Opel Corsa 1.2, Renault Clio 1.2 16V, Skoda Fabia 1.4 16V

Ach du kleine Güte

Foto: Hans-Dieter Seufert 44 Bilder

Mit den klassischen Eigenschaften Wendigkeit und innere Größe bei kompakten Außenmaßen treten Opel Corsa, Renault Clio und Skoda Fabia im Kleinwagenmarkt an. Welcher ist das überzeugendste Angebot?

Wann ist ein Auto ein Kleinwagen? Und wann steigt es auf in die Klasse der Kompakten? Bestimmen das die Außenmaße, oder ist es der begrenzte Lebensraum für die Insassen? Oder setzt die Motorleistung den Definitionsrahmen? Fragen, die sich angesichts der hier zum Vergleichstest angetretenen Kandidaten aufdrängen.

Alle drei, auch der Skoda als Jüngster im Feld, kratzen mittlerweile an der Vier-Meter-Grenze. Jener Marke also, die einst der selige Käfer als Raummaß für das deutsche Familienauto setzte. Natürlich haben sich die Zeiten geändert. Der moderne Kleinwagen definiert sich anders.
Selbst wenn man im Motorenprogramm die bürgerliche Mitte anpeilt, landet man schnell knapp unter der 100-PS-Marke. Und dass auch Kleinwagen immer weiter wachsen, dafür liefert der Fabia 1.4 16V den erneuten Beleg. Er ist nicht nur länger als sein Vorgänger, er hat sich auch um fast fünf Zentimeter in die Höhe gereckt.
Das vermittelt ein für die Wagenklasse stattliches Raumgefühl, kommt aber auch dem Sitzraum für Fahrer und Beifahrer und selbst den Hinterbänklern zugute. Legt man die objektive Messlatte an, schneidet das Platzangebot des Opel Corsa 1.2 keineswegs schlechter ab.
Das Raumgefühl aber leidet unter der aus stilistischen Gründen sehr breiten C-Säule und dem van-artigen Vorbau. Die Folge: Der Corsa scheint enger geschnitten und unübersichtlicher als die Konkurrenz. Clio und Corsa wirken mit ihren ähnlichen Heckansichten fast wie Zwillinge und liegen mit ihren Frontpartien im derzeitigen Design-Mainstream.

Der Fabia hebt sich davon mit wohltuender Geradlinigkeit ab. Das mag konservativer erscheinen, aber seine größere Nähe zur Kastenform erleichtert Fond-Insassen das Leben, und sie verhilft dem Tschechen zum größten Ladeabteil. Und zwar sowohl im Basisvolumen als auch mit umgeklappten Rücksitzen.
Dass der Renault in beiden Fällen nur mit Minimalwerten aufwartet, versucht er bei der Zuladung mit der Bestmarke von 459 Kilogramm auszugleichen. Dennoch bleiben die Kandidaten Kleinwagen: Für die große Ferienreise mit der Familie würde es in allen dreien knapp.

Doch das ist auch nicht ihre wahre Bestimmung.

In der Praxis sind Variabilität und Alltagsnutzen gefragt. Mit teil- und klappbaren Rücksitzlehnen können alle drei punkten. Die Klappmechanismen lassen sich grundsätzlich problemlos bedienen. Störend ist beim Corsa lediglich der rampenartige Anstieg der Lehne, wenn sie umgeklappt auf der Sitzfläche liegt.

Dieses Problem haben die beiden anderen nicht, dafür muss ihre Sitzfläche zuvor nach vorn geklappt werden. Dass den Skoda-Planern Praxistauglichkeit sehr am Herzen liegt, beweisen auch die geräumigen Ablagen samt zweier Handschuhfächer, von denen eines gekühlt werden kann. Voraussetzung dafür ist die Klimaanlage, die in der getesteten Sport-Ausstattung zum Serienumfang gehört, wie auch für den Corsa in der Opel-Ausstattungslinie Catch Me.
Weil Klimaanlagen selbst in dieser Wagenklasse längst ein Muss sind, gibt es auch von Renault ein entsprechendes Angebot, allerdings verpackt in ein 1450 Euro teures Paket, zusammen mit einem CD-Radio.

Trotz solider Grundausstattung bleibt die Preisliste der zusätzlichen Optionen bei Opel verführerisch lang.

Sie reicht vom Halogen- Kurvenlichtpaket (400 Euro) über verschiedene Infotainment- Pakete bis zum in den Heckstoßfänger integrierbaren Flex-Fix-Trägersystem (530 Euro) für zwei Fahrräder – ein Alleinstellungsmerkmal des Corsa. Ein solches hat in der Vergleichsgruppe auch der Clio 1.2 16V – freilich auf der Minusseite.
Denn für das elektronische Stabilitätsprogramm ESP gehen bei Renault zusätzlich 500 Euro über den Ladentisch. Unverständlich, dass ein so sicherheitsorientierter Hersteller diesen wichtigen Unfallschutz nicht serienmäßig offeriert. Die fahrdynamischen Qualitäten des Clio sind ansonsten gut.

