Citroën C5 3.0 V6 gegen Renault Laguna 3.0 V6 24 V

Foto: Hans-Dieter Seufert

Der neue Citroën C5 V6 verspricht mit der berühmten Hydropneumatik besten Federungskomfort. Kann da der ebenfalls neue Renault Laguna V6 noch mithalten? Ein Vergleich der Automatik-Versionen.

Es ist mehr als die Duplizität der Ereignisse: Der V6, der die neu angetretenen französischen Konkurrenten Citroën C5 und Renault Laguna antreibt, findet sich auch in den Peugeot-Modellen 406 und 607 sowie im Renault Clio V6 und Espace.

Auch an anderer Stelle zeigen sich Parallelen. Beide Neulinge, die in der Mittelklasse eine wichtige Rolle spielen wollen, können nach dem Absperren der Türen automatisch die Außenspiegel anklappen. Das hat in engen Parklücken bestimmt seinen Sinn, ist ansonsten jedoch überflüssig.

Von der Statur ist der Citroën das deutlich größere Auto. Er muss beim Format den Spagat zwischen den Modellen XM und Xantia schaffen, die er ersetzt. Daraus resultiert ein Raumangebot, das deutlich über dem des kleineren Laguna liegt. Sieben Zentimeter mehr Innenbreite zwischen den Vordertüren sprechen eine deutliche Sprache.

Auch hinten und im Gepäckabteil bietet der Citroën mehr, zudem minimal mehr Zulademöglichkeit. Und er hat die kommoderen Sitze.

Aber warum hat er hinten diese absurden Kopfstützen, die normal gebauten Personen auch ganz ausgefahren immer noch schmerzhaft ins Genick drücken und so die ans heimische Sofa erinnernde Rückbank praktisch unbewohnbar machen?

Der kompaktere Renault steht mit seiner oberhalb der Gürtellinie weiter eingezogenen Karosserie stämmiger auf der Straße. Er dürfte den von hinten ein wenig hochbeinig wirkenden, eiförmigen Citroën ausstechen – falls die zwei tatsächlich jemals bei einem Schönheitswettbewerb antreten sollten.

Die Ausstattung ist bei beiden ungewöhnlich reichhaltig ausgefallen. Automatikgetriebe, Klimaautomatik und Regensensor für den Scheibenwischer sind Standard. Aber es fehlen unverständlicherweise ein paar wichtige Kleinigkeiten: Die Sitzheizung kostet jeweils extra, ebenso der Heckwischer des Citroën. Renault bietet gar keinen an.

Beide zeigen eine Vorliebe für verspielte Elektronik-Gimmicks und vergessen darüber die elementaren Regeln des Automobilbaus, was besonders für den Citroën gilt.

Das Spektrum beginnt beim vorlauten, sprechenden Bordcomputer des Laguna mit seinen Grammatikproblemen („Bitte schnallen Sie den Sicherheitsgurt an“) und reicht bis zum schlecht einzusehenden Farbmonitor im C5, der dem Fahrer dienstbeflissen bestätigt, dass er gerade den Scheibenwischer aktiviert oder am Lautstärkeknopf des Radios gedreht hat.

Ärgerlich wird diese Verspieltheit, wenn man vom Display eigentlich gerade ablesen wollte, welche Empfehlung das Navigationssystem ausgeknobelt hat – Fehlanzeige. Auch sonst ist es mit der Ergonomie nicht weit her.

Unsichtbar am Sitzgestell versteckte Schalter für die Sitzheizung und – auch beim Renault – offensichtlich als neuester Design-Gag plan in ihr Umfeld eingelassene Druckschalter, die sich nicht ertasten und nur mit spitzem Finger drücken lassen, erlauben nur einen Schluss: Für künftige sinnvolle Modellpflege-Maßnahmen ist bestens vorgesorgt.

Obschon gleich motorisiert, offenbaren die beiden Franzosen doch einige gravierende Unterschiede im  Antriebskapitel. Wo der Laguna mit fünf Fahrstufen und einer Renault Laguna schneller und sparsamer Kickdown-Stellung des Gaspedals auf der Höhe der Zeit scheint, muss sich der C5 mit vier auch noch reichlich lang übersetzten Gängen begnügen.

Das höhere Gewicht des Citroën und sein höherer Luftwiderstand führen überdies zu mehr Verbrauch und – vor  Allem in der vierten Fahrstufe – zu Abstrichen bei den Fahrleistungen.

Die Steuerung des Getriebes vermag in beiden Fällen nicht zu befriedigen. Immer wieder gibt es heftige Schaltrucke, und das sicherlich gut gemeinte selbsttätige Herunterschalten beim Bremsen führt zu wenig passagierfreundlichen, unharmonischen Bremsvorgängen.

Vor allem im Renault sieht sich der Fahrer nach einem kräftigen Bremsmanöver auch nach dem Loslassen des Bremspedals weiterhin spürbarer Verzögerung ausgesetzt, weil der Motor jetzt in einem der unteren Gänge zu hohen Drehzahlen gezwungen wird.

