Doppeltest Alfa Romeo 156 1.9 JTD gegen Saab 9-3 2.2 TiD

Mit hohem Druck arbeiten Saab und Alfa daran, sich im Diesel-Segment zu etablieren. In den beiden Mittelklasse-Limousinen 9-3 und 156 gehen neue Selbstzünder mit Turboaufladung und Direkteinspritzung zu Werke.

Nageln gehörte bei Saab bislang nicht zum Handwerk. Schließlich befand sich beim schwedischen Hersteller bis vor kurzem noch gar kein Diesel mit dem klassischen Verbrennungsgeräusch im Programm. Doch jetzt hat sich der Turbospezialist entschlossen, Synergien zu nutzen. Opel, zusammen mit Saab unter dem GM-Dach zu Hause, stellt für den 9-3 nicht nur die Vectra-Plattform zur Verfügung, sondern auch die Basis für den Dieselmotor.

Dabei handelt es sich um ein von zwei Ausgleichswellen beruhigtes Vierventil-Triebwerk mit 2,2 Liter Hubraum, 115 PS Leistung sowie Turboaufladung und Direkteinspritzung – allerdings ohne jene moderne Common Rail-Technik, die im Konkurrenten Alfa 156 unter dem Kürzel JTD (Unijet Turbodiesel) zu Werke geht. Der Unterschied zu den konventionellen Direkteinspritzern liegt in der Trennung von Druckerzeugung und Einspritzung. Der Kraftstoff wird hier außerdem mit sehr hohem Druck feinstdosiert in den Brennraum gejagt, wobei eine Voreinspritzung Sekundenbruchteile vor der Haupteinspritzmenge eine sehr weiche Verbrennung möglich macht. Dem Alfa verschafft dieses Prinzip hörbare Vorteile.

Der gut gekapselte Vierzylinder arbeitet leiser als der des Saab – ein subjektiver Eindruck, den die Phonwerte bestätigen. Bei 100 km/h beträgt der Unterschied nur ein dB(A), bei 120 km/h schon zwei und bei 140 km/h vier. Gleichwohl erweist sich der Alfa nicht als lupenreiner Leisetreter, weil ein deutliches Turbopfeifen und kräftigeWindgeräusche vom Dach nicht zu überhören sind. Die Stärke des 9-3 liegt vor allem in seinem hohen Drehmoment von 260 Newtonmetern, das bereits bei 1900/min anliegt (Alfa: 255 Nm bei 2000/min). 

Zwar muß ein kleines Turboloch durchschritten werden, aber dann bereitet die schwedische Limousine mit guter Elastizität und Beschleunigung durchaus Fahrspaß. Der nominell zehn PS schwächere Alfa kann da nicht ganz mithalten, obwohl auch er seine Kraft nach leicht verzögertem Ansprechverhalten zügig entfaltet und nur um ein bis zwei Sekunden hinter dem Saab herhinkt. Freilich spielen diese Werte, in der Praxis eine geringere Rolle als der kleine Verbrauchsvorteil des Alfa. Der Unterschied beläuft sich zwar nur auf einen knappen halben Liter, aber der dürfte für kosten- und umweltbewußte Autofahrer die Kaufentscheidung bereits beeinflussen.

Kritisch ist jedoch die Tatsache zu werten, daß sowohl der Alfa als auch der Saab trotz moderner Triebwerkstechnologie lediglich die Schadstoffeinstufung Euro 2 und nicht die strengere Norm D3 erfüllen, was Vorteile in der Steuer und besonders beim Wiederverkauf mit sich bringen würde. Viel mehr auf der Höhe der Zeit befindet sich der 156 dagegen mit seinen für einen Fronttriebler sehr agilen Fahreigenschaften, die geprägt werden durch eine geringe Untersteuerneigung. Zu dem handlichen Eindruck trägt auch die Servolenkung bei, die leichtgängig und äußerst exakt agiert.

