Dacia Sandero 1.4 MPI im Test

Billig the Kid

Foto: Hans-Dieter Seufert 20 Bilder

Mit dem kompakten, schick gestylten Sandero stellt sich Dacia erstmals der etablierten Kleinwagen-Konkurrenz. Ob sich Polo und Co. vor dem Preisbrecher aus Rumänien fürchten müssen, klärt der Testbericht.

Selbst drei Jahre nach Verkaufsstart ist der Dacia Logan im bundesdeutschen Straßenverkehr immer noch eine auffallende Erscheinung: die Limousine durch ihr markant und eckig gezeichnetes Stufenheck, der MCV genannte Kombi durch die kurzen Überhänge und den gigantischen, 2,90 Meter langen Radstand – länger als bei der E-Klasse von Mercedes.

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Der neue, kompakte Schrägheck-Sandero wirkt dagegen moderner und gefälliger, weil seine Proportionen dem heutigen Standard der Vier-Meter-Klasse entsprechen. Er wird zuerst als zeitgemäßer Kleinwagen wahrgenommen und nicht unbedingt als typischer Dacia. Geblieben ist jedoch der sensationelle Basispreis in Höhe von 7.500 Euro. Mit Ausnahme von Windschutzscheibe und Vordertüren erhielt der Sandero eine völlig neu gezeichnete Karosserie. Trotzdem teilt der jüngste Dacia 70 Prozent seiner vornehmlich aus Renault- Regalen stammenden Komponenten mit dem Logan.

Ein Logan mit Heckklappe

Er ist im Prinzip ein Logan mit Heckklappe: Die Motoren sind identisch, ebenso fast das gesamte Interieur sowie Spurweiten, Wendekreis, Fahrzeughöhe und -breite. Nur den Radstand reduzierten die Rumänen von 2.630 auf 2.589 Millimeter. Das sind spürbare 4,10 Zentimeter weniger als im Stufenheck-Modell, die im Fond fehlen. Ansonsten teilt sich der Sandero alle Vor- und Nachteile mit seinem Bruder. Und einige kommen hinzu. Abgesehen von der eingeschränkten Beinfreiheit im Fond beeindruckt die Größe des Innenraums, die in der Kleinwagenklasse derzeit konkurrenzlos ist. Dank der üppigen Wagenbreite von 1,74 Meter sitzt man vorne fast wie in einem VW Golf.

Die hohe Sitzposition erlaubt eine ausgezeichnete Sicht nach vorne und sogar auf einen Teil der Motorhaube. Das weiche Frontgestühl könnte jedoch mehr Seitenhalt bieten. Es wirkt alt-französisch wie die Hupe am linken Lenkstockhebel, das nackt am Unterboden befestigte Reserverad oder eklatante Schwächen in der Bedienung von Heizung und Leuchtweitenregulierung. Die Drehregler der effizient und schnell arbeitenden Klimatisierung sind auf der Mittelkonsole zu tief positioniert und werden außerdem vom Schalthebel verdeckt. Der Leuchtweiten-Drehknopf lässt sich sogar nur neben dem Wagen kniend bei geöffneter Fahrertür einsehen und damit einstellen. Immerhin dient diese Aktion auch dem willkommenen Entlüften des Innenraums, dessen Mix aus intensiven Gummi- und Plastikgerüchen wenig Freude aufkommen lässt.

320 Liter Kofferraum

Das Gleiche gilt für den im Normalzustand 320 Liter fassenden und damit nur durchschnittlich großen Kofferraum, dessen Variabilität stark eingeschränkt ist: Nach dem Umklappen der asymmetrisch teilbaren Rücklehne verhindert eine hohe Stufe die durchgängige Ladefläche. Zur Vergrößerung des Laderaums empfiehlt die ausführliche Betriebsanleitung, mit deren Hilfe zum Beispiel alle Glühlampen gewechselt werden können, den Ausbau des Sitzpolsters. Mit einem kräftigen Ruck hält man dann das unten unverkleidete Polsterteil aus Schaumstoff genau so in den Händen, wie es der rumänische Fahrzeugbauer am Fließband eingesetzt hat. Auf diese Weise lassen sich auch die direkt auf dem Fahrzeugboden verlaufenden Kabelstränge kontrollieren, doch die Stufe im Gepäckraum bleibt. Der Wiederaufbau unter Berücksichtigung von drei kurz angebundenen Gurtschlössern, die wieder in Position gebracht werden müssen, gestaltet sich für eine Einzelperson sehr mühsam. Kurz gesagt: Man macht diese Aktion im Sandero-Leben nur ein einziges Mal.

