Foto: Achim Hartmann
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Diesel-Kombis

Mazda 6, Renault Laguna, VW Passat

Mittelklasse-Kombis mit Zweiliter-Dieselmotoren sind wie Schweizer Taschenmesser – mit Mazda 6 Sport Kombi, Renault Laguna Grandtour und VW Passat Variant hat man für fast alle Alltagsaufgaben das passende Werkzeug parat.

Wenn das Heck eines Kombis seine Schokoladenseite ist, treffen in diesem Vergleich drei ganz unterschiedliche Sorten aufeinander: Der VW Passat ist wie die Tafel Vollmilch, die beinahe jedem schmeckt. Der Mazda 6 besitzt jenen Schuss Extravaganz, der zart-herbe Sorten auszeichnet, ohne die Geschmacksnerven überzustrapazieren. Und genau wie hochprozentige Bitterschokolade spricht der Renault Laguna mit seiner eher design- als raumorientierten Heckpartie besonders Individualisten an.

Eine dicke Füllung stand bei der Gestaltung des Grandtour-Heckabteils offenbar nicht ganz oben im Lastenheft. Unter das leicht zu bedienende Laderaumrollo passt zwar ähnlich viel Gepäck wie beim Mazda 6, doch bei sperrigen Gütern muss der Renault wegen seiner stärker geneigten Heckscheibe eher passen. Auch die mickrige Zuladung von nur 430 Kilogramm ist eines ausgewachsenen Mittelklassekombis unwürdig. Da ist es nur ein schwacher Trost, dass die Ladekante sehr niedrig liegt und sich die geteilte Lehne der Rücksitzbank mit nur einem Handgriff vom Kofferraum aus umklappen lässt.

Nervenaufreibend bei artgerechter Nutzung

Diese Disziplin beherrscht Mazdas Sport Kombi ebenfalls. Überaus praktisch sind dabei die in die Rücksitzlehnen integrierten Gurte. Das kann man von der Laderaumabdeckung nicht behaupten – im Gegenteil: Aus- und Einbau des sperrigen Sichtschutzes mit integriertem, ausziehbarem Windschutz, der die Fondpassagiere bei offener Klappe vor Zugluft bewahren soll, gestaltet sich sehr fummelig. Wer seinen Kombi des Öfteren artgerecht nutzt, wird das Teil deshalb wohl entnervt auf Dauer im speziellen Fach unter dem Ladeboden verstauen. Als Einziger bietet der Mazda 6 jedoch serienmäßig ein stabiles Trennnetz, das hinter den Rück- oder Vordersitzen aufgespannt wird.

Viel Liebe zum Detail

Der Passat Variant ist zwar Deutschlands beliebtester Kombi, doch auch hier gibt es noch Verbesserungspotenzial. Nicht in Sachen Volumen oder Zuladung, die mit 1.731 Liter beziehungsweise 577 Kilogramm sehr üppig ausfallen, sondern bei der Handhabung. Denn zum Umklappen der Rückbank müssen zuerst die Sitzkissen aufrecht gestellt und die Kopfstützen ausgebaut werden. Zumindest fliegen die nicht haltlos umher, sondern finden in speziellen Aufnahmen Platz. Ein Vorteil dieser Anordnung: Die Rückseite der Vordersitze ist vor Beschädigungen durch nach vorn rutschendes Ladegut geschützt. Viel Liebe zum Detail beweisen zudem die oberen Verzurrösen, deren untere Hälfte herausgeklappt als Gepäckhaken geformt ist und zum Aufhängen von Einkaufstaschen genutzt werden kann.

Endlich jene Laufkultur, die man erwartet

Am gegenüberliegenden Ende - unter der Motorhaube - hat VW bereits nachgebessert. Seit diesem Frühjahr kommt nun auch der Passat in den Genuss des neuen Common-Rail-Diesels. Gegenüber seinem Vorgänger mit Pumpe-Düse-Einspritzung bietet das Aggregat endlich jene Laufkultur, die man von einem modernen Selbstzünder erwartet. Bei unveränderten Leistungsdaten entfaltet der Vierzylinder seine Kraft zudem harmonischer, und der Verbrauch liegt sowohl auf der Normrunde (4,6 L/100 km) als auch im Testmittel (7,4 L/100 km) etwas niedriger als bei Exemplaren mit dem alten Motor.

Knapp einen halben Liter Mehrverbrauch

Einen ganzen Liter mehr konsumiert das gleich starke Mazda-Triebwerk, das zudem deutlich kerniger läuft als die Motoren in Passat und Laguna. Besonders in den lang übersetzten oberen Gängen wirkt der in die Jahre gekommene Zweiliter zäh und zugeschnürt, während der kultivierte Renault-Diesel sehr spritzig und drehfreudig zu Werke geht. Allerdings verbraucht er mit 8,8 L/100 km nochmals knapp einen halben Liter mehr als der Mazda und ist trotz zehn PS Mehrleistung nicht temperamentvoller als der Passat.

Bittere Enttäuschung im Alltag

Dafür meistert der Grandtour die Fahrdynamik-Versuche der Testprofis als Schnellster - selbst ohne die neue Hinterradlenkung. Wer jetzt allerdings erwartet, dass er abseits des Testgeländes mit agilem, präzisem Handling ebenso glänzt, wird im Alltag bitter enttäuscht. Der Laguna lenkt zwar sehr zackig ein, aber in Kurven muss ständig nachkorrigiert werden, da die gefühllose, nervöse Lenkung keinerlei Rückmeldung bietet. Fahrbahnunebenheiten beeinflussen zudem nicht nur die Richtungsstabilität, sondern werden über die stößige Lenkung auch noch zum Fahrer durchgereicht.

