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Citroen Xsara Picasso 1.8 Exclusive im Test

Wenig originell, aber gut

Citroen Xsara Picasso 1.8 Exclusive Foto: Hartmann, H. D. Seufert

Wenn sich ein Auto mit dem Namen eines genialen Künstlers schmückt, darf man eine gewisse wegweisende Verbindung von Stil und Kreativität erwarten. Für eine Vorreiterrolle bei den Kompaktvans erscheint der Citroën Xsara Picasso jedoch zu spät und zu konventionell.

01.08.2000 Bernd Stegemann

Bei der Namensgebung des neuen Citroën waren offenbar Einfaltspinsel am Werk. Vielleicht hatten sie gerade ihre blaue Phase, als ihnen die Schnapsidee kam, dem ersten Kompaktvan der Marke statt eines Kunstnamens einen großen Namen aus der Kunst zu geben. Mit dem Maler der klassischen Moderne hat der in Vigo gefertigte Xsara Picasso jedenfalls außer dem Schriftzug auf den Flanken kaum mehr als die spanische Herkunft gemeinsam.

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Citroen Xsara Picasso 1.8 Exclusive Stil-Leben
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Auch bei näherer Betrachtung bleibt die Suche nach Berührungspunkten erfolglos. Statt zur Avantgarde gehört dieser Picasso zu den Epigonen, denn gegenüber dem Vorbild Renault Scénic und anderen Konkurrenten fällt er weder mit stilistischer Originalität noch durch konzeptionelle Neuerungen aus dem Rahmen. Allein die mandelförmigen Scheinwerfer und die stark gewölbte Silhouette sorgen für Eigenständigkeit.

Wegen der schräg abfallenden Dachlinie gibt es jedoch keinen Platz für eine dritte Sitzreihe, wie sie der nur vier Zentimeter längere Opel Zafira im kantigen Heck hat. Und weil er auch nicht in die Breite geht wie der Fiat Multipla, kann der Citroën gerade so viele Personen transportieren wie ein Kombi oder andere Vans seiner Klasse. Als augenfällige Besonderheit bleibt die extrem flache, ohne Stufe in die Motorhaube übergehende Frontscheibe, die ein luftiges Raumgefühl, aber zugleich eine sehr schlechte Übersicht mit sich bringt.

Weniger störend erscheint das mittig angeordnete Armaturen-Display, weil es weit vorne platziert ist und so den Blick nicht von der Straße ablenkt. Bei Sonneneinstrahlung von hinten lassen sich die Anzeigen jedoch kaum ablesen, zudem fehlt ein Drehzahlmesser. Überfrachtet wirkt dagegen der linke Lenkstockhebel, an dem auch Nebelscheinwerfer und -schlussleuchte eingeschaltet werden, was gelegentlich zu Fehlbedienungen führt.

Ansonsten bietet der Picasso fast alles, was Minivans für viele so erstrebenswert macht. Nicht nur Fahrer und Beifahrer, sondern vor allem mitreisende Kinder im Fond erfreuen sich an der erhöhten Sitzposition und dem guten Ausblick durch die großen Fenster. Klapptische an den Vordersitzlehnen sind ebenso vorhanden wie eine 12-Volt-Steckdose im Fond für Videospiele etwa oder Ablagefächer im Boden und in den Türen, die sogar eine 1,5-Liter-Flasche aufnehmen.

Die hinteren Einzelsitze lassen sich mühelos ein- und ausbauen, der mittlere zudem um 14 Zentimeter nach vorn schieben oder umklappen, so dass er einen Tisch mit Cupholdern bildet oder den Transport langer Gegenstände ermöglicht. Für Erwachsene sind die Polster aber zu flach, zu hart und zu schmal, und auf den beiden Außenplätzen sitzt man stets auf Tuchfühlung mit den Seitenscheiben.

Auch vorne stellt sich kein rechtes Wohlbefinden ein, weil es dem Gestühl an Seitenhalt und Rückenunterstützung mangelt. Wahre Größe zeigt der Citroën beim Ladevolumen, das schon im Normalzustand üppige 550 Liter beträgt und nach Ausbau der Rücksitze auf 2.128 Liter wächst.