Gutmütig und problemlos zu beherrschen ist auch der Saab. Er drängt in schnell durchfahrenen Kurven jedoch stärker zum Fahrbahnaußenrand und bringt eine Lenkung mit, die um die Mittellage sehr gefühllos arbeitet – Eigenschaften, die die Handlichkeit ebenso einschränken wie der größere Wendekreis. Höhere Erwartungen sollte man an einen sicherheitsorientierten Hersteller wie Saab auch hinsichtlich der Bremsen stellen dürfen. Mit einer Kaltverzögerung von 9,1 m/s2 bietet der 9-3 nur Mittelmaß, zumal er auf hohe Belastung mit Fading reagiert (8,4 m/s2). 

Der Alfa macht seine Sache etwas besser, ohne allerdings an das hohe Niveau von Konkurrenten wie dem BMW 318i heranzureichen. Der Saab entscheidet dafür das Komfortkapitel für sich, obwohl er mit seiner weichen Abstimmung etwas unterdämpft wirkt. Der Alfa ist aber sportlich-hart ausgelegt und meldet den Passagieren Unebenheiten direkt in den Innenraum – eine Unart, die bei voller Beladung richtig nervt.

Im Saab sitzt man auch bequemer, obwohl es den Polstern an Seitenhalt fehlt. Dafür sind die Flächen nicht so kurz geschnitten wie beim 156, der großgewachsenen Personen wenig Schenkelauflage bietet. Keine Wünsche bleiben dagegen beim Saab-Gepäckabteil offen. Der Kofferraum der Fließhecklimousine faßt im Normalzustand mit 494 Litern bereits rund 120 Liter mehr als der des Alfa. Durch einen Umklappmechanismus, der dem 156 völlig fehlt, läßt sich dieses Maß auf 1314 Liter steigern. Im Innenraum hat dafür der Alfa etwas mehr Platz zu bieten, wenngleich die Unterschiede gering sind. So geht es im Fond des 9-3 schmaler zu, doch dafür fällt die Kopffreiheit größer aus. In beiden Fällen fühlen sich vier Personen an Bord wohl, für einen fünften Fahrgast wird es dagegen eng. Das größte Saab-Manko liegt aber im Preis. 45 150 Mark kostet ein 9-3 Diesel in der Basis-Ausstattung.

In der zum Test angetretenen, gehobenen SE-Ausführung (Leichtmetallräder, Klimaanlage, Lederpolsterung, Audiosystem) werden sogar 53 650 Mark fällig. Alfa verlangt für den 156 1.9 JTD nur 40 300 Mark, liefert dafür aber die schlechtere Serienausstattung – Klimaanlage, Lederausstattung und Radioanlage kosten hier extra. Zusammen mit der günstigeren Haftpflicht- und Vollkasko-Einstufung und dem niedrigeren Dieselverbrauch gelingt es dem Alfa jedoch, dieses Duell über die Kapitel Umwelt und Wirtschaftlichkeit für sich zu entscheiden. Für kostenbewußte Dieselfahrer stellt der Saab 9-3 zwar nur die zweite Wahl dar. Mit dem Gewinn der Eigenschaftswertung hat er die erste Nagelprobe im Diesel-Segment aber durchaus bestanden.

Fazit

1. Alfa Romeo 156 1.9 JTD
542 Punkte
2. Saab 9-3 SE 2.2 TiD
533 Punkte
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Technische Daten
Alfa Romeo 156 1.9 JTD Saab 9-3 2.2 TiD SE
Grundpreis 21.219 € 26.562 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 4430 x 1745 x 1415 mm 4629 x 1711 x 1428 mm
KofferraumvolumenVDA 378 l 494 bis 1314 l
Hubraum / Motor 1910 cm³ / 4-Zylinder 2171 cm³ / 4-Zylinder
Leistung 77 kW / 105 PS bei 4000 U/min 85 kW / 115 PS bei 4300 U/min
Höchstgeschwindigkeit 188 km/h 200 km/h
0-100 km/h 12,0 s
Verbrauch 5,8 l/100 km 6,2 l/100 km
Testverbrauch 7,4 l/100 km
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