Citroën Evasion 2.0i, Ford Galaxy 2.0, Honda Shuttle 2.2i, Renault Espace 2.2

Auf dem Markt der Großraumlimousinen, den Renault jahrelang beherrscht hat, gelten jetzt neue Regeln. Die aktuelle Generation der Minivans, im Test durch Ford Galaxy, Honda Shuttle und Citroën Evasion vertreten, macht dem etablierten Modell Konkurrenz.

Wer zu spät kommt, den bestraft bekanntlich das Leben – eine Erkenntnis, die sich bei deutschen Autoherstellern zumindest auf einem Sektor nicht herumgesprochen hatte: Den weltweiten Minivan- Trend würdigten sie jahrelang keines Blickes. Doch dann, Anfang der neunziger Jahre, regten sich die Verantwortlichen bei Ford und VW, wie weiland die DDR nach der Gorbatschow- Warnung, und beschlossen ein Gemeinschaftsprojekt: Ford Galaxy und VW Sharan. Dieses deutsch-deutsche Modell rollt mit großer Verspätung auf einen international dicht besetzten Markt: Der Renault Espace fährt bereits seit elf Jahren große Erfolge ein, die Eurovans aus der Fiat/Lancia/ Peugeot/Citroën-Kooperation sind vor einem Jahr gut gestartet, und der Honda Shuttle belebt seit Frühjahr das Geschäft.

Obwohl der Oldie Renault Espace immer noch mit nahezu unverändertem Styling auftritt, wirkt sein Gesicht im Kreise der jüngeren Modelle keinesfalls veraltet. Das spricht einerseits dafür, daß der französische Van ein zeitloses Outfit mitbekommen hat, während sich andererseits die Nachahmer offensichtlich in Design, Format und Konzept an dem Vorbild orientiert haben. Flach abfallende Frontpartien, knappe Überhänge, große Glasflächen, hohe Aufbauten und Außenlängen um die viereinhalb Meter kennzeichnen auch die neuen Großraumlimousinen. Auf den ersten Blick gibt es also wenig Neues. Trotzdem hat sich ein Generationswechsel vollzogen. Der wichtigste Fortschritt: Die neuen Van-Variationen erleichtern den Umstieg von konventionellen Limousinen, indem sie hinsichtlich Einstieg und Sitzposition vergleichbare Eigenschaften mitbringen.

Wer dagegen im Espace Platz nehmen will, hat das Gefühl, einen Kutschbock erklettern zu müssen, um dann in der aufrechten Haltung eines Lastwagenfahrers zu thronen. Fortschritte sind bei den neueren Modellen auch hinsichtlich der Raumausnutzung zu verzeichnen. Alle Vans bieten auf drei Sitzreihen bei voller Bestuhlung maximal sechs (Galaxy Ghia und Shuttle) und auch sieben Personen (Evasion und Espace) Platz. Im Galaxy, in der Luxusausführung Ghia durchgängig mit einzelnen Pilotensitzen ausgerüstet, finden die Passagiere in der zweiten Reihe viel mehr Armund Beinfreiheit vor als im Espace. Nicht ganz so großzügig wie der Galaxy ist der Evasion, dessen Sitzpolster zudem knapp geschnitten sind und so das Gefühl von Enge verstärken. Der Shuttle, in seinen Außenabmessungen der größte Van in diesem Vergleich, fällt in seinem Platzangebot noch etwas kleiner aus.

Dafür bietet nur er in der zweiten Reihe eine gute Fußfreiheit. Die dritte Sitzreihe (beim Espace gegen Aufpreis) spielt in allen Fällen nur die Rolle eines Notbehelfs und ist allenfalls Kindern zuzumuten. Wenig Unterschiede treten auch beim Vergleich der Kofferraumvolumina auf. Sind alle Plätze belegt, bleiben für Gepäck nur 250 (Espace) bis 340 Liter (Evasion). Auf Gruppenreisen kann also nur das Nötigste mitgenommen werden. Mehr Aufschluß über die Ladekapazitäten bietet allerdings das sogenannte Quadermaß, dessen Kantenlängen von den Abmessungen der Hecktür, der Neigung der Sitzlehnen und der Weite zwischen den Radkästen bestimmt wird. Hier erweist sich der Espace als geeignetster Transporter für sperrige Gegenstände, während es im Shuttle am engsten ist. Sinn für Variabilität hat Honda dafür mit einer pfiffigen Idee bewiesen: Die hintere Sitzbank läßt sich mit wenigen Handgriffen zusammenfalten und im Wagenboden versenken, muß also nicht extra ausgebaut werden. 

