Der neue Peugeot 807

Alles im Bus

Mit stattlicher Karosserie und viel Ausstattung zielt der neue Peugeot 807 Platinum auf eine anspruchsvolle Van-Kundschaft. Im Test die Version mit 128-PS-Turbodiesel.

Leicht und behende wie ein Kompaktwagen schwebt ‑er dahin, der neue Minivan. Trotz bescheidener Abmessungen bietet er genügend Platz. Die hinteren Sitze falten sich auf Knopfdruck zusammen und bilden eine ebene Ladefläche. Der Wecker klingelt. Aus der Traum. Die Van-Wirklichkeit sieht auch im Jahr 2002 anders aus. Der neue Peugeot 807, jüngster Spross im Segment der Familientransporter, bedeutet mehr Evolution als Revolution. Was im Automobilbau zunächst einmal heißt: mehr Größe, mehr Komfort, mehr Gewicht. So, davon ist zumindest die schlaue Gilde der Marktforscher fest überzeugt, will es der anspruchsvoller gewordene Kunde. Die deutschen Käufer des französischen Löwen-Vans haben klare Präferenzen. Ein bisschen Luxus darf, ein Dieselmotor muss sein. Beim Peugeot 806, dem Vorgänger des neuen 807, bevorzugten 44 Prozent die beste Ausstattungsvariante, fast 65 Prozent fuhren auf den Diesel ab. Der aktuelle 807-Testwagen trifft so ins Herz des Van-Publikums. Unter seiner Haube sitzt der stärkste lieferbare Turbodiesel, ein 2,2-Liter-Vierzylinder mit 128 PS. Und das Spitzenmodell mit Namen Platinum enthält so ziemlich alles, was das Herz begehrt. Das Innenraumkonzept des 807 zeigt sich weitgehend konventionell. Die hinteren Sitze können in verschiedenen Positionen arretiert, zusammengeklappt oder mit wenigen Handgriffen ganz ausgebaut werden. Wer das Gestühl nicht zu Hause lassen will, hat die Möglichkeit, die gefalteten Sessel hintereinander aufzureihen. Daneben bleibt dann immer noch Raum für sperriges Gepäck. Gut auch: Alle Sitze verfügen nicht nur über eine Kopfstütze, sondern auch über einen automatischen Dreipunktgurt. Wie überhaupt die Sicherheitsausstattung neue Maßstäbe setzt im Van-Bereich: So gibt es Kopfairbags, die sich wie ein Vorhang über die gesamte seitliche Fensterfläche entfalten. Und selbstverständlich lauern in den Sitzen für Fahrer und Beifahrer Sidebags auf den Fall der Fälle. An praktischen Details fehlt es nicht. Seitliche Schiebetüren erweisen sich in engen Park­lücken als das Ei des Kolumbus, erst recht, wenn sie sich auf Knopfdruck bewegen. Der Innenraum des 807 ist übersät mit nützlichen Ablagen für Kleinkram. Ein großes Fach in der Mittelkonsole wird von der Klimaanlage gekühlt. Ein kleiner Panoramaspiegel im Dachhimmel erlaubt es mobilen Müttern und Vätern, den auf den Rücksitzen fest-geschnallten Nachwuchs beim eifrigen Verspachteln der Kinderschokolade zu beobachten. Halb so schlimm, denn der Platinum-Peugeot bietet Lederbezüge, die sich leicht reinigen lassen. Die vorderen Sessel, um 180 Grad drehbar, erweisen sich als sehr bequem.

An der Sitzposition hinter dem in zwei Ebenen verstellbaren Lenkrad gibt es nichts auszusetzen. Wer als normal dimensionierter Erwachsener nach hinten muss, genießt weniger Komfort. Weil von den mobilen Sesseln drei in eine Reihe passen müssen, sind sie entsprechend schmal geschnitten. Auch die kurze Sitzfläche weckt nicht den Wunsch nach langen Reise-Etappen. Der Innenraum macht, auch dank der großzügigen Verglasung, einen luftigen und freundlichen Eindruck. Für das Design des Interieurs ist Peugeot höchstes Lob zu zollen. Die hochwertigen Materialien und die schnörkellose Gestaltung des Cockpits mit einem frei schwebenden Instrumententräger schaffen freudige Gefühle. Das ist modernes Design in Bestform, Lichtjahre entfernt von dem unsäglichen Edelholz-Look, der so echt ist wie der Dschungel in Disneyland und gern als Zeichen von Hochwertigkeit präsentiert wird. Was gut aussieht, muss nicht unbedingt funktionell sein. Das gilt in manchen Bereichen auch für den Peugeot. Die attraktiven, grün hinterleuchteten Instrumente beispielsweise wären weit besser ablesbar, wenn sie sich nicht in der Mitte, sondern vor dem Fahrer befänden. Auch die Bedienung, teilweise mit Bildschirm-Menü, teilweise mit überfrachteten Hebeln an der Lenksäule, gibt zumindest anfangs einige Rätsel auf. Feinheiten, etwa das Aktivieren der Scheinwerfer-Automatik, offenbaren sich erst nach einem Studium der Bedienungsanleitung. Auch die Klima-Automatik macht nicht ganz glücklich. Zwar gibt es zahlreiche Ausströmer für die Fondpassagiere, aber der Luftdurchsatz bleibt zu gering, um an heißen Tagen für effektive Kühlung zu sorgen. Dass der 807, bei identischem Radstand, seinen Vorgänger in der Länge um stattliche 28 Zentimeter übertrifft, macht sich nicht wie erwartet in einem deutlich besseren Raumangebot bemerkbar. Auf der mittleren Sitzreihe sind die Platzverhältnisse akzeptabel, ganz hinten wird es eng. Auch der Kofferraum profitiert nicht vom Wachstum der Karosserie. Die VDA-Mess­werte fallen geringer aus als beim 806. Von einer besonders effektiven Raumausnutzung kann also keine Rede sein.

