraulisch unterstützte Lenkung Befehle um, während die Federelemente den Zustand der Straßenoberfläche allzu beflissen an die Insassen weitergeben. Die serienmäßige Traktionskontrolle bekommt mangels Motorpower wenig zu tun, wenn es hart auf hart kommt, greift das mit 320 Euro aufpreispflichtige Stabilitätsprogramm DSC ein.

Citroën verlangt für ESP, im Paket mit Kopfairbags, 525 Euro extra. Das weich abgestimmte Fahrwerk gibt es serienmäßig. Es nimmt Unebenheiten aller Art die Schärfe, ohne in die frankophile Verweichlichung von früher zu verfallen. In diese scheint es dagegen VW verschlagen zu haben: Wie ist es sonst zu erklären, dass ABS und Seitenairbags beim 13.675 Euro teuren Lupo Aufpreis kosten, ESP für den TDI gar überhaupt nicht zu haben ist? Eine Ausstattungs- und Sicherheitspolitik, die unzeitgemäß ist und kräftig Punkte kostet. Gut, dass zumindest das ausgewogene, lediglich bei aufeinanderfolgenden Absätzen stößige Fahrwerk für Fahrsicherheit und Fahrspaß sorgt, ebenso wie seine anfängerfreundliche Bedienbarkeit. Leistet sich der Mini fummelige Kippschalter mit kaum erkennbaren Kontrollleuchten sowie einen riesigen mittig angebrachten Tacho, bei Dunkelheit das anheimelnde Ambiente glühender Holzscheite verströmt, verkörpert der Lupo – bis auf die nett gemachten Instrumente – vorwiegend Nutzwert. C2-Fahrer blicken auf einen funzligorange beleuchteten Digitaltacho – Reminiszenz an die Lupen-Instrumente vergangener Tage.

Ebenso wie der Breitband-Drehzahlmesser. Hauptsache anders. Das mögen die Interieur-Designer auch bei den Plastikteilen im noppigen Gänsehaut-Look gedacht haben. Gänsehaut befällt die Passagiere, sobald sie in die anscheinend willkürlich geformten Sitze sinken. Von den billig gemachten Schaumstoff-Knubbeln ist weder Körperunterstützung noch Seitenhalt zu erwarten, dafür drückt der Rahmen der Sitzfläche durch. Lupo- und Mini-Sitze sind ergonomisch günstiger und bieten angemessenen Seitenhalt. Überhaupt kann man es sich auf den vorderen Plätzen bei allen gut gehen lassen. Speziell bei Lupo und C2 haben Fahrer und Beifahrer viel Luft. Der Mini packt seine Insassen etwas enger ein. Weit nach hinten reichende Sitzschienen und respektable Kopffreiheit machen ihn dennoch maxitauglich. Die schalenförmige Rückbank langt dann allerdings – wie bei den Konkurrenten – nur noch zum Gepäcktransport. Im Normalfall können bei allen hinten zwei Personen mitreisen, während diverse Ablagen anfallenden Kleinkram schlucken. Besonders flexibel ist der C2 mit verschieb- und klappbaren Einzelsitzen im Fond. Die bescheidenen Gepäckräume im viersitzigen Zustand zollen den kurzen Karosserien Tribut. Bei umgeklappter Bank passen aber immerhin zwischen 670 (Mini) und 879 Liter (C2) ins Heck. Genug für Einkaufstouren, für die der Citroën bestens gerüstet ist: Seine unlackierten Stoßleisen stecken kleine Rempler unauffällig weg, während bei den Konkurrenten schnell der Lack ab ist. Trotzdem reicht es dem preisgünstigen C2 nur zum letzten Platz. In den Kategorien Antrieb, Fahrkomfort und Bremsen weisen ihn Lupo und Testsieger Mini in die Schranken.

Technische Daten
Citroën C2 HDi 70 SX Mini One D VW Lupo 1.4 TDI
Grundpreis 12.990 € 16.200 € 14.025 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 3666 x 1659 x 1474 mm 3626 x 1688 x 1416 mm 3527 x 1639 x 1460 mm
KofferraumvolumenVDA 166 bis 879 l 150 bis 670 l 130 bis 830 l
Hubraum / Motor 1398 cm³ / 4-Zylinder 1364 cm³ / 4-Zylinder 1422 cm³ / 3-Zylinder
Leistung 50 kW / 68 PS bei 4000 U/min 55 kW / 75 PS bei 4000 U/min 55 kW / 75 PS bei 4000 U/min
Höchstgeschwindigkeit 166 km/h 165 km/h 170 km/h
0-100 km/h 15,8 s 14,9 s 13,7 s
Verbrauch 4,2 l/100 km 4,9 l/100 km 4,3 l/100 km
Testverbrauch 5,2 l/100 km 6,5 l/100 km 6,0 l/100 km
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