Clio, Polo, 207

Auf die Plätze, fertig, groß

Foto: Achim Hartmann 27 Bilder

Mit selbstbewusster Mimik, gestretchtem Body und durchtrainierter Technik geht der Peugeot 207 an den Start. Kann er damit Renault Clio und VW Polo davon fahren?

Weit unter vier Metern geht keiner der ehemals knuffig-kompakten Wusler in die Bütt. Renault ließ Clio Nummer drei um 17 Zentimeter wachsen, der Peugeot 207 legte sogar um 20 Zentimeter auf nun 4,03 Meter zu. Breite und Höhe streckten sich ebenfalls auf früheres Kompaktklasse-Niveau.

Etwas mehr Zurückhaltung übt VW beim Polo, dessen Außenabmessungen einen Tick hinter denen der Konkurrenz zurückbleiben - jedoch ohne nennenswerte Folgen für das Platzangebot im Innenraum. Hier wirkt der 16 825 Euro teure 1.9 TDI Comfortline angemessen luftig und aufgeräumt. Ein Vorteil des geradlinigen Designs, das zwar verhältnismäßig schlicht geraten ist, dafür aber in der Praxis durchweg überzeugen kann.

Pedalstreichler erreichen eine vier vor dem Komma

Im Peugeot 207 HDi FAP 110, als Sport-Variante 18.150 Euro teuer, geht ambientemäßig schon eher die Sonne auf: Geschwungene Linien, textilartige Oberflächen auf Armaturenbrett und Türverkleidungen, silberne Dekors und chromberingte Instrumente sorgen für Auflockerung.

Auch der Renault Clio 1.5 dCi verbreitet in der Edition Dynamique für 17.700 Euro mit mehrfarbig kontrastierenden, softgelackten Oberflächen und Details wie den knubbeligen Lüftungsreglern und metallenen Türöffnern frankophilen Charme. Nennenswert mehr Platz als der kompaktere Polo bieten die Franzosen dennoch nicht.

Mit wenig Honorar geben sich die Dieselmotoren zufrieden. Pedalstreichler erreichen eine Vier vor dem Komma, Sparsamen genügen fünf Liter auf 100 Kilometer, und selbst im zügigen Einsatz sind es selten mehr als sieben Liter.

Clio und Polo ohne Filter

Beim Stichwort "zügig“ hat der 1.9 TDI des VW seinen Einsatz. Ohne übertriebene Rücksicht auf geschliffene Manieren füttern ihn die Pumpe-Düse-Elemente mit Diesel, und er bedankt sich mit druckvollem Ansprechen, Beschleunigen und Durchziehen. Beim Thema Top-Speed muss sich der Polo allerdings ebenso hinten anstellen wie bei der Laufkultur, wo er brummig den klassischen Selbstzünder herauskehrt. Hier sammeln die hubraumschwächeren Common- Rail-Diesel Sympathien, indem sie weichen Lauf und homogene Leistungsentfaltung mit niedrigem Geräuschpegel verbinden.

Der 1,5 Liter große 106-PS-dCi des Clio wirkt trotz aufwendiger Piezo-Einspritzung und variabler Turbinengeometrie allerdings etwas blutleer. Daran ändert auch das exakt schaltbare Sechsganggetriebe nichts - im Gegenteil, es wirft ihn bei den Durchzugsmessungen sogar noch etwas zurück.

Polo und 207 profitieren hier von ihren Fünfgangboxen, deren Führung im Peugeot jedoch schwammig und unexakt ausfällt. Eine Scharte, die der Franzose beim Thema Handling auswetzt. Neutral und agil zoomt er mit seiner direkten, wenn auch etwas inhomogenen Lenkung durch Kurven, hält exakt die gewählte Linie, lässt seinen Radius bei Bedarf durch dosiertes Gaslupfen mit dezentem Lastwechsel-Eindrehen verkleinern. Dezent wohlgemerkt, und stets unter dem Schutz des beim Sport serienmäßigen ESP.

Mit dem elektronischen Stabilitätsprogramm warten die getesteten Varianten von Polo und Clio ebenfalls auf, deutliches Untersteuern in engen Kurven bremst den Spaß am Kurvensuchen im VW aber spürbar. Dafür kassiert seine Ist-mir-gar-nicht-aufgefallen-Lenkung Komplimente, während die des Clio synthetisch, ungleichmäßig und stößig ausfällt. Zudem schnappt seine Bremse zwar wirksam, aber überraschend bissig zu.

Im Gegensatz dazu nimmt die wiegend-geschmeidige Federung die Insassen vor kurzen und langen Unebenheiten gleichermaßen kompetent in Schutz. Polo und 207 informieren Passagiere authentischer über die Straßenoberfläche, beim 207 kommt noch eine leichte Stuckerneigung hinzu, vor allem auf Betonplatten-Autobahnen. Am Ende bleibt dem Newcomer nur Platz drei, während der Clio mit seinem ausgewogenen Wesen Platz eins kassiert. Knapp vor dem bewährten Polo. Der Testerfolg sollte Renault und VW gleichwohl nicht davon abhalten, ihren Kleinen endlich auch einen Partikelfilter zu verpassen.

Fazit

1. Renault Clio
506 Punkte

Ausgewogen, leise und fahrsicher schiebt sich der Clio auf Platz eins. Kritik verdienen jedoch die inhomogene Lenkung und der Verzicht auf einen Partikelfilter.

2. VW Polo
503 Punkte

Gute Raumausnutzung, ordentlicher Komfort, einfache Bedienbarkeit und kräftiger Antritt sprechen für, die mäßige Laufkultur des filterlosen TDI gegen den Polo.

3. Peugeot 207
487 Punkte

Dynamisch-sicheren Fahreigenschaften und einem serienmäßigen Partikelfilter stehen die straffe Federung und der enttäuschende Komfort im Fond gegenüber.

Technische Daten
VW Polo 1.9 TDI Comfortline Renault Clio 1.5 dCi Edition Dynamique Peugeot 207 HDi FAP 110 Sport
Grundpreis 17.780 € 18.450 € 19.650 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 3916 x 1650 x 1467 mm 3986 x 1719 x 1495 mm 4030 x 1748 x 1472 mm
KofferraumvolumenVDA 270 bis 1030 l 288 bis 1028 l 270 bis 923 l
Hubraum / Motor 1896 cm³ / 4-Zylinder 1461 cm³ / 4-Zylinder 1560 cm³ / 4-Zylinder
Leistung 74 kW / 100 PS bei 4000 U/min 78 kW / 106 PS bei 4000 U/min 80 kW / 109 PS bei 4000 U/min
Höchstgeschwindigkeit 188 km/h 190 km/h 193 km/h
0-100 km/h 10,0 s 11,3 s 11,1 s
Verbrauch 4,9 l/100 km 4,7 l/100 km 4,8 l/100 km
Testverbrauch 6,4 l/100 km 6,8 l/100 km 6,6 l/100 km
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