Dacia Logan MCV 1.5 dCi, Skoda Roomster 1.4 TDI

Ost-Pakete

Foto: Hans-Dieter Seufert 41 Bilder

Dacia Logan MCV 1.5 dCi und Skoda Roomster 1.4 TDI verbinden üppiges Platzangebot, Variabilität und schwungvolle Dieselmotoren zum günstigen Tarif. Welcher kommt besser an?

Die Budget-Dependancen aus dem ehemals wilden Osten gelten zwar nicht unbedingt als automobile Herzensbrecher, dennoch fällt es immer schwerer, sich ihren Reizen zu entziehen. Zu penetrant kitzeln etwa die 8400 Euro für den Dacia Logan MCV in den Nasen von Schnäppchenschnüfflern. Auch wenn die Preisliste die Euphorie dämpft, indem sie ausdrücklich die serienmäßig längsverstellbaren Vordersitze preist oder 15-Zoll-Radzierblenden „Bucuresti“ als Option für 15 Euro pro Stück feilbietet. Das hier getestete Topmodell Lauréate mit 86 PS starkem Dieselmotor steht denn auch schon mit 12 650 Euro in der Liste – elektrische Fensterheber und Zentralverriegelung sind dabei inbegriffen, Klimaanlage und CD-Radio im Paket kosten allerdings noch einmal 1250 Euro extra.

Ohne diesen kleinen Luxus rollt kein Skoda Roomster als Comfort-Variante durch das Werkstor. Für 19 650 Euro packen die Tschechen zudem Lederlenkrad, Sitzheizung und mehr hinein. Kopfairbags und ESP ebenfalls. Dinge also, die Dacia seinen Kunden vorenthält – im Gegensatz zur dritten Sitzreihe für 450 Euro.
Hier muss der Skoda passen – und kann den Malus auch beim Ladevolumen nicht ausgleichen. Keine Schande, wenn der Gegner maximal 2350 Liter oder bei Bedarf eine ganze Euro-Palette schluckt. Sie kann bequem per Gabelstabler durch die asymmetrischen Hecktüren einschweben und auf dem durch die Aufnahmen der dritten Sitzreihe verunzierten Boden Platz nehmen, bevor die Türen wieder mit blechernem Scheppern ins Schloss fallen.

Feinsinnige zucken zusammen, Menschen mit Kleintransporter-Faible lächeln versonnen. Und nehmen zufrieden im Cockpit Platz. Bietet es doch ein luftiges Raumangebot, große Fensterflächen, eindeutige Bedienelemente sowie eine Möblierung in sortenreinem Hartplastik- Stil: abwaschbar, solide und knisterfrei verarbeitet.
Außerdem mit praktischen Lüftungsdüsen ausgestattet, die Kenner sofort an den 3,5-Tonner Renault Master erinnern. Ähnlich wie die hohe Sitzposition hinter dem fest stehenden Lenkrad, die sich auch nach Nutzung der versteckt untergebrachten Sitzhöhenverstellung kaum bessert.
Spätestens an dieser Stelle dürfen sich Roomster-Besitzer gelassen in ihre körpergerecht geformten Sitze schmiegen und die Preisdifferenz auskosten. Der Skoda gibt sich freundlicher und dank unterschiedlichen, teils weichen Oberflächen sowie dem griffigen Lederlenkrad deutlich hochwertiger als der im rumänischen Stammwerk Pitesi gefertigte Dacia.

Die Roomster-Kontrollleuchten glimmen heller, der Bordcomputer ist klüger, der Blinker tickert vernehmlicher, und gehupt wird am Pralltopf, nicht mit dem Lenkerschalter. Zudem akzeptieren die geräumigen Roomster-Türtaschen auch Flaschen, das doppelstöckige Handschuhfach mehr als nur Kleinkram.
Nebenbei offeriert Skoda gegen Aufpreis auch noch eine Komfort-Armada, für die man in Pitesi vergeblich anklopft: Klimaautomatik, Einparkhilfe, Navigationsgerät. Der Anschluss für einen MP3-Player ist sogar Serie. Vor allem aber haben sich die Ingenieure bei den Sitzen orthopädisch beraten lassen.
Körperunterstützung und Verstellbereich garantieren beschwerdefreies Reisen, während Dacia-Insassen trotz angemessen großer Polster und Lordosenunterstützung nach längeren Touren über Rückenschmerzen klagen.

Die zweite Reihe muckt da schon weniger auf.

