Daihatsu Materia 1.5 im Test

Kasten-Wagen

Foto: Hans-Dieter Seufert 11 Bilder

Mit Daihatsu wagt erstmals ein japanischer Hersteller, einen der im eigenen Land so beliebten kastenförmigen Kleinwagen in Deutschland anzubieten. Im Test der Materia 1.5 mit 103 PS.

Die japanische Hauptstadt Tokio mit ihren zahlreichen Wohn-, Büro- und Hotel-Türmen sowie ausufernder Neon-Reklame veranschaulicht zwei Dinge sehr deutlich: Japaner stehen auf grellbunte Beleuchtung und bringen auf kleiner Grundfläche viele Menschen unter. Selbst vor japanischen Autos machen diese Trends nicht halt.

So besitzt der neue Daihatsu Materia 1.5 eine in kühlem Blau gehaltene Beleuchtung der vorderen Innentürgriffe sowie in der gleichen Farbe leuchtende Ringe um die Lautsprecher in Fahrer- und Beifahrertür. Außerdem will der nur 3,80 Meter kurze Winzling mit einer Höhe von 1,64 Meter zwar nicht ganz so hoch hinaus wie die Wolkenkratzer, ist aber wie diese mit geraden Wänden gebaut und schafft so genug Platz für fünf Passagiere.

Während in japanischen Städten zahlreiche solcher Hochdach-Kleinwagen das Straßenbild prägen, sucht mit dem Materia nun erstmals ein Exemplar dieser Gattung auch in Deutschland nach Käufern. Diese sollten jedoch eine gewisse Extrovertiertheit mitbringen, denn der Fünfsitzer mit der Knubbelnase und dem frechen Grinsen ist ein echter Hingucker.

Vor allem, wenn er wie der Testwagen in Mamba-Grün-Perleffekt lackiert ist. Im Kontrast dazu stehen die dunkel getönten hinteren Seitenscheiben und die Heckscheibe. Das verleiht dem Materia ein Böse-Buben-Image, das besonders bei jungen Autofahrern zieht. Ältere Autofahrer sollten sich davon nicht abschrecken lassen, denn die kastenförmige Karosserie bietet gerade ihnen eine Menge Annehmlichkeiten.

Das beginnt beim bequemen Einstieg über weit öffnende Türen und einen niedrigen Schweller. Hinzu kommt eine hervorragende Übersichtlichkeit durch die erhöhte Sitzposition und die vorne wie hinten gut einsehbare Karosserie. Im Innenraum setzen sich die formbedingten Vorzüge fort.

Vor allem die Beinfreiheit im Fond liegt fast zwei Stufen über dem in der 3,80-Meter-Klasse sonst üblichen Maß. Auch bei der Kopf- und Schulterfreiheit punktet der Materia aufgrund seiner überdurchschnittlichen Innenhöhe und -breite ohne seitliche Einzüge zum Dach hin. Entsprechend luftig ist das Raumgefühl, das nur durch die hohe Gürtellinie und die daraus resultierenden kleinen Fensterflächen sowie den drückenden schwarzen Innenhimmel etwas eingeschränkt wird.

Das schadet dem Sitzkomfort auf der Rückbank freilich nicht. Man sitzt entspannt auf bequemen, aber wenig konturierten Polstern. Die geringe Ausformung der um 16 Zentimeter verschiebbaren Bank hat aber den Vorteil, dass man auf dem mittleren Platz besser sitzt als in manch einer ausgewachsenen Mittelklasse-Limousine. Fahrer und Beifahrer sind ebenfalls ordentlich untergebracht. Deren Sitze wirken zwar auf den ersten Blick etwas karg, sind aber ausreichend dimensioniert, und die Lehnen stützen den Rücken bis in den Schulterbereich ordentlich ab.