Die Konkurrenz macht dieses Defizit mit drehbaren Vordersitzen wett, die ein Picknick erlauben. Große Tabletts, in die Sitzrücklehnen der zweiten und dritten Reihe fest eingelassen, unterstreichen beim Galaxy zusätzlich die Alltagstauglichkeit. Überhaupt zeichnet sich die Ford-Neuentwicklung, die ab September im Handel sein wird, durch ein hohes Maß an Funktionalität aus: Ausreichende Ablageflächen in allen drei Sitzreihen helfen ebenso wie Getränkehalter für Fahrer und Beifahrer, Ordnung im Auto zu halten. Steckdosen im Fond ermöglichen die Installation eines Bordkühlschranks, den es gegen 500 Mark Aufpreis gibt, und logisch angeordnete Schalter, die zum Teil von VW stammen, erleichtern die Bedienung. Einziges Manko ist die Position der Lenkstockhebel: Blinker und Fernbedienung für die Stereoanlage sind gleichwertig übereinander neben dem Lenkrad angeordnet, so daß aus Versehen das Radio plötzlich plärrt, wenn der Blinkhebel betätigt werden soll. Auf dem hohen Niveau des Galaxy rangiert auch der Citroen, der als einziger mit zwei Schiebetüren ausgerüstet ist, was den Zugang zum Auto in Parklücken erleichtert. Seine drei Konkurrenten haben konventionelle Türen, die sich besonders beim Espace nicht weit genug öffnen lassen, um einen bequemen Einstieg zu ermöglichen.

Daß das Renault-Konzept veraltet ist, beweisen auch der fehlende Beifahrer-Airbag, versteckt in den Türen sitzende Fensterheber und Griffe und ein winziges Handschuhfach. Und obwohl alle Vans wegen der abfallenden Frontpartien schlecht zu überschauen sind, macht es der Renault dem Fahrer besonders schwer, weil er als einziges Modell in diesem Quartett mit einem längs eingebauten Motor ausgerüstet ist und dadurch einen extrem langen Vorbau hat. Ansonsten zeigen die Motorenkonzepte der vier Konkurrenten viel Ähnlichkeit. In allen Fällen handelt es sich um Reihen-Vierzylinder mit zwei beziehungsweise 2,2 Liter Hubraum, die mit Verbrauchswerten zwischen 11,3 (Shuttle und Evasion) und 11,8 Liter (Espace) auf 100 Kilometer nicht übermäßig durstig sind. Das Leistungsspektrum reicht von 107 PS für den Espace bis zu 150 PS für den Shuttle, der nur in Verbindung mit einer gut gestuften und sanft schaltenden Viergangautomatik lieferbar ist. Großer Fahrspaß kommt mit keinem dieser Triebwerke auf – kein Wunder angesichts der zum Teil hohen Leergewichte. So bringt der Galaxy mehr als 1700 Kilogramm auf die Waage, eine Masse, mit der der 115 PS-Motor aber erstaunlich gut zurechtkommt.

Dafür fehlt es dem brummenden und vibrierenden Zweiventiler im oberen Drehzahlbereich (ab 4000/min) an Laufkultur, die in diesem Vergleich nur der Evasion mitbringt. Die Schwäche des Citroen: Er ist im fünften Gang zu lang übersetzt und wirkt an Autobahnsteigungen schlapp. Mehr Temperament bieten der durch seine Kunststoffkarosserie leichte Espace und der Shuttle, der durch seinen 150 PS-Motor mit den besten Fahrleistungen überzeugt. Während der Honda-Motor im unteren und mittleren Drehzahlbereich auch kultiviert läuft, fällt der Vierventiler beim Ausdrehen wie der Galaxy durch lautes Brummen unangenehm auf. Echte Blößen gibt sich der Honda jedoch im Federungskomfort. Er verschont die Passagiere weder vor kurzen noch vor langen Bodenwellen und verfällt bei voller Beladung auf schlechten Straßen in heftige Vertikalbewegungen. Das kann sogar der alte Espace besser, obwohl auch er Mühe hat, Fahrbahnunebenheiten zu filtern. Seine Komfortnote fällt nur wegen der unbequemeren Sitze noch schlechter aus als beim Shuttle.

