Citroën Xsara Picasso 2.0 HDi im Test

Großes Auto mit kleinen Macken

Citroën Xsara Picasso 2.0 HDi

Auf dem 100.000 Kilometer langen Dauertestweg mit dem Citroën Xsara Picasso 2.0 HDi trübten einige Kümmernisse das Bild von einem Auto, das sich insgesamt als zuverlässig erwies. Einen besonderen Farbtupfer setzt der Motor.

Picasso steht dran, und die Erben des berühmten Malers werden sich bei Citroën nicht nur emotional bedankt haben. Doch was ist Picasso am Picasso? Optisch wäre zweifellos der Fiat Multipla der bessere Picasso, denn so wie der Citroën auf der Straße steht, weckt er wenig Assoziationen zu jener teilweise bizarren Kunst, die der spanische Künstler auf die Leinwand brachte.

Gleichwohl ist die Linie des 4,27 Meter langen vanartigen Gebildes von Eigenwilligkeit, und der Picasso ist durchaus ein Gesicht in der Menge. Die Redaktion übernimmt das grünmetallicfarbene Auto im August 2000, hat neben der aufpreispflichtigen Lackierung das elektrisch betätigte Faltdach geordert, das es inzwischen nicht mehr zu kaufen gibt. An seine Stelle tritt ein Glas-Panoramadach. Die wichtigere Entscheidung bei der Ausrüstung betrifft den Motor. Es ist der Zweiliter- Vierzylinder-Direkteinspritzer- Diesel, der bescheidene 90 PS bei 4000 Umdrehungen leistet und ein maximales Drehmoment von 205 Nm bei 1900/min erreicht.

Fritz B. Busch hat schon vor vielen Jahren den so genannten Tourer gefordert, ein praktisches, bequemes und universal nutzbares Auto mit maßvoller Leistung, aber kräftigem Durchzug. Der Picasso 2.0 HDi kommt diesem Ideal nahe, wie auch die zufrieden klingenden Kommentare seiner zahlreichen und ganz unterschiedlichen Benutzer beweisen.

Selbst die schnellen Leute in der Redaktion kommen mit der nominal geringen Motorleistung in einem 1400-Kilogramm- Auto gut zurecht, sogar Gert Hack, der einmal kurzfristig mit einem Renntourenwagen von BMW Alpina Niki Lauda bei einem Tourenwageneinsatz im tschechischen Brünn ersetzte.

Vielleicht ist es das beruhigende Wesen dieses Motors, das gerade auf Langstrecken für ausgeruhte Nerven sorgt. Eine kleine Einschränkung gilt: Mit größerer Zuladung schmelzen die Kraftreserven dahin, Autobahnsteigungen, etwa in den Kasseler Bergen, werden nicht nur vom Motor als anstrengend empfunden.

Das Triebwerk selbst macht über die gesamte Laufzeit nicht den geringsten Kummer. Abgesehen von seiner zunächst unerwarteten Fähigkeit, ein so großes und schweres Auto noch angemessen zu bewegen, überzeugt der Common- Rail-Diesel mit kultiviertem, leisem Lauf, einem sehr günstigen Verbrauch von nur 7,3 Liter pro 100 Kilometer im überwiegend schnell gefahrenen Test-Mittel und einem Minimalkonsum von wenig mehr als fünf Litern.

Wer den wahren Fortschritt im Automobil immer noch suchen sollte  hier, bei den Jetztzeit-Dieseln, ist er. Zusammen mit dem 60-Liter- Tank sind ohne übertriebene Einspar-Künste Reichweiten um 1000 Kilometer möglich. Der Ölverbrauch ist verschwindend gering, Nachfüllmenge über die gesamte Distanz knapp zwei Liter. Keine Probleme auch mit dem gut gestuften Fünfganggetriebe, das an unüblicher Stelle vom Armaturenbrett aus betätigt wird.

