Daihatsu Trevis 1.0 im Test

Grinsling

Foto: Achim Hartmann 14 Bilder

Mit seinem Augenaufschlag soll der Trevis besonders Frauen für sich einnehmen. Was der charmante Bonsai-Japaner mit seinem quirligen Dreizylinder-Motörchen sonst noch zu bieten hat, klärt der Test.

Wer sagt eigentlich, dass die Eye-Catcher im Straßenverkehr immer hubraumstarke Nobelkarossen oder vor PS protzende Sportwagen sein müssen?

Auch klein kann schön und aufregend sein, wie der Daihatsu Trevis beweist. Mit seinen großen Kulleraugen und dem verchromten Grill weckt seine Kindchenschema- Front spontane Sympathie – besonders beim weiblichen Geschlecht. Zugegeben, sein Look wirkt wie eine gute Kopie des ersten Mini. Mit seinen steilen A-Säulen, der charakteristischen Front und den weit in die Ecke gestellten Rädern ist er dem einstigen Original optisch sogar näher als die lifestyleorientierte Interpretation von BMW. Von ihr hat Daihatsu dafür völlig unverhohlen die chromumrandeten Rückleuchten im Dreiecks-Design kopiert. Und dann diese Farbe: Merlot-Rot. Die Verführungskünste des Trevis setzen sich in seinen Ausmaßen fort. Bei lediglich 3,40 Meter Länge und einer Breite von 1,48 Meter verlieren auch engste Parklücken ihren Schrecken. Zumal der Kleine auch noch mit guter Übersichtlichkeit glänzt. Die größte Hürde steht dem Trevis allerdings noch bevor: das Urteil der besten Freundin. Und die will sicher und vor allem bequem gefahren werden.

Die ersten Pluspunkte bringt der Armaturenträger. Die wenigen Knöpfe werfen keine Fragen auf. Zunächst aber erfolgt der Zustieg über vier Türen. Sie lassen sich nahezu im 90-Grad-Winkel öffnen und geben auf diese Weise den Weg nach vorne und in den Fond frei, wo die Passagiere allerdings jeweils auf dürftig konturierten Polstern Platz nehmen müssen. Überzeugender ist schon das Raumgefühl. Kopffreiheit finden groß gewachsene Mitfahrer selbst hinten ausreichend vor. Und durch die weit entrückte, steile Frontscheibe kommt erst gar nicht das Gefühl auf, in einem Kleinwagen zu sitzen. Das ändert sich, sobald ein Beifahrer zusteigt. Es fehlt an Ellbogenfreiheit. Kaum eine Kurve, in der man dem Sitznachbarn nicht auf die Pelle rückt. Nicht selten landet auch der Griff zum Schalthebel auf dem Knie des Mitfahrenden – oder der, bestenfalls.

Fehlt noch der Blick in den Kofferraum. 167 Liter stehen hier zur Verfügung. Nicht viel, aber im Ernstfall schafft das Umklappen der Rücksitzlehnen Linderung – das Volumen steigt dann auf 420 Liter. Einzig die dadurch entstehende Stufe und die hohe Ladekante erweisen sich dann noch als störend.


Mit den inneren Werten geht es weiter. Die trockenen Leistungsdaten – 58 PS und 91 Nm Drehmoment –, die der Einliter-Dreizylinder unter der Motorhaube entwickelt, klingen eher nach Östrogen als nach Testosteron. Auf der Teststrecke verfehlte er beim Beschleunigen die Werksangabe (12,2 Sekunden) um über zwei Sekunden, obwohl er lediglich mit einem Leergewicht von 836 Kilogramm antritt. Davon profitiert allerdings der Verbrauch: 3,8 L/100 km auf der Normrunde sind aller Ehren wert. Im Testmittel gönnte sich der Trevis jedoch sechs Liter, und längere Volllastfahrten schlagen mit 8,7 Liter zu Buche. Die linke Spur auf der Autobahn ist also nicht das Revier des kleinen Daihatsu – aber das steht auch nicht im Anforderungsprofil. Stadtverkehr hingegen schon, wo sich der Trevis ganz offensichtlich besonders wohlfühlt. Hier fällt auch der raue Klang des Motors nicht weiter ins Gewicht.

