Cruise Brothers

Wer im Cabrio den komfortablen Gleiter sucht, wird beim neuen Chrysler Sebring fündig. Er verkörpert die Alternative zu den auch im Hubraum kleineren Schweden Saab 9-3 und Volvo C70.

Seit der Fusion mit Chrysler kann Daimler-Chrysler auch jene Smart Buyer bedienen, die keinen Smart fahren wollen. Denn wer zwar ungern auf Luxus, aber gern auf Luxuspreise verzichtet, findet nunmehr im gleichen Haus verlockend günstige US-Alternativen zu den teuren Mercedes-Modellen. Mit seinem Aufschlag von gut 31.000 Mark spielt der offene CLK 320 jedenfalls preislich in einer ganz anderen Liga als das in Format, Leistung und Ausstattung vergleichbare Chrysler Sebring Cabrio.  

Für 64.900 Mark ist die 203 PS starke V6-Version mit serienmäßiger Automatik eigentlich konkurrenzlos, denn zu ähnlichen Konditionen gibt es auch die Schweden-Cabrios Saab 9-3 und Volvo C70 nur mit den Zweiliter-Einstiegsmotoren und mechanischem Fünfganggetriebe. Erst gegen gut 10.000 Mark Zuzahlung wird zumindest im Antriebsbereich annähernd Gleichstand erreicht, aber noch nicht in jener Eigenschaft, in der sich Cabrio-Fahrer vorgeblich am liebsten sonnen: Sie fallen nicht mehr auf.  

Der hohe Aufmerksamkeitswert des neuen Chrysler Sebring ist freilich nicht allein darauf zurückzuführen, dass er  erst seit wenigen Wochen angeboten wird. Er liegt mehr noch an seiner feudalen Gestalt, die einen Teil ihrer Reize aus den stattlichen Dimensionen bezieht. Mit der größten Länge (4,92 Meter) bei nur 1,40 Meter Höhe verbreitet er eine Pracht, die man auf Anhieb einer höheren Preiskategorie zuordnet.

Im unmittelbaren Vergleich zeigt vor allem der Saab einen kompakteren Zuschnitt. Seine hochbordige Karosserie ist deutlich kürzer und schmaler, was nicht nur Auswirkungen auf das Platzangebot hat. Denn trotz seiner grundsätzlich offenen Art wirkt er eher verschlossen, fast schüchtern, wo der Chrysler nur so vor selbstbewusster Extrovertiertheit strotzt. Im Charakter wie bei den Abmessungen genau dazwischen liegt der vorrangig für den US-Markt konzipierte C70.

Auch beim Raumangebot bietet er gutes Mittelmaß. Mit genügend Lebensraum vorn und hinten für je zwei Erwachsene taugt er zum vollwertigen Viersitzer, wenngleich Kofferraum und Zuladung diesen Anspruch kaum einlösen. Da hat – selbst ohne umgeklappte Rücksitze – der 9-3 einiges mehr in petto, dessen Fondinsassen jedoch auf Tuchfühlung mit dem Nachbarn und den Vordersitzen kauern. Zudem wird der vom Maßband untermauerte Eindruck von Enge bei geschlossenem Dach fast schon bedrückend.

Ganz anders der Sebring. Seine weit vorne ansetzende Windschutzscheibe, die niedrige Gürtellinie und das luftig geschnittene Verdeck ergeben ein Raumgefühl, das an die Opulenz einstiger Straßenkreuzer erinnert. Man meint, die kaum ausgeformte Rückbank reiche bequem für drei, was in der Realität jedoch weder erlaubt noch empfehlenswert ist.

Aber der Platzvorteil des Chrysler bis hin zum achtbaren Gepäckvolumen zeigt, dass Größe nicht nur Nachteile beim Parken, sondern auch Vorzüge hat. In der Karosseriequalität wie in der Funktionalität der Bedienung sind hingegen die Europäer im Vorteil, ebenso bei der Verwindungssteifigkeit.

Nicht dass sie frei wären von Knistern und Zittern, doch gegenüber der nonchalanten Machart des Sebring erscheinen sie fast wie Vorboten der Ewigkeit. Wer nur einmal dessen riesige Türen blechern ins Schloss fallen lässt oder in den liederlich verkleideten Kofferraum schaut, ahnt zumindest, wo ein Teil des Dumpingpreises herkommt.  Selbst sein elektromechanisches Verdeck repräsentiert nicht gerade jenen Bedienungskomfort, den Amerikaner angeblich so schätzen. Ganz uncool muss man nach dem Lösen zweier Spannbügel auch noch aussteigen, um die sperrige Persenning aufzuziehen, die bis dato Platz im Kofferraum wegnahm. Beim Volvo reicht hingegen ein Knopfdruck, um die Kapuze vollautomatisch unter einer festen Klappe verschwinden zu lassen, während das Saab-Dach zunächst per Drehgriff manuell zu entriegeln ist.

In beiden sitzt man folglich schneller im Freien und kann viel öfter jenen Zustand genießen, für den Cabrios schließlich gebaut und gekauft werden: das Offenfahren. Ihre Viersitzigkeit scheint dann jedoch nur selten gefragt, denn statt Hinterbänklern machen sich im Fond meist unansehnliche Windschotte breit. Damit lässt sich bei hochgefahrenen Seitenscheiben der Sturm draußen halten, aber auch ohne den Zug-Schutz gehören diese Autos nicht zu denen, die ihre Passagiere ungebührlich verwirbeln.

