Doppeltest Alfa Romeo 156 Sportwagon 2.4 JTD gegen Audi A4 Avant 1.9 TDI

Diesel und Kombi, das passt. Doch wie passt es? Alfa Romeo 156 Sportwagon 2.4 JTD und Audi A4 Avant 1.9 TDI zeigen es, jeder auf seine Weise.

Im Jargon heißen sie Modekombis. Es sind Autos,

die häufig nicht aufgrund ihrer größeren Nützlichkeit

einer Limousine vorgezogen werden, sondern weil sie besser gefallen. Das Laderaumvolumen und die Variabilität sind nicht so wichtig. Wer so etwas will, kauft meist etwas ganz anderes, wo die Fahrräder hinten reingehen, zum Beispiel einen Van.

Der von Alfa mit Überlegung gewählte Begriff Sportwagon für die Kombiversion des 156 zeigt in Buchstaben gepresst die Richtung an. Schön, wenn man klappen und variieren kann, doch schöner noch, dass man so schön ist. Ein Bild von einem Auto – keine Spur mehr formal vom Abbild des alten Kombi, mit dem in den Sechzigern der Malermeister Hausbesuche machte.

Auch ohne die Demoskopen zu bemühen darf man davon ausgehen, dass das wichtigste Motiv für den Käufer eines Alfa Sportwagon dessen optischer Auftritt ist. Dem Audi A4 Avant-Kunden wird sein Kombi sicherlich auch gefallen, doch hat er dem Nutzwert gewiss mehr Bedeutung geschenkt. Audi steht für Qualität, Passgenauigkeit, so gesehen ein sehr deutsches Produkt, das sich formal ebenfalls vom Altväterlichen befreit hat. Auch der A4 Avant zeigt, insgesamt gut zehn Zentimeter länger, zeitgemäßen Kombi-Chic, aber der schon optisch angedeutete höhere Nutzwert gegenüber dem Alfa ist auch tatsächlich vorhanden.

Der Audi ist nicht nur länger, sondern bietet auch den größeren Innenraum, wobei vor allem hinten ein viel besseres Raumgefühl entsteht. Der weit stärkere Dacheinzug beim Alfa, Tribut an die Linie, hat seinen Preis, ebenso das Format des Kofferraums. Hier ist er eindeutig mehr Sport als Wagon, mit bescheidenen 360 Litern gegenüber den 442 Litern des Audi Avant, die für sich betrachtet ebenfalls kein Ruhmesblatt sind.

Wer die in beiden Fällen einfach zu bedienenden Klappmechanismen für die Variabilität der Rücksitzbank nutzt, wird mit praktisch gleichen Volumina belohnt (Audi 1184 Liter, Alfa 1180). Auch die Zuladung differiert mit 477 Kilogramm beim Audi und 453 beim Alfa nicht allzu stark. Absolut gesehen sind diese Werte keineswegs beeindruckend – auch hier zeigt sich, dass diese Art Auto nicht als klassischer Lastesel verstanden werden möchte.

Erfreulich in beiden Fällen das Innen-Ambiente. Was das Auge erblickt, macht Laune. Mit dem Audi kommt man auf Anhieb noch besser zurecht,

er hat auch die praktischeren Türgriffe, aber die schlechtere Basis-Ausstattung. Der Alfa in der geprüften Distinctive-Version bietet Bose-Soundsystem, Tempomat und elektrische Fensterheber hinten gegenüber dem Audi auf, die Extra-Liste ist in beiden Fällen lang, wobei die Aufpreise beim Audi meist höher liegen als beim Alfa (Lederausstattung beim Audi 1680 Euro, 1300 beim Alfa).

Das kostet den A4 Avant ein paar Punkte, aber er gewinnt das Karosserie-Kapitel trotzdem. Dabei ist es nicht einmal seine hohe Qualität, die ihn nach vorne bringt, sondern das bessere Raumangebot zusammen mit Vorteilen bei Bedienung und Funktionalität. Der Alfa Sportwagon macht qualitativ ebenfalls keine schlechte Figur und gerät hier zumindest nicht in den Rückstand.

Auch bei der Betrachtung der technischen Motordaten scheint zunächst alles für den Alfa zu sprechen: der größere Hubraum (2,4 statt 1,9 Liter), die größere Zylinderzahl (fünf statt vier), die höhere Leistung (150 statt 130 PS), das zeitgemäßere Einspritzsystem (Common Rail statt Pumpedüse). Doch beim Fahren zeigt sich, dass alle Theorie grau ist. Obwohl der langhubige Vierzylinder des A4 Avant mit seinen 130 PS nominal so unterlegen erscheint, ist er dicht am Alfa dran.

Der Fünfzylinder aus Italien hat vor allem subjektiv

einen großen Vorzug, nämlich sein anregendes Laufgeräusch, ein gutturales, unregelmäßiges Murmeln, das wohl in den Ohren klingt und sich positiv von dem Knurren in den unteren Gängen des Audi TDI unterscheidet. Auch in der mechanischen Laufruhe ist der Alfa-Fünfzylinder besser als der manchmal brummige Pumpedüse-Diesel des Audi, bei dem der Kraftstoff mit rund 2000 bar in die Brennräume gespritzt wird.

