Doppeltest Alfa Romeo Spider 2.0 TS 16 V gegen Fiat Barchetta 1.8 16 V

Die italienische Autobauer wissen wieder, was das Herz begehrt. Mit dem Alfa Romeo Spider und dem Fiat Barchetta bringen sie gleich zwei neue Luftobjekte unters Volk.

Dustin Hoffman war riesig, Katherine Ross einfach schön,Anne Bancroft ein sündhafter Wahnsinn,aber am irrsten war das rote AlfaCabrio, das Hoffman als BenBraddock 1968 im Film „DieReifeprüfung“ über kalifornischeStraßen steuerte. Auf der Suchenach seinem Mädchen fuhr der jugendliche Held zur Musik von Simon and Garfunkel, bis der offene Zweisitzer ohne Benzin liegenblieb. Natürlich gab es trotzdem ein Happy-End, und mehr als 120 000 Menschen feierten mit, indem sie einen Alfa Spider kauften. Jenseits des großen Teiches müßte Bens Sohn heute lange nach einem passenden Ersatz für diese Ikone auf vier Rädern suchen, denn das Ende des Spider nach 27jähriger Bauzeit 1993 läutete ein Jahr später den völligen Rückzug der Marke Alfa Romeo vom US-Markt ein. Freuen dürfen sich indes die Europäer, denen die Konzern- Mutter Fiat in den vergangenen Monaten gleich zwei würdige Nachfolger für die Luftfahrt zu zweit bescherte.

Die traditionsreiche Modellbezeichnung lebt am Heck eines völlig neuen, mutig gezeichneten Keils wieder auf, dem es anhistorischen Zitaten völliggebricht. Statt dessen prägt denAlfa eine breite und bulligeFrontpartie, die schon im Standdie darunter verborgene Potenzsignalisiert. Durch die weit nachhinten reichende Frontscheibe unddie ansteigende Gürtellinie, diesich wie ein Stehkragen um dasCockpit schließt, erscheinen dieInsassen als Teil dieser Kraft.Weniger aggressiv kommt der Fiat daher, der sich als nostalgisch angehauchte, etwas verspielte Alternative versteht. Ausklappbare Türhebel aus poliertem Aluminium und markante Falze an den Flanken erinnern an frühe Ferrari- Modelle, während Kotflügel, Scheinwerferabdeckungen aus Plexiglas und der Zuschnitt der Motorhaube leicht als Referenz an den vorigen Alfa Spider zu erkennen sind.
Alte und neue Elemente verschmelzenzu einer sinnlichen Form, der man höchstens ein leichtes Mißverhältnis zwischen langer Front und kurzem Heck nachsagen kann. Im hauteng geschnittenen Innenraum des Barchetta nehmen Armaturenbrett und Türverkleidungen außer den Rundungen auch die Farbe der Karosserie auf, was reizvolle Kontraste zum insgesamt vorherrschenden Schwarz bietet. Dank des weiten Verstellbereichs der gut profilierten Sitze und des höhenjustierbaren Lederlenkrades finden selbst langgewachsene Personen eine ausgezeichnete, tiefe Sitzposition. Zur Präzision der Schaltung paßt die schlafwandlerische Sicherheit, mit der sich alle Funktionselemente bedienen lassen.

Der Alfa zeigt in derEllenbogenfreiheit (plus 65Millimeter) wie bei derAusstattung (ABS,Zentralverriegelung und elektrischeAußenspiegel serienmäßig) etwasmehr Opulenz, seinem Interieurfehlt es aber an stilistischerRaffinesse. Eine tristePlastiklandschaft beherbergt nebenzwei großen Rundinstrumentendiverse Schalter, die vomAirbag-Lenkrad verdeckt werden.Schlechter noch ist es um dieÜbersichtlichkeit der Karosseriebestellt, die sich jenseits derScheibenwischer und dem Verdeckkragenvöllig dem Blick des Fahrers entzieht. Andererseits bleiben die Alfa- Insassen hinter der Frontscheibe und den bis auf Schulterhöhe hochgezogenen Flanken selbst bei hohen Geschwindigkeiten mit geöffnetem Verdeck fast frei von Zugluft. In Verbindung mit dem geringeren Geräuschpegel qualifiziert das den Spider zum besseren Langstreckenauto,stempelt ihn aber zugleich zum schlechteren Cabrio: Auf intensive Luftfahrt muß man bei ihm ebenso verzichten wie auf die schöne Perspektive, die der Barchetta vorn über Motorhaube und Kotflügel sowie via Rückspiegel über die strammen Hinterbacken bietet.

