Daihatsu Copen im Test

Kurz notiert

Foto: Hans-Dieter Seufert 18 Bilder

Auf der nach oben offenen Niedlichkeits-Skala zählt der Daihatsu Copen zu den Größten, weil er der kleinste Klappdach-Roadster auf dem Markt ist. Neuerdings gibt es ihn auch mit Linkslenkung – und einem stärkeren 1,3-Liter-Motor.

Natürlich ist es sein Job, sich selbst zu verwandeln, vom Coupé zum Roadster, auf Knopfdruck und in 20 Sekunden. Das erledigt er so routiniert wie alle Klappdach- Cabriolets. Was aber wichtiger ist: Seinen Fahrer verwandelt ein Daihatsu Copen noch viel gründlicher.

Denn plötzlich ist er trotz Bauchansatz, gänzlich unmodischer Bekleidung und starrsinniger Affinität zu Siebziger-Jahre-Gitarrenrock einer, dem 18-jährige Mädchen von ihren Fahrrädern zublinzeln. Ein Gutmensch, ein ganz Lieber, dem beim Ampelstopp ein perlendes Lächeln hinter fremden Seitenscheiben gilt.

Auf den krähende Kinder mit den Fingern zeigen und dem euphorisierte Rentner von wilden Jahren im Topolino oder Gutbrod Superior erzählen, weil sie so wenig Auto an die Fünfziger erinnert. Unmöglich, so scheint es, dass sich böse Menschen in einen 3,40-Meter- Roadster mit Teddybären-Blick falten. Copen-Fahren ist konsequenter Verzicht auf Eitelkeit, auf Image und Hierarchie.

Dass er aussieht, als hätten ihn die Barbie-Puppen der kleinen Nachbarstochter am Rand der Spielstraße abgestellt, ist wahrscheinlich sein größter Vorzug. Denn natürlich ist er mit 17 200 Euro zwar der billigste Blechdach- Roadster, aber kein wirkliches Discount- Angebot. Der Copen kostet kaum weniger als der gerade verblichene Smart Roadster. Und immerhin ließe sich – wenn Pragmatiker kalkulieren – statt des Copen auch ein konsensfähiger Peugeot 206 CC oder Opel Tigra Twin Top anschaffen. Bei Daihatsu rechnen sie jährlich mit rund 1500 Deutschen,denen das vollkommen egal ist. Die meisten von ihnen werden sich den Copen als Zweitbis Viertwagen halten.

Es wird keine Rolle spielen, dass sein Kofferraum- Volumen bei versenktem Dach auf lächerliche 14 Liter schrumpft. Mit Blechdeckel sind es 210, aber Reisen im geschlossenen Winz-Roadster sind etwa so reizvoll wie ein Januar-Wochenende in Jena-Lobeda. Vor allem dann, wenn sich Menschen über 1,80 Meter Körpergröße in Copen-Benutzer verwandeln wollen. Das geschlossene Dach gibt ihnen eine eigenartige Sitz-Liege-Position mit nach vorne verlagertem Hintern und eingezogenem Kopf vor, das nicht weit genug nach oben verstellbare Lenkrad noch dazu eine Frosch-Haltung der Beine. Der geöffnete Copen dagegen ist selbst für Sitzriesen noch tauglich, sofern sie ihm mehrmals täglich verzeihen können, dass der Gurt in der hintersten Sitzraste nicht mehr aufrollt. Dafür müssen sie jetzt nicht mehr rechts sitzen, weil es die Export-Typen neuerdings mit dem Lenkrad auf der gewohnten Seite gibt.

Und zudem prunkt der frisch modellgepflegte Copen mit einem Superlativ, den ihm kein Vertreter aus dem Premium-Bereich nehmen kann: doppeltem Hubraum zum unveränderten Preis.

Den 68 PS starken und 659 Kubikzentimeter großen Turbo-Quirl haben die Daihatsu- Techniker gegen jenen konventionellen 1,3-Liter-Motor ersetzt, der bereits im Sirion arbeitet – mit 87 PS und 120 statt bisher 100 Newtonmeter maximalem Drehmoment.

Es wird fällig, wenn die Kubelwelle 4400 Mal pro Minute rotiert, was der kleine Doppelnocker hörbar gerne mag. Etwas heiser klingt er dann, aber nicht dröhnig, und er lässt sich mit dem Schaltstummel von der Länge eines Geodreiecks prima bei Laune halten. Dass er trotzdem auf ein Leergewicht von knapp 900 Kilogramm trifft, steht der Explosivität seines Durchzugs im Weg: Gar nicht außergewöhnliche 10,6 Sekunden vergehen bis zum Erreichen der 100-km/h-Marke, eine Sekunde mehr als vom Hersteller versprochen – und trotzdem nichts als eine ferne Zahl auf dem Papier, wenn der Copen über gekrümmte Landstraßen radiert.