Was die Eurovans gut machen, kann der Galaxy noch etwas besser. Er übertrifft den gewiß nicht unkomfortablen Evasion mit einer Federung, die leer wie beladen in dieser Klasse zur Zeit zweifellos den Maßstab setzt. Einziger Kritikpunkt: das etwas harte Abrollen. Zum Wohlbefinden der Passagiere trägt darüber hinaus ein Fahrverhalten bei, das bis in den Grenzbereich ausgesprochen neutral ist, während Espace und Shuttle in Kurven früh und heftig mit den Vorderrädern zum Außenrand schieben. Zu dem insgesamt hohen Niveau an aktiver Fahrsicherheit passen die Bremsen bei allen vier Vans nicht ganz. Bei warmer Bremse läßt die Wirkung bei Galaxy, Evasion und besonders Espace deutlich nach. Im Handling ist der Citroen dem Ford dafür überlegen, weil die Galaxy-Lenkung trotz Servounterstützung etwas zu hohe Haltekräfte fordert. Mit einem relativ geringen Wendekreis von 11,6 Metern (Evasion: 12,4 Meter) läßt sich der Galaxy allerdings im Stadtverkehr besser rangieren. Daß der Neuling in diesem Vergleich die Nase vorn hat, liegt auch an der Wirtschaftlichkeit: Der Galaxy ist mit 47 890 Mark das günstigste Modell und verfügt außerdem über die niedrigste Kasko-Einstufung.

Der Honda kostet immerhin 2100 Mark mehr, obwohl auch er wegen seiner umfangreichen Ausstattung, die im Gegensatz zum Galaxy noch vier elektrische Fensterheber und ein Schiebedach umfaßt, ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis bietet. Der Renault Espace, dessen Preis ausstattungsbereinigt rund 1000 Mark über dem des Ford liegt, kann vor allem in technischer Hinsicht nicht länger verbergen, daß er in die Jahre gekommen ist. Sein Nachfolger ist für 1997 geplant. In der Summe seiner Eigenschaften schafft es der Galaxy auch, den 1100 Mark teureren Citroen Evasion abzuhängen. Ein hohes Maß an Funktionalität, neutrales Fahrverhalten und der klassenbeste Federungskomfort sichern der Neuentwicklung den Sieg. Mal sehen, wie ihm das Leben mitspielt.

Fazit

1. Renault Espace 2.2 Limited 94 Punkte

94 Motor mit guten Fahrleistungen, vielfältige Variationsmöglichkeiten der Einzelsitze, korrosionsbeständige Kunststoffkarosserie. Beengter Einstieg in die hinteren Sitzreihen, kleiner Kofferraum, unbequeme Sitzposition, starkes Bremsfading, Beifahrer-Airbag nicht lieferbar.

2. Honda Shuttle 2.2i ES 98 Punkte

Großzügiges Platzangebot im Innenraum, gute Fahrleistungen,Viergangautomatik mit schnellen Reaktionen, umfangreiche Ausstattung, versenkbare Rücksitzbank. Schweißtreibende Sitze, eingeschränkter Federungskomfort auf langen und kurzen Bodenwellen, sehr unexakte Servolenkung, großer Wendekreis.

3. Citroen Evasion 2.0i SX 102 Punkte

Sehr gutes Handling, komfortable Fahrwerksabstimmung, bequemer Einstieg durch Schiebetüren, gutes Raumangebot, praxisgerechte Ausstattung, hohe Variabilität. Knapp geschnittene Sitze mit eingeschränkten Verstellmöglichkeiten, umständliche Wegfahrsperre, starke Aufheizung im Innenraum, starkes Bremsfading.

4. Ford Galaxy 2.0 Ghia 105 Punkte

Sehr guter Federungskomfort, nahezu neutrales Fahrverhalten in Kurven, gutes Raumangebot, bequeme Sitze, hohe Variabilität, gute Verarbeitungsqualität. Brummiger Motor, starke Aufheizung im Innenraum, kleiner Kofferraum bei voller Bestuhlung, trotz Servounterstützung etwas schwergängige Lenkung, Bremsfading.

Technische Daten

Ford Galaxy 2.0 Ghia Honda Shuttle 2.2i ES Renault Espace 2.2 RN
Grundpreis 26.480 € 26.321 € 21.321 €
Außenmaße 4617 x 1810 x 1730 mm 4750 x 1790 x 1640 mm 4429 x 1795 x 1693 mm
Kofferraumvolumen 266 bis 2610 l 280 bis 738 l 900 bis 3000 l
Hubraum / Motor 1998 cm³ / 4-Zylinder 2156 cm³ / 4-Zylinder 2165 cm³ / 4-Zylinder
Leistung 85 kW / 115 PS bei 5500 U/min 110 kW / 150 PS bei 5600 U/min 79 kW / 107 PS bei 5000 U/min
Höchstgeschwindigkeit 172 km/h 183 km/h 175 km/h
0-100 km/h 12,2 s 13,4 s
Verbrauch 10,3 l/100 km
Testverbrauch 11,3 l/100 km 11,8 l/100 km
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