Diesel, Benziner, Hybrid

Saft und Kraft

Foto: Foto: Reinhard Schmid 24 Bilder

Der GS 450h setzt Maßstäbe in der Hybridtechnik. Was der Lexus kann, zeigt der Vergleich. Es treten an: der Benziner Audi A6 4.2 und der Diesel Mercedes E 420 CDI.

Eines muss man dem Lexus lassen: Er ist das in Blech gepresste gute Gewissen. Mögen die Experten auch darüber streiten – imagemäßig zumindest gibt er den Umweltengel. Jute auf Rädern. Einziger Nachteil: Anders als beim Toyota Prius, der auch optisch so grün daherkommt wie ein Norwegerpullover, sieht es hier niemand.

Der GS 450h gleicht seinen konventionell befeuerten Geschwistern. Schade eigentlich, denn schließlich beteiligt sich sein Besitzer aktiv an der Rettung unseres Planeten. Sicher, der Lexus mag das Abschmelzen der Polkappen nicht verhindern. Aber immerhin liegen die Kohlendioxid-Emissionen, die ihm offiziell zugestanden werden, deutlich niedriger als das, was in seiner Klasse üblich ist.

Fragt sich nur, wie sich die Sache im harten Licht der Realität darstellt. Immerhin kostet ein GS 450h stolze 57 600, in der getesteten Luxury-Version sogar 66 000 Euro. Da ist es mit geringen CO2-Werten und einem freundlichen Image nicht getan. Ist die Hybrid-Lösung also wirklich die überzeugendere Diesel-Alternative, die sie vorgibt zu sein? Und kann es ein Power-Hybrid wie im Lexus leistungsmäßig tatsächlich mit einem ordentlichen V8-Benziner aufnehmen?

Hoch hängende Trauben, zumal wenn die Diesel-Fraktion kein Geringerer vertritt als der Mercedes E 420 CDI. Dessen neuer Vierliter-V8 wirft satte 314 PS in die Waagschale, von den 730 Nm Drehmoment gar nicht zu reden. In der Avantgarde-Version gibt es dieses Kraftpaket für 63 875 Euro. In der Benziner- Ecke: der Audi A6 4.2 FSI, Direkteinspritzer, 350 PS und 440 Nm stark, ein Stürmer unter den Achtzylindern und auch dank Quattroantrieb kaum zu bremsen – 61 700 Euro.

Ebenfalls nicht von schlechten Eltern sind aber die Daten des Hybriden: Drehstrom-Motor und 3,5-Liter-V6- Benziner schaffen im Verbund bis zu 345 PS. Der Clou: Schon ab Drehzahl Null stellt das E-Aggregat 275 Nm bereit. Die Reize der elektrischen Assistenz lassen denn auch nicht lange auf sich warten. Im Stand herrscht Stille, dann zieht der Lexus gespenstisch leise davon. Gibt man sachte Gas, summt er ohne Verbrennungsgeräusch und abgasfrei mit bis zu 50 km/h durch die Landschaft. Allerdings reicht der Strom nur für zwei Kilometer.

Trotzdem: Im Stadtverkehr ist das Auto die reine Wohltat, auch wenn es die meiste Zeit nicht ohne die Unterstützung durch den V6 auskommt. Nach diesem Erlebnis empfindet man den Diesel im Mercedes zwangsläufig wie eine Landung in der Gegenwart, denn im Leerlauf erinnert er vom Klang her eher an eine Barkasse.

Und beim Anfahren braucht er seine Zeit. Ganz anders wiederum der V8 des Audi: Akustisch piano legt er an der Ampel schon bei geringsten Gaspedalbewegungen derart los, dass es die Passagiere nur so in die Polster haut. Auch nicht gerade die feine Art. Über Land beweist der Lexus sodann, dass die Kraft der zwei Herzen auch bei verschärfter Gangart hält, was sie verspricht.

Der 3,5-Liter-Motor allein vermag zwar nur 296 PS zu leisten, aber zusammen mit den Elektro- PS kann er dem Audi problemlos Paroli bieten – zumindest, solange die Batterie genügend Strom liefert, was bei längeren Vollgasetappen nicht immer der Fall ist. Andererseits genügen dem Generator schon wenige verhalten gefahrene Kilometer, um wieder genügend Saft abzuspeichern.

Dennoch: Um die Gleichung „V6 plus E-Power gleich V8“ wirklich aufgehen zu lassen, bedarf es mehr, vor allem, wenn man die Genusskomponente ins Kalkül zieht. Gemessen an den beeindruckenden Fahrleistungen fällt Letztere beim Hybrid-Lexus eher dürftig aus, wozu nicht zuletzt das stufenlose Getriebe beiträgt. Beim zügigen Beschleunigen lässt es den V6-Motor permanent auf hohem Drehzahlniveau schuften, wobei sich die sonst so ausgeprägte Laufkultur verflüchtigt und monotones Dröhnen Raum greift.

