Doppeltest Alfa Romeo GTV 2.0 16V gegen Fiat Coupé 2.0 16V

Schräg bis ins Heck: Die neuen italienischen Coupés vermeiden Erinnerungen an ihre klassischen Vorgänger. Alfa GTV und Fiat Coupé geben sich über sportlicher Großserien-Technik im Styling betont exzentrisch, aber grundverschieden.

Der Staat im Staat ist mit aller italienischen Präzision organisiert. Die Automarke Fiat soll satte Gewinne mit großen Stückzahlen produzieren; der konzerneigene Fußball-Verein Juventus Turin liefert den Werktätigen das tägliche Brot der Emotionen; die Edelmarke Alfa Romeo ist für vierrädrige schöne Künste zuständig. Tradition wird mit industriellen Fertigungsmethoden gepflegt. Fiat baut nach 25jähriger Unterbrechung wieder ein Coupé. Der alte Rekordmeister Juventus hat mit einem weiteren Titel die jahrelange Hegemonie von AC und Inter Mailand beendet.

Alfa Romeo läßt für das neue Coupé die Typenbezeichnung GTV wieder aufleben, als hätte es bei diesen sportlichen Gran Turismo Veloce- Modellen nie eine achtjährige Pause gegeben. Die beiden decken einträchtig ab, was in der Coupé-Branche zum Erfolg wichtig ist: die italienischen Komponenten und die Zweiliter-Klasse mit und ohne Turbo-Aufladung. Alfa GTV und Fiat Coupé erfüllen alle Voraussetzungen, um das entsprechende Marktsegment in eine geschlossene Gesellschaft zu verwandeln und einander die besten Konkurrenten zu werden. Geschenkt wird dem jeweils anderen aus dem eigenen Haus nichts, nicht einmal der Motor. Beide Basis-Modelle werden zwar von Zweiliter-Vierzylindermotoren mit Vierventil-Zylinderköpfen angetrieben, die haben jedoch so wenig gemeinsam wie der Fiat-Schriftzug und das Alfa Romeo-Wappen.

Der Fiat 2.0 16 V gönnt sich aus 1995 cm3 eine Leistung von 139 PS/102 kW bei 6000/min, der Alfa Romeo GTV Twin Spark 2.0 16 V leistet aus 1970 cm3 150 PS/110 kW bei 6200/min. Ähnlich differieren auch die Preise: Das Fiat Coupé kostet 39 500 Mark, der Alfa Romeo GTV 43 800 Mark. Wer nach jenen einheitlichen Elementen fahndet, die meist als Alibi für diese oder jene Kalkulation der Preise herhalten dürfen, muß tief tauchen. Erst der einheitliche Radstand von 254 Zentimetern verrät die gemeinsame Abstammung von der Plattform Fiat Tipo/Alfa 155/Lancia Delta. Pininfarinas Schriftzug auf beiden Modellen dokumentiert über dem kleinsten gemeinsamen Nenner des Radstands, wie Individualität auch bei Nobelkarossiers rationalisiert werden kann. Beim Fiat entwarf die Turiner Karosseriefirma den Innenraum, beim Alfa die äußere Form.

Beim Fiat Coupé ist Pininfarina neben der exakten Montage des eigenen Schriftzugs auf dem Armaturenbrett auch für andere Details zuständig: Der Fiat wird in einem Pininfarina- Werk gebaut. Beide Coupés sind so messerscharf nebeneinander gepaßt, daß im Vergleich die Funken fliegen: Der Fiat ein kantiges Stück Exhibitionismus, wild garniert mit Designdetails aus Automobil-Geschichte und Science-fiction-Comics, dazu ein veritabler 2+2-Sitzer, auf dessen Rücksitzen auch ungeliebte Schwiegermütter nicht leiden müssen; mit einem Kofferraum, der mit 295 Liter Volumen beinahe dreimal so groß und viel besser zu beladen ist als der schmale Schacht im GTV-Heck. 

Der Alfa Romeo: die Metamorphose der Kanonenkugel in ein Coupé. Motorhaube gewölbt wie Schwarzeneggers gespannter Bizeps, die keilförmige Gürtellinie erhöht Tempo optisch um den Faktor zwei. Die Spur deutlich breiter als beim Fiat Coupé; durch den Spur-Trick – hinten breiter als vorn – steht der GTV wuchtiger als ein Sumo-Ringer auf der Straße. In die elegant geformten Rücksitzmulden passen eher zwei Yorkshire-Terrier als zwei menschliche Mitfahrer, in den Kofferraum immerhin eine Golftasche. Mit der alternativ lieferbaren Ablagefläche anstelle der Rücksitze paßt der GTV jedoch exakt in die moderne Zweier-Gesellschaft.

Im Fahrkomfort, bei sportlichen Coupés ein schwieriger Kompromiß zwischen Federweg und Dämpferhärte, liefern ich beide ein Unentschieden trotz unterschiedlicher Abstimmungen. Das weicher ausgelegte Fiat Coupé schluckt Straßen- Unebenheiten und lange Bodenwellen besser, allerdings wankt seine Karosserie in Kurven auch spürbar nach außen. Querfugen auf der Autobahn begegnet der GTV mit der ganzen Härte des asketischen Sportlers, das unangenehme Stuckern der Vorderachse überträgt sich bei höherem Tempo auf die gesamte Karosserie.

