Diesel-Vergleich

Mercedes 180 D, Audi A4 1.9 TDI

Das Zeitalter der Dynamik-Diesel macht fast vergessen, wie der Selbstzünder einst war - laut und lustlos. Impressionen von einem Zeitzeugen, dem 180 D, dessen Vierzylinder 40 PS leistete. Daneben die 110 Pferde des TDI.

Die Vase ist mit frischen Plastikblumen gefüllt. Der Lack, über die vier Jahrzehnte ein wenig stumpf geworden, verströmt mit seinem grünlichen Grau jene Unauffälligkeit, die man in den fünfziger Jahren im automobilen Establishment trug. Mechanisch ist der alte Daimler bestens in Schuß – ein Museumsstück, dessen Dieselmotor entscheidend dazu beitrug, dieser Art Wärmekraftmaschine den Ruf der Unzerstörbarkeit auf den Weg zu geben. Wir sind auf der Bodensee- Autobahn, haben den Stuttgarter Innenstadtverkehr schon hinter uns, der Audi A4 TDI – wohlweislich als Kontrapunkt ausgewählt wegen seiner hohen Dynamik und Wirtschaftlichkeit – folgt dem Oldie unauffällig, wenn auch, fahrerseitig, ein wenig geruchsirritiert.

Was sich in den Vorkammern des 180 D, im Verhältnis 21 zu eins komprimiert, unter Getöse entzündet und die Mahle-Kolben 100 Millimeter nach unten stößt, riecht und ist in Gestalt schwarzer Wolken auch sichtbar. Gelegentlich verlassen die partikelschweren Abgase auch in spiralförmiger Eleganz das dünne Endrohr, mitunter – nach Schiebebetrieb – gibt es eine schwarze Eruption. Nein, so könnte man heute mit dem weit verbreiteten Dieselprinzip nicht mehr zusammenleben.

Aber vor mehr als vier Jahrzehnten, als Mercedes 1954 die berühmt gewordene Ponton-Karosse des 180er mit dem zunächst 40, dann 43 PS leistenden Vorkammer-Vierzylinder bestückte, sah die Welt noch anders aus. „Die Einbuße an Temperament ist angesichts der niedrigen Haltungskosten um so eher zu verschmerzen“, resümierte Tester Werner Buck in Heft 6/54, „als der 180 D heute Fahrleistungen erlaubt, die man vor fünf Jahren nicht für realisierbar gehalten hätte.“ Alles zu seiner Zeit, könnte man auch räsonieren.

Auf der Autobahn hält der alte Diesel mühelos ein Tempo von etwa 110 km/h, und daß in den Vorkammern einiger Wirbel veranstaltet wird, zeigt nicht nur die Farbe der Abgase. Während das direkt einspritzende Audi- Triebwerk, mit geringster Teillast folgend, kaum zu hören ist, zeigt der Oldie akustische Dauerpräsenz. Hier wird hart gearbeitet, lautet die Botschaft, und Berge werden nicht einfach genommen, sondern bezwungen. Man ist dabei gar nicht so langsam. Wenn wir die kernige Vorkammer-Verbrennung mit Zähigkeit weiterschüren, sind wir abends auch in Italien.

Nur drei Kurbelwellenlager sorgen mit hoher Reserve für unsere Standfestigkeit, die bei diesem Triebwerk einen legendären Ruf erhielt. 400 000 Kilometer ohne Überholung waren einst keine Utopie. Die Überholungen ereigneten sich auf der Straße, auch früher schon. Heute ist der Oldie einer, auf den man Rücksicht nimmt, vor allem in der Beschleunigung. Durch alle vier Gänge durchgeschaltet erreicht der alte Diesel die 100 km/h-Marke in 37 Sekunden gegenüber den raketengleichen 11,2 des 110 pferdigen TDI.

In der Höchstgeschwindigkeit lautet das Verhältnis 112 km/h zu fast 200. Und was die Durchzugsfähigkeit angeht, so bezeugen allein zwei Zahlenwerte den Respekt vor der Dieselentwicklung über 40 Jahre: 101 Newtonmeter entwickelt der Alte bei 2200/min, 225 Nm bei nur 1700/min der turbogeladene Direkteinspritzer. Vollends steht die Dieselwelt Kopf, wenn man der Meinung ist, der Schwächere würde auch weniger verbrauchen.

Die Effizienz hat über die Jahre mit Hochdruck zugelegt, und was eigentlich gar nicht zusammenpassen will, stimmt doch: steiler Leistungsanstieg gepaart mit stetig abnehmendem Verbrauch. Bei Vollgas auf der Autobahn genehmigt sich der 180 D gut neun Liter pro 100 km, während der Audi mit genau 4,6 Litern hinterherfährt. Bei vergleichbarer Gangart läßt es der Jetztzeit- Diesel also mit rund der Hälfte der aufgewendeten Treibstoffmenge bewenden – daß die Testverbräuche nicht so weit differieren, liegt an den unterschiedlichen Möglichkeiten, besser gesagt den beiden Tempowelten.

Knapp acht Liter pro 100 km sind es beim 180 D, 5,8 beim Audi TDI. Bei konstant 90 km/h verbraucht dieser nur 3,7 Liter, nicht mehr als ein 50 Kubikzentimeter-Roller. Der Oldie läßt sich per Vierstempelpumpe satte sieben Liter servieren. Den Teillastbereich hat er schon fast hinter sich. Der Vergleich endet nicht nur mit eklatanten Leistungsund Verbrauchsunterschieden, sondern auch mit ein paar allgemeinen Erkenntnissen.

Die erste: Es ist schattig wie unter einer Laube im hochsommerlichen 180 D mit seinen steilen Scheiben. Klimaanlage, wozu eigentlich? Die zweite: Wer Beschaulichkeit im Automobil sucht, darf nicht TDI fahren.

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