Es hat etwas lange Schaltwege, schaltet sich aber exakt. Ein erfreuliches Antriebs- Resümee also vorab; der Dieselmotor darf wohl, wenn es nicht um Spitzenleistung geht, als erste Wahl gelten. Die Karosseriewertung fällt nicht so erbaulich aus und vermittelt ein eher zwiespältiges Bild. Manches ist hier gut gelöst, anderes weit weniger. Zu den unbestrittenen Vorzügen des Picasso-Gehäuses zählt das überzeugende Raumkonzept. Mit seinem nicht zu ausladenden Längenmaß ist hier Platz in Hülle und Fülle entstanden, wofür allein schon das üppige Kofferraumvolumen von 550 Litern steht, steigerbar noch bis über 2200 Liter mit umgeklappten Rücksitzen.

Auch die Variabilität des Interieurs ist zu loben, mit leicht demontierbaren Sitzen und einem guten Sitzkomfort. Ein Wohlfühl-Citroën also von dieser Seite her  doch auch einer zum Unwohlsein. Die wenig steife Karosserie trägt dazu bei, mit Klappergeräuschen schon zu Anfang und dem nur schwachen Trost, dass sich die Töne gegen Ende nicht verstärken.

Tristesse verbreitet auch die Anmutung des Interieurs, mit billig wirkenden grauen Plastikmaterialien, eingeschlossen die optisch unansehnlich gewordenen Klapptische im Fond, die auch eingeklappt eine potenzielle Gefahr für die Fondpassagiere im Fall eines Kopfaufpralls bei Kollisionen darstellen.

Das Interieur ist also etwas verwohnt nach Dauertest-Ende, die Sitze sind zwar nicht durchgesessen, aber ebenfalls nicht frei von Fehl und Tadel. Wackeleien und Knarrgeräusche stören das Bild und führen zum ersten von sieben außerplanmäßigen Werkstattbesuchen.

Auch das Schiebedach, beim Testwagen noch in der inzwischen nicht mehr angebotenen Faltversion, bleibt nicht von einem Defekt verschont. Nach fast 30 000 Kilometern macht der Motor unschöne Geräusche und muss erneuert werden. Das Dach selbst bereitet im Verlauf des Dauertests sowohl Freud wie Leid. In geschlossenem Zustand sind die Windgeräusche ab 90 km/h unüberhörbar, geöffnet vermittelt es mehr als nur einen Hauch von Cabrio mit angenehmer Zugfreiheit auch jenseits von 100 km/h. Hier also ebenfalls, zusammen mit dem sehr guten Federungskomfort und dem unaufdringlichen Diesel, eine klare Profilierung in Richtung glückliche Reise. Die Kilometer mit dem Picasso machen Freude.

Doch dann riecht es nach Diesel im Auto. Die Werkstatt entdeckt Undichtigkeiten in der Umgebung des Kraftstofffilters, wenig später muss der Picasso wieder auf die Hebebühne. Der sich durch Schleifgeräusche ankündigende Bremsdefekt entpuppt sich bei Kilometerstand 27 669 als ein bis auf den Metallträger abgenutzter Bremsbelag vorne, verursacht durch dauerndes leichtes Anliegen. Ärgerlich, weil auch Ersatzteilprobleme hinzukommen. Der Belagverschleiß selbst bleibt im Rahmen und verlangt nur nach 60 000 Kilometern nach neuerlichem Ersatz vorne.

Ein klappernder Auspufftopf muss frühzeitig erneuert werden (32 897 km), ebenso die Federbeinaufnahme rechts (41 088 km). Erneuter Dieselgeruch lässt es angeraten erscheinen, das Kraftstofffilter- Gehäuse, die Einspritzleitungen und Einspritzdüsen teilweise zu ersetzen. Ein Garantiefall  mit 704 Euro wäre dies die teuerste Reparatur gewesen. Die schlechte Gasannahme des Motors gegen Dauertest-Ende hat ihre Ursache in einem defekten Luftmassenmesser. Keine Schäden an der Klimaanlage, die sich als wirksam und gut dosierbar erweist.