Seine gefühlte Geschwindigkeit entzieht sich jedem Messwert. Natürlich ist er nie richtig schnell, wenn er durch die Serpentinen hechelt, aber er vermittelt selbst dann noch das Gefühl von Tempo, wenn auf der nächsten Waldgeraden schon wieder eine AKlasse mit silberhaarigem Fahrer überholt.

Soll er doch, der Copen tröstet mit seiner Schwerelosigkeit: Er lenkt zackig ein, bleibt in Kurven lange neutral und lässt sich im Zweifelsfall mit Nachdruck niederbremsen. Es fehlt nichts für die kleinen Fluchten abseits der Autobahn, bis auf das ESP, das es im Copen unverständlicherweise noch nicht einmal gegen Mehrpreis gibt. Ebensowenig wie Fahrkomfort im landläufigen Sinn.

Die Weiterleitung kleiner Straßenmängel vom Kopfsteinpflaster bis zur dezenten Querfuge gelingt ihm mit der Gewissenhaftigkeit eines Seismografen. Auch von herzhaftem Stuckern lässt er sich bei höherem Tempo nicht abhalten.

Insgesamt bietet er kaum mehr Geschmeidigkeit als ein MG Midget aus den späten Sechzigern. Der war damals übrigens einer der weltweit meistverkauften Sportwagen und lebte vornehmlich bei Menschen, die ihn nicht trotz, sondern wegen seiner archaischen Manieren kauften.

Er hat zurzeit nur einen legitimen Nachfolger: Der heißt Copen und schert sich einen Teufel um bürgerliche Normen. Vermutlich hat er das mit den meisten seiner Fans gemeinsam. Trotzdem muss hier festgehalten werden, dass er sich die Freude am Landstraßenfegen mit einem Maximalverbrauch von zehn Litern honorieren lässt. Das ist natürlich zu viel, auch wenn es Normalbenzin sein darf. Und auch das ist ein Thema: Die Karosserie des Copen ist zwar ordentlich verarbeitet, aber nicht besonders verwindungssteif.

Das geschlossene Dach knackt auf schlechten Strecken, der offene Copen lässt die A-Säulen zittern, und irgendwo knirscht es leise, wenn er über fiese Verwerfungen fetzt. Das können teurere Roadster besser. Meist sind sie nicht viel besser ausgestattet als der Copen.

Der bringt schließlich neben seinem elektrisch betätigten Blechdach auch noch Klimaanlage, Sitzheizung, elektrische Fensterheber und Aluräder mit. Was es darüber hinaus extra gibt, kostet wenig: 170 Euro für die Persenning, 600 Euro für Sitze mit Lederbezug.

Er sieht nett aus und ist trotzdem wild genug, außerdem nicht eitel – damit macht er es leicht, ihn samt seiner Schwächen zu mögen.

Vor- und Nachteile

Karosserie
  • –überzeugendes Dachkonzept –sauberes Finish
  • –minimales Kofferraumvolumen bei offenem Dach – nicht sehr verwindungssteife Karosserie – minimale Zuladung
Fahrkomfort
  • –ordentlicher Sitzkomfort –sehr wirksame Klimatisierung
  • –dürftiger Federungskomfort –keine optimale Sitzposition für große Fahrer
Antrieb
  • –drehfreudiger Motor –präzise Schaltung –ordentliche Fahrleistungen
Fahreigenschaften
  • –gut ansprechende Lenkung –vergnügliches Handling
Sicherheit
  • –gute Bremswirkung
  • –auch optional kein ESP
Umwelt
  • –niedriges Leergewicht
  • –hoher Verbrauch
Kosten
  • –komplette Basisausstattung –drei Jahre Garantie
  • –kurze Wartungsintervalle

Fazit

Im Alltag fordert der Daihatsu Copen viele Zugeständnisse, als Outlaw für die wilden Seiten des Sommers macht er Spaß. Was definitiv fehlt: ESP und ein auch mit geöffneten Dach nutzbarer Kofferraum.

Technische Daten
Daihatsu Copen
Grundpreis 17.090 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 3395 x 1475 x 1245 mm
KofferraumvolumenVDA 210 l
Hubraum / Motor 1298 cm³ / 4-Zylinder
Leistung 64 kW / 87 PS bei 6000 U/min
Höchstgeschwindigkeit 180 km/h
0-100 km/h 10,6 s
Verbrauch 6,0 l/100 km
Testverbrauch 8,3 l/100 km
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