Einigkeit demonstrieren beide in der Handhabung und Unterbringung des Faltdachs. Mit zwei Hebeln läßt es sich leicht vom Scheibenrahmen lösen und unter einem aufklappbaren Deckel hinter den Sitzen verstauen, was zwar im Gegensatz zum alten Spider das Aufziehen einer Persenning, nicht aber das Aussteigen erspart. Spürbare Verwindungen, Verarbeitungsmängelund der winzige, nur 110 Liter fassende Kofferraum des Alfa (Fiat 165 Liter) erfordern hingegen deutlich mehr Gelassenheit. Dabei ist die Enge im Heck – trotz 37 Zentimeter mehr Gesamtlänge als beim Fiat – vor allem ein Tribut an seine ausladende Hinterachskonstruktion. Während der Barchetta auf der nur leicht veränderten Punto- Plattform basiert, kommt im Spider die größere Tipo-Bodengruppe zum Einsatz, die mit bemerkenswertem Aufwand verfeinertwurde. Hintere Dreiecksquerlenkeroben sowie zwei Längslenker untenan einem Alu-Träger fügen sich mitden vorderen Querlenkern und McPherson-Federbeinen zu einer feinnervigen Fahrwerkskinematik, die Maßstäbe setzt.
Tatsächlich läßt das überaus präzise und agile Alfa-Handling vergessen, daß die Motorkraft nicht mehr die Hinter-, sondern die Vorderräder antreibt. Auch gegenüber dem gutmütigen Fiat, der selbst beim plötzlichen Gaswegnehmen in schnellen Kurven nur geringe Lastwechselreaktionen und kaum Antriebseinflüsse in der Servolenkung zeigt, ist der Vorsprung fühlbar. Wo der Barchetta leicht und fast ein wenig nervös wirkt, liegt der Spider satte 300 Kilogramm souveräner auf der Straße. Davon profitiert auch der Federungskomfort.Das Alfa-Fahrwerk ist wie dieRecaro-Sitze straff abgestimmt, bügelt aber mit breiterer Spur und längerem Radstand Unebenheiten recht elegant weg und unterstreicht den insgesamt besseren Komforteindruck.

Im direkten Vergleich erscheint der Barchetta etwas polteriger und – besonders mit geschlossenem Verdeck – hellhöriger. Der neue 1,8 Liter-Vierventilmotor von Fiat, der seine Arbeit mit einem kernigen, niemals jedoch lästigen Klang untermalt, hat daran zweifellos einigen Anteil. Dank seiner Einlaß- Nockenwelle mit Phasenverschiebung tritt der Vierzylinder schon bei niedrigen Drehzahlen kräftig an und dreht bei Bedarf bis knapp über 7000 Touren. Er hat mit dem leer 1092 Kilogramm schweren Fiat leichtes Spiel und beschert ihm einen leichten Vorsprung bei den Fahrleistungen. Erst im obersten Geschwindigkeitsbereichkann sich der 150 PS starke, aber deutlich gewichtigereSpider vom 19 PS schwächeren Barchetta absetzen.

Entscheidend ist jedoch, wie der Zweiliter-Vierzylinder mit Vierventiltechnik, Doppelzündung und zwei gegenläufig zur Kurbelwelle rotierenden Ausgleichswellen sich dem Fahrermitteilt. Mehr Laufkultur und Drehmomentüber einen breiten Drehzahlbereichwerden gekrönt von einer lautmalerischenKulisse aus heiseren Unter- und grollenden Obertönen, die den klassischen Alfa-Sound aufs Schönste wiederaufleben läßt. Die dynamischen Qualitäten derbeiden Cabrios finden ihreEntsprechung in Verbrauchswerten knappunter zehn Liter auf 100Kilometer, aber auch in sehreffektiven Bremsanlagen mitgeringem Fading. Ein ABS hat nur derAlfa serienmäßig an Bord, Fiatverlangt dafür 1700 Mark extra.
Zur Vollständigkeit der Sicherheitsausstattungmit Fahrer- Airbag, Gurtstraffer und Seitenaufprallschutzfehlt jeweils der Beifahrer-Airbag, der mit 500 beziehungsweise 200 Mark Aufpreis erkauft werden will. Dabei ist der Spider schon ohne weitere wünschenswerte Zutaten wie Leichtmetallfelgen und elektrische Verdeckbetätigung (zirka 3500 Mark) mindestens 46 000 Mark teuer. In den Barchetta gelingt der Einstieg selbst ausstattungsbereinigt um 7000 Mark günstiger, doch es liegt nicht allein am Preis, daß der kleinere am Ende knapp vor dem großen Bruder landet. Mit seinem virtuosen Fahrwerk und dem taktsicheren Motor bietet der Alfa zweifellos musische Qualitäten, aber der Fiat bespielt die Klaviatur um einige Akkorde weiter rauf und runter. Die Fülle liebevoller Kleinigkeiten machen jede Fahrt auch dann noch zu einem Fest für die Sinne, wenn der jugendlicheHeld auf der Suche nach seinem Mädchen am Ende wegen des kleineren Tanks wieder mit Benzinmangel liegenbleibt.

Fazit

1. Alfa Romeo Spider T. Spark 16 V
100 Punkte

Drehfreudiger und kultivierter Motor, exakt schaltbares Getriebe, sehr gute Fahreigenschaften, wirksame Bremsen. Teurer Kaufpreis und Unterhalt, sehr kleiner Kofferraum,schlechte Übersichtlichkeit, mäßige Verarbeitungsqualität.

2. Fiat Barchetta 1.8 16 V
102 Punkte

Günstiger Kaufpreis, gute Übersichtlichkeit, durchzugsstarker Motor, leicht bedienbares Verdeck, intensives Cabriofeeling. Mäßige Verarbeitungsqualität, knapp geschnittenes Cockpit, eingeschränkter Federungskomfort auf langen Bodenwellen.

Technische Daten
Fiat Barchetta 1.8 16V Alfa Romeo Spider 2.0 TS 16V
Grundpreis 20.503 € 24.389 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 3916 x 1640 x 1265 mm 4285 x 1780 x 1315 mm
KofferraumvolumenVDA 165 l 110 l
Hubraum / Motor 1747 cm³ / 4-Zylinder 1970 cm³ / 4-Zylinder
Leistung 96 kW / 131 PS bei 6300 U/min 110 kW / 150 PS bei 6200 U/min
Höchstgeschwindigkeit 200 km/h 215 km/h
0-100 km/h 8,9 s 10,0 s
Verbrauch 8,4 l/100 km 9,5 l/100 km
Testverbrauch 9,7 l/100 km 9,8 l/100 km
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