Die Heizung verdient kein Lob. Trotz Zuheizer schafft der Diesel bei strenger Kälte zu wenig Wärme ins Interieur. Mit seinen Reifen geht der Picasso schonend um, was sich auf die Kostenbilanz zusammen mit den nicht zu hohen Inspektionskosten zwischen 150 und maximal 265 Euro positiv auswirkt. Der in Erstausrüstung montierte Michelin Energy hat nach 50 000 Kilometern noch stattliche 4,5 Millimeter Restprofil. Bei den Winterreifen zeigt der Falken Eurowinter bei durchschnittlicher Traktion ebenfalls gutes Standvermögen. Auf glatter Straße erweist sich der danach verwendete Toyo Snowprox als überlegen. Der relativ geringe Wertverlust und günstige Kilometerkosten lassen den Citroën Xsara Picasso trotz seiner nur mittelmäßigen Platzierung beim Mängelindex nicht als Loser dastehen. Das Bild, das das Auto mit dem Künstlernamen hinterlässt, erinnert an eine Sommerlandschaft, freundlich, ruhig, entspannend. Auf ein paar dunkle Wolken hat der Maler aber nicht verzichtet.

Vor- und Nachteile

  • Bequeme Sitze
  • Sehr guter Komfort
  • Gutes Platzangebot
  • Sparsamer Motor
  • Ausreichende Motorisierung
  • Große Reichweite
  • Variabler Kofferraum
  • Angenehme Belüftung durch Faltdach
  • Gut kühlende optionale Kühlbox
  • Faltdach mit deutlichen Windgeräuschen
  • Klappergeräusche
  • Plastiklook im Interieur
  • Spiegelnde Armaturen
  • Heizung nicht effizient
  • Karosserie unübersichtlich
Übersicht: Citroën Xsara Picasso 2.0 HDi Dauertest
Technische Daten
Citroën Xsara Picasso 2.0 HDi Exclusive
Grundpreis 22.760 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 4276 x 1751 x 1637 mm
KofferraumvolumenVDA 550 bis 2128 l
Hubraum / Motor 1997 cm³ / 4-Zylinder
Leistung 66 kW / 90 PS bei 4000 U/min
Höchstgeschwindigkeit 175 km/h
Verbrauch 5,5 l/100 km
Alle technischen Daten anzeigen
Noch nicht registriert?

Erstellen Sie jetzt Ihr kostenloses Profil und profitieren Sie als registrierter Nutzer von folgenden Vorteilen:

  • Exklusiver Zugriff auf alle Test- und Messdaten der Redaktion
  • 360°-Ansichten von Autos
  • Schneller PDF-Kauf
Kostenlos anmelden
Dieser Artikel stammt aus diesem Heft
Top Aktuell Porsche Macan S Diesel, Exterieur Porsche Macan S Diesel im Dauertest Talentiert bis zum Schluss
Beliebte Artikel Citroën Xsara 2.0 HDi, Fiat Brava 105 JTD, Peugeot 306 2.0 HDi Citroën Xsara Kombi 1.8i 16 V gegen Opel Astra Caravan 1.8 16 V
Anzeige
Sportwagen Mercedes-AMG GT R PRO Mercedes-AMG GT R Pro (2019) Sonderserie mit Renn-Genen Mansory Lamborgini Aventador S Mansory tunt Aventador S Carbon so weit das Auge reicht
Allrad Ford Bronco Neuer Ford Bronco 2020 Bald Serie, aber nicht mehr Kult Subaru Crosstrek Hybrid (USA) Subaru Crosstrek Hybrid (2019) XV für die USA als Hybrid
Oldtimer & Youngtimer Mercedes 280 SE 3.5 Cabriolet W111 (1970) Wiesenthal Mercedes-Auktion Wiesenthal Familiensammlung unterm Hammer Porsche Carrera GT Werksrestaurierung Porsche Classic Carrera GT 13 Jahre alt, aber jetzt fabrikneu
Promobil Camperliebe #Cl1 (2019) #cl1 auf Hyundai-Basis Vernetzt und digital CMT Impressionen (2018) Wohnmobil-Zulassungszahlen 2018 weiter auf Rekordkurs
CARAVANING Aabo Camping Vandland Campingplatz-Tipp Dänemark Aabo Camping Vandland Caravan Hobby De Luxe mit Zugwagen Das sind die Caravan-Bestseller Wohnwagen-Neuzulassungen 2017