Selbst ohne elektronischen Eingriff umrundet er stramm angegangene Kurven problemlos. Sanft untersteuernd und gut beherrschbar entwickelt er so etwas wie Kurvenfreudigkeit, ohne dabei den Komfortanspruch in Sachen Federung aufzugeben. Ausgewogen und ohne ausgeprägte Schaukelneigung bewältigt er zudem lange Bodenwellen ebenso souverän wie kurze.
Lediglich die gefühllos-synthetische elektrische Servolenkung trübt auf windungsreichen Strecken das Der-Weg-ist-das-Ziel-Vergnügen.

Corsa und Fabia nehmen die Sache mehr von der sportlichen Seite.

Das betrifft nicht nur die Sitze, die beim Skoda leicht erhöht sind und durch straffe Polsterung und perfekte Positionierung glänzen. Beim Opel schmeichelt das farbig kontrastierende Design den Augen und die gute Ausformung dem Rücken. Während der Corsa mit nachsichtiger Dämpfung noch Milde einstreut, lässt der Fabia keinerlei Zweifel an der Beschaffenheit des Untergrunds aufkommen.

Gleiches gilt für die Lenkung – hier zu leichtgängig um die Mittellage, dort erfreulich präzise und handlich. Beim Bremsen hat sich der neue Skoda deutlich verbessert. Er setzt sich in diesem Kapitel von seinen Konkurrenten ab, insbesondere vom Renault , dessen Anhalteweg sich in allen Disziplinen merklich in die Länge zieht.
Nicht unerwartet kann der Skoda dank seinem Plus an Hubraum und Leistung seine Pole-Position verteidigen. Er hängt willig am Gas, kann aber nahe der Höchstgeschwindigkeit das Trommelfell der Insassen ordentlich strapazieren. Und er setzt seinen Leistungsüberschuss von elf PS gegenüber den 75 PS des Renault weniger wirkungsvoll in Szene als erwartet.
Der Franzose glänzt zudem mit dem geringsten Testverbrauch. Da lässt sich leichter darüber hinwegsehen, dass das Durchschalten seiner fünf Gänge mitunter etwas hakelig vonstatten geht. Ohne wirklich gravierende Schwächen bewegt sich der 80-PS-Motor des Opel wie ein unauffälliges Neutrum zwischen den Polen.

So bestätigt sich am Ende der Gesamtsieg des Newcomers Fabia, der in einem gelungenen Kompromiss aus Fahreigenschaften und Raumnutzung kaum Schwächen zeigt. Freilich muss sich der Clio in seinem ausgewogenen Charakter nicht verstecken. Dem Corsa fehlt in nahezu allen Disziplinen des olympischen Mehrkampfs fast immer eine Nasenspitze, daher bleibt ihm nur die – ehrenvolle – Bronzemedaille.

Fazit

1. Skoda Fabia 1.4 16V
471 Punkte

Billig ist der Fabia nicht, aber preiswert. Die Zutaten zu seinem Sieg sind gute Fahrleistungen, solide Verarbeitung und ein stimmiges Raumkonzept.

2. Renault 1.2 16V
463 Punkte

Fahrkomfort, ausgewogenes Fahrverhalten und der Verbrauch sind Stärken des Clio. Mit besserer Serienausstattung hätte er den Fabia-Sieg gefährdet.

3. Opel Corsa 1.2
456 Punkte

Gegenüber guten und sicheren Fahreigenschaften kann der etwas schlappe Motor kaum überzeugen. Die Bedienbarkeit ist verbesserungsfähig.

Technische Daten
Skoda Fabia 1.4 16V Sport Renault Clio 1.2 16V Dynamique Opel Corsa 1.2 Catch me
Grundpreis 16.120 € 14.100 € 15.220 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 3992 x 1642 x 1498 mm 3986 x 1719 x 1495 mm 3999 x 1737 x 1485 mm
KofferraumvolumenVDA 300 bis 1163 l 288 bis 1028 l 285 bis 1100 l
Hubraum / Motor 1390 cm³ / 4-Zylinder 1149 cm³ / 4-Zylinder 1229 cm³ / 4-Zylinder
Leistung 63 kW / 85 PS bei 5000 U/min 55 kW / 75 PS bei 5500 U/min 59 kW / 80 PS bei 5600 U/min
Höchstgeschwindigkeit 174 km/h 167 km/h 168 km/h
0-100 km/h 13,4 s 15,9 s 15,9 s
Verbrauch 6,5 l/100 km 5,9 l/100 km 5,8 l/100 km
Testverbrauch 7,4 l/100 km 6,8 l/100 km 7,1 l/100 km
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