Passat besser abgestimmt als der Grandtour

Den Passat hat man viel besser, gefühlvoller im Griff. Die komfortbetonte Fahrwerksauslegung geht jedoch ein wenig auf Kosten der Agilität. Sehr leichtfüßig lässt sich dagegen der Mazda 6 ums Eck zirkeln und beweist damit, dass er den Beinamen Sport wirklich verdient. Besonders erfreulich: Trotz straffer Federung ist er insgesamt viel harmonischer abgestimmt als der Grandtour.

Dessen Radaufhängungen sprechen auf sehr kurze Unebenheiten nur unwillig und mit vernehmbarem Poltern an. Das Überfahren langer Bodenwellen führt zu heftigen Vertikalbewegungen, die auf eine unausgewogene Kombination von harten Federn und weicher Dämpfung schließen lassen. Erst bei höherem Autobahntempo spricht das Fahrwerk etwas geschmeidiger an.

Abstriche beim Komfort auf der Hinterbank

Abstriche beim Komfort müssen auch die Renault-Hinterbänkler hinnehmen. Schon der Einstieg über den hohen Schweller ist beschwerlich, und dann hockt man mit stark angewinkelten Beinen auf einer niedrig montierten Bank mit ungenügender Oberschenkelauflage. Außerdem ist die Kniefreiheit eingeschränkt, und die Füße lassen sich schlecht unter die Vordersitze stellen. Dank entspannter, aufrechter Sitzposition und mehr Platz reist man im Fond von Mazda und VW deutlich bequemer.

Preislich alle auf 30.000 Euro-Niveau

Beim Preis bewegen sich die Kontrahenten auf gleichem Niveau. Für exakt 30.000 Euro ist der Mazda 6 in der Dynamic-Linie ziemlich komplett ausgestattet. Zum Lieferumfang gehören neben dem Sport-Optikpaket mit einer speziellen Frontpartie unter anderem Bi-Xenon-Scheinwerfer, ein Bose-Soundsystem mit Radio, CD-Wechsler, Bluetooth-Freisprecheinrichtung und Sprachsteuerung sowie 18- Zoll-Aluräder. Dagegen kommt der nur wenig preiswertere Passat beinahe nackt daher. Nicht einmal ein einfaches Radio gehört bei 29.825 Euro zur Serienausstattung - geschweige denn ein CD-Radio oder eine Zweizonen-Klimaautomatik wie beim Renault Laguna für 28.900 Euro. Doch was man beim Renault in der Anschaffung spart, legt man bei den laufenden Kosten doppelt und dreifach wieder drauf - unter anderem wegen hoher Vollkaskoprämien und Spritkosten.

Kompromiss zwischen Sportlichkeit und Nutzwert

Aber nicht nur deshalb fällt das Ergebnis für den Renault so bitter aus wie Schokolade mit 99 Prozent Kakao-Anteil, sondern auch wegen seiner unausgewogenen Fahrwerksabstimmung und der gefühllosen Lenkung. Dagegen ist Mazda mit dem neuen 6 Kombi ein guter Kompromiss zwischen Sportlichkeit und Nutzwert gelungen. Beim Passat schließlich macht der neue Motor aus einem rundum guten Kombi einen noch besseren.

Fazit

1. VW Passat Variant 2.0 TDI Comfortline 492 Punkte

Geräumig, komfortabel, fahrsicher und mit hochwertiger Anmutung – so setzt sich der teure Passat Variant gegen die Herausforderer durch. Der neue Common-Rail-Motor ist kultiviert und sparsam.

2. Mazda 6 Sport Kombi 2.0 MZR-CD Dynamic 452 Punkte

Sein Design bringt frischen Wind in die Mittelklasse. Dabei fährt er so sportlich, wie er aussieht, und bietet doch hohen Nutzwert. Der etwas träge Motor ist nicht mehr ganz auf der Höhe der Zeit.

3. Renault Laguna Grandtour 2.0 dCi Dynamique 425 Punkte

Der laufruhige und kräftige Diesel könnte das Sahnestück des Laguna sein, wenn er weniger verbrauchen würde. Fahreigenschaften und Federung hinterlassen einen wenig harmonischen Eindruck.

Technische Daten

VW Passat Variant 2.0 TDI Comfortline Mazda 6 Sport Kombi 2.0 MZR-CD Dynamic Renault Laguna Grandtour dCi 150 FAP Dynamique
Grundpreis 30.450 € 30.500 € 31.000 €
Außenmaße 4774 x 1820 x 1517 mm 4785 x 1795 x 1490 mm 4803 x 1811 x 1473 mm
Kofferraumvolumen 603 bis 1731 l 519 bis 1751 l 508 bis 1593 l
Hubraum / Motor 1968 cm³ / 4-Zylinder 1998 cm³ / 4-Zylinder 1995 cm³ / 4-Zylinder
Leistung 103 kW / 140 PS bei 4200 U/min 103 kW / 140 PS bei 3500 U/min 110 kW / 150 PS bei 4000 U/min
Höchstgeschwindigkeit 206 km/h 198 km/h 210 km/h
0-100 km/h 10,4 s 10,2 s 10,0 s
Verbrauch 5,9 l/100 km 5,7 l/100 km 4,8 l/100 km
Testverbrauch 7,4 l/100 km 8,4 l/100 km 8,8 l/100 km
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