Wer etwas Schaltarbeit nicht scheut, bewegt den Trevis verhältnismäßig geräuscharm in den oberen Gängen durchs Verkehrsgetümmel. Leider flutschen die Gänge nicht immer reibungslos durch die Gassen. Besonders der erste und der Rückwärtsgang leisten oftmals Gegenwehr. Etwas mehr Widerstand wäre bei der Pedalerie hingegen angebracht. Es fällt ausgesprochen schwer, den Kupplungsdruckpunkt immer richtig zu erspüren. Lob gebührt dafür dem Federungskomfort. Obwohl mit kurzem Radstand und einer schmalen Spur gehandikapt sowie auf kurzen Wellen zum Aufschaukeln neigend, meistert das Fahrwerk auch größere Unebenheiten recht manierlich.

Dass sich die Lenkung von gröberen Schlägen und Antriebseinflüssen weitgehend unbeeindruckt zeigt, hinterlässt ebenfalls einen guten Eindruck. Überdies ist sie ausreichend präzise und vermittelt trotz ihrer elektronischen Servo-Unterstützung einen guten Fahrbahnkontakt. Zudem wurde mit dem serienmäßigen Momo-Sportlenkrad an der richtigen Stelle ein I-Tüpfelchen gesetzt. Ernsthaft Anlass zur Kritik gibt der Trevis in puncto Sicherheit. Zwar wartet er mit ABS, elektronischer Bremskraftverteilung sowie Fahrer- und Beifahrerairbag auf, ein elektronisches Stabilitätsprogramm gibt es aber nicht einmal für Geld und gute Worte.

In schnell gefahrenen Kurven mit engen Radien wankt nicht nur die Karosserie, er schiebt auch kräftig über die Vorderachse hinaus. Dabei verliert das kurveninnere Rad durch die Gewichtsentlastung die Traktion. Die Kurvenlinie ist nicht mehr zu halten, weil auch die schmalen Reifen im Format 155/65 R 14 einfach zu wenig Haftung bieten. In solchen Situationen tritt aus zwei Gründen ein mulmiges Gefühl auf: Zum einen ist es mit den Bremsen nicht zum Besten bestellt. Ihre Verzögerungsleistung bewegt sich gerade mal auf mittlerem Niveau. Zum anderen ist der Trevis im wahrsten Sinne des Wortes ein dünnhäutiger Zeitgenosse, und Seitenairbags sucht man selbst unter den Extras vergeblich.

Ansonsten offeriert Daihatsu mit Klimaanlage, CD-Radio, Zentralverriegelung mit Fernbedienung sowie elektrischen Fensterhebern vorn und hinten eine nahezu komplette Komfortausstattung. Um etwas Vergleichbares für 10 990 Euro zu finden, muss man in dieser Klasse schon lange suchen. Und das Urteil der besten Freundin? Sie wird, wie viele Frauen, allein vom Charme des Trevis begeistert sein, den schon seine bloße Erscheinung versprüht. Es steht übrigens nirgendwo geschrieben, dass nicht auch Männer den Trevis fahren dürfen.

Fazit

Der Daihatsu Trevis trumpft mit kompletter Serienausstattung, gutem Platzangebot und ausgeprägter Stadttauglichkeit auf. Gar nicht gut: Es gibt kein ESP, und die Bremsleistung ist nur mäßig.

Technische Daten
Daihatsu Trevis 1.0
Grundpreis 11.590 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 3400 x 1475 x 1500 mm
KofferraumvolumenVDA 167 bis 420 l
Hubraum / Motor 989 cm³ / 3-Zylinder
Leistung 43 kW / 58 PS bei 6000 U/min
Höchstgeschwindigkeit 160 km/h
0-100 km/h 14,5 s
Verbrauch 4,8 l/100 km
Testverbrauch 6,0 l/100 km
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