Citroën C5, Peugeot 407 und VW Passat

Lange Eile

Foto: Achim Hartmann 37 Bilder

Die moderne Mittelklasse ermöglicht entspanntes Reisen mit kraftvollen und dazu genügsamen Dieselmotoren. Citroën C5, Peugeot 407 und VW Passat treten mit jeweils 170 PS gegeneinander an.

Mittelklasse – irgendwie hat das Wort immer einen faden Beigeschmack. Ist es mehr Mittelmaß oder vielleicht doch Klasse? Und dann noch Mittelklasse plus Diesel: Diese Paarung stand einst für die Inkarnation von Biederkeit. Doch die Zeiten haben sich geändert. Keine Spur davon bei den Testkandidaten.

Längst haben sich moderne Diesel zu kraftvollen Aggregaten mit maßvollen Trinksitten entwickelt. Je 170 PS agieren unter den Hauben der drei Konkurrenten, und mit serienmäßigem Partikelfilter sind sie so sauber, wie es der aktuelle Stand der Technik erlaubt. Das Reizthema Rußpartikel hat sich also von vornherein erledigt. Auch VW liefert den Vierventiler mit einem wartungsfreien Filtersystem aus. Die zwei Vettern aus dem PSA-Konzern, beide mit dem neuen 2,2-Liter-Vierventilaggregat gerüstet, vertrauen die Reinigungsarbeiten dem hauseigenen FAPFiltersystem an.

Das ist nach wie vor auf Zugabe eines Additivs zur Filterregeneration angewiesen. Allerdings wurde das System so verfeinert, dass es nun nur noch alle 210 000 Kilometer gewartet werden muss. Zwei Wege führen zum gleichen Ziel – zumindest was die nominelle Leistung betrifft. VW presst stattliche 170 PS mit Hilfe eines Turboladers aus nur zwei Liter Hubraum. Das klingt reichlich angestrengt, äußert sich beim Fahren allerdings nur in einem Schönheitsfehler. Viel Leistung erfordert einen großen Lader, und der braucht reichlich Abgas- Munition, um auf Touren zu kommen. Eine deutliche Anfahrschwäche ist die Folge – und zwar so deutlich, dass fast jeder Pilot beim Fahrdebüt den Motor zunächst abwürgt. Kräftig Gas geben heißt also beim Start die Devise.

Erst einmal auf Touren gebracht, legt der TDI allerdings jenseits 1500/min mit solch brachialer Kraft los, dass die Reifen schnell radieren. Imponierend dann aber der leichtfüßig-kraftvolle Auftritt bei höherem Reisetempo. Wäre da nicht das lästige Turboloch, könnte man leicht ins Schwärmen geraten. Peugeot und Citroën gehen einen anderen Weg.

Nach der Devise „ein bisschen Bi schadet nie“ rüsten sie ihren 2,2-Liter-Diesel mit kleineren Turbos aus, davon aber gleich mit zweien. Nummer eins spricht sehr schnell an. Erst ab etwa 2600/min sorgt dann Nummer zwei, parallel mitlaufend, für jenes Plus an Luft, das die höhere Leistung fordert. Sowohl Citroën als auch Peugeot verdanken der Bi-Turbo-Unterstützung eine im Vergleich zum Passat harmonischere, weniger spektakuläre Leistungsentfaltung. Akustisch jedoch sind sie dabei nicht im Vorteil.

Dank dem üppigen Drehmoment leisten sich alle drei einen lang ausgelegten sechsten Gang, der hohe Reisegeschwindigkeiten bei gehörschonenden Drehzahlen erlaubt. Das beeinflusst auch die Trinksitten positiv. Verhalten gefahren sind bei allen Verbräuche unter sechs Liter/100 km möglich. Der C5 fällt mit einer etwas gefühllosen Schaltung ab, 407 und Passat gestalten das Sortieren der Gänge für den Fahrer weitgehend problemlos. Das gilt, nach kurzer Eingewöhnung, auch für die elektromechanische Parkbremse, mit der sich der Passat über das in der Mittelklasse übliche Maß erhebt. Knopfdruck statt Muskelkraft heißt das Motto, den Rest erledigt ein Stellmotor – eine feine Sache.

Wer 51 Euro zusätzlich investiert, erhält die empfehlenswerte Auto-Hold-Taste, die dem rechten Fuß im Stop-and-go-Verkehr die lästige Bremsarbeit abnimmt. Auch den mechanischen Schlüssel hat VW gespart. Dass man nun den elektronischen Signalgeber in einen Schacht steckt, ist aber keine wirkliche Erleichterung. Dies gilt auch für den Spurassistenten, ein anderes elektronisches Helferlein, das Citroën dem C5, gekoppelt an eines der sechs Optionspakete, mitgibt.

Dieser rüttelt den Fahrer mit vibrierendem Sitz wach, falls er die Spurbegrenzung versehentlich trifft – und erzieht so wenigstens zum steten Blinken. Mitlenkende Bi-Xenonscheinwerfer, Serie in der Exclusive-Version, sind dagegen ein hilfreiches Extra, auch wenn ihre hektischen Schwenks mitunter stören.

