Citroën C4 Picasso HDi 135 FAP im Test

Sicht-Gestalt

Foto: Foto: Hans-Dieter Seufert 16 Bilder

Schöne Aussichten für Fensterputzer: Im üppig verglasten Kompaktvan Citroën C4 Picasso bietet sich die Welt im Cinemascope-Format dar. Test des Siebensitzers mit Zweiliter-Diesel in der Exclusive-Version.

Am besten, man nähert sich dem C4 Picasso bei Nacht. Nicht, dass sein Äußeres keine Reize böte – im Gegenteil. Doch im Dunkeln kommt sein Interieur erst so richtig zur Geltung. Von 32 möglichen Lichtquellen wird es in ein besonders warmes, einladendes Ambiente getaucht. Dafür sorgen in erster Linie die Leuchtstreifen entlang der Instrumententafel, in den Türverkleidungen und im Dach, die sich über einen Knopf an der Unterseite des Armaturenbretts sogar dimmen lassen.

Ein netter Einfall sind auch die mit einem Sensor ausgestatteten Türablagen. Sobald sich eine Hand in ihre Nähe bewegt, werden sie automatisch beleuchtet. Auch bei Tageslicht fällt die Innenarchitektur ins Auge. Der von Citroën als Visiovan bezeichnete C4 Picasso ist ein rollender Glaspalast mit zehn Seitenscheiben, einer Panorama-Frontscheibe und einem allerdings aufpreispflichtigen Glasdach, das sich bei Bedarf mit einem elektrischen Rollo verdunkeln lässt.

Das ergibt zusammen 6,4 Quadratmeter verglaste Fläche und einen luftig wirkenden, lichtdurchfluteten Innenraum, in dem alles auf das Wohlbefinden der bis zu sieben Insassen zugeschnitten ist. Dazu trägt auch der aufgeräumte Instrumententräger bei. Besonders übersichtlich wird er dadurch aber nicht: Fast alle Bedienelemente, inklusive des Wählhebels für das automatisierte Schaltgetriebe, sind in die fest stehende, überfrachtete Lenkradnabe integriert.

Andere, wie die Regler für die Zwei-Zonen-Klimaanlage, befinden sich reichlich versprengt ganz außen. Den Platz in der Mitte nimmt ein 5,4 Liter großes Kühlfach ein. Darüber sitzen ein zusätzliches Bedienpanel für die Telefon- und DVD-Navigationseinheit (2200 Euro) sowie der deplatzierte Schalter für die elektrische Parkbremse. Die digitalen Zentralinstrumente liegen zwar nicht optimal im Blickfeld, sind aber gut ablesbar und erstrahlen in fünf wählbaren Leuchtfarben. Sie wirken fast entspannend, genau wie die Vordersitze.

Die Polster für Fahrer und Beifahrer brauchen einen Vergleich mit Lounge-Sesseln nicht zu scheuen. Ihre kräftigen Wangen sind allerdings zu weich und bieten nur wenig Halt. Den vermissen die Fondpassagiere schon bei mäßigen Kurvengeschwindigkeiten. Die tiefe Sitzposition auf den drei Stühlen in Reihe zwei und die fehlende Auflagefläche für die Oberschenkel ermüden auf Dauer.

Den guten Eindruck des kultivierten Selbstzünders macht das serienmäßige, elektronisch gesteuerte Schaltgetriebe zunichte, das seine sechs Gänge automatisch oder auf Befehl des Fahrers über die Schaltwippen am Lenkrad anwählt. In beiden Modi überzeugt die Abstimmung nicht. Besonders im Automatik-Betrieb führt das selbständige Öffnen und Schließen der hydraulischen Kupplung beim Gangwechsel zu Nickbewegungen des Vans. Zusätzlich strapazieren unlogische Schaltpunkte die Nerven.

Besser geht es, wenn der Fahrer selbst die Regie übernimmt. Zumindest bleibt ihm so die Möglichkeit, über das Gaswegnehmen besänftigend einzuwirken. Vorausgesetzt, er verfügt über einen gefühlvollen Fuß, denn andernfalls tritt der Picasso beim Anfahren fast überfallartig an – ein Gräuel, besonders beim Einparken.

Die Suche nach der richtigen Parklücke erleichtert der im Paket mit Einparksensoren an Front und Heck sowie einem Spurassistenten für 850 Euro erhältliche Parklückendetektor, der überprüft, ob ihre Größe ausreicht. ESP gehört hingegen zur Serie, ebenso wie sieben Airbags, die von Knie bis Kopf für Schutz sorgen.