So werden selbst lange Strecken nicht zur Qual, zumal auch das Fahrwerk zumindest grobe Stöße von den Insassen weitgehend fern hält. Bei langsamer Fahrt und auf kleineren Unebenheiten sprechen die straff abge stimmten Federelemente jedoch holperig an. Diese sportliche Auslegung sorgt aber andererseits für sehr agile, überwiegend neutrale und sichere Fahreigenschaften.

Trotzdem sollte ESP für unvorhergesehene Gefahrensituationen unbedingt serienmäßig an Bord sein – auch in dieser Klasse. Derzeit wird es nur bei der 1,5-Liter-Variante für 500 Euro Aufpreis angeboten. Das Fahrwerk, das im Prinzip vom Sirion übernommen wurde, ist mit Stabilisatoren an Vorder- und Hinterachse ausgerüstet. Sie unterdrücken wirksam übermäßige Seitenneigung bei flotter Kurvenfahrt.

Die direkt übersetzte, elektrische Servolenkung spricht spontan an und vermittelt gute Rückmeldung. Bei schnellen Richtungswechseln – wie etwa im Slalom-Parcours – steigen die Lenkkräfte jedoch an, und bei Geradeausfahrt wünscht man sich um die Mittellage mehr Exaktheit.

Auch der knochigen Schaltung würde mehr Präzision gut tun. Die Schaltwege sind lang, und der Hebel findet nur mit Nachdruck den Weg in die gewünschte Position – das nervt auf Dauer. Absolut gelungen ist hingegen die Abstufung der fünf Gänge. Jeder Gang findet den passenden Anschluss, und auch der Fünfte ist glücklicherweise nicht zu lang übersetzt. So verhilft das Getriebe dem nicht besonders durchzugsstarken und drehwilligen Vierzylinder zu recht flotten Fahrleistungen.

Außerdem spricht der 1,5-Liter-Motor gut an: Ob beim Anfahren, nach dem Hochschalten oder bei niedrigen Drehzahlen – er reagiert stets ohne jede Verzögerung und ruckelfrei auf Gaspedalbewegungen. Zu den Schattenseiten des Triebwerks gehören jedoch die schlechte mechanische und akustische Laufkultur, die durch den hallenartigen Innenraum noch verstärkt wird. Der sperrige Aufbau dürfte zudem Anteil am viel zu hohen Verbrauch von 9,4 Liter Normalbenzin je 100 Kilometer haben.

Viele Pluspunkte sammelt der Materia mit seinen Bremsen: Sie verzögern auf hohem Niveau und lassen selbst bei wiederholt hoher Belastung nicht nach. Erstaunlich auch angesichts der vergleichsweise mageren Reifen. Diese sind auf Alufelgen montiert, die ebenso im Grundpreis von 15 490 Euro enthalten sind wie CD-Radio, Klimaanlage, vier elektrische Fensterheber und Zentralverriegelung.

Nur für jede andere Farbe als Weiß verlangt Daihatsu genauso Aufpreis wie für die Kopfairbags. Das Preisniveau liegt trotzdem eher am oberen Rand der Kleinwagenklasse, was man von der Qualitätsanmutung des Cockpits im Hartplasriklook und der billig anmutenden Kofferraumabdeckung nicht sagen kann. Mit seinem Platzangebot und der coolen Optik dürfte der Materia nicht nur in Tokio Eindruck schinden.

Fazit

Das Design des Materia ist nicht nur chic, sondern bringt auch praktische Vorzüge wie gutes Raumangebot und Übersichtlichkeit. Aber der durstige Motor ist laut, die Schaltung unpräzise, ESP nur optional.

Technische Daten
Daihatsu Materia 1.5
Grundpreis 16.990 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 3800 x 1690 x 1635 mm
KofferraumvolumenVDA 181 bis 1358 l
Hubraum / Motor 1495 cm³ / 4-Zylinder
Leistung 76 kW / 103 PS bei 6000 U/min
Höchstgeschwindigkeit 170 km/h
0-100 km/h 11,3 s
Verbrauch 7,1 l/100 km
Testverbrauch 9,4 l/100 km
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