Der Kofferraum des C5 ist der einzige, der trotz Stufenheck mit riesiger Heckklappe das Beladen leicht macht. Ein Vorteil für Transport-Junkies, auch wenn er fast 100 Liter weniger Basis- Ladevolumen zu bieten hat als die mit 565 Liter riesige Höhle des Passat. Der Zugang des VW ist relativ schmal, aber wie bei den beiden anderen auch bieten sich variable Erweiterungsmöglichkeiten durch Umklappen der Fondsitze.

Schon der Kofferraum ist ein schönes Beispiel für den guten Qualitätseindruck beim Passat. Solide verarbeitete Filzauskleidung statt Wabbel-Plastik ist ein charakteristisches Indiz dafür. Aber auch Armaturengestaltung, Sitze, Interieur und Materialauswahl sind eine Klasse besser als bei den Franzosen.

Ihre im Fahrtwind flatternden Motorhauben werfen ein Schlaglicht auf Unterschiede in der Qualitätsphilosophie. Eine eigene, ganz dem Komfort verschriebene Philosophie vertritt Citroën mit seinem hydropneumatischen Fahrwerk. In Ergänzung zu den weichen, etwas umständlich zu verstellenden Sitzen bettet es die Passagiere auf langen Bodenwellen wie auf ein sanft schwingendes Himmelbett – ein Charakterzug, der aber bei flotter Kurvenfahrt eher verunsichert. Im Gegensatz dazu informiert der C5 über kurze Bodenwellen aber unerwartet direkt. Zu sanft ausgelegt, wirkt seine Lenkung eher gefühllos und indifferent.

Das gilt eingeschränkt auch für den Peugeot, der übrigens auch mit konventioneller Fahrwerkstechnik den Eindruck erweckt, als habe man sich dem Citroën- Komfortideal ein Stück angenähert. Aber im Handling ist er unkomplizierter, weil sein untersteuerndes Eigenlenkverhalten weniger ausgeprägt ist als beim französischen Bruder. Auch seine strafferen Sitze bieten viel mehr Seiten- halt. In der Disziplin Bremsen sind alle drei Kandidaten eher unauffälliges Mittelmaß. Seine Fahrwerkseigenschaften hieven den Passat in die Top-Position. Die straffe, jedoch nie unangenehm harte Abstimmung zeigt sich praktisch allen Situationen gewachsen. Ein nahezu neutrales Eigenlenkverhalten, dazu die exakte Lenkung mit guter Rückmeldung – da passt alles zusammen. Zudem greift das ESP spät und dann dosiert zügelnd ein. Zur Perfektion passen die gut geformten Sitze, die in der Highline-Version zudem über eine elektrische Sechs-Wege-Einstellmöglichkeit verfügen. Nur im Fond fehlt es trotz ordentlichen Sitzangebots Passagieren jenseits der 1,80- Meter-Marke an Kopffreiheit.

Wegen der abfallenden Dachlinie stoßen sie fast zwangsläufig an Höhengrenzen. Das gilt noch mehr übrigens für die beiden Franzosen, bei denen man dem Peugeot zudem einen lästigen Wulst im Steißbereich und dem Citroën niedrige Kopfstützen ankreiden muss. Trotz imponierender motorischer Potenz tendiert die Mittelklasse hier wohl eher in Richtung Mittelmaß.

Fazit

1. VW Passat
513 Punkte

Mit Qualität, Fahrkomfort und -sicherheit punktet der Passat. Zur Perfektion fehlt dem sparsamen und leistungsstarken Motor noch das optimale Anfahrverhalten.

2. Peugeot 407
484 Punkte

Die größte Stärke des Bi-Turbo-Dieselmotors ist seine harmonische Kraftentfaltung. Gute Ausstattung und günstigster Preis sind weitere Argumente für den 407.

3. Citroën C5
477 Punkte

Die gleichen motorischen Vorzüge wie beim 407 paaren sich mit markentypischem Komfortdenken. Fahrdynamik und Handling gehören nicht zu den Stärken des C5.

Technische Daten
VW Passat 2.0 TDI Highline Peugeot 407 HDi FAP 170 Bi-Turbo Prémium Citroën C5 HDi 170 Biturbo FAP Exclusive
Grundpreis 33.225 € 28.200 € 32.340 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 4765 x 1820 x 1472 mm 4676 x 1811 x 1455 mm 4745 x 1780 x 1475 mm
KofferraumvolumenVDA 565 l 407 l 471 bis 1315 l
Hubraum / Motor 1968 cm³ / 4-Zylinder 2179 cm³ / 4-Zylinder 2179 cm³ / 4-Zylinder
Leistung 125 kW / 170 PS bei 4200 U/min 125 kW / 170 PS bei 4000 U/min 125 kW / 170 PS bei 4000 U/min
Höchstgeschwindigkeit 223 km/h 222 km/h 222 km/h
0-100 km/h 8,6 s 9,1 s 9,0 s
Verbrauch 6,2 l/100 km 6,1 l/100 km 6,1 l/100 km
Testverbrauch 7,8 l/100 km 8,6 l/100 km 8,3 l/100 km
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