Mehr fasst kein vergleichbarer Van, und wegen des topfebenen Bodens, der ordentlichen Zuladung (478 kg) und der niedrigen Ladekante lässt sich der Raum gut nutzen. An vanspezifischen Innovationen, wie man sie von einem Nachzügler und erst recht von einem Citroën erwartet, hat der Picasso allerdings nur eine falt- und fahrbare Gepäckbox sowie die in zwei Stufen arretierende Heckklappe zu bieten, an die klein gewachsene Menschen besser heranreichen.

Von den zwei Ausstattungsstufen (SX und Exclusive) verdient besonders die höherwertige Beachtung: 1.330 Euro Aufpreis für Klimaautomatik, Cassettenradio mit Lenkradbedienung, Armlehnen vorn und Nebelscheinwerfer sind ein faires Angebot. Ein vergleichbarer Opel Zafira Comfort kostet fast 4.000 Euro mehr, wartet im Gegenzug aber mit einer Dachreling und zwei zusätzlichen Sitzen auf. Allerdings merkt man dem Citroën bei Detailverarbeitung und Karosseriesteifigkeit den Zwang zum Sparen an.

Dort fällt den Franzosen ein Verzicht offenbar leichter als in anderen Dingen. Denn beim Komfort zeigt der Picasso auch ohne Hydropneumatik jene Größe, die der längste Radstand seiner Klasse (2,76 Meter) und die Fahrwerkskomponenten der bekannt gut federnden Xsara-Modelle versprechen. Ob mit geringer oder maximaler Zuladung – er rollt geschmeidig ab und geht selbst über grobe Unebenheiten gelassen hinweg. Nur auf Querfugen und kurzen Bodenwellen können die Dämpfer nicht alle Stöße wegfiltern.

Die weiche Abstimmung prädestiniert den Picasso – wie das niedrige Geräuschniveau – für lange Autobahnreisen, mindert andererseits auf gewundenen Strecken die Präzision des Fahrens. In Verbindung mit der etwas indirekten, stößigen Lenkung wirkt er vergleichsweise unhandlich – ein Eindruck, den der ausladende Vorbau und der große Wendekreis weiter verstärken. Die Sicherheit leidet darunter jedoch nicht: Selbst voll beladen bleibt er – trotz hohen Schwerpunkts und sichtbarer Seitenneigung – bis in den Kurvengrenzbereich gutmütig untersteuernd und frei von Lastwechselreaktionen.

Eine leichte Windempfindlichkeit und Traktionsschwäche ist ihm freilich anzulasten, auch wenn die zunächst verfügbaren Motoren nicht allzu sehr an den Vorderrädern zerren. Der HDI-Turbodiesel soll sich besonders durch geringen Verbrauch auszeichnen (5,5 Liter pro 100 Kilometer nach ECE-Norm), verspricht aber mit 90 PS ebenso knausrige Fahrleistungen.

Einziger Benziner ist vorläufig ein neu konstruierter 1,8-Liter-Vierventiler, der gegenüber dem gleich großen Vorgänger mehr Leistung (115 statt 110 PS) und Drehmoment (160 Nm bei 4000 U/min) hat.

Beim Fahren fällt der Alu-Vierzylinder zunächst mit ungleichmäßigem Kaltlauf und seiner Ruckelneigung im Schiebebetrieb auf. Beides verliert sich mit zunehmender Erwärmung, und dann zeigt sich das Triebwerk von seiner angenehmen Seite. Es gibt kaum Vibrationen, und die lange Übersetzung reduziert sowohl das Geräusch als auch den Benzinverbrauch. Mit 9,5 Liter auf 100 Kilometer lässt sich der Picasso im Mittel sparsamer bewegen als alle vergleichbaren Konkurrenten seiner Klasse.

