Citroën Xsara Coupé 1.8i 16 V, Opel Astra Coupé 1.8 16 V, Renault Mégane Coupé 1.6 16 V

Wem eine Limousine zu bieder erscheint, der kauft einfach ein Coupé. Xsara Coupé 1.8i 16V, Opel Astra Coupé 1.8 16V und Renault Mégane Coupé 1.6 16V zeigen in diesem Vergleichstest, was sie können.

Coupés treten in zwei Erscheinungsformen auf. Die einen sind reinrassige und oft hochkarätige Sportwagen. Bei ihnen verdeutlicht die Zusatzbezeichnung Coupé, dass sich der Fahrer nicht mit irgendwelchen Problemen von Faltverdecken herumschlagen muss. Die zweite Spezies erinnert an biedere Limousinen, deren Fahrer sich dank engem Innenraum und Reduzierung der Zahl der Türen auf zwei nicht mit irgendwelchen von Schwiegermüttern verursachten Problemen herumschlagen muss. Mitunter sind bei diesen Modellen auch Anflüge von Sportlichkeit und eleganter Linienführung zu beobachten. Zu dieser milden Sorte gehören die drei Kandidaten dieses Vergleichstests. Ein Blick in Preis- und Datenblatt verdeutlicht, wie das Spielfeld abgesteckt ist: Mit 33 000 Mark markiert das Renault Mégane Coupé 1.6 16 V das untere Ende des Preisrahmens, Opel nimmt für das neue Astra Cou-pé 1.8 16 V immerhin 36 900 Mark. Fast bescheiden wie Renault gibt sich Citroën beim Xsara Coupé 1.8i 16 V mit 33 220 Mark. Die Motorleistungen zwischen 107 PS (Renault) und 115 PS (Opel) lassen Fahrleistungen vergleichbar jenen des VW Golf GTI der verflossenen dritten Generation erwarten. Tatsächlich schafft keiner der drei den Spurt aus dem Stand auf Tempo 100 unter zehn Sekunden. Der Citroën lässt sich gar 11,2 Sekunden Zeit. Das sind zwar keine sportlichen Glanzleistungen, aber fürs flotte Mitschwimmen im Verkehr reicht es, und bei einer Topspeed von knapp 200 km/h bei den beiden Franzosen und von 206 km/h beim Opel gilt das auch für die Autobahn. Der 1,8-Liter des Opel gefällt mit Vibrationsarmut und leisem Lauf. Citroën und Renault zeigen etwas mehr Vibrationen und weniger akustische Zurückhaltung: Der Xsara wird bei höheren Drehzahlen brummig, der Mégane leistet sich ein paar unangenehme Dröhnfrequenzen. Ein Merkmal sportlicher Autos ist ein entsprechend abgestimmtes Fahrwerk.

Nach landläufiger Meinung gehen dabei Abstriche beim Federungskomfort mit einer besseren Straßenlage einher. Den mit Abstand besten Kompromiss hat hier Opel gefunden. Das Astra Coupé bietet einen spürbar besseren Federungskomfort als die beiden Franzosen, Stöße auf kurzen Bodenwellen stören etwas. Und im Fahrverhalten ist das Astra Coupé dennoch fast schon eine Klasse für sich: Der Kurvengrenzbereich liegt hoch, das Eigenlenkverhalten ist völlig neutral. Weder Lastwechsel noch Fahrbahnunebenheiten oder überraschend notwendige Ausweichmanöver in Kurven können der geradezu stoischen Fahrstabilität etwas anhaben. Das elektronische Stabilitätsprogramm gibt es in der 1,8-Liter-Version nur gegen 990 Mark Aufpreis, während das 2,2-Liter-Topmodell serienmäßig damit ausgerüstet wird. Bei Renault und Citroën sucht man den elektronischen Stabilisierer dagegen vergeblich. Erstaunlich straff geriet das Fahrwerk des Renault, was den Fahrer nicht nur kleine Fahrbahnunebenheiten deutlich spüren lässt, sondern auch zu andauernder Unruhe in vertikaler Richtung führt. Im Verein mit der merklichen Stuckerneigung führt das zu einem Gesamteindruck, den die Schwaben kurz und treffend als hopsig charakterisieren. Das Fahrverhalten kann aus dieser Abstimmung nur bedingt Kapital schlagen. Es dürfte allerdings auch mit auf das Konto der schmalen Energiespar-Reifen gehen, dass der Renault vergleichsweise träge einlenkt und deutliches Untersteuern zeigt. Gaswegnehmen in Kurven reduziert etwas das Untersteuern, ohne freilich zum Ausbrechen des Hecks zu führen. Dies ist nur dann zu beobachten, wenn der Mégane im Slalomtest bewusst aufgeschaukelt wird. Trotz Stuckerneigung und an ein Katapult erinnernden Vertikalbeschleunigungen der Insassen auf langen Bodenwellen erringt der Xsara eine bessere Komfortwertung als der Renault, weil er kurze Bodenwellen besser absorbiert. Das Citroën-Fahrverhalten ist geprägt von deutlichen Lastwechselreaktionen und einer wenig harmonischen Reaktion auf Lenkbefehle: Beim Einlenken reagiert er zunächst spontan und geradezu kurvengierig, um dann bei zunehmendem Lenkeinschlag Trägheit und vermehrtes Untersteuern zu zeigen. Unebenheiten in Kurven können dann aber wieder überraschende Übersteuertendenzen auslösen. Ein Eckpfeiler der Fahrsicherheit sind gute Bremsen. Auch hier hat der Opel mit einem Traumwert von 10,9 m/s2 bei der Verzögerung mit kalter Bremse die Nase vorn. Und selbst bei voller Beladung des Astra und mit warm gefahrener Bremse weicht die zehn vor dem Komma nicht. Mit Verzögerungswerten um zehn m/s2 schlägt sich auch der Citroën wacker, während der Renault mit Werten um neun m/s2 ziemlich Federn lassen muss. In Zahlen: zehn Punkte Abzug. Der Opel überzeugt dabei mit einem straffen Pedalgefühl, wenn während der Bremsung noch nachgelegt werden muss, wo der Citroën nach einem zunächst spontanen Ansprechen mit zunehmend hohem Pedalkraftbedarf für eine Vollbremsung überrascht. Der Renault erweckt mit seinem weichfedernd langen Pedalweg wenig Vertrauen.