Obwohl sich Dacia nicht lange mit einer Konturierung aufgehalten hat, sitzt es sich auf der breiten Bank selbst zu dritt akzeptabel. Zur Not passen sogar drei Kindersitze nebeneinander, während auf den optionalen Plätzen sechs und sieben auch Erwachsene akzeptablen Unterschlupf finden. Aufgaben also, an denen sogar manche Premium-Helden kläglich scheitern.
Der Roomster ebenso. Sein schmaler Mittelsitz in Reihe zwei geht höchstens als verkappte Armlehne durch. Allerdings punktet sein Fond- Konzept durch maximale Variabilität. So sind die drei Einzelplätze mit wenigen Handgriffen verschieb-, hochklappund demontierbar. Die beiden Außenplätze lassen sich bei entferntem Mittelplatz nach innen verschieben.
Dann mimt der 4,21-Meter-Skoda Oberklasse: mit entspannter Beinfreiheit, verstellbarer Rückenlehne und toller Aussicht dank niedriger Gürtellinie sowie optionalem Glasdach. Vorn leidet die Übersicht hingegen unter den kleinen Seitenscheiben mit ihrem Design-Bogen, der wie ein schwarzer Fleck im Augenwinkel klebt, sowie massigen A- und D-Säulen.

Beim Logan stört vor allem der Mittelsteg der Hecktüren, der den Blick auf Hinterherfahrer erschwert. Schade, denn mit seinem 86 PS starken dCi kann er einiges hinter sich lassen. Im Gegensatz zum gediegenen Auftritt im Clio spielt der 1,5-Liter große Diesel hier den Malocher.
Mäßig gedämmt und herb metallisch pras- selnd legt er turbolochfrei los und dreht bis knapp 4000/min mühelos hoch. Allerdings verzichtet er dabei grundsätzlich auf die Mithilfe eines Partikelfilters.

Den hat der Roomster zwar an Bord, doch der Charakter des Pumpe-Düse- Dreizylinders erfordert trotz ausgeprägter Sparsamkeit viel Verständnis. Zunächst hängt der 1,4-Liter im Drehzahlkeller fest, um ab 2000/min gleich mehrere Stufen auf einmal zu nehmen – und etwas später wieder atemlos durchzuhängen.
Zudem schmückt er sein schmales nutzbares Drehzahlband mit Vibrationen und Brummen. Was auf der Autobahn jedoch immer noch angenehmer scheint als das bei hohem Tempo aufdringliche Geräusch-Konglomerat aus Motor-, Abroll- und Windgeräuschen im Dacia .
Der Skoda bietet dafür einen ansprechenden Abrollkomfort und zeigt eine nur mäßige Stuckerneigung sowie akzeptables Schluckvermögen auf langen Wellen. Das Fahrwerk, das aus Fabia und Octavia-Komponenten gemixt ist, gibt kurze Unebenheiten trotzig weiter, vermittelt dafür eine akurate Rückmeldung.
Gleiches gilt für die Lenkung, die wesentlich exakter und direkter anspricht als das träge, bisweilen stößige Gegenstück des Dacia. Was den ESP-freien rumänischen Underdog mit seinem Mix aus Modusund Clio-Teilen nicht davon abhält, in Profihand den Skoda im Fahrdynamik- Test kaltzustellen. Anders als beim Fahren auf der Landstraße, wo der Roomster Kommandos deutlich präziser umsetzt und den Fahrer – falls nötig – mit ESP und Antischlupfregelung unterstützt. Beim Logan ist dagegen in kritischen Situationen Eigenleistung gefragt: Einen günstigen Preis gibt es eben nicht umsonst.

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Fazit

1. Skoda Roomster 1.4 TDI
458 Punkte

Schick, praktisch und sauber verarbeitet: Der Roomster verbindet das Schöne mit den Nützlichen. Sein variables Sitzkonzept, vielfältige Ablagen und das Fahrverhalten überzeugen aber mehr als der brummige Dreizylinder.

2. Dacia Logan MCV 1.5 dCi
419 Punkte

Großzügiges Platzangebot, einfache Bedienung und der kräftige, aber durstige Diesel sprechen für den siebensitzigen MCV, die magere Sicherheitsausstattung ohne ESP sowie der fehlende Partikelfilter gegen ihn.

Technische Daten
Skoda Roomster 1.4 TDI (DPF) Comfort Dacia Logan MCV 1.5 dCi 7-Sitzer Lauréate
Grundpreis 19.830 € 13.550 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 4205 x 1684 x 1607 mm 4450 x 1740 x 1636 mm
KofferraumvolumenVDA 450 bis 1555 l 198 bis 2350 l
Hubraum / Motor 1422 cm³ / 3-Zylinder 1461 cm³ / 4-Zylinder
Leistung 59 kW / 80 PS bei 4000 U/min 63 kW / 86 PS bei 3750 U/min
Höchstgeschwindigkeit 165 km/h 161 km/h
0-100 km/h 14,4 s 15,0 s
Verbrauch 5,2 l/100 km 5,2 l/100 km
Testverbrauch 7,1 l/100 km 7,2 l/100 km
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