Das dürfte die meisten Besitzer darüber hinwegtrösten, dass sein Temperament nur im Mittelfeld liegt. Trotzdem harmoniert der Motor gut mit dem leer 1.317 kg schweren Van und sorgt selbst unter Ausnutzung aller Platzreserven noch für angemessene Fahrleistungen.

Dafür muss man allerdings häufig zum kleinen Schaltstummel in der Mittelkonsole greifen, mit dem die Gänge etwas hakelig, aber leicht und auf kurzen Wegen eingelegt werden. Dass der ganz normale Van-Sinn nicht zwangsläufig auf Kosten der Sicherheit geht, beweist die Bremsanlage.

Mit innenbelüfteten Scheiben vorn, Trommeln hinten und ABS verzögert sie wirksam und spurtreu, Fading ist selbst nach der zehnten Vollbremsung aus 100 km/h nicht feststellbar.

Darüber hinaus beruhigt der Citroën seine Insassen mit jenen Features, die heute in dieser Klasse erwartet werden (Front- und Seitenairbags vorn, Kopfstützen und Dreipunkt-Automatikgurte für alle Sitzplätze).

Einschmeicheln kann er sich vor allem mit attraktiven Preisen. In der Anschaffung ist er nur 50 Euro teurer als ein vergleichbar ausgerüsteter Xsara Kombi und billiger als die meisten Konkurrenten, bei Fix- und Wartungskosten liegt er ebenfalls erfreulich niedrig. Zudem kann er als einziger Kompaktvan auf Wunsch mit einem elektrisch betätigten Faltschiebedach ausgerüstet werden.

Trotzdem dürften die Bäume für den Citroën nicht in den Himmel wachsen, weil ihm die Genialität und Einzigartigkeit seines Namenspatrons fehlen. Denn dieser Picasso ist kein Original, sondern eine preisgünstige, ordentlich gemachte Kopie.

Vor- und Nachteile

Karosserie
  • großzügiges Platzangebot
  • großer, variabler laderaum
  • zahlreiche Ablagen
  • unübersichtliche Karosserie
  • eingeschränkte Funktionalität
  • teilweise billige Materialanmutung
Fahrkomfort
  • insgesamt gute Federung
  • geringe Bedienungskräfte
  • niedriges Geräuschniveau
  • Stuckerneigung auf Querfugen
  • unbequeme Sitze, hinten zu klein und zu hart
  • schwache Fußraumheizung
Antrieb
  • gute laufkultur
  • befriedigende Fahrleistungen
  • leichtgängige Schaltung
  • ruckelnder Motor
  • Durchzugsschwäche im unteren Drehzahlbereich
Fahreigenschaften
  • auch mit Beladung sicheres Kurvenverhalten
  • keine lastwechselreaktionen
  • großer Wendekreis
  • eingeschränktes Handling
Sicherheit
  • wirksame und standfeste Bremsanlage
  • Front- und Sidebags vorne
  • Kopfstützen und Dreipunktgurte auf allen Plätzen
  • Bremsen mit unpräzisem Pedalgefühl
Umwelt
  • schadstoffarm nach D4
  • akzeptabler Benzinverbrauch
Kosten
  • günstiger Kaufpreis
  • niedrige Unterhaltskosten
  • 12 Jahre Garantie gegen Durchrostung
  • geringe Basisgarantie (ein Jahr)
  • unsicherer Wiederverkauf

Fazit

Der Citroën Xsara Picasso 1.8i 16V Exclusive ist eine geräumige, fahrsichere und preisgünstige Alternative zu anderen Kompaktvans, aber ohne nennenswerte Innovationen. Kritik verdienen die unübersichtliche Karosserie und die schwache Heizung.

Technische Daten
Citroën Xsara Picasso 1.8i 16V Exclusive
Grundpreis21.030 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe4276 x 1751 x 1637 mm
KofferraumvolumenVDA550 bis 2128 l
Hubraum / Motor1749 cm³ / 4-Zylinder
Leistung85 kW / 116 PS bei 5500 U/min
Höchstgeschwindigkeit190 km/h
0-100 km/h11,4 s
Verbrauch7,7 l/100 km
Testverbrauch9,5 l/100 km
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