Im Zusammenspiel der höhen- und längsverstellbaren Lenksäule mit den seitlich deutlich konturierten Sportsitzen bietet der Alfa die bequemere Sitzposition, die sich weiter verbessern ließe, wenn die Rückenlehnen nicht zu hart gepolstert wären. Der Zweiliter-16 Ventil- Motor mit 139 PS/102 kW Leistung bei 6000/min geigt nicht nur im Fiat Coupé, sondern auch in Fiat Tipo 16 V und Lancia Delta HPE mit jenem südländischen Temperament, das erst bei höheren Drehzahlen feurig wird. Der sportliche Allrounder des Konzerns beschleunigt das Coupé zu Fahrleistungen, die ihm mit breitem Kühlergrillmaul, hingetropften Scheinwerferabdeckungen und diesem archaischen Tankdeckel so dynamisch auf die Karosserie geschrieben sind. Alfas neuer Zweiliter-Vierzylinder ist verschwenderisch gedopt: Doppelzündung mit je zwei Zündkerzen pro Zylinder (Twin Spark), elektrohydraulische Phasenverschiebung auf der Einlaß-Nockenwelle und zwei gegenläufige Ausgleichswellen zum Reduzieren von Vibrationen bescheren dem GTV mehr Spitzenleistung, mehr Drehmoment über einen breiteren Drehzahlbereich und eine bessere Laufkultur.

Das Fiat Coupé behält den Kontakt zum Alfa Romeo GTV nur mit leicht geröteten Drehzahlen, die zu einem deutlich höheren Benzinverbrauch führen. Der Alfa Romeo genehmigte sich 9,3 Liter Superbenzin/ 100 Kilometer im Test, der Fiat verbrauchte gleichzeitig viel zu hohe 11,1 Liter/100 Kilometer und verliert damit auch im Bereich Wirtschaftlichkeit etwas Terrain gegenüber dem 4300 Mark teureren GTV. Im Gegensatz zum 190 PS starken Coupé 2.0 Turbo 16 V verzichtet Fiat beim Saugmotor- Modell auf jene Visco- Kupplung zwischen Differential und Antriebswelle, die wie eine Antriebs-Schlupfregelung wirkt. Während das Fiat Turbo Coupé prompt mit famosen, sportlich neutralen Fahreigenschaften beeindruckt, erlaubt sich der 2.0 16 V ohne Visco-Drive eine etwas ausgeprägtere Untersteuerungstendenz.

Der Alfa GTV wird nicht nur in seiner Klasse zum Vorbild für sportliche Fronttriebler aufsteigen. Seine aufwendige Hinterachse mit oberem Dreiecks-Querlenker und zwei unteren Längslenkern wird auch bei Lastwechsel-Provokationen nie nervös. Die präzise und leichtgängige Servolenkung kommt mit 21/4 Umdrehungen von Anschlag zu Anschlag aus und dirigiert den knapp 1400 Kilogramm schweren Alfa mit der Leichtfüßigkeit eines Solotänzers um jede Art von Kurven. Beide Coupés sind serienmäßig mit ABS von Bosch, Fahrer-Airbag, Gurtstraffer und Seitenaufprallschutz in den Türen ausgestattet. Der extra lieferbare Beifahrer-Airbag kostet im Fiat Coupé bloß 200 Mark, im Alfa GTV dagegen stolze 500 Mark.

Auf dem Qualitätssektor haben sich beide auf ein Unentschieden und die Absicht arrangiert, angekratztes Image durch besser verarbeitete Karosserien aufzupolieren. Der Innenraum des Fiat Coupé wirkt gediegener als die trostlos schwarze Plastik-Landschaft des Alfa Romeo, der dafür mit einem ausgezeichnet zu schaltenden Getriebe punktet. Jener Vorsprung, den der Alfa GTV dank sportlicherem Fahrwerk und agileren Motor herausfährt, reicht zum knappen Sieg nach Punkten. Allerdings bleibt genügend Spielraum für persönliche Kaufzwänge: Der Fiat ist das geräumigere und damit alltagstauglichere Coupé, der Alfa GTV ein reinrassiger Sportwagen in bester Tradition der Marke. Allerdings werden, so die Erfahrung der Redaktion, Entscheidungen zwischen attraktiven und sportlichen Italienern nicht von der Ratio getroffen, sondern vom Geschmack – und dafür sind nicht immer nur die Herren zuständig, sondern auch die Beifahrerinnen.

Fazit

1. Fiat Coupé 2.0 16 V
100 Punkte

Funktionelle Karosserie mit ausreichendem Platzangebot, günstigerer Preis, komfortable Federung, sehr gute Bremsen. Etwas schwächerer Motor mit zu hohem Benzinverbrauch, spürbares Untersteuern, zu kleiner Tank.

2. Alfa Romeo GTV 2.0 16 V
102 Punkte

Drehfreudiger, durchzugsstarker Motor, exakt schaltbares Getriebe, sehr sportliches Handling, sehr gute Bremsen. Zu geringer Kofferraum, eingeschränkter Fahrkomfort auf schlechten Straßen, Beifahrer-Airbag teurer als im Fiat.

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Technische Daten
Fiat Coupé 2.0 16V Alfa Romeo GTV T.Spark 2.0 16V
Grundpreis 20.682 € 23.238 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 4250 x 1768 x 1355 mm 4285 x 1780 x 1315 mm
KofferraumvolumenVDA 295 l 110 l
Hubraum / Motor 1995 cm³ / 4-Zylinder 1970 cm³ / 4-Zylinder
Leistung 102 kW / 139 PS bei 6000 U/min 110 kW / 150 PS bei 6200 U/min
Höchstgeschwindigkeit 208 km/h 210 km/h
0-100 km/h 9,7 s 9,0 s
Verbrauch 9,4 l/100 km
Testverbrauch 11,1 l/100 km 9,3 l/100 km
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