Der Mégane gerät auch mit seiner im Vergleich mageren Sicherheitsausstattung ins Hintertreffen. Der Opel erhöht dank Isofix-Kindersitzhalterung (42 Mark Aufpreis, beim Citroën Serie) und serienmäßiger Antriebsschlupfregelung seinen Punktevorsprung. Das als Instrument der Abschreckung ungebetener Mitfahrer schon erwähnte knappe Platzangebot lässt sich beim Renault besonders ausgeprägt beobachten: Der Normsitzraum im Fond ist zehn Zentimeter knapper als jener im Opel, und auch die begrenzte Innenhöhe verdeutlicht, dass hier allenfalls Kinder über kurze Strecken kommod zu transportieren sind. Dass der Mégane nicht als Familienkutsche gedacht ist, machen auch sein winziger Kofferraum und die kleine Ladeluke klar. Dank ordentlicher Zuladung und umklappbarer Rücksitzlehnen lassen sich wenigstens lange und flächige Gepäckstücke transportieren, aber eben kein Kühlschrank. Das beherrscht allein der Citroën, der über eine richtige Heckklappe verfügt. Er bietet mit 470 Kilogramm zudem eine konkurrenzlos üppige Zulademöglichkeit. Platz ist natürlich längst nicht alles, was ein Auto innen bieten sollte. Zum Wohlfühlen gehören auch bequeme Sessel und eine sinnvolle Ausstattung. Am besten gefallen die Sitze im Opel, obwohl sie hart gepolstert sind und eine körpergerecht konturierte Lehne vermissen lassen. In Anbetracht seines vorzüglichen Fahrwerks wäre mehr Seitenhalt sicher nicht schlecht. Den bietet der Citroën, doch drücken die Seitenwülste der Lehne unangenehm in die Rippen. Lästig ist auch, dass die Plüschbezüge nicht nur bei sommerlichen Temperaturen schweißtreibend sind. Das gilt zwar auch für das komfortable und guten Seitenhalt bietende Renault-Gestühl, hier kann aber auf die mildernde Wirkung der serienmäßigen Klimaanlage gebaut werden. Die Sitzposition im Renault überzeugt nicht. Selbst in der tiefsten Stellung des Sitzes sitzt der Fahrer noch zu hoch, das Lenkrad ist zu flach angeordnet. Dass sich der Mégane in der Gesamtwertung dennoch knapp auf Platz zwei vorschiebt, verdankt er vor allem seinem trotz der hohen Festkosten immer noch günstigen Kostenniveau und dem niedrigen Benzinverbrauch, der zusätzlich Punkte im Umweltkapitel bringt. Der Opel gewinnt alle fünf Kapitel der Eigenschaftswertung. Ein solcher Vorsprung hat natürlich seinen Preis – selbst bei Opel.

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Technische Daten
Opel Astra Coupé 1.8 16V Tour Renault Mégane Coupé 1.6 16V Sport Citroën Xsara Coupé 1.8i 16V VTS
Grundpreis 18.867 € 16.106 € 17.266 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 4267 x 1709 x 1390 mm 3967 x 1698 x 1366 mm 4167 x 1698 x 1364 mm
KofferraumvolumenVDA 460 bis 1150 l 288 l 408 bis 1190 l
Hubraum / Motor 1796 cm³ / 4-Zylinder 1598 cm³ / 4-Zylinder 1761 cm³ / 4-Zylinder
Leistung 85 kW / 115 PS bei 5400 U/min 79 kW / 107 PS bei 5750 U/min 81 kW / 110 PS bei 5500 U/min
Höchstgeschwindigkeit 206 km/h 198 km/h 195 km/h
0-100 km/h 10,3 s 10,5 s 11,2 s
Verbrauch 7,7 l/100 km 7,0 l/100 km 8,4 l/100 km
Testverbrauch 9,1 l/100 km 8,7 l/100 km 9,9 l/100 km
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