Da macht der V8 im Audi schon erheblich mehr Freude. Leiser ist er zwar auch nicht, aber was man hört, klingt nicht nach harter Arbeit sondern nach Vergnügen. Leistungswünsche werden prompt und willig erfüllt, der Vorstoß in hohe Drehzahlregionen ist diesem Motor ein Bedürfnis, keine Last. Vom Diesel-V8 im Mercedes indessen lässt sich das nicht behaupten, denn bei rund 4500 Touren hat es sich bei ihm bereits ausgedreht.

Mehr braucht es auch nicht, um dieses Drehmomentmonster zu entfesseln. Wie es den knapp zwei Tonnen EKlasse Druck macht, das muss man er- lebt haben, Zahlen geben da nur eine vage Vorahnung. Dennoch kann von Hektik keine Rede sein: Das niedrige Drehzahlniveau und die sanfte Siebengangautomatik bürgen für minimalen Stress bei maximaler Beschleunigung, wobei auch das Geräusch keinerlei Unruhe verbreitet. Geht es flott voran, ist der Diesel die leiseste der drei Antriebsvarianten.

Das Auto lebt freilich nicht vom Antrieb allein, deshalb ergänzend noch einige Sätze zu den übrigen Qualitäten der drei Kontrahenten. Am Lexus besticht da – wen wunderts – vor allem die umfangreiche Ausstattung. Ja, er ist teuer, aber dafür ist alles drin, inklusive DVD-Navigation, Xenon-Scheinwerfern mit Kurvenlicht und sogar eine Kamera als Einparkhilfe. Das relativiert dann auch den Preis. Ansonsten drängt sich aber der Eindruck auf, dass der GS 450h hier und da das Klassenziel verfehlt.

Gewiss, das elektronisch aufwendig veredelte Fahrwerk bietet erfreuliche Handlingqualitäten. Aber die Federung gibt sich hart bis bretthart (je nach Dämpfermodus), das Feedback der Aktivlenkung (à la BMW) erinnert an eine Playstation, und in der schlanken Karosserie mit der Coupé-Anmutung fühlt man sich vergleichsweise beengt. Außerdem muss größeres Gepäck draußen bleiben, denn mehr als 280 Liter passen nicht hinein. Da liegt der Hybrid-Lexus auf VW Polo-Niveau.

Besser reist es sich im Audi – nicht nur, weil mehr Platz und bequemere Sitze zur Verfügung stehen, sondern weil der optional luftgefederte A6 4.2 auch sonst mehr Komfort bietet. Fahrdynamisch profitiert er vom Allradantrieb und von seiner straffen, zielgenauen Lenkung, was ihn zur ersten Wahl für den Schnellfahrer macht. Dagegen pflegt der Mercedes eher den Wellnessfaktor.

Seine Luftfederung schluckt fast alles, und überhaupt fühlt man sich auf langen Reisen pudelwohl – da kann ihm keiner der beiden Konkurrenten das Wasser reichen. Antrieb und Auto ergänzen sich hier in perfekter Harmonie, wobei der Wunsch nach sportlichen Fahraktivitäten nur ausnahmsweise aufkeimt. Dass der E 420 CDI alles in allem auch noch am wenigsten Flüssiges zu sich nimmt (siehe Spotlight), setzt dem Diesel schließlich in diesem Vergleich die Krone auf.

Fazit

1. Mercedes E 420 CDI
507 Punkte

Der Alleskönner: schnell wie ein Sportwagen, dabei sparsam und (fast) so komfortabel wie die S-Klasse. Fürs sportliche Vergnügen eignet sich der Diesel aber weniger.

2. Audi A6 4.2
492 Punkte

Der Temperamentsbolzen im Vergleich. Sein V8-Benziner macht Freude, und auch das Fahrwerk wird diesem Anspruch gerecht. Großer Nachteil: der hohe Verbrauch.

3. Lexus GS 450h
467 Punkte

Die Hybridtechnik überzeugt, wenn auch vorwiegend im Stadtverkehr. Super ist die Ausstattung, kein Ruhmesblatt aber die harte Federung und der Minikofferraum.

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Technische Daten
Mercedes E 420 CDI Avantgarde Lexus GS 450h Luxury Line Audi A6 4.2 FSI Quattro
Grundpreis 66.598 € 68.470 € 63.800 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 4856 x 1822 x 1465 mm 4825 x 1820 x 1430 mm 4916 x 1855 x 1459 mm
KofferraumvolumenVDA 530 l 280 l 546 l
Hubraum / Motor 3996 cm³ / 8-Zylinder 3456 cm³ / 6-Zylinder 4163 cm³ / 8-Zylinder
Leistung 231 kW / 314 PS bei 3600 U/min 218 kW / 296 PS bei 6400 U/min 257 kW / 350 PS bei 6800 U/min
Höchstgeschwindigkeit 250 km/h 250 km/h 250 km/h
0-100 km/h 6,4 s 6,4 s 6,6 s
Verbrauch 9,3 l/100 km 7,9 l/100 km 10,9 l/100 km
Testverbrauch 10,5 l/100 km 12,7 l/100 km 13,7 l/100 km
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