Dodge Caliber 2.0 CRD SXT im Test

Klein-Caliber

Foto: Hans-Dieter Seufert 9 Bilder

Großes Auto, kleiner Preis: Mit dem auffallend stämmig designten Caliber schickt Dodge einen echten Hingucker auf den deutschen Kompakt-Markt. Ganz ohne bollernden Bigblock-V8, dafür mit dem Zweiliter-TDI von VW. Von der einheimischen Konkurrenz ist der kompakte Amerikaner nicht nur optisch weit entfernt.

Sie fiebern bei Endspielen der National Basketball Association mit, bestellen Ihr T-Bone- Steak blutig, schlürfen Ihren Coffee aus dem Pappbecher? Dann könnte der neue Dodge Caliber zu Ihnen passen.

Ein echter Kumpeltyp: Kippt die Cola um, läuft die Burger-Sauce aus, reicht ein feuchter Lappen zur Wagenpflege. Der grobe, aber robuste Innenraum verlangt nicht nach Auto-Kosmetika. Das war schon früher so. In imageprägenden Hollywood-Klassikern wird ein Dodge eher gefahren als gehätschelt, meist als übermotorisierter Sedan, meist von Zupackern. Und die sind heute noch Zielgruppe der Werbung – ab sofort auch hier zu Lande.

Die amerikanische Marke aus dem Hause Daimler-Chrysler weitet ihr Territorium aus und will good old Germany auf die Hörner nehmen – den Widderkopf im Logo zunächst zum Angriff auf die Kompaktklasse gesenkt, bevor später Kleinwagen, SUV und Familienlimousine folgen sollen. 134 deutsche (Chrysler-)Händler werden den Caliber demnächst selbstbewusst anpreisen: als groß (4,42 Meter Länge) und als günstig (ab 14 990 Euro). Vor allem aber als auffällig. Ein Auto wie aus einem Quader geschlagen, Respekt heischend, mit wuchtigen Radläufen über riesigen Rädern und einem klotzigen Kühlergrill.

Der Peterbilt-Truck unter den Kompakten. So ein hemdsärmeliges Auftreten provoziert die Frage nach Hubraum und Leistung. Eine erwartungsvoll genährte Illusion – im Testwagen bollert kein Bigblock-V8, der den ohnehin schwer kämpfenden Frontantrieb vollends überfordern würde.

Es knarrt der Zweiliter-TDI von VW mit 140 PS und 310 Nm, die Diesel-Alternative (ab 17 590 Euro) zum Einstiegs-1,8-Liter mit 150 PS und Schaltgetriebe oder zum Zweiliter mit 156 PS und stufenloser CVT-Automatik (ab 17 990 Euro). Ein 2,4-Liter-Vierzylinder soll in zwei Versionen folgen: als Sauger mit rund 175 PS (Ende 2006) sowie aufgeladen mit 304 PS, eingebaut in der Power-Version Dodge Caliber SRT4 (Sommer 2007). Dieser wird dem Caliber zu den Fahrleistungen verhelfen, die er jetzt schon suggeriert. Obwohl im Alltag ausreichend stämmig, verfehlt der Diesel im schweren Testwagen das werksseitige Vortriebs- Versprechen deutlich. Zudem verbraucht er unzeitgemäß viel, und das in der Stadt deutlich hörbare Nageln verliert sich erst am Ortsschild in den übrigen Fahrgeräuschen.

Auf der Überlandfahrt dagegen entsteht schnell ein Zustand des gelassenen Vor-sich-hin-Rollens, meist im hohen Gang – die langen Wege der knochigen Sechsgang-Box laden nicht gerade zum exzessiven Gebrauch ein. Nebenstraßen werden nur wegen ihres landschaftlichen Reizes aufgesucht, nicht etwa aus Gründen der kurvigen Streckenführung. Gegen jeden Versuch, eine Rechts-links-Kombination im zügigen Fluss zu durchströmen, wehrt sich der hohe Karosserie-Aufbau mit beängstigender Neigung, und die mächtigen Reifen bitten kläglich wimmernd um Schonung.

Wer keine Gnade kennt, wird den Grenzbereich früh, aber sicher untersteuernd kennen lernen und dabei auf ein pünktlich einsetzendes ESP zählen können. Dabei kämpft die Fahrdynamik- Hilfe mehr gegen Traktions- als Stabilitätsverluste, während die unpräzise Lenkung ihren Unmut mit Antriebseinflüssen kundtut. Vorstöße, dem Caliber einen sportlichen Fahrstil aufzuzwingen, werden zudem an protestierenden Mitreisenden scheitern.