Der 807 hat der Kompaktheit, einem hervorstechenden Merkmal des 806, adieu gesagt. Die weit vorspringende Schnauze, vom Fahrersitz aus schlecht einzuschätzen, erschwert das Rangieren in enge Parklücken. Auch der Fahr­eindruck ist nicht mehr von jener Leichtfüßigkeit geprägt, die den Vorgänger auszeichnete. Der Peugeot-Van hat sich zum 1,8-Tonner entwickelt, was nicht ohne Auswirkungen auf das Handling bleibt. Mehr Karosserie und mehr Luxus haben ihren Preis. Auf der Habenseite steht ein ausgewogener Fahrkomfort. Die Federung bügelt Bodenwellen sauber weg, die Wankbewegungen des Aufbaus halten sich, von extremen Fahrmanövern einmal abgesehen, in Grenzen. Das gutmütige Fahrverhalten vermittelt ein Gefühl solider Stabilität. ESP steht für den Notfall bereit, sieht sich aber nur höchst selten zu einem Eingriff veranlasst, was für eine grundsätzlich saubere Fahrwerksabstimmung spricht. Nur die Bremsen erreichen nicht den hohen Standard, der heute vielfach üblich ist – nicht zuletzt dank dem anspruchsvollen Testzyklus von auto motor und sport. Mit zwei Personen besetzt, bremst der Peugeot gut. Aber mit voller Zuladung fällt die Verzögerung stark ab. Der 128 PS starke, mit einem Rußpartikelfilter ausgerüstete Turbodiesel hat mit dem Peugeot kein leichtes Spiel. Die Fahrleistungen sind ausreichend – mehr nicht. In den unteren Gängen zieht der Vierzylinder kräftig an, aber auf der Autobahn zeigt sich eine auffallende Durchzugsschwäche. Sie ist weniger dem Motor selbst anzulasten als der weit gespreizten Abstufung der einzelnen Fahrstufen. Im fünften Gang schlafft der Diesel an Steigungen ab und zwingt zum Zurückschalten. Das aus der langen Übersetzung resultierende niedrige Drehzahlniveau beim gemütlichen Cruisen dient allerdings dem Geräuschkomfort. Das Motorgeräusch wird zur Nebensache. Und der Verbrauch erreicht Werte um 7,5 Liter/100 Kilometer. Lediglich beim Ausdrehen brummt der Vierzylinder kräftig, entwickelt aber dank seinen beiden Ausgleichswellen keine spürbaren Vibrationen. Wer die Leistung häufig ausnutzt, muss mit Verbrauchswerten zwischen zehn und elf Litern rechnen. Wo der Peugot-Fortschritt liegt, wird klar erkennbar: Der 807 ist solider, sicherer, komfortabler und umweltfreundlicher als sein Vorgänger. Aber die Welt der Vans stellt er nicht auf den Kopf. Es darf weiter geträumt werden.

Fazit

Der Peugeot-Van hat seinen Charakter verändert: Der Nachfolger des kompakten 806 präsentiert sich als großer und komfortabler Luxuskreuzer, der mit vielfältigen Ausstattungsfeatures glänzt. Bessere Raumausnutzung, mehr Ökonomie. Bessere Bremsen? Leider Fehlanzeige.

Technische Daten
Peugeot 807 HDi 130 Platinum
Grundpreis 34.300 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 4727 x 1854 x 1752 mm
KofferraumvolumenVDA 324 bis 2948 l
Hubraum / Motor 2179 cm³ / 4-Zylinder
Leistung 94 kW / 128 PS bei 4000 U/min
Höchstgeschwindigkeit 182 km/h
0-100 km/h 12,8 s
Verbrauch 7,4 l/100 km
Testverbrauch 9,1 l/100 km
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