Der geschmeidigere Motorlauf und das angenehmere Laufgeräusch also beim Alfa Sportwagon, doch zu einem wirklich klaren Plus reicht es auch in der Motorwertung nicht. Zu dicht ist der nur

nominal so unterlegene Audi-Direkteinspritzer dran an der Musik, sowohl im Temperament als auch im Durchzugsvermögen. Der Grund: Der TDI mit dem rot gefärbten I

in der Typenbezeichnung ist ein wahrer Drehmoment-Gott, der mit einem Maximalwert von 310 Newtonmetern bei nur 1900 Umdrehungen den hubraumstärkeren Alfa sogar leicht übertrifft.

Der Fünfzylinder des Alfa entwickelt 305 Newtonmeter bei praktisch gleicher Drehzahl und zeigt sich mit seinem serienmäßigen Fünfgang-Getriebe dem optionalen Sechsgang-Audi im Durchzug als kaum überlegen. Audi hat den Sechsten nicht zu lang gewählt, er ist ein hervorragender Fahrgang geblieben, und wenn es um den Durchzug

von 80 auf 120 km/h im jeweils größten Gang geht, ist der Alfa mit 11,2 Sekunden gegenüber den 11,6 Sekunden des Audi weit weniger im Vorteil als zunächst vermutet.

Auch in der Beschleunigung von null auf 100 km/h fährt der Fünfzylinder dem Vierzylinder nicht wirklich weg. Beide liegen klar unter der Zehn-Sekunden-Marke, 9,4 sind es beim Alfa, 9,8 beim Audi. Keine Frage, an Kraft fehlt es diesen Dieseln nicht, man bewegt sie souverän und speziell auf der Autobahn mit moderaten Geräuschen. Es ist da wie dort Diesel-Vergnügen, entspanntes Fahren mit moderaten Verbräuchen.

Dass der betont ökonomische Langhuber von Audi den Alfa hier unterbieten würde, war zu erwarten, und tatsächlich fällt die Differenz groß aus. 7,3 Liter pro 100 km beträgt das Testmittel beim Audi, der Alfa lässt sich 8,5 Liter schmecken. Auch beim Minimalkonsum ist der Audi klar

in Führung, mit fünf Litern pro 100 Kilometer gegenüber sechs beim Alfa.

Warum also nicht in die Ferne schweifen, wenn das Gute so nah liegt? Beim Audi gelingt dies nochmals deutlich angenehmer. Er hat den weit besseren Federungskomfort, der ihn vor allem auf Beton-Autobahnen eindeutig von der Stößigkeit des Alfa distanziert. Den Komforteindruck des Motors kann der Alfa vom Fahrwerk her nicht halten, hier fehlt es an Abstimmungskunst. Auf manchen Straßenabschnitten sind die Passagiere immer in Bewegung, während der Audi mit seiner straffen Sanftheit auch beim Abrollen das bessere Resultat liefert.

Da passt es gut ins Bild, dass der Audi die noch besseren Bremsen hat und in den Fahreigenschaften das noch ausgewogenere Auto ist. Zwar nehmen sich beide nichts in der Fahrdynamik, doch als sehr störend stellt sich die Stoßempfindlichkeit der Alfa-Lenkung bei betont schneller Fahrt auf welliger Bahn heraus. Auch die Bodenhaftung lässt zu wünschen übrig.

Audi also wieder einmal in Führung, nicht zuletzt dank dem Motor-Phänomen TDI. Nicht einmal der Preis bremst den Audi ein. Mit 28 730 Euro ist er sogar einen Hauch billiger als der Alfa.

Fazit

1. Audi A4 Avant 1.9 TDI
532 Punkte

Hier ist eine Art Muster-Kombi entstanden: schnell, fahrsicher, komfortabel, gut verarbeitet. Hinzu kommt ein gemessen an Transportleistung und Gewicht ungewöhnlich niedriger Verbrauch. Haar in der Suppe ist der kleine Kofferraum.

2. Alfa 156 Sportwagon 2.4 JTD
491 Punkte

Der Alfa-Kombi bietet vor allem formale Reize, und er hat einen Dieselmotor, der nicht nur gute Fahrleistungen bietet, sondern auch Spaß macht. Der mäßige Federungskomfort und das knappe Raumangebot trüben das Gesamtbild.

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Technische Daten
Audi A4 Avant 1.9 TDI Alfa Romeo Sportwagon 2.4 JTD 10V Distinctive
Grundpreis 29.050 € 28.800 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 4545 x 1772 x 1428 mm 4430 x 1745 x 1420 mm
KofferraumvolumenVDA 442 bis 1184 l 360 bis 1180 l
Hubraum / Motor 1896 cm³ / 4-Zylinder 2387 cm³ / 5-Zylinder
Leistung 96 kW / 130 PS bei 4000 U/min 110 kW / 150 PS bei 4000 U/min
Höchstgeschwindigkeit 206 km/h 212 km/h
Verbrauch 5,8 l/100 km 6,8 l/100 km
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