Citroen C5 V6 HDi 205

Schwebenskünstler

Foto: Hans-Dieter Seufert 24 Bilder

Wer Citroën fährt, umgibt sich in Deutschland mit der Aura des Sonderlings. Doch der neue C5 soll die französische Lebensart für ein größeres Publikum attraktiv machen.

Ein neuer Citroën. Warum regt uns das mehr auf als ein neuer Mitsubishi? Weil nach mehr als einem halben Jahrhundert noch der DS in unseren Köpfen steckt – jener Geniestreich, der radikal mit allen Traditionen brach. Wer eine Historie hat wie die seit 1919 existierende Firma Citroën, tut sich schwer, die Erwartungen zu erfüllen. Anders als früher steht das Rezept für ein gutes Auto fest. Am Mainstream kommt keiner mehr vorbei. Alles anders machen wie einst bei der launischen Göttin DS 19? Da könnte man auch versuchen, die Sauce béarnaise neu zu erfinden. Eigenbrötler-Ideen wie Lupentacho, nicht zurückstellende Blinkerhebel oder undosierbare Knopfbremsen sind gut aufgehoben im Kuriositäten-Kabinett.

Kein Langweiler mehr

Was bleibt also übrig beim neuen C5, der jetzt an die Stelle eines Langweilers gleichen Namens tritt? Das kritische Auge erkennt so manches: die feststehende Lenkradnabe beispielsweise, die man schon deswegen gut finden kann, weil die darauf platzierten Knöpfe sich immer an der gleichen Stelle befinden. Oder das serienmäßige Ölthermometer. So etwas hat kaum noch einer. Immerhin erinnert es daran, dass sich auch moderne Motoren für sorgfältiges Warmfahren mit verringertem Verschleiß revanchieren.

Ein bisschen anders präsentieren sich auch die Instrumente. Statt Zeigern streichen nur noch kleine Pfeile über die Skalen. Wobei wir feststellen müssen, dass anders nicht besser sein muss. Auch dass Citroën dem Fahrer einen nur mit dem Schlüssel zu öffnenden Tankverschluss zumutet, gehört zu den wenig begeisternden Eigenheiten.

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C5-Topmodell zeigt sich luxuriös

Vorhanden ist alles, was man braucht, um in einem von der Mercedes C-Klasse bis zum Ford Mondeo reichenden Konkurrenzumfeld eine gute Figur zumachen. Eine sehr umfangreiche Sicherheitsausstattung beispielsweise und ein großzügiges Platzangebot, abgesehen von der für lange Leute eingeschränkten Kopffreiheit im Fond. Und weil es sich beim Testwagen um das Topmodell Exclusive mit zusätzlichem 4.700-Euro-Luxuspaket handelt, gibt es weder an der Ausstattung noch am Ambienteetwas auszusetzen. Material- und Verarbeitungsqualität überzeugen.

Das auch für das Armaturenbrett verwendete Leder schmückt sich mit attraktiven weißen Nähten. Gut gemeint, aber leider spiegeln die sich störend in der Windschutzscheibe. Auch bei der Bedienung bleibt die Bewertung uneinheitlich. Gut sind die klare Grafik des großen Navi-Bildschirms, schnell begreifbar die wirklich wichtigen Funktionen. Die Sprachsteuerung freilich ist - wie bitte? - nicht Stand der Technik, und eine Fülle sehr kleiner Tasten trübt das haptische Vergnügen. Wer tiefer in die Menüs einsteigen will, ist mit der Bedienungsanleitung gut beraten, die gottlob hier nicht den Umfang eines Brockhaus-Bandes erreicht hat.

Sie suchen den Warnblinkschalter? Der sitzt, als habe ihn der Designer erst einmal vergessen, rechts auf der Beifahrerseite. Für Citroën-Kenner sind das Petitessen des Gewöhnungsprozesses. Sie warten gespannt auf das Fahrerlebnis - eines, das geeignet ist, all die kleinen Meckereien verblassen zu lassen. Sie werden nicht enttäuscht sein. Zwar bietet Citroën sein jüngstes Kind auch in Versionen mit einer schnöden Stahlfederung an, aber der Testwagen verfügt über jene hydropneumatische Federung, die eine der tragenden Säulen des Citroën-Rufes darstellt.

