Foto: Hans-Dieter Seufert, Hans Peter Seufert

Citroën C3, Smart Forfour, VW Polo

Stadtus pro

Im Reich der City tut sich was. Mit dem viersitzigen Smart kommt frischer Wind in die Kleinwagenklasse. Kann der Neue den Etablierten davonfahren?

Bunt, frech, unkonventionell mit seinem Pfauenrad-Design – so mimt der Smart Forfour das Enfant terrible in der Kleinwagen-Klasse. Er will anders sein, eben eine Alternative zu den angestammten Platzhaltern. Doch hinter seiner mehrfarbigen Fassade steckt ein ernst zu nehmender Kompaktwagen. Es fehlt ihm zwar die Kürze der bislang ausschließlich zweisitzigen Smart-Modelle und damit der Stadt-Vorteil seines kleinen Bruders Fortwo, aber immerhin braucht er mit 3,75 Meter Außenlänge über zehn Zentimeter weniger Parkraum als seine Konkurrenten VW Polo und Citroën C3. Das geht nicht ohne Einbußen. Der Smart trickst sich seinen Raum an allen Ecken und Enden zurecht. Ausreichend Ladevolumen gibt es nur bei komplett nach vorne gefahrener Rückbank, und für üppige Beinfreiheit im Fond muss man die variable Bank-Konstruktion wieder zurückstellen.

Dass er aber überhaupt so flexibel ist, unterscheidet ihn deutlich von seinen Konkurrenten, bei denen nach der geteilt umklappbaren Rücksitzlehne schon Schluss ist. Überhaupt ist sein Innenraum eine erfreulich frische Erscheinung im oft so tristen Kleinwagen-Alltag. Farbige Stoffe, wohin das Auge reicht – dagegen wirken C3 und Polo wie graue Mäuse bei schlechtem Wetter. Das Ausstattungsniveau in der Passion- Variante stimmt ebenfalls: Glasdach, Klimaautomatik sowie 16-Zoll-Leichtmetallfelgen sind Serie.

Dafür muss der Smartophile aber kleinere Unpässlichkeiten wie zum Teil schiefe Passungen und unsauber entgratete Kunststoffe jovial hinnehmen. Beim C3 heißt es bei der Qualitätsanmutung jedoch noch größere Abstriche machen. Einfache Materialien, schwammige Sitzpolster und Klappergeräusche gehören zum Alltag. Als grosszügige Entschädigung beschert der C3 seinem Besitzer in der höchsten Ausstattungsstufe Exclusive ein Funktionspaket der Oberklasse: Tempomat, Regensensor, Klimaautomatik, CD-Radio und Leichtmetallfelgen bedürfen keines Euros zusätzlich, was den höchsten Grundpreis in diesem Trio mehr als relativiert. Hinzu kommt neben dem größten Ladevolumen auch das umfangreichste Sicherheitspaket mit serienmäßigen Kopfairbags vorne und hinten. So luftig und hell wie der runde Franzose wirkt zudem keiner seiner beiden Kontrahenten. Mit dem aufpreispflichtigen großen Glasdach kommt ein Hauch von Straßencafé-Gemütlichkeit in den rundlichen Viersitzer. Der Polo besetzt dagegen die Pragmatiker-Position und ist überraschenderweise im Grundpreis auch noch der Günstigste.

Doch dafür gibt es in Deutschlands meistverkauftem Kleinwagen außer ein paar elektrischen Fensterhebern noch nicht mal ein Radio oder eine Klimaanlage. Sehr karg, was Volkswagen in der Comfortline- Variante da seinen Kunden bietet. Allein eine Klimaanlage kostet 1215 Euro Aufpreis. Die Qualitäten des Polo offenbaren sich in anderen Bereichen. In der passgenauen Verarbeitung, den hochwertigen Kunststoffen und diesem souveränen Gefühl, in einem erwachsenen Auto zu sitzen, das sich funktionell keine Schwäche erlaubt. Der Polo ist beileibe kein optischer Reißer und auch keine innovative Wundertüte, aber er ist in seiner Vollwertigkeit ein Volkswagen im eigentlichen Wortsinn.

Auf großer Fahrt zeigt er seinen Konkurrenten eine andere Komfort-Dimension. Schon nach wenigen Kilometern lässt er seine Insassen vergessen, dass sie sich in der automobilen Einsteigerklasse befinden. Der Motor brummt unauffällig im Hintergrund, die Federung ebnet kleinere Unebenheiten geschickt ein, und die Sitze sind so gemütlich wie kurvenstabil. So macht Kilometerfressen auch mit einem Auto-Benjamin Spaß. In der Pflicht der Tradition stehend, wirkt auch der C3 ohne Ausstattung Oberklasse, Verarbeitung nur mittelmäßig.

Der C3 bietet den praktischsten und größten Kofferraum Durchzugsschwach und müde, der 1,4-Liter enttäuscht Knappe Kopffreiheit und sehr weiche Sitze hinten Der Komfort des C3 überzeugt, die Lenkung dagegen nicht Zweifel komfortabel, aber das höhere Geräuschniveau, die auf starke Anregungen bockig reagierende Hinterachse und das plüschige Gestühl bedürfen schon einer gewissen Toleranz. Richtige Nehmernaturen werden dagegen erst beim Forfour gefordert. Sein betont sportlich ausgelegtes Fahrwerk teilt auf schlechter Wegstrecke eifrig trockene Schläge aus. Auf den vorderen Sitzplätzen vereiteln die wohlgeformten Sitze aber größeres Unwohlsein. Die Rücksitze werden für Großgewachsene jedoch zur Büsserbank mit Zangentaktik: Von unten drückt eine unangenehme Strebe unter dem Polster, von oben droht der niedrige Dachhimmel. Das sind die Nachteile des Forfour, doch die Vorteile folgen auf dem Fuße: Der Smart fegt über die Landstraße wie ein Wiesel nach einem Energy- Drink.

