Citroën Saxo 1.4i, Ford Fiesta 1.25i, Lancia Y 1.4, Mitusbishi Colt 1300

Kleinwagen finden immer mehr Zulauf – die Hersteller reagieren mit neuen Modellen. Auf den jüngst renovierten Ford Fiesta treffen die ausländischen Newcomer Citroën Saxo, Lancia Y und Mitsubishi Colt, hier alle mit 75 PS.

Zusammen mit dem Polo“, resümierte auto motor und sport beim Kleinwagen-Vergleichstest in Heft 2/96, „markiert der Fiesta die Spitze.“ Nun drängt neue Konkurrenz in die größer gewordene Kleinwagen- Welt. Der französische Saxo, mit dem es Citroën nach eigenem Bekunden den Großen zeigen will, tritt auf die Bühne, ebenso der formal sehr erwachsen wirkende Mitsubishi Colt, daneben der vom Styling her aus dem Rahmen fallende Lancia. Man kann gerade diese neue Kleinwagen-Generation nicht ohne ein paar Worte aus dem emotionalen Bereich begrüßen, ihren optischen Auftritt. Der Colt ist in seiner pausbäckigen Rundlichkeit nicht nur formal sehr stattlich, sondern auch ein typisches Kind des Neunziger Jahre-Stylings.

Der Fiesta, in weiten Teilen auf der alten Karosse basierend, ist im Vergleich mit dem Vorgänger ebenfalls rundlicher geworden. Der Citroën Saxo erscheint in der Biederkeit seiner Erscheinung kaum zu übertreffen. Ist das dieselbe Fabrik, die einst einen 2 CV, DS oder CX formte? Sie ist es. Allein der Lancia trägt der zunehmenden Bedeutung formaler Anreize Rechnung. Auch wer ihn nicht attraktiv findet, wird ihn doch sofort erkennen – das Gesicht in der Menge haben nun auch die Kleinen.

Die Längenabmessungen zeigen dagegen jene Uniformität, die sich aus Aufwand und Wirkung ergibt. Saxo und Y sind mit 3,73 Meter genau gleich lang, der gedrungen wirkende Fiesta liegt immerhin elf Zentimeter darüber, der Colt ist mit 3,88 Meter eindeutig der stattlichste. Doch die Außenabmessungen sagen noch nichts aus über das Geschick der Konstrukteure, auf dem vorhandenen Raum Volumen zu schaffen. Schon die Kofferraum-Inhalte beweisen, daß – ähnlich wie die Menschen – alle Autos ungleich sind.

Der Saxo erreicht mit 280 Litern ein Gardemaß in dieser Gruppe, dahinter rangieren mit 250 beziehungsweise 240 Litern Fiesta und Colt, das Schlußlicht bildet der puppige Lancia, in dessen kleine Kammer gerade einmal 215 Liter hineinpassen – viel zu wenig für die vielzitierte Reise mit Kind und Kegel. Gleichwohl kann man seinen Erzeugern nicht mangelnde Raumökonomie vorwerfen.

Der Lancia hat nicht nur gute Sitze, in der getesteten Nobelversion LX mit Alcantara-Kunstleder bezogen, sondern sorgt auch für ein gutes Raumgefühl vorne und bietet ausreichenden Beinraum hinten. In diesem Bereich ist vor allem das größte Produkt in dieser Runde enttäuschend. So erwachsen der Colt auf der Straße steht, als vollwertigen Viersitzer kann man ihn nur mit Wohlwollen bezeichnen. Hinzu kommt wegen des beim Umklappen der Lehne nicht nach vorne rutschenden Fahrersitzes der schwierigste Zutritt zu den hinteren Gemächern – alle getesteten Kandidaten traten in zweitüriger Formation an.

Allerdings gilt die Vollwertigkeit auf den hinteren Rängen auch bei den beiden anderen Kandidaten nur mit Einschränkung. Der Fiesta wirkt im Fond ebenfalls kleinwagenhaft und offeriert hinten nur wenig Kopffreiheit.

Auch der Saxo enttäuscht mit bescheidenem Platz für die Beine hinten. Daß er der Franzose im Vierländer-Quartett ist, beweisen am spontansten seine Sitze. Sie sind von sofaähnlicher, nachgiebiger Beschaffenheit, während ansonsten eher hartes Gestühl – speziell beim Lancia – vorherrscht.

