Doppeltest Alfa Romeo 156 2.0 JTS gegen BMW 318i

Alfa Romeo trumpft mit einem neuen Benzin-Direkteinspritzer auf. Im Vergleich mit dem BMW 318i muss der Alfa Romeo 156 2.0 JTS seine Qualitäten beweisen.

Der BMW 318i soll gegen den Alfa 156 mit einem neuen, immerhin 166 PS starken Zweiliter-Direkteinspritzer antreten? Ist das nicht ein wenig unfair?

Nein. Schließlich verfügt auch der BMW, seiner tief ­stapelnden Typenbezeichnung zum Trotz, über zwei Liter Hubraum. Und beide Modelle suggerieren, mit fortschrittlicher Technik den Spagat zwischen properer Leistung und zeitgemäßer Sparsamkeit zu schaffen: der Alfa mit Benzin-Direkteinspritzung, der BMW mit Valvetronic.

Wohlgemerkt: suggerieren. Denn schließlich tut der BMW mit der Valvetronic nur im unteren Teillastbereich etwas gegen den verbrauchs­trächtigen Drosselverlust. Der Alfa lässt es gar ganz sein: Leistung statt Sparsamkeit heißt hier die Devise, und mit dem Verzicht auf die andernorts hoch gehaltene Schicht­ladung lassen sich auch gleich alle Schwierigkeiten mit der Speicherkat-Technik und dem schwefelhaltigen Kraftstoff in Exportländern elegant umschiffen.

Der neue Alfa-Motor be­gnügt sich damit, den direkt
in die Zylinder eingespritzten Kraftstoff zur Innenkühlung zu nutzen. Das verbessert die Füllung und erlaubt dank reduzierter Klopfgefahr eine höhere Verdichtung. Beides sind Garanten für ein hohe Leistungsausbeute.

Die italienische Neuentwicklung ist ein feines Triebwerk. Gelüste nach einem Sechszylinder erstickt es im Keim. Allzeit spontan ansprechend, leistungsbereit, drehwillig, akustisch wohl intoniert, aber doch leise und
dank zweier Ausgleichswellen vibrationsfrei und kultiviert laufend, entpuppt es sich als ein Meisterstück nach Art des Hauses.

Da hat der nominell 23 PS schwächere BMW-Treibsatz das Nachsehen. Seine Valvetronic behindert beim Gasgeben aus Leerlauf und Schiebebetrieb das spontane Ansprechen. Und auch wenn er ebenfalls mit zwei Ausgleichswellen und vibrationsfreiem Lauf gesegnet ist, miss­fällt er doch bei hohen Drehzahlen mit ­wenig appetitlichen und kräftigen Brummtönen.

Hohe Drehzahlen gehören beim BMW zur Tagesordnung, weil die Achs­überset­zung reichlich knapp gewählt wurde. Diese Auslegung verschafft dem Bayern zwar den Punktesieg bei der Elastizitäts­messung. Am zweiten Platz beim Beschleunigen kann sie aber nichts ändern.

Hier wird eben in den ­einzelnen Gängen jeweils ein ganzer Drehzahlbereich durch­laufen, die Leistung entscheidet. 10,0 und 8,7 Sekunden für den Sprint auf 100 km/h lauten die Zahlen.

Bei der Höchstgeschwindigkeit herrscht wiederum an­nähernd Gleichstand und – was überrascht – im praktischen Fahrbetrieb ebenso: Dem Alfa gelingt es bestenfalls in Ansätzen, dem auch noch schwereren BMW davonzufahren.

Das gilt auch dort, wo es weniger auf die Leistung und dafür mehr auf die Eigenschaften des Fahrwerks ankommt. Beide Kandidaten umrunden Biegungen aller Art problemlos und erreichen hohe Grenzgeschwindigkeiten. Die Messwerte der Fahrdynamikprüfungen sehen aus wie voneinander abgeschrieben.

Die Unterschiede liegen im Wie. Wo der BMW bei Lastwechseln gelegentlich mit dem Heck schwänzelt, legt
der frontgetriebene Alfa sture Neu­tralität an den Tag, scheint Lastwechselreaktionen nur dem Namen nach zu ­kennen und ist in puncto Lenkpräzision, Fahrbahnkontakt und Agilität noch eine Idee besser als der bekannt gute BMW.