Diese fühlen sich von der weichen Federung verschaukelt und kullern speziell hinten auf der unkonturierten und rutschigen Sitzbank durch die Gegend. Auch vorne bieten die Sessel kaum Unterstützung – ermüdend auf langen Strecken. Man wird sich deshalb auf ein beschauliches Reisetempo mit rechtzeitigen Coffee-Stopps einigen und den amerikanischen Fortbewegungsstil pflegen.

Zwei Coladosen stecken in den blaugrün beleuchteten Cupholdern, vier weitere kühlen im klimatisierten Handschuhfach in der so genannten Chill Zone Box. Genug für eine spontane Parkplatz- Party – falls man Music-Gate Power von Boston Acoustics geordert hat (458 Watt, 490 Euro). Dann lassen sich für ein Mini-Open Air zwei Lautsprecher aus der weit aufschwingenden Heckklappe schwenken. Leider verfügte der Testwagen nur über die einfache CDRadio- Variante, deren Leistung nicht einmal für eine anständige Auto-Beschallung ausreicht. Sollte die Feier wider Erwarten die Fahrtüchtigkeit nachhaltig beeinträchtigen, so dient der Caliber auch als Schlafplatz – das gute Raumangebot ist seine größte Stärke: Rück- und Beifahrersitzlehnen lassen sich umklappen. Auf der nahezu ebenen Fläche können sich zwei Personen auf mitgebrachten Decken im Schein der serienmäßigen Taschenlampe ein Not-Nachtlager einrichten.

Die Leuchte lässt sich aus einer Halterung im Dachhimmel nehmen und wird während der Fahrt geladen. Auch für den Transport von großen Gegenständen reicht der Platz im Gepäckraum (352 bis 1013 Liter nach SAE) aus. Viel Platz, eine außergewöhnliche Optik, praktische Detaillösungen und ein echter Kampfpreis lassen den Caliber für zahlreiche Interessenten verlockend erscheinen. Sie sollten sich allerdings darüber im Klaren sein, dass sie ein Auto erstehen, das in Hinblick auf Qualität, Fahrverhalten und Sicherheit (siehe Spotlight) einige Meilen von seinen europäischen Konkurrenten entfernt ist.

Nicht zu vergessen die ungünstige Kasko-Einstufung sowie der zu erwartende hohe Wertverlust. Dem setzt Dodge ein besonders leckeres Stück Marshmellow entgegen: In den ersten vier Jahren werden alle Wartungs- und Reparaturkosten übernommen. Bei solch süßen Verlockungen könnten nicht nur Liebhaber des US-Lifestyles schwach werden.

Vor- und Nachteile

Karosserie
  • –gute Platzverhältnisse –gut ablesbare Instrumente
  • –unübersichtliche Karosserie –Qualitätsmängel
Fahrkomfort
  • –relativ niedrige Fahrgeräusche –akzeptabler Federungskomfort auf kurzen Wellen
  • –starkes Karosserieschaukeln auf langen Bodenwellen –Sitze ohne Stützfunktion
Antrieb
  • –gutes Ansprechverhalten
  • –rauer Motorlauf –Werksangaben verfehlt –lange Schaltwege –weicher Kupplungsdruckpunkt
Fahreigenschaften
  • –sichere Fahreigenschaften
  • –starkes Kurven-Untersteuern –seitenwindempfindlich –mäßige Traktion –unpräzise Lenkung
Sicherheit
  • –ESP serienmäßig
  • –nachlassende Bremswirkung
Umwelt
  • –schadstoffarm nach Euro 4
  • –Partikelfilter aufpreispflichtig –hoher Verbrauch
Kosten
  • –niedriger Anschaffungspreis –vier Jahre Wartungs-Paket
  • –hoher Wertverlust

Fazit

Optik und Preis des neuen Dodge Caliber sind reizvoll. Dennoch erlaubt sich der bullige Kompakte deutliche Schwächen: Er bremst schlecht, federt mäßig, torkelt durch Kurven und ist unübersichtlich.

Technische Daten
Dodge Caliber 2.0 CRD SXT
Grundpreis 21.990 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 4415 x 1800 x 1535 mm
KofferraumvolumenVDA 524 bis 1339 l
Hubraum / Motor 1968 cm³ / 4-Zylinder
Leistung 103 kW / 140 PS bei 4000 U/min
Höchstgeschwindigkeit 196 km/h
0-100 km/h 11,3 s
Verbrauch 6,1 l/100 km
Testverbrauch 8,8 l/100 km
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