Hoher Federungskomfort

In ihrer neuesten Version heißt sie Hydractive III+ und bildet ganz klar den Höhepunkt dieses Automobils. Denn was hier an geschmeidigem Ansprechverhalten und gelassenem Wegbügeln von Bodenwellen geboten wird, ist absolute Spitzenklasse. Speziell über lange Bodenwellen schwebt der Citroën hinweg, dass man sich wundert, warum andere Autos so merkwürdige Karosseriebewegungen machen. Selbst Landstraßen übelster Ordnung werden zu scheinbar gepflegten Chausseen. Dass fiese Querwellen dann doch für die Insassen spürbar werden, bleibt als Beweis dafür, dass es keine Federung gibt, die wirklich alles wegschlucken kann. Es ändert aber nichts daran, dass der C5 nicht nur in seiner Klasse eine klare Spitzenstellung in Sachen Federungskomfort einnimmt.

Selbst anerkannte Könner wie ein C-Mercedes vermögen nicht jenes Gefühl des fliegenden Teppichs zu vermitteln wie der Citroën. Der erreicht, kein Wunder bei weitgehend identischer Fahrwerkstechnik, das Niveau des großen Bruders C6, ist ihm aber in fahrdynamischer Hinsicht klar überlegen. Dazu trägt in erster Linie die Lenkung bei, die spontaner und exakter arbeitet. Speziell in langen Kurven stellt man fest, wie leicht es fällt, ohne Korrekturen eine saubere Linie zu fahren.

Lenkung mit variabler Servounterstützung

Bei hohem Tempo vermittelt sie ein präzises Gefühl für die Straße, im City-Bereich ersetzt sie dies durch extreme Leichtgängigkeit, die das Rangieren komfortabel macht. Dass der C5 ein hohes Maß an aktiver Fahrsicherheit - einschließlich das Test-Prozedere gelassen wegsteckender Bremsen - bietet, darf als Selbstverständlichkeit abgehakt werden. Bemerkenswert ist eher, wie gut der vorherrschende, vom Fahrkomfort geprägte Eindruck von der Antriebseinheit unterstützt wird. Der 2,7 Liter große Turbodiesel, ein klassischer V6 mit 60 Grad Zylinderwinkel, präsentiert sich als einer der kultiviertesten Vertreter seiner Gattung.

Nur im unteren Geschwindigkeitsbereich dieselt es noch ganz dezent aus dem Motorraum, ansonsten läuft der Sechszylinder so ruhig, dass man ihn kaum noch wahr nimmt. Für gehörigen Dampf sorgen gleich zwei Lader. Die typische Anfahrschwäche vieler Turbodiesel können die aber auch nicht aus der Welt schaffen. Der C5 kommt zäh aus den Startlöchern, beschleunigt dann aber so kräftig und gleichmäßig, als puste ihn der Wind davon. Die ebenso unauffällig wie schnell reagierende Sechsgang-Automatik passt da gut ins Bild. Besser jedenfalls als der in einem verschärften Umfeld nicht zu Begeisterung hinreißende Verbrauch. Trotzdem: André Citroën wird zufrieden lächelnd auf seiner himmlischen Wolke sitzen.

Vor- und Nachteile

Karosserie
  • – großzügige Platzverhältnisse – guter Qualitätseindruck – reichhaltige Ausstattung
  • – relativ kleiner Kofferraum
Antrieb
  • – gute Fahrleistungen – sehr leise und vibrationsarm laufender Motor – gut abgestimmte Sechsgang-Automatik
  • – schlechtes Ansprechverhalten bei niedriger Drehzahl
Fahrkomfort
  • – exzellent ansprechende Federung – gute Klimatisierung –sehr geringes Innengeräusch –bequeme Sitze
  • – Bedienungsergonomie nicht optimal
Fahreigenschaften
  • – sicheres Kurvenverhalten – stabiler Geradeauslauf – gutes Handling – geringe Karosseriebewegungen
  • – großer Wendekreis
Sicherheit
  • – wirksame, standfeste Bremsen – umfangreiche Sicherheitsausstattung
Kosten
  • – lange Inspektionsintervalle
  • – nur zwei Jahre Garantie
Umwelt
  • – serienmäßig Partikelfilter
  • –relativ hoher Verbrauch

Fazit

Der überragende Federungskomfort verhilft dem C5 zu einer Sonderstellung in seiner Klasse. Teilweise umständliche Bedienung und der Verbrauch des sehr kultivierten Dieselmotors trüben das Vergnügen.

Technische Daten
Citroën C5 V6 HDi 205 Biturbo FAP Exclusive
Grundpreis 36.800 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 4779 x 1853 x 1456 mm
KofferraumvolumenVDA 467 l
Hubraum / Motor 2720 cm³ / 6-Zylinder
Leistung 150 kW / 204 PS bei 4000 U/min
Höchstgeschwindigkeit 224 km/h
0-100 km/h 9,4 s
Verbrauch 8,4 l/100 km
Testverbrauch 9,9 l/100 km
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