Dörr-BMW 135i im Test

Der Renn-Einser für die Straße

Dörr-BMW 135i powerd by P Zero Foto: Rossen Gargolov 21 Bilder

Der Dörr-BMW 135i powered by P Zero bestand den Nordschleifen-Härtetest beim 24h-Rennen auf dem Nürburgring. Jetzt geht der Rennwagen mit Straßenzulassung im Test an den Start. Wir haben den sportlichen BMW 1er auf dem Hockenheimring auf Herz und Nieren getestet.

Wenn Autos eine Seele hätten, dann wäre dieses Fahrzeug in den letzten drei Monaten definitiv verrückt geworden. Millionen Augenpaare fokussierten seine Rennstreifen, tausende Nasen drückten sich vor Neugierde an den Seitenfenstern platt, und viele wollten den Boliden gewinnen. Ein Familienvater mit drei Kindern zog das große Los – wegen Platznöten zwischen Rennschalen und Überrollkäfig lehnte er den Hauptgewinn aber naserümpfend ab. Nein, der BMW 135i von Dörr Motorsport hatte als Showcar und Gewinnspiel-Trophäe in der Abflugebene des Terminals 1 am Frankfurter Flughafen in den letzten Monaten wahrlich kein einfaches Dasein.

BMW 135i zurück auf der Rennstrecke

Höchste Zeit, dem besonderen BMW 1er, der auf den Namen „BMW 135i powered by P Zero“ hört, wieder Auslauf zu gönnen. Vom Präsentierteller im größten deutschen Flughafen geht’s nach kurzem technischen Check ins Fahrerlager von Hockenheim. Boxengasse, Curbs, Startampel – der trainierte Kurvenschnüffler atmet nun wieder erleichtert Rennluft.

„Von der Rennstrecke auf die Straße, lautete das Motto bei der Entwicklung“, erzählt Rainer Dörr, der als Teamchef von Dörr Motorsport mit seiner Mannschaft seit Jahren in der Langstrecken-Meisterschaft und beim 24h-Rennen auf dem Nürburgring erfolgreich ist, über den Start des Projekts. Nach gelungenem Härtetest beim 24-Stunden-Marathon 2009 mit einem Klassendoppelsieg der beiden eingesetzten 135i-Prototypen und Gesamtrang 38, startete die Kleinserienfertigung des ersten BMW 1er-Rennwagens mit Straßenzulassung.

Statt Schwedenkreuz und Fuchsröhre stehen heute Motodrom und Sachskurve auf dem Testplan. Der Biturbo-Reihensechszylinder bläst zur Attacke. Die 306 Serien-PS sind längst Geschichte. Dank Kennfeldoptimierung, 1,15 bar maximalem Ladedruck (Serie: 0,6 bar) und der BMW Performance-Abgasanlage stemmt der BMW 1er nun 380 PS auf seine Kurbelwelle. Um thermische Probleme zu vermeiden, verwendet Dörr außerdem einen zusätzlichen Wasserkühler sowie den größeren Lüfter aus dem Zubehörprogramm von BMW Performance.

Schalten wird zum Erlebnis

Die erste Duftmarke setzt der Dörr-BMW 135i im Test bereits bei der Längsdynamik-Messung. Der Power-Einser hat bis auf ein minimales Turboloch Dampf ohne scheinbares Ende – automobile Frühlingsgefühle, die mehr an einen BMW M3 erinnern. Beim Sprint auf Landstraßentempo übertrumpft er das Serienmodell mit 4,9 Sekunden dann auch um vier Zehntelsekunden. Klack, klack, klack, die Schaltwegverkürzung aus dem Performance-Sortiment liefert höchsten Schaltgenuss. Pah, Doppelkupplungsgetriebe: Nein danke!

Dank der Motorhaube, der Kotflügel, der Stoßstangen und des Heckdeckels aus GFK sowie des leergeräumten Innenraums mit Recaro-Schalensitzen und Karbon-Verkleidungsteilen sinkt das Fahrzeuggewicht. Wer nun allerdings eine übermäßige Gewichtsreduktion erwartet, der irrt. Durch die eingeschraubte Sicherheitszelle ist der Dörr-Einser rund 50 Kilogramm leichter als das Serienmodell. „Türen aus GFK verbietet leider der TÜV, aber der Wagen ist gegen Aufpreis auch mit Karbon-Hauben erhältlich“, offeriert Rainer Dörr weiteres Einsparungspotenzial.

Pirelli-Reifen für die Rennstrecke

Doch von dem einen Pfund mehr oder weniger lässt sich Nummer 004 der Kleinserie nicht beeindrucken. Ein einstellbares KW Clubsport- Fahrwerk senkt den Fahrzeugschwerpunkt um 30 Millimeter. Um den Reifenverschleiß in Grenzen zu halten, übernahmen die Dörr-Entwickler die Sturzwerte des Serienfahrzeugs. Apropos Reifen: Still und heimlich, ohne nennenswerten Abrollgeräusche, feiert in den muskulösen Radhäusern ein Novize seine Rennstrecken- Premiere im sport auto-Test – der speziell für den Einsatz auf der Rennstrecke entwickelte Pirelli P Zero Trofeo-Straßensportreifen. Nach kurzer Aufwärmphase krallen sich die neuen Pneus mit hohem Gripniveau in den Asphalt.

Hervorragende Traktion des BMW 1er

Schon beim zackigen Einlenken in die Armeisenkurve meldet das Gehirn die Frage: „Sitze ich wirklich in einem BMW 1er?“ Genial – das messerscharfe Einlenkverhalten erinnert keineswegs mehr an das Normalo-Coupé, wie es aus dem BMW-Werk Leipzig rollt. Die Tendenz zum sicheren Untersteuern nach Kurveneingang trainierte die Dörr-Truppe dem Einser aber nicht vollständig ab. Dank Hinterachssperre mit 45-prozentiger Sperrwirkung glänzt der Straßenrennwagen mit beeindruckender Traktion. Bei Volllast ab dem Scheitelpunkt zieht er sich mit moderatem Übersteuern, aber jederzeit sicher beherrschbar aus der Kurve.

In schnellen Kurvenpassagen, wie dem Linksknick in der Querspange, sorgte die etwas zu weiche Dämpferabstimmung in Hockenheim für wippende Karosseriebewegungen. Auch wenn der Dörr-BMW 135i powered by P Zero im Test mit seiner Rundenzeit von 1.13,8 Minuten das Werksmodell um fast vier Sekunden deklassiert (Serie: 1.17,4 min.), wäre mit einem aggressiveren und vor allem härteren Fahrwerkssetup bestimmt eine um eine Sekunde schnellere Rundenzeit möglich gewesen.

Dank des einstellbaren KW Fahrwerks müssen Rennstreckenfreaks aber nicht den Kopf hängen lassen: „Wir liefern das Auto mit einem Fahrwerkskompromiss für Alltag und Rennstrecke aus, auf Wunsch stellen wir das Fahrwerk aber auch für Bestzeiten in Hockenheim oder auf der Nordschleife ein“, erklärt Teamchef Dörr lächelnd.

Technische Daten
Dörr 135i
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 4360 x 1752 x 1378 mm
KofferraumvolumenVDA 370 l
Hubraum / Motor 2979 cm³ / 6-Zylinder
Leistung 279 kW / 380 PS bei 6100 U/min
Höchstgeschwindigkeit 285 km/h
0-100 km/h 4,9 s
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