Den Aufenthalt an Bord können zudem Komfortbeigaben wie eine zweite Klimaanlage für den Fondbereich, ein DVD-Entertainment-Paket oder Xenon-Kurvenlicht versüßen. Ein Schnäppchen ist der C4 Picasso dann nicht mehr. 29 400 Euro verlangt Citroën bereits als Grundpreis für die Exclusive-Variante. Gewiss nicht der günstigste Einstieg ins Van-Segment, aber dennoch ein gelungener Beitrag. Und ein schöner noch dazu.

Aber kein Vergleich zu den beiden Sitzen im Kofferraum: Sie gehen allenfalls als Notsitze für Kurzstrecken durch, sollten jedoch am besten Kindern vorbehalten bleiben. Um ohne allzu große Verrenkungen dorthin zu gelangen, klappen die Sitzflächen der äußeren Fondplätze wie Kinosessel hoch, ehe sie sich über die Schienen nach vorne fahren lassen.

Wie es sich für einen Van gehört, ist die Fondbestuhlung mit wenigen Handgriffen im Boden verstaut. So lässt sich das mickrige Ladevolumen des Siebensitzers von 208 Liter auf klassenübliche 1951 Liter steigern. Die ebene Ladefläche, schmale Radkästen und die Zuladung von 594 Kilogramm ergeben echte Transporter-Qualitäten, zu denen die wirksamen und standfesten Bremsen passen.

Voll beladen zeigt die Waage für den 4,59 Meter langen C4 Picasso allerdings über 2,3 Tonnen an. Motor und Fahrwerk stehen dann vor einer großen Herausforderung. Deshalb setzt Citroën bei den gehobenen Versionen an der Hinterachse eine Luftfederung mit automatischer Niveauregulierung ein. Sie gleicht Straßenfehler souverän aus und erstickt bis auf tiefe Querfugen grobe Schläge im Keim.

Ein deutlich vernehmbares Poltergeräusch lässt sich dabei aber nicht verbergen. Der Slalomparcours bringt eine weitere Schwäche ans Tageslicht: Bei schnellem Kurswechsel verhärtet sich die ungewöhnlich direkt ansprechende Lenkung spürbar. Anders als viele Artgenossen zeigt sich der C4 dafür sehr wankresistent und fahrdynamisch.

Der Zweiliter-HDi ist nicht nur deshalb eine gute Wahl, weil er dem Van eine große Gelassenheit mit auf den Weg gibt. Er verbindet sie auch mit Effizienz, wie der Testverbrauch von 8,4 Liter pro 100 Kilometer belegt.

Vor- und Nachteile

Karosserie
  • großzügiges Raumangebot
  • gute Rundumsicht
  • einfacher Zustieg
  • umständliche Bedienung
Fahrkomfort
  • insgesamt guter Federungskomfort
  • bequeme Vordersitze
  • kaum Wankbewegungen
  • Poltergeräusche an der Hinterachse
Antrieb
  • hohe Laufkultur
  • kaum Anfahrschwäche
  • ordentliche Durchzugskraft
  • Nickbewegung beim Schalten
  • schlecht abgestimmtes sequenzielles Getriebe
Fahreigenschaften
  • sicheres Fahrverhalten
  • gutes Handling
  • guter Geradeauslauf
  • verhärtende Lenkung
Sicherheit
  • standfeste Bremsen
  • serienmäßig umfangreiche Sicherheitsausstattung
Kosten
  • attraktiver Einstiegspreis
  • keine 3-Jahres-Garantie
Umwelt
  • niedriger Verbrauch
  • Partikelfilter serienmäßig

Fazit

Mit seinem variablen Interieur, praktischen Details und der kompletten Sicherheitsausstattung bringt der Citroën C4 Picasso HDi 135 FAP frischen Wind ins Van-Segment. Weniger gelungen: Bedienung und Lenkung.

Technische Daten
Citroën Grand C4 Picasso HDi 135 FAP EGS 6 Exclusive
Grundpreis 31.050 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 4585 x 1829 x 1624 mm
KofferraumvolumenVDA 576 bis 1951 l
Hubraum / Motor 1997 cm³ / 4-Zylinder
Leistung 100 kW / 136 PS bei 4000 U/min
Höchstgeschwindigkeit 195 km/h
0-100 km/h 12,4 s
Verbrauch 6,1 l/100 km
Testverbrauch 8,4 l/100 km
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