Citroën C4 2.0i 16V im Test

French Dressing

Foto: Achim Hartmann 16 Bilder

Citroën schüttelt alte Tristesse ab: Der kompakte C4 erfrischt mit mutigem Styling, Hightech-Ausstattung und pfiffigen Details. Was bietet der 136 PS starke Viertürer sonst noch?

C4-Fahrer tunen das Raumklima stilvoll: mittels parfümiertem Lufthauch, den das Gebläse in den Innenraum fächelt. Ein Plastikflakon, unsichtbar im Lüftungsschlitz deponiert, verströmt das Aroma. Die Intensität lässt sich mittels Rändelrad regeln: von subtil bis penetrant. Als Nachfolger des Xsara zeigt der C4 Citroëns Rückkehr zur positiven Andersartigkeit. Skurriles Außenseitertum, lieblose Langeweile – alles vorbei. Technische Details und das Design sind endlich wieder so pfiffig, wie wir es von der einstigen Vordenker-Marke erwarten. Allerorts hagelt es Komplimente, der Mann auf der Straße ist begeistert. Unterstützt durch die glänzenden 17-Zoll-Alufelgen ruft die edel-zurückhaltende Optik Fragen nach dem Preis hervor.

Das Lockangebot von weniger als 14.500 Euro für den Viertürer mit 1,4-Liter-Basisbenziner sorgt für ungläubiges Staunen, das einem Hab-ich’s-doch-gewusst-Blick weicht, sobald man den Preis des Testwagens mit Zweiliter-Vierzylinder (136 PS) und Exclusive-Ausstattung nennt: ab 21.290 Euro – inklusive Weltmeister-Bonus von 1.200 Euro, den der amtierende Rallye-Weltmeister bei Bestellungen bis zum Jahresende gewährt. Der vermeintlich hohe Preis repräsentiert einen oberklassigen Serienumfang: elektrische Fensterheber, Bordcomputer, Klimaautomatik, CD-Radio- Einheit, elektrisch verstellbare und beheizbare Außenspiegel, Tempomat, Einparkhilfe, Regensensor, 17-Zoll-Alufelgen, in Kurven mitlenkende Bi-Xenon-Scheinwerfer und Nebelleuchten. Aufpreisfrei ist die nahezu vollständige Sicherheitsausrüstung mit acht Luftsäcken ringsum, ESP, Bremsassistent sowie zwei Aufnahmepunkten für Isofix-Kindersitze. Schlecht dagegen: die mickrigen hinteren Kopfstützen.

Innovation bringt Citroënmit dem Spurassistent in die Klasse; er kostet 590 Euro Aufpreis. Dieses (abschaltbare) System erkennt Abweichungen vom eingeschlagenen Kurs und ermahnt den mutmaßlich wegdösenden Fahrer mit zudringlichem Rütteln an den Pobacken. Blinken unterbindet den Vibrationsalarm – eine prima Erziehung zum Zeichengeben im Verkehr.

Straffes Fahrwerk

Als würde ihn Rallye-Weltmeister Sébastian Loeb persönlich pilotieren, fegt der Citroën durch den Test-Slalom. Nachteil: Mit dem auf Daunen gebetteten Dahinschweben früherer Modelle hat der C4 nichts mehr gemein. Bei ihm regiert die Stahlfeder, und die ist vor allem eines: hart. Leichte Stöße dringen dabei bis in die präzise, aber gefühlskalte Lenkung. Vor allem ihr mit zunehmendem Einschlag ungleichmäßig straffer werdendes Rückstellmoment erinnert an die künstlichen Lenkkräfte einer Spielekonsole – ein Eindruck, den zunächst auch das Lenkrad selbst vermittelt.

Pralltopf und Nabe sind fixiert, nur der Kranz ist beweglich. Diese Lösung irritiert im Fahrbetrieb weniger, als man angesichts der gewagten Konstruktion vermuten könnte. Dennoch muss der Blick zuweilen gesenkt werden – zur Kommandobrücke. Tempomat, Navigationsgerät, Autoradio, Bordcomputer, Klimaanlage sowie Telefon lassen sich über Schalter rund um den Pralltopf bedienen. Sie schimmern nachts, doch die mickrigen Symbole sind für den gespreizten Daumen kaum zu erreichen. Auf den Innenraum wirkt sich die gefällig geschwungene Dachpartie nachteilig aus: Die Kopffreiheit reicht hinten gerade noch für durchschnittlich große Männer, der Karosserie-Einzug lässt kaum Bewegungsspielraum. Vorne ist dagegen genügend Raum. Weiteres Manko: das Gepäckabteil. Nur 320 Liter fasst die Kammer; immerhin lässt sie sich flexibel erweitern. Die Rückbank ist serienmäßig asymmetrisch umklapp-, die Sitzfläche ausbaubar. So entstehen 1.023 Liter Laderaum – nicht gerade die Kenngröße eines Transportwunders.

Als französischer Couturier setzt Citroën eher auf Schick als auf Praktikabilität. Das äußert sich in durchweg hochwertigen Materialien, die sauber verarbeitet sind und das Grau vergangener Tage abgeschüttelt haben. Wie eine Dissonanz fahren da mahlende und wimmernde Getriebegeräusche in die gut arrangierte Qualitätskomposition. Ohnehin mindert der Zweiliter-Benziner den bislang guten Eindruck. Zwar ist der Vierventiler ausreichend kräftig, aber dröhnig und spricht verzögert auf Befehle des Gaspedals an. Zudem verbraucht er im Schnitt nahezu zehn Liter Superbenzin auf 100 Kilometer. Zuviel.

Fazit

Nach einer langen Durststrecke ist der C4 der erste pfiffige Citroën. Sein Design dürfte dem Viertürer viele Anhänger bescheren. Die müssen sich allerdings auf Schwächen wie etwa üble Geräusche aus dem Antrieb einstellen.

Technische Daten
Citroën C4 2.0i 16V Exclusive
Grundpreis 22.790 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 4260 x 1773 x 1458 mm
KofferraumvolumenVDA 320 bis 1023 l
Hubraum / Motor 1997 cm³ / 4-Zylinder
Leistung 100 kW / 136 PS bei 6000 U/min
Höchstgeschwindigkeit 207 km/h
0-100 km/h 9,3 s
Verbrauch 7,8 l/100 km
Testverbrauch 9,8 l/100 km
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