Bei der für das Komfort-Empfinden freilich entscheidenderen Absorption von Fahrbahn-Unebenheiten machen die beiden Franzosen der Firmentradition entsprechend eine gute Figur, ohne allerdings die Erwartungen zu erfüllen, die man bei neu konstruierten Autos hegt.

Die Hydropneumatik des Citroën schluckt grobe Unebenheiten erwartungsgemäß besser, als das die konventionelle Fahrwerkstechnik des Renault vermag. Der Kontakt mit den Anschlägen der Federung ist dem C5 auch in beladenem Zustand fremd, wobei ihm selbstredend die Niveauregelung der Hydropneumatik entgegenkommt.

Renault-Fahrern bleibt eine solche Einrichtung auch als Extra verwehrt, was Abstriche beim Fahren mit voller Beladung auf schlechten Straßen unvermeidbar macht.

Das Schlucken kleinerer Unebenheiten und der Abrollkomfort zählen nicht zu den starken Seiten der beiden Konkurrenten. Hier wirkt der Citroën schon aus technischen Gründen ein wenig hölzern: Wegen des hohen Systemdrucks müssen die Hydraulikzylinder mit entsprechend vorgespannten Dichtelementen versehen werden, die fürs feine Ansprechen Gift sind.

Dazu kommen störende Zittereffekte der Karosserie nach dem Passieren von Schlaglöchern, wie man sie sonst  her von Cabrios kennt.

Die Fahreigenschaften der beiden sind mit einem Wort beschrieben: narrensicher. Neutralität in schnellen Kurven, spürbares Untersteuern des Citroën bei engeren Biegungen, nur angedeutete Lastwechselreaktionen beim Renault, mehr gibt es dazu nicht zu sagen – außer dass dem C5-Testwagen das serienmäßige ESP noch fehlte.

Der mit reichlich Servounterstützung gesegneten C5-Lenkung mangelt es an Fahrbahnkontakt. Der Laguna hat ihn, aber leider auch bei Bodenwellen, die als Stöße im Lenkrad spürbar werden.
Bei der Sicherheit geben sich die beiden kaum Blößen. Beim Bremsen hagelt es Bestnoten, allein in der Standfestigkeit zeigt der Citroën eine winzige Schwäche.

Unangenehmer ist da schon das weich federnde, synthetische Pedalgefühl, das die Dosierung erschwert. Auch der Renault ist da nicht optimal, hier stören die übertriebene Servounterstützung sowie die ausgeprägte Trägheit im Bremspedal die Dosierung. Mit Airbags an fast allen Ecken und Enden, ESP, Reifendruck-Kontrolle sowie Kopfstütze und Automatikgurt auch für den Mittelplatz hinten lassen die zwei bei der Sicherheits-Ausstattung keine Wünsche offen.

Mit der Kostenrechnung kommt die Quittung für die reichhaltigere Ausstattung des Citroën: Er ist um rund 5.000 Mark teurer. Aber auch ohne Berücksichtigung der Kostenseite hat der Renault die Nase vorn. Aber auch er ist nicht der große Wurf. Doch bei ihm sind nicht im selben Maße automobile Selbstverständlichkeiten so grob vernachlässigt worden wie beim Citroën.

Und wie zur Bestätigung fehlt auch beiden eine Abgas-Einstufung nach Euro 4, die bei den meisten neuen deutschen Autos längst eine Selbstverständlichkeit ist.

Fazit

1. Renault Laguna 3.0 V6
503 Punkte

Die modernere Antriebstechnik und der geringere Verbrauch sprechen für den Renault. Dazu kommen Vorteile bei Fahrverhalten, Handling und Lenkung. Schließlich kann der Laguna auch noch Kostenvorteile ins Feld führen.

2. Citroën C5 3.0i V6
494 Punkte

Großer Innenraum, dank Hydropneumatik mit Niveauregulierung gutes Schluckvermögen der Federung auf grober Bahn auch in voll beladenem Zustand. Die Funktionalität musste vielen Elektronik-Gags Platz machen. Schade.

Technische Daten
Citroën C5 3.0 V6 Exclusive Renault Laguna 3.0 V6 24V Privilège
Grundpreis 31.680 € 28.510 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 4617 x 1770 x 1476 mm 4576 x 1749 x 1429 mm
KofferraumvolumenVDA 456 bis 1310 l 430 l
Hubraum / Motor 2946 cm³ / 6-Zylinder 2946 cm³ / 6-Zylinder
Leistung 152 kW / 207 PS bei 6000 U/min 152 kW / 207 PS bei 6000 U/min
Höchstgeschwindigkeit 232 km/h 240 km/h
0-100 km/h 9,3 s 9,0 s
Verbrauch 10,1 l/100 km 10,1 l/100 km
Testverbrauch 12,6 l/100 km 12,2 l/100 km
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