75-PS-Motor mit braven Manieren

Unterwegs gefällt der Dacia durch seine braven Manieren, die zum Großteil aus der moderaten Motorisierung mit 75 PS resultieren. Der 1,4-Liter-Benziner reißt keine Bäume aus, knickt nicht einmal Äste ab. Von Null auf 100 km/h vergehen 14,8 Sekunden, die Höchstgeschwindigkeit liegt bei ordentlichen 161 km/h. Wer flott unterwegs sein will, muss viel schalten und sollte die Drehzahlmessernadel nicht unter 4.000/ min fallen lassen. Ab 125 km/h überlagern kräftige Windgeräusche aus den A-Säulen das leichte Dröhnen und Brummen der Vierzylinder-Maschine. Doch keine Angst: Der Sandero läuft unbeirrt geradeaus und säuft dabei nicht einmal.

Ein Testverbrauch von 6,8 Liter auf 100 Kilometer darf unter diesen Bedingungen als akzeptabel gelten. Lenkung, Schaltung und Pedale erfordern nur geringen Kraftaufwand. Die Bremsen lassen unter hoher Belastung zwar nicht nach, aber sie sind insgesamt zu schwach. Andere Kleinwagen stehen aus 100 km/h fünf Meter früher. In Kurven und bei Lastwechseln benimmt sich der neue Dacia wie ein gut abgestimmter SUV. Der robust und strapazierfähig gebaute Kompakte meistert alle Fahrversuche ohne alarmierende Ausreißer. Ein weiterer Kritikpunkt: ESP als elektronischer Schleuderschutz ist nicht mal gegen Aufpreis erhältlich.

Unerwartetem begegnen wir auf der Kostenseite. Das Grundmodell zum Kampfpreis von 7.500 Euro ist eigentlich nur ein Promotion-Gag, um in Autodingen wenig bewanderte Kunden in die Schauräume zu locken. So fehlen dem Basis-Sandero elementare Dinge wie Servolenkung und Seitenairbags. Wer dazu ein höhenverstellbares Lenkrad, eine asymmetrisch umklappbare Rückbanklehne, Zentralverriegelung und elektrische Fensterheber vorn wünscht, der muss die Luxus-Variante Lauréate wählen, die mit 9.300 Euro (75 PS-Benziner) zu Buche schlägt.

Die 7.500-Euro-Falle

Der Testwagen mit Leichtmetallrädern, Klimaanlage, CD-Radio und Metallic-Lack aus der Options-Liste zusätzlich aufgerüstet, kommt sogar auf 11.600 Euro. Bis zu einem neuen VW Polo als Zweitürer fehlen dann nur noch 375 Euro. Was den Sandero wirklich auszeichnet, ist sein üppig bemessener Innenraum, dessen Nutzung durch die geringe Beinfreiheit im Fond jedoch eingeschränkt ist. Auch die robuste Bauweise einschließlich eines massiven Steinschlagschutzes für die Ölwanne weiß ebenso zu gefallen wie das problemlose Fahrverhalten. Trotzdem ist es lohnender, das aktuelle Kleinwagen-Angebot gründlich unter die Lupe zu nehmen, anstatt in die 7.500-Euro-Falle von Dacia zu tappen. Für 9.990 Euro bietet Suzuki zum Beispiel den modernen Splash mit einer Ausstattung auf Sandero Lauréate-Niveau. Äußere Größe ist auch bei Kleinwagen nicht alles.

Vor- und Nachteile

Karosserie
  • gute Platzverhältnisse für Passagiere und Gepäck
  • solide Verarbeitung
  • gute Übersichtlichkeit
  • viel Hartplastik im Interieur
  • zum Teil komplizierte Bedienung
Antrieb
  • befriedigende Fahrleistungen
  • passend abgestimmtes Fünfgang-Getriebe
  • Motor braucht Drehzahlen
Fahrkomfort
  • gute Klimatisierung
  • angenehmer Federungskomfort
  • weiche Sitze
  • relativ laute Windgeräusche
Fahreigenschaften
  • sicheres Kurvenverhalten
  • stabiler Geradeauslauf
  • schwerfälliges Handling
  • unpräzise Lenkung
Sicherheit
  • schwache Bremsleistung
  • kein ESP lieferbar
  • keine Seitenairbags in der Basisversion
Kosten
  • 3 Jahre Garantie
  • guter Wiederverkauf
  • sehr magere Grundausstattung der Basisversion
Umwelt
  • noch akzeptabler Verbrauch
  • geringe Schadstoff-Emission

Fazit

Der Sandero ist ein Logan mit Heckklappe und bietet den Passagieren viel Platz. Das komfortable Fahrwerk zeigt keine gravierenden Schwächen, dagegen die zum Teil umständliche Bedienung. ESP gibt es nicht.

Technische Daten
Dacia Sandero 1.4 MPI Lauréate
Grundpreis 9.300 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 4020 x 1746 x 1534 mm
KofferraumvolumenVDA 320 bis 1200 l
Hubraum / Motor 1390 cm³ / 4-Zylinder
Leistung 55 kW / 75 PS bei 5500 U/min
Höchstgeschwindigkeit 161 km/h
0-100 km/h 14,8 s
Verbrauch 6,9 l/100 km
Testverbrauch 6,8 l/100 km
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