Überhaupt stimmen die zahlreichen Komfortmerkmale bis hin zur durchweg serienmäßigen Klimaanlage darauf ein, dass eher Cruisen als Düsen angesagt ist. Im Gegensatz zum recht mager ausgestatteten Volvo warten Saab und Chrysler sogar mit Leder, elektrischer Sitzverstellung sowie CD-Radio auf. Andererseits fehlen dem Sebring Sitzheizung, Sidebags und hintere Kopfstützen. ESP gibt es nicht einmal bei den sicherheitsbewussten Schweden, einen automatisch ausfahrenden Überrollschutz nur beim C70.

Doch im Alltag zählen meist andere Werte. Ein guter Komfort etwa, womit vor allem der Chrysler glänzen kann. Das Schluckvermögen seiner Federung ist besser als das der stuckernden Rivalen und überzeugt nicht nur auf den Highways, für die er geschaffen scheint, sondern selbst auf zerfurchten Landstraßen. Dazu bleibt er akustisch bis in höhere Tempi recht dezent, wo die Saab-Insassen schon kräftige Windgeräusche und der kernige Vierzylinder-Motor plagen.

Auch der Volvo gehört nicht zu den Leisetretern, verwöhnt aber mit wohligem Fünfzylinder-Knurren und einer hervorragend zum entspannten Cruisen passenden Leistungscharakteristik. Sein 2,4-Liter-Turbomotor bietet stämmigen Durchzug schon bei niedrigen Drehzahlen und damit beste Voraussetzungen für die Kombination mit einer Automatik, die als Einzige mit fünf Fahrstufen aufwartet. Der Effekt: perfekte Anschlüsse in fast allen Lebenslagen und der geringste Verbrauch im Test.

Dagegen verhindert die weit gespreizte, zu lang übersetzte Viergang-Box des Sebring, dass sich der großvolumige, kultivierte V6 von seiner besten Seite zeigt. In Schalthäufigkeit und Durst wird er aber noch vom 9-3 Aero mit seinem Zweiliter- Turbo übertroffen. Besonders auf kurvigen Strecken braucht er hohe Drehzahlen, um den Anschluss zu halten und seine beachtlichen Fahrleistungen zu realisieren. Keine Frage – bei diesem betont sportlichen Modell überzeugt die Abstimmung von Motor und Getriebe am wenigsten.

Immerhin könnte er sich als sehr agil und fahrsicher profilieren, wenn da nicht der schlechte Geradeauslauf und die starken Antriebseinflüsse in der Lenkung wären. So aber setzt sich der C70 trotz kräftigen Untersteuerns und seines großen Wendekreises an die Spitze. Denn beides plagt auch den Sebring, der überdies unhandlich und reichlich schwammig wirkt. Ernsthafte Probleme bereitet dies jedoch in keinem Fall: Alle drei Fronttriebler absolvierten die Fahrversuche ohne Tücken und großen fahrerischen Aufwand.

Erst die Sicherheitswertung wirft den Chrysler zurück, wofür neben dem Bremsfading besonders die lückenhafte Ausstattung verantwortlich ist. Da hilft auch die günstige Kostenbilanz mit niedrigem Kaufpreis und Dreijahres-Garantie wenig.

Die besseren Autos sind klar der ausgewogene Volvo und – mit Abstrichen – der sportliche Saab, aber deshalb müssen sie nicht unbedingt reizvoller sein.

Fazit

1. Chrysler - Sebring 2.7 Cabrio - 29473
443 Punkte

3. Chrysler Sebring Cabrio: Viel Platz, guter Komfort und niedriger Preis sprechen für den Chrysler. Das entschädigt für die billige Machart, aber nicht für schwache Bremsen und Sicherheitslücken.

2. Volvo C70 Cabrio
471 Punkte

Den höchsten Preis rechtfertigt der Volvo mit guten Fahreigenschaften, hoher Sicherheit und einem harmonischen, sparsamen Antrieb. Zuladung und Kofferraum sind knapp.

3. Saab 9-3 Cabrio
454 Punkte

Der enge Saab gefällt mit reichhaltiger Ausstattung, sportlichem Temperament und agilem Handling. Weniger gut: Verbrauch, Motor-Getriebe- Abstimmung und die Lenkung.

Technische Daten
Chrysler Sebring 2.7 Cabrio LX Volvo C70 2.4T Cabrio Saab 9-3 2.0 Turbo Aero
Grundpreis 34.790 € 40.900 € 39.420 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 4921 x 1792 x 1401 mm 4716 x 1817 x 1429 mm 4629 x 1711 x 1423 mm
KofferraumvolumenVDA 320 l 262 l 295 bis 378 l
Hubraum / Motor 2736 cm³ / 6-Zylinder 2435 cm³ / 5-Zylinder 1985 cm³ / 4-Zylinder
Leistung 149 kW / 203 PS bei 5900 U/min 142 kW / 193 PS bei 5100 U/min 151 kW / 205 PS bei 5750 U/min
Höchstgeschwindigkeit 210 km/h 220 km/h 225 km/h
Verbrauch 10,8 l/100 km 10,6 l/100 km 9,9 l/100 km
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