Der Zwerg ruft Smart Pulse

Später als geplant, aber dafür in vielen Details weiterentwickelt und elchfest gemacht, kommt der Smart der Mercedes-Tochter MCC auf den Markt.

Der niedliche Zwerg, hinter dem die geballte Kraft von Mercedes steht und der überall, wo er auftaucht, Sympathie weckt, will viel mehr sein als nur ein neues Auto. Als Startschuß zum Umdenken der mobilen Gesellschaft, so beteuern seine Schöpfer, sei der Smart zu sehen. Für den Winzling reservierte Parkplätze an Bahnhöfen, Gutscheine für verbilligte Mietwagen (falls einmal mehr Transportkapazität gebraucht wird), vielleicht sogar legales Einparken quer zur Fahrtrichtung („Wir arbeiten daran“) – das sind Schlagworte, mit denen die Randaspekte der Minimalmotorisierung ins Gespräch gebracht werden sollen. Vom Auto selbst ist kaum die Rede. Kein Zweifel, das alles gehört zum Smart. Wie auch die Diskussion, ob die Firma Micro Concept Car (MCC), die den Zwerg im französischen Hambach produziert, auf dem richtigen Weg ist mit der ausschließlichen Zweisitzigkeit in einem Preissegment, in dem es auch eingeschränkt familientaugliche Autos zu kaufen gibt.

 Entscheidend aber bleibt: Ist es gelungen, aus der als Swatchmobil gestarteten Knutschkugel einen Kleinwagen zu machen, dessen Eigenschaften überzeugen? Die Schonzeit ist vorbei. Nun wird über das Auto geredet. In einem wichtigen Punkt muß die Vollwertigkeit des Smart nicht bezweifelt werden, dafür spricht schon die Schützenhilfe von Mercedes-Entwicklern. Die steife Fahrgastzelle und die umfangreiche Sicherheitsausstattung sollen für eine Crashsicherheit sorgen, die auf ähnlich hohem Niveau liegt wie die der Mercedes C-Klasse. Das überrascht – ebenso wie das Raumgefühl, das die beiden Insassen des nur 2,50 Meter langen Smart erwartet.

Der Kofferraum faßt immerhin 150 Liter (bis Fensterunterkante). Wer allein fährt, kann die Lehne des Beifahrersitzes vorklappen und damit die Kapazität bis auf 479 Liter erhöhen. Die Sitze sind grosszügig dimensioniert, auch der Beifahrer kann seine Beine bequem ausstrecken. Die großen Glasflächen sorgen für eine helle und luftige Atmosphäre im Innenraum. Nichts wirkt hier billig, die Verarbeitung erscheint sauber bis ins Detail. Karosseriegeräusche sind auch auf holprigen Straßen nicht zu hören. Das Design, vor allem die knalligen Farben, unterstreicht mit Erfolg den Anspruch, anders zu sein als konventionelle Autos. Funktionelle Mängel sind nicht zu übersehen. Der Beifahrer findet weder einen Haltegriff noch eine Verstellmöglichkeit der Sitzlehne vor. So messerscharf, verkünden die Smart-Entwickler, sei es bei der Kalkulation zugegangen. Die schlechte Übersichtlichkeit nach schräg hinten freilich läßt sich damit nicht rechtfertigen. Ein vernünftig ausstaffierter 55 PS-Smart ist kein Sonderangebot. Der Basispreis beträgt 17 480 Mark, die Liste der Extras ist lang: Für Leichtmetallräder (980 Mark), Uhr (148 Mark), Drehzahlmesser (148 Mark) oder Gepäckraumabdekkung (98 Mark), um nur einige Beispiele zu nennen, wird der Kunde extra zur Kasse gebeten. Ein Ersatzrad besitzt der Smart nicht, aber auch ein Reifenreparaturset gehört nicht zur Serienausstattung. Der dickste Brocken indes ist die Klimaanlage (1390 Mark), auf die man schon deshalb nicht verzichten kann, weil der 55 PS-Smart mit einem Glasdach ausgerüstet ist, durch das die Sonne den Innenraum gnadenlos aufheizt. 

Vor- und Nachteile

Karosserie
  • Gutes Platzangebot füŸr zwei Personen Ausreichend großer Kofferraum Attraktiv gestaltetes Interieur Gute VerarbeitungsqualitŠt
  • EingeschrŠänkte †Übersichtlichkeit
Fahrkomfort
  • Bequeme Sitze Funktionelle Bedienung Geringes InnengerŠusch
  • Federung mit všöllig unzureichendem Schluckvermöšgen Starke Innenraumaufheizung Lenkung mit hohen HaltekrŠÄften
Antrieb
  • Kultiviert laufender Motor Gute Fahrleistungen
  • Schmales nutzbares Drehzahlband GewšöhnungsbedŸrftige Schaltung Relativ hoher Verbrauch
Fahreigenschaften
  • Problemlos bei Richtungswechseln Gute Traktion Sicheres Kurvenverhalten auf trockener Straße
  • Sehr starke Untersteuerneigung EingeschrŠänkte Handlichkeit Starke Seitenwindempfindlichkeit
Sicherheit
  • Gute Sicherheitsausstattung
  • MŠäßige Bremsverzšgerung Bremsfading bei hoher Beanspruchung Seitenairbags nur gegen Aufpreis
Umwelt
  • Geringer CO2-Ausstoß Umweltfreundliche Produktion Schadstoffarm nach D3
Kosten
  • Geringe Festkosten Niedrige Kraftstoffkosten
  • Hoher Preis Exzessive Aufpreispolitik

Fazit

Die Chance, mit dem Smart ein überzeugendes neues Kleinwagen-Konzept zu schaffen, wurde nicht genutzt. Das Heckmotor-Prinzip und die Entscheidung für ein kleines Turbotriebwerk bringen viele Nachteile mit sich.

Übersicht:
Technische Daten
Smart smart & pulse
Grundpreis 8.973 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 2500 x 1515 x 1529 mm
KofferraumvolumenVDA 150 bis 260 l
Hubraum / Motor 599 cm³ / 3-Zylinder
Leistung 40 kW / 55 PS bei 5250 U/min
Höchstgeschwindigkeit 135 km/h
0-100 km/h 19,2 s
Verbrauch 4,8 l/100 km
Testverbrauch 6,2 l/100 km
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