Die 195er Reifen krallen sich in Kurven gierig in den Asphalt, wenig Seitenneigung trübt den Fahrspaß, und wenn einen doch mal der Übermut überkommt und das Heck bei einem Lastwechsel gen Kurvenrand schwenkt, bremst ihn serienmäßiges ESP spät, aber früh genug wieder ein. Die Lenkung erweist sich wiederum als Janus- Kopf. Auf der einen Seite lenkt sie zwar zackig ein, sehr schnelle Bewegungen quittiert sie jedoch mit unerwartet trägem Ansprechen. Der kleine Dreizylinder hängt dafür direkt am Gas und verleiht dem Smart für 75 PS respektable Fahrleistungen, untermalt von einem urtümlichen Röhr- und Kreischgeräusch, das besonders Motorradfahrer rühren dürfte. Vor allem aber verbraucht er am wenigsten Sprit. Der Vierzylinder-Ton des Polo wendet sich nicht an Motorsound- Erotiker. Unauffällig und sehr laufruhig treibt das nicht sonderlich verbrauchsarme 1,4-Liter-Aggregat den Polo trotz des mit Abstand höchsten Leergewichts zu ähnlich ordentlichen Fahrleistungen wie beim Forfour.

Das Handling des Polo leidet trotz der exakten Lenkung unter den schmalen 165er Reifen, denen es an Grip und Seitenführung fehlt. Nein, ein Spielzeug ist der Polo damit nicht, aber ein absolut fahrsicheres Auto. Den Spaß-Orden darf sich der C3 erst recht nicht auf die Motorhaube heften. Allem voran sein Motor agiert so behäbig und unwillig auf Gaspedalbefehle, als müsste er unbezahlte Überstunden ableisten. Egal ob auf der Autobahn der vierte oder fünfte Gang anliegt, es ändert sich nur der Ton, der Vortrieb aber kaum. Nur das Heck neigt bei Lastwechseln zu hektischer Betriebsamkeit – das aufpreispflichtige ESP ist zu empfehlen. Doch auch die indifferente Lenkung kann noch nicht den Nervigkeitsgrad erreichen wie der unharmonische Bremsassistent, der schon bei mittelstarken Verzögerungen aktiv wird.

Wie man es richtig macht, zeigt der Smart: exzellente Verzögerungswerte, fünf Meter weniger als C3 und Polo und ein immer passendes Pedalgefühl. Die nur durchschnittlichen Bremsleistungen des Polo lassen sein Punktepolster zum Smart bedrohlich schrumpfen. Doch schlussendlich gewinnt er den Vergleichstest mit einer Eigenschaft, die schon seinen großen Bruder Golf auszeichnete: Ausgewogenheit. Beim Smart trübt der schlechte Komfort das Bild eines pfiffigen und gelungenen Autos. Den komfortablen und üppig ausgestatteten C3 werfen der müde Motor sowie die mäßigen Fahreigenschaften weit zurück. 

Fazit

1. Citroën C3 1.4 Exclusive 426 Punkte

Exzellenter Ausstattung, gutem Komfort und einer pfiffigen Optik stehen beim C3 ein müder Motor, schwache Qualität und mäßige Fahreigenschaften entgegen.

2. Smart Forfour 1.1 Passion 471 Punkte

Fahraktiv, agil, verbrauchsgünstig, variabel mit hervorragenden Bremsen, der Smart Forfour hätte das Zeug zum Sieger, wenn das Fahrwerk nicht so hart wäre.

3. VW Polo 1.4 Comfortline 474 Punkte

In Kleinwagendimensionen überragender Komfort und Ausgewogenheit bescheren dem Polo den Gesamtsieg. Das Ausstattungsniveau ist aber äußerst bescheiden.

Technische Daten

VW Polo 1.4 16V Comfortline Citroën C3 1.4 Exclusive Smart forfour passion
Grundpreis 14.530 € 15.390 € 14.970 €
Außenmaße 3897 x 1650 x 1465 mm 3850 x 1667 x 1529 mm 3752 x 1684 x 1450 mm
Kofferraumvolumen 270 bis 1030 l 305 bis 1310 l 268 bis 910 l
Hubraum / Motor 1390 cm³ / 4-Zylinder 1360 cm³ / 4-Zylinder 1124 cm³ / 3-Zylinder
Leistung 55 kW / 75 PS bei 5000 U/min 54 kW / 73 PS bei 5400 U/min 55 kW / 75 PS bei 6000 U/min
Höchstgeschwindigkeit 172 km/h 167 km/h 165 km/h
0-100 km/h 13,7 s 16,1 s 14,0 s
Verbrauch 6,5 l/100 km 6,3 l/100 km 5,5 l/100 km
Testverbrauch 7,9 l/100 km 7,5 l/100 km 7,1 l/100 km
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