Dauertestbilanz des BMW 650i nach 70.000 Kilometern

Die Automatik passt besser ins Konzept

Foto: Frank Herzog 13 Bilder

Nach knapp 70.000 absolvierten Kilometern hinterließ das BMW 650i Coupé ein nachhaltig gutes Bild - sowohl in Sachen optischer Erscheinung, als auch in technischer Hinsicht.

Die erste persönliche Begegnung mit dem unlängst aus dem Dauertest geschiedenen BMW 650i Coupé endete peinlich. Ich weiß nicht, ob das Geschehene aus einem Anfall von geistiger Umnachtung oder aus dem gebotenen Gefühl der Geborgenheit heraus passierte. Jedenfalls endete das Herangleiten an die erste rote Ampel mit einem zunächst vollkommen überraschenden Motorstillstand. Nun ist der gemeine Autotester natürlich sofort geneigt, der Technik die Schuld in die Schuhe zu schieben. Dabei lag die Aufklärung dieser plötzlichen Stille auf der Hand - oder, besser gesagt: unter dem Fuß. Denn bei Schaltgetrieben empfiehlt es sich, kurz vor Stillstand und bei eingelegtem Gang, dann doch besser die Kupplung zu treten.

Ein Coupé mit Verwöhnaroma

Nun gut, wahrscheinlich war die eigene Motorik noch nicht auf diesen elitären GT geeicht. Dieses außergewöhnliche Verwöhnaroma, das der 2+2-Sitzer verströmt, diese anschmiegsamen, belederten Sportsitze (900 Euro Aufpreis) im Verbund mit dem warmen, wohligen Timbre des 4,8 Liter großen Achtzylinders, jene angenehme Gesamtkomposition aus Luxus und Geborgenheit prägte das Unterbewusstsein wohl auf das Vorhandensein eines Automatikgetriebes. Dabei ist der 650i zweifellos kein nur auf Komfort ausgerichtetes Coupé mit dem einlullenden Charakter einer Sänfte. Er praktiziert trotz seines Gewichts von 1.717 Kilogramm die bajuwarische Freude am Fahren nach Kräften. Beispielsweise in Form von 367 PS und einem überlegenen Drehmoment von 490 Newtonmeter, was freilich kein schaltfreies, aber ein extrem schaltfaules Fahren ermöglicht.

Das kurz abgestufte Getriebe bringt Freude

Auch bedingt durch die Tatsache, dass die Getriebeabstimmung sehr kurz ausfällt. Die letzten beiden Stufen der Sechsgangbox sind keineswegs nur als Schongänge ausgelegt. Womit sich auch die extrem schaltaktiven Zeitgenossen der Redaktion den Griff zum etwas lang geratenen Schaltstock des Öfteren ersparten - ohne adäquaten Schub zu vermissen. Gleiche Spezies war auch vom optionalen Fahrdynamikpaket angetan. Obgleich dies mit einem Aufpreis von mittlerweile 3.750 Euro sündhaft teuer ins Kontor schlägt. Im Gegenzug schärft das System per Knopfdruck die Stabilisatoren zur Wankreduzierung, die Aktivlenkung und die Gasannahme. Die beiden letztgenannten Gegebenheiten haben zumindest im Stadtverkehr so ihre Tücken.

Die überaus direkte Lenkung erfordert bei der ersten Kontaktaufnahe ein hohes Maß an Aufmerksamkeit, um durch die extrem kleinen Lenkeinschläge nicht auf Zick-Zack-Kurs zu gehen. Dem subjektiven Agilitätsgefühl tut die Direktheit hingegen gut. Wohingegen die sehr feinfühlige Gasannahme beim Ampelstart leicht für einen ungewollt herzhaften Satz nach vorn sorgt. Wobei die relativ weiche Lagerung von Motor und Antrieb zuweilen einen unstandesgemäßen Bonanza-Effekt zur Folge hat. Nun gut, die hinter dem Schaltknauf positionierte Taste trägt schließlich auch die Aufschrift "Sport" und nicht "Stadt". Dennoch hinterlässt die Fahrwerksabstimmung in keinem der beiden Modi einen ungehobelten Eindruck. Der Federungskomfort ist umso erstaunlicher, da das vor allem nach hinten etwas unübersichtliche Coupé auf gewaltigen 19-Zöllern steht, die zudem mit Runflat-Reifen bestückt sind. Für ein ausgeprägtes Wohlbefinden auf großer Tour ist jedenfalls bestens gesorgt. Dazu tragen auch die optionalen Sportsitze einen gehörigen Teil bei. Sie umschließen die Besatzung nicht nur perfekt, sondern bieten auch Sitzriesen eine angenehm niedrige Position. Die Verhältnisse in der zweiten Reihe sind zwar auch für Erwachsene tauglich, auf die Dauer aber nicht wirklich empfehlenswert. Andererseits bietet der großzügig bemessene Kofferraum unter dem Heckdeckel mit Entenbürzel reichlich Platz für Hab und Gut.