Er fühlt sich, wenn dieser Vergleich erlaubt ist, wie Metall an, wo der geschmeidigere BMW mehr an Hartgummi erinnert. Übermut am Lenkrad wird in beiden Fällen vom ­serienmäßigen ESP behutsam und nicht zu früh in Schran-ken verwiesen. e

An unerwartete Grenzen stößt der Alfa jedoch, wenn es schlechte Straßen zu bewältigen gilt. Mit einer stößigen Lenkung ist nur unvollkommen beschrieben, was er dann seinem Fahrer zumutet.

Harte Schläge im Lenkrad, begleitet von unguten metal­lischen Klappergeräuschen, legen Zurückhaltung in Situa­tionen nahe, in denen der BMW grobe Unebenheiten auch akus­tisch völlig unbe­eindruckt wegsteckt.

Der BMW kennt dank ausreichend bemessener Servo­unterstützung der Lenkung auch nicht jene plötzlich stark ansteigenden Haltekräfte in schnell gefahrenen Kurven, mit denen der Alfa überrascht.

Bemerkenswert gut schlägt sich der Alfa beim Abfedern langer Bodenwellen. Seine Achillesferse sind die Stuckerneigung, das härtere Abrollen und das zögerliche Ansprechen der Federung auf klei-nen Unebenheiten, speziell auf Autobahn-Querfugen.

Und wer die mögliche ­hohe Zuladung von immerhin 473 Kilogramm ausnutzt, wird sich auf schlechten Straßen alsbald mehr Federweg mit weniger schroffen Anschlägen wünschen.

Gute Bremsen, ein Muss bei sportlichen Autos, sind bei beiden Konkurrenten selbstverständlich. Der Alfa muss sich lediglich einen Punkt ­Abzug gefallen lassen, weil
er es mit der Spurtreue beim Abbremsen aus hohen Geschwindigkeiten nicht ganz so genau nimmt. Auch sein Ge­radeauslauf bei Längsrilllen überzeugt weniger als der des BMW.

Der Alfa Romeo 156 kos­tet 1100 Euro mehr als der BMW 318i. Das macht er allerdings mit seiner besseren Ausstattung mehr als wett: Eine für links und rechts getrennt regelbare Automatik
für die Klimaan­lage gehört ebenso dazu wie ein Bose-­Soundsystem mit CD-Spieler, Leichtmetallräder und elektrische Fensterheber auch für die Fondpassagiere.

Selbst hübsche Kleinig­keiten wie Leder fürs Lenkrad oder der Regensensor müssen beim BMW hingegen extra bezahlt werden. Kalkuliert man all dies in die Kosten­betrachtung mit ein, wendet sich das Blatt: rund 1500 Euro Preisvorteil für den Alfa, der allerdings etwas mehr Benzin verbraucht.

Ein dem famosen Motor ebenbürtiges Fahrwerk, dessen feinnervige Qualitäten nicht auf gute Fahrbahnen begrenzt sind, und ein besseres Ansprechen der Federung hätten den Alfa 156 2.0 JTS zum Sieger gemacht.

Tatsächlich hat es nur zum zweiten Sieger gereicht.

Fazit

1. BMW 318i
517 Punkte

Das sportliche Fahrwerk mit gutem Federungskomfort bringt den BMW nach vorne. Für ihn sprechen auch der sehr gute Qualitätseindruck und die günstigeren Kosten. Der Vierzylinder läuft brummig, aber vibra­tionsarm und sparsam

2. Alfa 156 2.0 JTS
490 Punkte

Ein rundum feiner, wenngleich nicht sehr sparsamer Motor und höchste Fahr­präzision kennzeichnen den Alfa. Schlechte Straßen ­offenbaren erhebliche Mängel der Fahrwerks-Solidität und Grenzen des Ansprechverhaltens der Federung

Technische Daten
Alfa Romeo 156 2.0 16V JTS Distinctive
Grundpreis 27.100 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 4430 x 1745 x 1415 mm
KofferraumvolumenVDA 378 l
Hubraum / Motor 1970 cm³ / 4-Zylinder
Leistung 122 kW / 165 PS bei 6400 U/min
Höchstgeschwindigkeit 220 km/h
0-100 km/h 8,7 s
Verbrauch 8,7 l/100 km
Testverbrauch 10,2 l/100 km
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