Coupé-Duell zwischen BMW und Mercedes

BMW 320 Ci Coupé und Mercedes CLK 240 locken mit einem schönen Rücken und jeweils 170 PS. Dennoch bleiben trotz aller Ähnlichkeiten genügend Unterschiede.

Ein Coupé, so haben es Generationen von preisbewussten Autofahrern gelernt, ist eine Limousine mit weniger Platz im Fond, dafür aber höherem Preis. Dieses Verhältnis stimmt bei BMW und Mercedes zwar bis heute, ist aber nur die halbe Wahrheit. Coupés zeichnen sich durch ihre harmonischen Proportionen aus; die reduzierte Wucht ihrer Dächer schwingt sich oft elegant zur Heckhaube hinab, was die Pulsfrequenz spontan steigern kann. BMW hat die sprungbereit geduckte Linie des 320 Ci Coupé aus der viertürigen, familienfreundlicheren Dreier-Reihe herausgeschält, und Mercedes hat den CLK auf den Kiel der C-Klasse gelegt. Formal sind beide Operationen gelungen, wobei der BMW mit seinem fünf Zentimeter flacheren Scheitel eine Spur sportlicher auftritt. Der Mercedes wirkt dafür moderner, was hauptsächlich an der keilschrägen, nach vorn unten stürzenden Gürtellinie liegt. Die kennzeichnet ja die neue schwäbische Dynamik bis hin zum SL. Im Innenraum überzeugen die beiden vorderen Plätze ohne Einschränkungen mit dem gewohnten Komfort von Dreier-Reihe und C-Klasse. Beim Mercedes wirkt die Sitzfläche ein wenig angenehmer, wäh­rend die Lehne des vorderen BMW-Gestühls durch den etwas besseren Seitenhalt einen kleinen Pluspunkt kassiert. Durch die elektrischen Verstellmöglichkeiten finden aber selbst anatomische Sonderfälle immer eine angenehme Sitzposition. Die großen Türen und die Vorschwenk-Mechaniken der Frontsitze gewähren hinreichend bequemen Zugang zum Fond, wo sich selbst Mitteleuropäer der Größenklasse um 1,85 Meter auf beiden Rücksitzen anständig untergebracht fühlen dürfen. Die nüchternen Zahlen der Innenraum-Maße scheinen dem BMW hier einen kleinen Vorteil zu gewähren, doch im Verbund mit dem höheren Dach ist das subjektive Raumgefühl auf den Fond-Plätzen des CLK ein wenig besser.

Ein Unentschieden also in den Sparten Design und Innenraum. „Aber die Motoren!“, wird die Gemeinde der Coupé-Freunde rufen, die gerne unter die Hauben schauen. Optisch machen beide Aggregate leider nicht viel her, weil Deckel aus dickem, schwarzem Kunststoff jeden Reiz der Mechanik zuasphaltieren. Unter dem BMW-Plastik darbt ein prächtiger Reihensechszylinder, wo­hingegen Mercedes die Tarn-Deckel über einen hoch interessanten V6 stülpt. Der 2,2-Liter im 320 Ci begeistert bei jeder Fahrt aufs Neue mit Laufruhe, Drehwilligkeit und Leistungsausbeute. Der Motor packt bereits aus Leerlauf-Drehzahlen herzhaft zu, und wenn er den roten Bereich bei 6000/min zügig erreicht hat, zeigt sein gut gedämpftes, aber durchaus noch kernig wahrnehmbares Geräusch, dass hier 170 Rassepferde mit den Hufen scharren. Der Mercedes-Motor dagegen ist theoretisch viel komplizierter. Um Produktionskosten zu sparen, weist er die gleiche Basis-Kennzahl auf wie der hauseigene V8. Für den sind 90 Grad Zylinderwinkel ideal; für einen V6 sind sie eine Zumutung in Bezug auf gleiche Zündabstände und die freien Massenmomente. Ein 90-Grad-V6, lautet daher die landläufige Meinung, ist ein vibrierender Schmerz kurz vor dem Getriebe. Wie die Mercedes-Inge­nieure den eingebauten Mangel kompensieren, verdient aber Respekt auf der ganzen Linie. Das Rezept hatte zwar Ford schon vor drei Jahrzehnten in den Kölner V4-Motoren vorgeführt, aber im CLK 240 ist es jetzt souverän gereift. Jedes Pleuel sitzt zur Harmonisierung der Zündabstände auf einem eigenen, versetzt geschliffenen Hubzapfen, und eine Ausgleichswelle kompensiert die freien Massenmomente. Der CLK 240 läuft damit so seidenweich, dass niemand auf die Idee käme, dahinter einen V6 mit falschem Zylinderwinkel zu vermuten. Zu jedem Motor gehört ein Getriebe, und hier punktet Mercedes auf clevere Art. Die Schaltvorgänge laufen zwar nicht mit der knackigen Präzision wie beim BMW ab, aber verschaltet haben sich die Tester auf der Vergleichsfahrt nie. Die sechs Gänge machen den CLK auf der Autobahn putzmunter, und die etwas längere Gesamtübersetzung lässt die Nadel des Drehzahlmessers auch bei Höchstgeschwindigkeit noch kurz vor dem roten Bereich verharren. Der BMW leidet hier ganz deutlich unter der Philosophie seiner Erbauer. Sein Fünfgang-Getriebe ist mit einer so kurz gewählten Achsübersetzung gekoppelt, dass der Motor selbst in der fünften Fahrstufe locker in den roten Bereich hinein dreht.