Der Verbrauch geht durchaus in Ordnung

Weniger gut empfand ein Kollege hingegen die Reichweite. Sein Name muss bei dieser Reise wohl Bleifuß gelautet haben, nachdem alle 300 Kilometer ein Tankstopp von Nöten war. Mit einem Tankvolumen von 70 Liter ist im Normalfall für großzügiges Auskommen gesorgt. Vor allem, wenn man den akzeptablen Durchschnittsverbrauch von 14,3 Liter pro 100 Kilometer in Betracht zieht. Und die sonstigen Kosten? Gleichfalls akzeptabel - von den größten Posten, die auf die Reifen entfallen, einmal abgesehen. Während seiner 66.345 Kilometer langen sport auto-Laufzeit steuerte der 650i die Werkstatt zwei Mal außerplanmäßig an. In beiden Fällen machte die Lenkung Ärger. Bei Kilometerstand 31.732 musste die Servopumpe getauscht werden. Rund 25.000 Kilometer später verlor die Aktivlenkung ihren Aktivismus.

Guter Garantie-Service

Beide Reparatur-Eingriffe erfolgten kostenlos auf Garantie. Was den Wertverfall insgesamt betrifft, verflogen während der knapp eineinhalbjährigen Laufzeit fast 30.000 Euro. Bei einem Neupreis von 89.060 Euro entspricht das immerhin einem Wertverlust von über 30 Prozent. Und weil wir schon bei den eher unschönen Zahlenspielen sind: Ein mittlerweile facegelifteter Neuwagen würde anno 2008 über fünf Prozent teurer kommen als noch 2006. Nun zu den erfreulicheren Zahlen, die da beispielsweise wären: 1:18.1 Minuten. In dieser Zeit lässt sich der Hecktriebler um den Kleinen Kurs in Hockenheim zirkeln. Und dies geschieht harmonisch, im Grenzbereich leicht untersteuernd und mit durchdrehendem kurveninneren Rad, aber für die Größen- und Gewichtsverhältnisse erstaunlich leichtfüßig.

Auch von der Bremsanlage ist nur Gutes zu berichten. Im Alltag sind die Stopper bestens zu dosieren, im Ernstfall verzögern sie auch bei extremen Bedingungen mit 10,6 m/s². Und dass die Fahrleistungen etwas unter dem Werksversprechen liegen - 5,5 Sekunden anstatt deren 5,1 für den Sprint auf 100 km/h -, darf man gelten lassen. Auch die anfangs auf Zähneknirschen stoßende Optik der Heckpartie zog sich nach der Eingewöhnungsphase keinen größeren Tadel mehr ein. Vom iDrive ganz zu schweigen, dessen Bedienbarkeit größtenteils Lob einheimste. Gleiches gilt für das logische und übersichtliche Navigationssystem.

Der Cupholder blieb lange Zeit unentdeckt

Nur mit einer Sache konnte mancher 650i-Pilot gar nichts anfangen: mit dem rätselhaften Loch auf der Mittelkonsole. Nachdem Bedienungsanleitungen natürlich ausschließlich für Schattenparker gedacht sind, blieb die Aufnahme für den Cupholder eben lange Zeit unentdeckt. "In einen so tollen Reise-GT gehören integrierte Cupholder", war im Testlogbuch zu lesen. Die aktuelle Variante hat sie. Und es fand sich noch ein interessanter Eintrag: "Nach meinem Dafürhalten passt die neue Sport-Automatik besser zum Fahrzeugkonzept." Na bitte. Genau dieses Bauchgefühl hatte ich vor der eingangs erwähnten roten Ampel auch.

Technische Daten
BMW 650i Coupé
Grundpreis 81.000 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 4820 x 1855 x 1374 mm
KofferraumvolumenVDA 450 l
Hubraum / Motor 4799 cm³ / 8-Zylinder
Leistung 270 kW / 367 PS bei 6300 U/min
Höchstgeschwindigkeit 250 km/h
0-100 km/h 5,6 s
Verbrauch 11,7 l/100 km
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