Die Fun-Version des Fiesta offeriert sogenannte Sportsitze, deren Bequemlichkeit vor allem durch eine nach vorne zu steil ansteigende Sitzfläche eingeschränkt ist. Der Colt hat durchschnittliche Sitzqualitäten zu bieten, und gleiches gilt für den Bereich der Funktionalität. Daß die Lichtschalter auf breiter Front in die Blinkerhebel gewandert sind, stellt sich nicht als schwerwiegender Nachteil heraus. Eher sind das schon die ebenfalls in breiter Viererfront auftretenden Klapptürgriffe – beim Lancia Y besonders zierlich und ganz atypisch hoch und deshalb schlecht erreichbar plaziert. Er hat dafür ein Maximum an Ablagefläche zu bieten, nämlich eine große Mulde in dem eigenwillig gestylten Armaturenbereich.

Das Minus folgt auf dem Fuße. Denn bei der Gestaltung der Armaturen mit der mittig angeordneten Instrumenteneinheit hörten die Lancia-Designer nicht auf den alten Grundsatz von der Form, die der Funktion folgt. Sie schufen ein zweifellos ansehnliches Ambiente, doch wie hoch der Motor gerade dreht, läßt sich erst mit dem zweiten Blick erfassen. Daß die konventionelle Lösung mit den Uhren vor Fahrers Auge ebenfalls attraktiv sein kann, zeigt der Fiesta. Instrumente mit hellem Grund schaffen einen Hauch von großer Autowelt.

Dem Lancia Y 1.4 LX gelingt dies nicht nur im Ambiente, sondern auch mit dem umfangreichsten Ausstattungspaket der vier Kandidaten. Ob Servolenkung, ABS, Zentralverriegelung mit Fernbedienung, Nebelscheinwerfer oder gar Deckenleuchte mit Lesespot – er hat fast alles. Nur der Beifahrer-Airbag fehlt (Aufpreis 200 Mark), kann aber wie beim Fiesta nachgereicht werden (400 Mark). Der Ford verdient sich in der Ausstattungsdisziplin keine guten Noten, denn wichtige Extras wie die hinteren Kopfstützen können nur paketweise zugekauft werden – auch Dinge, die bei anspruchsvollen Kleinwagen eigentlich dazugehören. Zum Beispiel die Servolenkung (950 Mark), die der Colt serienmäßig hat, der Saxo aber nicht.

Dafür gebührt dem kleinsten Ford erneut die Palme für die beste Karosseriesteifigkeit und das Qualitätsgefühl. Hier schlägt er sogar noch den solide wirkenden japanischen Colt, der seinerseits wiederum vor dem Saxo und dem Lancia rangiert. Wie sehr sich Citroën zur Uniformität verdammt hat, zeigt gerade das jüngste Modell. Man sitzt gut, man findet sich gut zurecht, und doch heißt es wie bei keinem anderen: bonjour tristesse. Die Munterkeit der Motorisierung mildert dies zweifellos. Zusammen mit dem Fiesta bietet der wie alle anderen 75 PS leistende Saxo die besten Beschleunigungswerte und mit 7,5 Liter pro 100 Kilometer den günstigsten Durchschnittsverbrauch.

Bei der in zügigem Stil absolvierten Vergleichsfahrt genehmigten sich die restlichen drei Konkurrenten jeweils einen Liter mehr – auch der Fiesta, der einzige Vierventiler übrigens und obendrein der einzige mit nur knapp über 1,2 Liter Hubraum. Das Minimalvolumen ändert nichts daran, daß der jüngste und bislang noch kleinste Ford die Antriebswertung mit seinem am exaktesten schaltbaren Getriebe gewinnt.

Er hat gute Elastizitätswerte, die sich klar von denen des zu lang übersetzten und träge agierenden Colt unterscheiden, und er schlägt alle anderen in einem gerade für Langstreckenfahrt sehr bedeutsamen Bereich: der Laufkultur. Die dem Reihenvierzylinder grundsätzlich eigenen Massenkräfte zweiter Ordnung scheinen völlig zu fehlen. Fast vibrationsfrei und mit dem angenehmsten Klangbild zieht der Fiesta seine Bahn – eine einzige Freude.

Das Lancia-Triebwerk, ein Dreiventiler wie das des Colt, wirkt subjektiv zäh trotz nominal akzeptabler Elastizität. Der zweiventilige Saxo- Vierzylinder, auch im Peugeot 106 verwendet, wirkt bei hohen Drehzahlen angestrengt. Das, was man als Motorvergnügen bezeichnet, hat vor allem der Fiesta zu bieten – der Rest des Maschinenparks tut brav seine Pflicht und beweist immerhin, daß kleine Autos mit 75 Pferdestärken für weit mehr gut sind als für den Stadtverkehr. Auch der gebotene Federungskomfort zeigt das.