Das Ausnützen des gebotenen Speed-Potenzials erzeugt deshalb immer ein latent schlechtes Gewissen beim BMW-Fahrer: erst 226 km/h, und schon tief im roten Bereich. Der CLK erreicht in der Spitze exakt zehn Kilometer pro Stunde mehr bei niedrigerer Drehzahl. Allerdings läuft im V6 trotzdem mehr Kraftstoff durch die Einspritzung. Der schwere CLK schluckt im Schnitt rund einen Liter mehr als sein Rivale, der allerdings Super Plus (98 Oktan) erfordert. Der V6 kommt mit Superbenzin (95 Oktan) aus. Zu den Bremsen erübrigt sich ein Kommentar, der über die Messwerte hinausginge. Verzögerungen sowohl kalt als auch warm im Bereich jenseits der Erdbeschleunigung (9,81 m/s2) sind Sicherheitsreserven, die beide Marken voll beherrschen. Im Duell Gleichstand. Und das Fahrverhalten im Allgemeinen? Das BMW-Coupé ist im Handling eine Spur agiler und in der Bedienung einen Hauch präziser als der CLK, der mehr in Richtung Sänfte abgestimmt ist. Dafür erweist sich das Coupé aus München als etwas unkomfortabler, und lange Wellen auf der Autobahn steckt der Mercedes CLK einfach besser weg als der BMW. Damit ergibt sich in der Eigenschaftswertung eine Patt-Situation. Beide Vergleichs-Kandidaten erreichen 398 Punkte. Ist es also völlig egal, mit welchem Coupé man lieb­äugelt? Ist es nicht. Der Mercedes CLK kostet rund 8000 Euro mehr als das BMW Ci Coupé. Dafür bietet er den klar besseren Komfort. Weder auf der Landstraße noch auf der Autobahn kann ein Doppeltest-Kandidat den anderen deklassieren. Deswegen muss der preisgünstigere BMW diesen Vergleichstest gewinnen. Wer lieber einen Mercedes will, kann sich über den Mehrpreis hinwegtrösten. Technisch gesehen kauft er nicht das schlechtere Auto.

Technische Daten
Mercedes CLK 240 Avantgarde BMW 320 Ci
Grundpreis 40.136 € 30.700 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 4638 x 1740 x 1413 mm 4488 x 1757 x 1369 mm
KofferraumvolumenVDA 435 l 410 l
Hubraum / Motor 2597 cm³ / 6-Zylinder 2171 cm³ / 6-Zylinder
Leistung 125 kW / 170 PS bei 5500 U/min 125 kW / 170 PS bei 6100 U/min
Höchstgeschwindigkeit 236 km/h 226 km/h
0-100 km/h 9,7 s 8,6 s
Verbrauch 10,6 l/100 km 8,9 l/100 km
Testverbrauch 11,1 l/100 km 10,2 l/100 km
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