Der Fiesta setzt hier den Maßstab – daß er in der Gesamtwertung nicht noch besser abschneidet, liegt vor allem an den unkomfortablen Sitzen. Beim Lancia Y verhält es sich umgekehrt; er zeigt besonders auf kleinen Wellen beständig leichtes Stuckern, mit der maximalen Last von 360 Kilogramm bietet er aber innerhalb der Gruppe ein Maximum. Erwartungsgemäß sichert sich auch der Saxo eine gute Komfortnote. Er wirkt sehr geschmeidig, doch mit voller Zuladung stößt er, auf der Hinterhand durchschlagend, wie der Colt an seine Grenzen.

Der Fiesta hat nicht nur das beste Handling, sondern auch die beste Bremskraft: kein Fading nach der zehnmaligen Hundert-auf-Null-Tortur und damit eine einsame Bestnote. Vor allem der Lancia Y läßt mit heißen Bremsen in der Verzögerung deutlich nach – runde zehn Meter über dem Kaltwert.

Hinzu kommt, daß er bei forcierter Fahrt auf welliger Bahn mit der Vorderachse versetzt. Im übrigen ist er ein gutmütiger Untersteurer ohne Fahrwerkstücken, womit er sich freilich nicht besonders ins Szene setzen kann. Denn den berühmten Fahrwerks-Hund findet man bei keinem der vier Kandidaten, wohl aber eine Handling-Bandbreite: Fiesta bester, Colt schlechtester.

Damit ist das Gesamtergebnis schon vorweggenommen. Der neue Fiesta setzt sich zusammen mit dem Saxo von Citroën an die Spitze, was er in erster Linie seinen Motorqualitäten und dem ausgewogenen Komfort verdankt. Y 1.4 und Colt folgen auf den Plätzen drei und vier. Vor allem für den Fiesta gilt es, das alte Underdog- Idiom: klein, aber oho.

Fazit

1. Ford Fiesta 1.25i Fun
104 Punkte

Gute Verarbeitung, funktionelle Bedienung, gute Fahrleistungen, sehr hohe Motorlaufkultur, exakt schaltbares Getriebe, sichere Fahreigenschaften, guter Federungskomfort, gute Handlichkeit, gute Bremsen. Nur knappes Raumangebot unkomfortable Vordersitze.

2. Citroën Saxo 1.4i SX
102 Punkte

Funktionelle Bedienungselemente, komfortable Sitze, guter Federungskomfort, sichere Fahreigenschaften, gute Fahrleistungen, niedriger Treibstoffverbrauch, gut gestuftes Fünfganggetriebe. Begrenztes Raumangebot im Wagenfond, eingeschränkte Laufkultur bei hohen Drehzahlen.

3. Lancia Y 1.4 LX
99 Punkte

Karosserie mit gutem Raumgefühl, guter Sitzkomfort vorne und hinten, gute Handlichkeit, sichere Fahreigenschaften, sehr reichhaltige Serienausstattung. Bremsen mit starker Fadingneigung, sehr kleiner Kofferraum, geringe Zuladung, eingeschränkter Federungskomfort.

4. Mitsubishi Colt 1300 GLX
97 Punkte

Karosserie mit befriedigender Verarbeitung, gutes Raumangebot vorne, hohe Zuladung, gutmütiges Kurvenverhalten. Schlechter Sitzkomfort hinten, mühsamer Zugang zum Fond, Komfortmängel bei voller Zuladung, Bremsfading, unexakte Schaltung.

Technische Daten
Citroën Saxo 1.4i SX Mitsubishi Colt 1300 GLX Lancia Y 1.4 LX Ford Fiesta 1.25i Fun
Grundpreis 10.686 € 12.010 € 11.913 € 11.652 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 3718 x 1595 x 1368 mm 3880 x 1680 x 1365 mm 3723 x 1690 x 1435 mm 3828 x 1634 x 1320 mm
KofferraumvolumenVDA 280 bis 953 l 240 bis 830 l 215 bis 910 l 250 bis 625 l
Hubraum / Motor 1360 cm³ / 4-Zylinder 1298 cm³ / 4-Zylinder 1370 cm³ / 4-Zylinder 1242 cm³ / 4-Zylinder
Leistung 55 kW / 75 PS bei 5500 U/min 55 kW / 75 PS bei 6000 U/min 55 kW / 75 PS bei 6000 U/min 55 kW / 75 PS bei 5200 U/min
Höchstgeschwindigkeit 175 km/h 170 km/h 168 km/h 170 km/h
0-100 km/h 12,1 s 13,3 s 13,2 s 12,9 s
Verbrauch 6,9 l/100 km 6,8 l/100 km 7,1 l/100 km
Testverbrauch 7,5 l/100 km 8,5 l/100 km 8,0 l/100 km 8,7 l/100 km
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